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Konzeptfoto: Märchenbild mit Wolf

Krasse Brüche mit den grundlegendsten Bildregeln – einem abgeschnittenen Subjekt beispielsweise – sind oft ärgerlich, und manchmal spannend.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Susanne Schlott).

Kommentar des Fotografen:

An einem schönen sonnigen Abend auf dem Spaziergang in den Schrebergärten. Hinterher wurde das Bild noch in s/w umgewandelt und mit einer leichten Vignette versehen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Susanne Schlott:

Dieses schwarz-weisse Hochkant-Bild zeigt etwas wie eine Heckenreihe in sehr geringer Schärfentiefe. Im Vordergrund, wo im Fokuspunkt scharf gezeichnetes Gras zu sehen ist, sehen wir den hinteren teil eines Tiers – Hund, Wolf, Fuchs? – aus dem rechten Bildrand hinauslaufen.

Wer kommt, und warum, auf die Idee, einem Tier im Bildfokusbereich den Kopf und mehr abzuschneiden? Du hast es hier getan, und zwar so bewusst und konsequent – oder so wirkt es zumindest – dass niemand an der Absicht zweifelt:

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Locationshooting: Geschichte im Kopf

An grossartigen Lokalitäten braucht der Fotograf häufig gar keine aufwändig inszenierte Pose des Modells. Ein einfaches Situationsbild ist oft wirksamer.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Simon Schmitz).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild entstand, als ich mit einer Freundin ein paar Photos in einer alten Ziegelfabrik gemacht habe. Ich habe noch einen Stuhl mit zurück genommen und konnte dann die zufällig entstandene Distanz für dieses Bild nutzen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Simon Schmitz:

Eine junge Frau in leuchtend orangem Trägershirt, schwarzem Jupe und hohen Absätzen spatziert in dieser Farbaufnahme durch eine schmale, offenbar verfallende Fabrikhalle. Die Frau geht von der Kamera weg und richtet mit beiden Händen ihr Haar.

Auch wenn Dein Modell hier einen klaren Blickfang setzt – das eigentliche Motiv der Fotografie ist die Fabrikhalle – und es ist ein grossartiges dazu:

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Die Tränen: Intensiver Moment

Emotionale Porträts sind in der Studioatmosphäre wohl eher eine Seltenheit. Dies hier ist, ob echt oder gestellt, eine Ausnahme von gehobener Eindringlichkeit.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Reinhard Witt).

Kommentar des Fotografen:

Ein Shooting, welches eine andere Wende nahm als geplant.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Reinhard Witt:

Eine Junge Frau, noch fast ein Mädchen, blickt mit leicht geneigtem Kopf in diesem Schwarz-Weiss-Porträt in die Kamera. Das Gesicht nimmt die linke Bildhälfte ein, sie blickt über ihre linke Schulter, die in ein Cape oder einen weissen Schal gehüllt zu sein scheint. Auf ihrer linken Wange rollt eine Träne über die Sommersprossen, eine zweite hängt unter dem Auge in den Wimpern.

Ich kann’s nicht anders sagen – ich bin hingerissen:

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Blickkontakt: Fotografisches Interview

Der direkte Blickkontakt ist das unmittelbare Transportmittel für Emotionen. In fotografischen Reportagen und Dokumentation muss er deshalb sehr bewusst eingesetzt werden.


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Roland Beck).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild des teppichknüpfenden Jungen aus Ecuador in seinem engen Arbeitsraum habe ich beim Scannen meiner Diasammlung wiederentdeckt. Die Szene hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Kann das Bild aber auch auf neutrale Betrachter eine Wirkung entfalten? Aufgenommen mit einer Leica CL Kleinbildkamera auf Kodachrome-Diafilm. Belichtungsdaten nicht mehr rekonstruierbar.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Roland Beck:

Ein Junge sitzt in einem Raum an einem hölzernen Webstuhl, dessen Wände mit Kalk geweisst scheinen. Durch das glaslose Fenster im Bildzentrum hinter dem Jungen, der nach links direkt in die Kamera blickt, fällt gleissendes Licht.

Diese Farbfotografie ist jedenfalls ein einprägsames Bild, das kaum ein Betrachter ohne nähere Untersuchung übergehen wird. Einerseits sind der Raum und die Tätigkeit des Jungen von indigener Abstammung mit Filzhut am Arbeitsplatz ausreichend exotisch, um unser Interesse zu wecken. Das dominante Element aber ist der direkte Blick des Jungen:

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Konzeptfoto: Lasterhaftes Model

Die Sieben Todsünden sind eine Motivreihe, der sich seit Jahrhunderten gerne Künstler annehmen. Auch heute noch wird versucht, einen neuen Zugang zum alten Thema zu finden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Kiara Katharina Schimmel).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild ist Teil meines „7 deadly sins“ Projektes und zeigt Faulheit.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Kiara Katharina Schimmel:

Nanu, das Foto kenne ich doch von der Photokina? Dort hing neben vielen anderen Ausstellungen eine mit dem Thema „7 Deadly Sins“. Eben noch an der Wand, nun eins der Bilder bei fokussiert.com zur Bildbesprechung – wir freuen uns!

Die Umsetzung der Sieben Todsünden, sei es als Gemälde, Zeichnung oder Fotografie, ist ein sehr beliebtes freies Projekt von Künstlern, siehe hier, hier, hier, hier, hier oder hier.

Es gibt sogar mehrere Flickr-Gruppen, die nur solche Motive sammeln. Auch die Fotografin Kiara Katharina Schimmel hat sich dieser uralten Liste angenommen und versucht, sie auf ihre Art zu interpretieren.

Genauer gesagt enthält die Liste keine Todsünden, sondern die Hauptlaster, welche als schlechte Charaktereigenschaften fast unweigerlich zu den schweren Sünden führen:

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Konzeptfoto: Eine Hommage an Ophelia

Die sterbende Frau aus Shakespeares „Hamlet“ – gelungen inszeniert als Fotografie nach Vorbild eines Gemäldes.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Horst Hazfeld).

Kommentar des Fotografen:

– Ophelia – Es ist das erste Bild für eine Serie mit dem Thema „Die vier Elemente“. Gezeigt werden Personen in bedrohlichen, beklemmenden Szenerien. Das jeweilige Element taucht als Schicht im Bild auf. Inspiriert hat mich zu diesem Bild das Gemälde der Ophelia von Sir John Everett Millais.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Horst Hazfeld:

Ist die Frau tot? Oder schwimmt sie nur? Diese beiden Fragen beschäftigen den Betrachter fast automatisch – und da ein Foto einen Zweck erfüllt, wenn es den Betrachter zu einer Emotion anregt (in diesem Fall Sorge), ist das Foto gelungen.

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Retro-Eisenbahnfoto: Des einen Traum…

Ein perfekt fotografiertes und bearbeitetes Motiv macht ein schönes, aber nicht immer interessantes Foto.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Calcada).

Kommentar des Fotografen:

Ich mag Eisenbahnbilder und besonders Dampflokomotiven. Ich finde das Motiv eignet sich hervorragend für eine Retro- Bearbeitung. Das Bild ist für mich eine kleine Zeitmaschine, in der die vergangene Zeit wieder lebendig wird. Die Oberleitung und andere „neumodische“ Details habe ich entfernt.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Michael Calcada:

Seit Photoshop und anderen digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten für Fotografen zum normalen Handwerkszeug wurden, haben sich Fotos zusehends von der Darstellung von „Realität“ wegentwickelt. In einer Zeit, wo jeder, der sich etwas auskennt, mit Bildern alles Mögliche machen kann, zählt verstärkt die Idee und deren Umsetzung.

Dein Foto einer Dampflokomotive, verfremdet durch einen antiken Effekt, fand ich spontan sehr ansprechend, wenn ich mich persönlich auch nicht für Lokomotiven interessiere.

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Pferdeaction: Zu viel Absicht

Zu sehr auf eine Aussage hin fotografierte Bilder vermögen häufig just diese Aussage nicht mehr zu vermitteln.


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thorsten Huber).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild Pferdmaschine ist bei den Mittelalterspielen beim „Spectakulum“ in Weil am Rhein entstanden. Die Verwendung der Pferde ähnelte der einer Maschine. Für mich als „nicht Pferdekenner“ eine sehr erschreckende Erfahrung, wie der Mensch andere Wesen instrumentalisiert. Aufgenommen von den Zuschauerrängen mit einer EOS 500D und einer Canon 50mm f1.4 Festbrennweite.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Thorsten Huber:

Ein Weiss-Schwarzes Pferd in mittelalterlich anmutender „Kleidung“ stürmt in diesem Farbbild von links hinter dem Fotografen durch eine Flammenwand nach rechts in das Bild hinein. Der Reiter ist nur teilweise zu sehen und wird auf Schulterhöhe vom oberen Bildrand geschnitten; über seiner linken Schulter ist im Hintergrund ein weitere Flamme sichtbar. Hinter dem Feuerwall in der Bildmitte, durch den das Pferd hindurch gezwungen wird, sind im Hitzegeflimmer Zuschauer an Bänken und Tischen zu sehen.

Du nennst Dein Bild „Pferdemaschine“ und willst mit der Aufnahme, wie Du sagst, die Instrumentalisierung des Tiers zum Ausdruck bringen. Tatsächlich sind Pferde ein aussergewöhnlich emotionsgeladenes Thema und eine Tierart, dem in vielen Kulturen ein Sonderstatus zukommt: Weiterlesen

Touristen-Porträt: Umgebungsbezug schaffen

Porträts vor imposanter Kulisse sollten einen Bezug zwischen Porträtiertem und Umgebung aufweisen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Max Haupt).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto habe ich im Januar auf Mauritius aufgenommen. Mein Bruder wollte ein paar schöne Aufnahmen von sich. Mir gefällt das Bild sehr, ich bedaure aber in der Zwischenzeit, dass ich nicht noch eine Querformat-Version fotografiert habe. Dann hätte ich die Person aus dem Zentrum holen können.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Max Haupt:

Ein junger Mann in Touristen-Outfit sitzt in lockerer Haltung auf schwarzem Lavagestein an einem Meeresufer.

Man könnte hier gleich vorweg bemerken: Wenn sich das Bild in einem einzigen Hauptsatz beschreiben lässt, fehlt wahrscheinlich etwas.

Natürlich liesse sich hier auch noch mehr sagen: Der Mann blickt entspannt irgendwo rechts aus dem Bildausschnitt hinaus, zum Beispiel.

Aber just darin sehe ich ein Problem:

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Andy Spyra: Schlachtfeld Kaschmir

Die schöne Landschaft Kaschmir am Fuß des Himalaya ist nur scheinbar ein Garten Eden, und in Wirklichkeit ein Schlachtfeld, wie uns Andy Spyra zeigt.

Andy Spyra: Ohne Titel, aus derSerie: Kaschmir/Untitled, 2008 - 2009

Schon über 60 Jahre herrscht ein blutiger Konflikt – zwischen Indien und Pakistan, zwischen den Kaschmiren und den indischen Besatzern. Andy Spyras Blick darauf ist subjektiv und teilnehmend.

2007 reiste Andy Spyra das erste Mal nach Kaschmir – und kehrte fasziniert zwei Mal dorthin zurück. Tagelang, wochenlang ließ er sich treiben und anstecken von den Extremen, die das Leben und die Landschaft prägen. Weiterlesen