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Einführung in die Street Fotografie/Straßenfotografie – Teil 2/4: Muß Street kompositionell/technisch perfekt sein?

Nach meiner Begriffsbestimmung steht Perfektion nicht im Vordergrund. Viele Street Aufnahmen sind kompositionell und technisch perfekt, aber viele sind es eben nicht. Doch da sie die Zeit und den Ort so perfekt eingefangen haben, akzeptiert man es als Kompromiß.


Es existiert beispielsweise ein Foto von Helen Levitt von circa 1940, das einen kleinen Jungen und ein etwa gleichaltriges Mädchen beim Tanzen auf der Straße zeigt. Sie haben die Arme erhoben, selbstvergessen, und scheinbar nicht bemerkt, daß sie fotografiert wurden. Der kleine junge ist Afroamerikaner, das Mädchen weiß – und in einer Zeit, als es verpönt oder mancherorts gar verboten war, sich mit jemandem der anderen „Rasse“ abzugeben, ist das Foto deshalb noch bemerkenswerter. Es ist auch beim genauen Hinsehen etwas unscharf, aber sonst so perfekt eingefangen, daß diese Unschärfe dem Bild keinen Abbruch tut.
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Road Atlas: Spurensuche und Anregung

Was macht die Faszination der Straßenfotografie aus? Was unterscheidet sie vom reinen Schnappschnuss? Was macht aus dem Schnappschuß Kunst? Der Bildband «Road Atlas – Straßenfotografie von Helen Levitt bis Pieter Hugo» (Hirmer Verlag) widmet sich diesen Fragen.

Die Straßenfotografie ist Fotografie in ihrer wohl ursprünglichsten Form. Denn – so der einleitende Essay von Freddy Langer – Louis Jacques Mandé Daguerre machte seine ersten fotografischen Versuche, indem er 1838 seine Kamera auf den Pariser Boulevard du Temple richtete. Das Ergebnis:

[photos title=“«Road Atlas – Straßenfotografie von Helen Levit bis Pieter Hugo»“]
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Sprayer-Dokumentationsfoto: Das Konzept gewinnt

Auch wenn gute Fotos idealerweise ein starkes Konzept mit technischer und kompositioneller Perfektion verbinden, kann doch schon das Konzept an sich einiges an Unvollkommenem wettmachen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Klaus Raab).

Kommentar des Fotografen:

Sprayer auf der Flucht. Aus einem Integrationsprojekt für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Klaus Raab:

Eine gesichtslose Gestalt macht sich mit einer Sprühdose von der Szene des „Verbrechens“ davon. Irgendwie sieht es aus, als sei der „Täter“ gerade selbst aus der Wand gestolpert, an die gerade zwei Figuren gesprüht wurden.

Die rechte der Figuren, trotzdem sie ebenfalls (fast) gesichtslos ist, schaut drohend auf die Szene herab, als wolle sie den Betrachter und ihren Erschaffer einschüchtern.

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Saul Leiter: Die Farben des Malers

Saul Leiters frühe und wunderbare Farbfotografien sind jetzt erstmals in Deutschland zu sehen – in München.

Saul Leiter: Snow, 1960 © Saul Leiter, courtesy Galerie f5,6 MünchenDer heute 86-jährige Amerikaner Saul Leiter begann Ende der Vierzigerjahre mit der Farbfotografie, als das noch als „Low Art“ galt und bestenfalls für die Werbung gut genug war. Ursprünglich war er Maler.

Bis heute haben Saul Leiters Arbeiten eine Sonderrolle in der Farbfotografie: Die Farbigkeit zeugt eher von malerischem Einsatz als von fotografischen Mitteln. Sicherlich spielt dafür sein künstlerische Herkunft aus der Malerei eine wesentliche Rolle. 1946 nach New York gezogen, stellte er als Maler mit Abstrakten Expressionisten wie Willem de Kooning aus.

Obwohl Leiter bereits 1948 begann in Farbe zu fotografieren, wurden 1953 zunächst nur seine schwarz-weiß Arbeiten im Museum of Modern Art MoMA ausgestellt. Erst 1957 folgten seine Farbarbeiten, wenngleich auch nur als Diashow unter dem Titel „Experimental Photography in Color“. Die „frühen“ Farbfotografen wie William Eggleston, Stephen Shore oder Joel Sternfeld schafften ihren Durchbruch erst Ende der Siebziger-, Anfang der Achtzigerjahre. Siehe den Beitrag bei fokussiert.com: Neue Farbe für das Land.

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Street Photography: Junge Fußballspieler in Paraguay

In der Straßenfotografie sollte man stets versuchen, die ganze Szene einzufangen, auch wenn sie sich schnell abspielt. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, daß die Aufnahme gestochen scharf ist

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sven Schwinning).

Kommentar des Fotografen:

Dieses ist mein erstes Bild bei fokussiert.com. Ich habe es letztes Jahr in Luque/Paraguay aufgenommen. Beim Spazierengehen kam ich an diesen spielenden Jungs vorbei. Der Junge Torwart lud mich mit seinem Blick direkt zum Knipsen ein. Etwas mehr Schärfe wäre sicher nicht schlecht gewesen.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Sven Schwinning:

Kinder, die barfuß auf der Straße Fußball spielen. Der kleine Torwart, mit einem Handschuh bewaffnet, nimmt den Fotografen in dem Augenblick wahr, als er den Auslöser drückt. Alle anderen sind in ihrem Spiel versunken. Mich hätte diese Szene auch gereizt, insbesondere wegen des Gegensatzes von Torwart und Spielern und der Art, wie sie im Bild angeordnet sind.

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Helen Levitt mit 95 verstorben: Legende der Straßenfotografie

Die Fotografin Helen Levitt, eine Ikone der US-Straßenfotografie, ist im Alter von 95 Jahren gestorben.

Helen Levitt: New York City 1974. (© Keystone)

Die dpa meldete gestern Abend, dass die Fotografin am Sonntag in ihrer Wohnung in Manhattan im Schlaf verstorben ist. 1913 geboren, machte Helen Levitt schon frühzeitig Bekanntschaft mit den Fotografen Henri Cartier-Bresson und Walker Evans. Weiterlesen

Bunte Siebziger: Neue Farbe für das Land

In den Siebzigerjahren wurden nicht nur Tapeten und Kleiderstoffe seltsam bunt. Auch in der künstlerischen Fotografie bedeutete die „neue Farbe“ einen Wendepunkt.

Joel Sternfeld: Mc Lean, Virginia, December 4, 1978, Inv.-Nr. 001491 Stiftung F.C. Gundlach, Hamburg

Bekanntester Vertreter dieser so genannten „New Color Photography“ ist wohl Stephen Shore. Joe Maloney, Joel Meyerowitz und Joel Sternfeld sind vielleicht nicht ganz so prominent, aber genauso wichtig für die jüngeren Fotografengenerationen bis heute. Alle vier zusammen sind bis 11. Januar 2009 im Hamburger Haus der Photographie zu entdecken.

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Folkwang-Museum Essen: Straße oder Studio?

Straße und Studio – zwei Orte, an denen Fotografie entsteht. Das Museum Folkwang in Essen widmet diesen zentralen Produktionsorten eine Ausstellung: „Street & Studio. Eine urbane Geschichte der Fotografie“.

Robert Doisneau: Les Amoureux du Vert-Galant (The Lovers from Vert-Galant), 1950 Fotografische Sammlung, Museum Folkwang, Essen (c) The Estate of Robert Doisneau & Agence Rapho Agence Rapho/ Camera Press

Mit rund 300 Exponaten aus dem 19. und 20. Jahrhundert zeigt sich da ein Überblick über die Geschichte der Fotografie – die laut Folkwang-Museum ein Medium der Stadt ist.

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Helen Levitt in Hannover: Die große alte Dame der Straßenfotografie

Noch eine Fotografenlegende, der wir zur Zeit in Deutschland begegnen können: Das Sprengel-Museum Hannover zeigt Helen Levitts Lebenswerk.

Helen Levitt: Strassenszene in New York, ca 1970
Helen Levitt: Straßenszene New York, siebziger Jahre

Helen Levitt, heute 94 Jahre alt, wurde durch die persönliche Begegnung mit Henri Cartier-Bresson zur Straßenfotografie angeregt. Über viele Jahrzehnte hielt sie Szenen ihrer vertrauten Straßenzüge in New York fest. Was sie interessiert, ist das alltägliche Schauspiel des menschlichen Miteinanders in den Straßen.

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