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Regelbrüche: Den Pfeffer dosieren

Fotografische Regeln können und sollen manchmal gebrochen werden. Das muss allerdings Sinn machen und im richtigen Mass erfolgen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Andrea Gerber).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Foto entstand bei einem Spaziergang. Wenn ich die Kamera dabei habe, drehe ich mich öfters mal zurück, um eine neue Perspektive auf die gerade passierte Landschaft zu bekommen. Und da fiel mein Blick sofort auf diesen geschlängelten Weg. Viel bearbeitet habe ich es nicht, nur Kontraste erhöht, in S/W umgewandelt und ins Quadrat gebracht. Mir gefällt es am Besten mit fettem weissen Rahmen drumherum, den habe ich für euch aber weggelassen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Andrea Gerber:

Ein Feldweg schlängelt sich in diesem quadratischen Schwarz-Weiss-Bild in drei Mäandern durch eine hochsommerliche Wiese. Am unteren Bildrand formatfüllend, zieht sich das Band der Fahrspuren, zwischen denen etwas Gras wächst, mittig in den Bildhintergrund. Dort ist ein Waldrand und der stark nach links kippende Horizont erkennbar.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Kategorisierung „Landschaftsfotografie“ hier ideal ist, aber bis zu einem gewissen Grad definiert die Einteilung ja auch die Absicht der Fotografin.

Die Aufnahme hat auf jeden Fall einen attraktiven Blickfang:

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Winterlandschaft: Reduktion ins Detail

Minimalismus wirkt besonders, wenn er nicht simplifiziert. Vielschichtigkeit ist eine seltene Qualität.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Alexander Fechner).

Kommentar des Fotografen:

Brandenburg – Dez 2010

Peter Sennhauser meint zum Bild von Alexander Fechner:

Eine Winterlandschaft, weiss in weiss, in der Horizontalen zweigeteilt durch eine aus der linken Bildseite in einen Fluchtpunkt etwa im Goldenen Schnitt rechts verlaufenden Baumreihe. Die Bäume sind von überfrierendem Nebel ebenfalls weiss eingefärbt und heben sich mit der Schattenseite zum Betrachter in dunklem Blau vom helleren, von Wolken durchzogenen Himmel der oberen Bildhälfte ab.

Diese Fotografie kann ich mir an vielen (prominenten) Orten publiziert vorstellen:

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Bus-Schnappschuss: Lomographische Spannung

Schnappschüsse weisen bisweilen eine kaum erklärbare Ästhetik auf. Eine Analyse lohnt sich.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Simon Näher).

Kommentar des Fotografen:

Etwas, das mir am Morgen oft passiert: der Bus fährt mir vor der Nase weg. Diesmal ist mir der Bus nach einer Tour mit der Kamera durch die Stadt vor der Nase davon gefahren, die Kamera hatte ich noch griffbereit. Mir gefällt die leichte Unschärfe und die Spiegelungen in den Fenstern. In Varianten sehe ich diese Spiegelungen in den Fenstern der mir davon fahrenden Bussen oft…

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Simon Näher:

Ein (Zürcher?) Stadtbus fährt dicht an der Kamera vorbei nach rechts oben im Bild. Im Vordergrund ist der Rand des Gehsteigs und ein Stück Zebrastreifen zu erkennen, der Bus selber löst sich nach rechts oben in etwas Bewegungsunschärfe und gleichzeitig in der Spiegelung der Fassade von der andern Strassenseite auf. In diesem weichen Übergang hängt eine Verkehrsampel, die durch eine im Bus sitzende Person von der Bewegungsunschärfe im untersten Drittel ebenfalls leicht verwischt ist.

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Hochzeitsfoto: Traumszene

Bisweilen lässt sich mit gezielter Überbelichtung auch jenseits von klassischem Highkey Spannung erzeugen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Tobias Senger).

Kommentar des Fotografen:

Auf der Suche nach einer passenden Kulisse für ein Hochzeitsfotoshooting haben wir einige Probeaufnahmen auf dem Dach einer Kunsthalle geschossen. Die langen Fluchten und Treppen des Gebäudes hatten es mir angetan. Das Gegenlicht und die dadurch entstehende Überbelichtung des Bilds am Ende der Treppe wirkt hier meiner Meinung nach wie aus eine Traumszene. Man weiß nicht was die Person am Ende der Treppe erwarten wird. Das Bild habe ich noch bearbeitet indem in die Farbe der Person in der Sätting verstärkt habe und die Sätting im übrigen Bild etwas reduziert habe.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Tobias Senger:

Eine Junge Frau auf einer Treppenflucht, von unten gegen das helle Tageslicht fotografiert, blickt über die Schulter wie abwartend zum Fotografen. Die Fotografie brennt hinter der Protagonistin in gleissendem Licht vollständig aus. Der Fokus liegt im Vordergrund auf den Treppenstufen und den zahlreichen Linien, die in starken Diagonalen zu ihr und zum Fluchtpunkt hin verlaufen.

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Architekturfoto: Reduce to the Max

Linien und Flächen, Räume und Formen sind die Elemente der Architektur, und sie können in der Fotografie neu inszeniert werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Nicole Holz).

Kommentar des Fotografen:

Hochhaus Nähe Messe Frankfurt / M. – gereizt hat mich hier die andersartige Perspektive auf die strenge Geometrie von Formen, Fläche und Linien, die auf den ersten Blick nichts mit der gewohnheitsmäßigen Betrachtung gemein haben.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Nicole Holz:

Eine radikal auf Wiederholung basierende Struktur aus identischen Elementen zieht sich in diesem in dunklem Sepia gehaltenen Bild vom Vordergrund links vorne in die Bildtiefe nach rechts hinten.

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Urbane Archäologie: Die Qual der Wahl des Ausschnitts

Bei der Wahl des Ausschnitts ist es wichtig, sich VOR dem Fotografieren darüber klar zu sein, wie die bestimmenden Geraden und Diagonalen im Bild verlaufen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Fabian Wiesner).

Kommentar des Fotografen:

Hallo liebe Kritiker, ich komme gleich zum Wesentlichen, will aber dennoch vorher sagen, dass ihr fantastische Kritiken liefert. Mir helfen die Kritiken sehr mein Wissen in der Fotografie weiterzuentwickeln. Ich lese mittlerweile seit ein paar Wochen regelmäßig jede Kritik. Weiter so! Das Bild wurde im HDR-Verfahren erstellt. Das Bild wurde in Photoshop zusammengefügt und zusätzlich mit einem Sepia-Filter versehen.

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Stadtfotografie: Checkpoint Charlie, unwirklich

Städte bieten nicht nur endlos Motive für Architektur- und Streetfotografie. Unter anderem sind hier Lichtverhältnisse zu finden wie sonst nirgends.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Fabian Lenné).

Kommentar des Fotografen:

Check Point Charlie in Berlin. Spontan aufgenommen, mit Aperture bearbeitet.Viel mit dem Definitions- Regler gemacht und am Blau geschraubt. Das Soldatengesicht in der Mitte nachbelichtet. Es soll ein etwas unwirklicher, leicht amerikanischer Eindruck entstehen. Ich bin eher ein Spontanfotograf, Kompositionen entstehen eher aus dem Augenblick. Ich mag Festbrennweiten, weil ich da auch wirklich gute Abbildungsqualität bekomme, die ich auch noch bezahlen kann. Im nachhinein hätte ich das Bild lieber mit einer kleineren Blende gemacht (3,5), dann hätte ich sicher noch etwas mehr Grundschärfe aus dem Objektiv raus bekommen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Fabian Lenné:

Eine Strassenschlucht mit dominanten Fluchtpunktlinien. Der Fotograf scheint mitten in der Strasse zu stehen, ihm gegenüber das überdimensionale Bild eines Soldaten in knalligen Farben – Checkpoint Charlie. Die Aufnahme ist geprägt von einem harten Licht und gleichzeitig unreal anmutenden Glanzeffekten. Die Szene scheint aus Stahl und Glas zu bestehen.

Auch wenn mir nicht ganz klar ist, was Du mit „amerikanischem Eindruck“ meinst – ein „unwirklicher Anblick“ ist Dir jedenfalls gelungen. Die Aufnahme hat eine starke Tiefenwirkung – ich würde behaupten, durch den Blickwinkel, der für ausgeprägte Fluchtlinien sorgt.

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Fluchtpunkt-Landschaft: Linien, betont

In der Landschaftsfotografie können Linien und Flächen vom Gestaltungselement zum eigentlichen Motiv werden. Dazu brauchen sie aber besondere Ausprägung.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Henning Welslau).

Kommentar des Fotografen:

Diese Aufnahme ist im Freilichtmuseum Detmold entstanden. Als Objektiv wählte ich das Sigma 10-20 bei 10mm und Blende 13. Bei sehr gutem Wetter habe ich besonderes Augenmerk auf die Gestaltung, Perspektive und Linienführung gelegt.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Henning Welslau:

Du zeigst hier, dass Linien in einem Landschaftsbild zum dominanten Element gemacht werden können: Die Aufnahme lebt von der grafischen Aufteilung in Teilflächen und von den starken Linien, die das Bild vertikal, horizontal und in Fluchtpunkt-Diagonalen sehr schön aufteilen.

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Kornähren: Vom Winde verweht

Die Isolierung einzelner Objekte im Bildvordergrund kann in Naturfotos Tiefe schaffen. Und was tut man, wenn heftiger Wind weht?

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Herrmann Greiling).

Kommentar des Fotografen:

Diese Foto habe ich am 3. Juni 2009 bei starkem Wind mit der Nikon D60, Objektiv 18 – 55mm aufgenommen. Ziel war es Tiefe ins Bild zu bekommen. Meine Frage ist wie hätte ich es besser machen können, oder braucht man ein Weitwinkelobjektiv um wirklich Tiefe ins Bild zu bekommen?

Peter Sennhauser meint zum Bild von Herrmann Greiling:

Ich mag diese Bilder aus einer tiefen Perspektive, die einen ganz anderen Blick auf die Welt (oder mehr eigentlich: Aus der Welt) bieten. Allerdings hattest Du ein konkretes Ziel – Tiefe zu schaffen.

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24 Stunden: Fluchtpunkte und weite Winkel

New York, USA; Scheveningen, Holland; Gaza, Israel; Frisco, Colorado, USA; Houston, Texas. (Bilder Keystone)

Mit einem Tele lassen sich Dinge zusammenziehen und dichter, lebhafter machen. Mit dem Weitwinkel und / oder einer kleinen Blende lassen sie sich strecken und furchteinflössend weit, einsam und leer machen.

In der Rubrik „24 Stunden“ veröffentlichen wir die besten drei bis fünf Pressebilder aus den vergangenen 24 Stunden, ausgewählt nach rein fotografischen Kriterien.