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High-Key-Schwein: Im Schatten fliegt der Dreck

Harte Kontraste sind ein Ärgernis – ausser, man macht sie sich für eine High-Key-Aufnahme zu nutze. Dieses Hängebauchschwein gewinnt so grafische Qualitäten.

Hängebauchschwein in High-Key.

Hängebauchschwein in High-Key. Canon EOS 80D 1/100s bei F/2.8 mit Brennweite 200mm und ISO 100 © Nikolai Seidel 2016

 

Nikolai Seidel aus Ratzeburg schreibt zu diesem Bild: Freilaufendes Hängebauchschwein im Wildpark Schwarze Berge in Harburg. Aufgenommen im Sommer 2016 bei gleißender Mittagssonne mit Canon 5d Mk III und EF 70-200mm 2.8 IS II bei 200mm, 1/100s, 2.8, iso 100, Spotmessung und manuell die Belichtung hoch geschraubt nachdem ich sah in welche Richtung der erste Schuß ging. Minimale Retusche in PS um am unteren Bildrand rechts noch sichtbare Bodenfragmente zu entfernen.

Gleissende Sonne, das ist das schlechte Wetter des Fotografen. Ausser, der macht aus der Not eine Tugend und entscheidet sich, wie Du hier, für eine Aufnahme, die mit einem Lichteffekt arbeitet.

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Surfing in High Key: „Eyes burning, salt on your lips“

Nachbearbeitung ist immer die Entscheidung des Fotografen, und wenn dieser sich für High Key entscheidet, kann aus einem Bild etwas ganz anderes werden.

2014_eyes-burning_maxmauthner

Max Mauthner aus Graz schreibt zu diesem Bild:

Dieses Foto entstand im September 2014 an der Südwestküste Frankreichs. Die zwei Surfer im Vordergrund sowie die weiteren Personen im Hintergrund ergaben für mich ein sehr gutes Fotomotiv. Jedoch war ich zu diesem Zeitpunkt mit der Lichtsituation und mit den Farben nicht zufrieden. Erst zu Hause im Rahmen der Nachbearbeitung und nach Umwandlung in ein Schwarzweißfoto entsprach das Foto meinen Vorstellungen. Nach langem Herumspielen mit Kontrast und Helligkeit entstand für mich mein Lieblingsfoto dieses Surf-Trips.

Canon 600D, ISO 100, 55mm, f / 5.6, 1/1000 Sek.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich hier das Buch „Surfing“ von Jim Heimann rezensiert, das auch der Hauptpreis für das beste Foto ist, das uns zu unserem Leser-Fotobuch-Projekt „Doppelt Gesehen“ eingereicht wird. Surfing ist mittlerweile mehr als nur ein Sport, es ist ein Kulturphänomen, und in bestimmer Weise schon fast ein Kult – es bedeutet, cool und frei zu sein, und für manche füllt es ihr Leben vollkommen aus. Weiterlesen

Babyporträt: Ein Wecker allein spannt nicht

Symbolhaftigkeit in der Studiofotografie darf nicht zu platt daher kommen – Experimente mit fremden Babys sollten dagegen letzteres nicht stressen. Diese Aufnahme ist wohl der Kompromiss aus beiden Grundsätzen. Allerdings müsste ihr deswegen nicht die Spannung fehlen.

Anna, das Baby im Korb

1 vor 18. © Christian Loose. Nikon D7000, 50mm, 1/160s bei 200 ISO und Blende f/5.6

Christian Loose aus Dortmund schreibt zu diesem Bild: Das Bild ist im Rahmen eines Babysittings für einen sehr guten Arbeitskollegen entstanden. Die Uhr zeigt die Geburtsuhrzeit und die Schnullerkette den Namen. Der Seeaufbau war recht simpel: Decke aufgespannt zur Hohlkehle unter Tageslicht – quasi günstiges Dauerlicht :-) Ich hatte es zuvor mit Gartenhintergrund versucht, aber das gefiel mir trotz Offenblende so gar nicht. Daher habe ich schnell zwei Stative mit Verbindungsstange aufgespannt und die Decke darauf fixiert. By the way: Die Halteklammern für den Hintergrund gibt’s für 1,50€/Stck im Baumarkt! Vielleicht nicht die hohe Schule der Fotokunst, aber ich denke, dass es sich für eine Bildkritik lohnt.

Ist das jetzt ein Stilleben mit Mensch? Ein Symbolfoto? Oder ein Situationsporträt? Es scheint auf jeden Fall die Zweckentfremdung eines Babysittings gewesen zu sein… Hoffen wir, Annas Eltern vertrauen Dir auch weiterhin. Zur Fotografie:

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High-Key-Architekturfoto: Der Schwung der Treppe

Eine untypische, aber äusserst wirkungsvolle Architekturaufnahme: Eine ungewöhnliche Perspektive, mässige Kontraste und eine High-Key-Belichtung isolieren die Form dieses Treppenhauses und abstrahieren seine Dynamik.

Treppenhaus Berggrün Museum Berlin, © Anne Sura

Treppenhaus Berggrün Museum Berlin, © Anne Sura, Fuji X-E1, Objektiv 35/1.4, ISO: 500, Blende f/2, Verschlußzeit: 1/40

Anne Sura aus Berlin schreibt zu diesem Bild:

Mein Foto ist im Berggrün Museum Berlin entstanden, Stativ war nicht erlaubt, so dass ich mit relativ weit geöffneter Blende gearbeitet habe, ISO wollte ich nicht so hoch ansetzen. Auf Grund des Abstandes hielt ich das noch für vertretbar, auch wenn der vordere Treppenhausbogen so etwas weich ausfällt. Fasziniert hat mich die Leichtigkeit , das Schweben dieser geschwungenen Konstruktion und die verschiedenen weiß/beige Töne. Ich habe mich gegen eine s/w Umwandlung entschieden.

Der Vorteil einer Kleinbildansicht von Fotografien ist der, dass ungewöhnliche Formen, Stile und Farben sofort auffallen. Ich sage das deshalb, weil mir Annes Bild aus unseren Einreichungen für die Bildkritik ins Auge gestochen ist. Die Vergrösserung zeigte dann: Ein Architekturfoto. Wirklich?  Weiterlesen

Geisterfoto: Die Menschen in der Leere

Bewusst gestaltete Effekte mit Langzeit-Belichtungen und anderen fotografischen Mitteln gehören zum Entdeckungsprozess der kreativen Fotografin.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thomas Babut).

Kommentar des Fotografen:

Titel: „Ghosts Gathering“ Dieses Foto ist vor kurzem bei meinem Urlaub an der Ostsee enstanden. Ich bin am Abend am Strand unterwegs gewesen und habe die Jugendlichen im Wasser spielen sehen. Mit der Langzeitbelichtung konnte ich dann den gewünschten Effekt erreichen. Bei der S/W-Umwandlung des RAWs fügte ich noch einen Blaufilter hinzu.

Mir persönlich gefällt an diesem Bild auch der Umstand, dass zumindest der unerfahrene Betrachter etwas zum Nachdenken angeregt wird um das Foto zu enträtseln. Vielen Dank!

Peter Sennhauser meint zum Bild von Thomas Babut:

Eine Gruppe Menschen scheint in dieser Schwarz-Weiss-Aufnahme im Zentrum zu schweben. Sie sind relativ weit entfernt in der grossen weissen Masse des Bildes und bilden einen Kreis; sie scheinen ausserdem in einer Flüssigkeit oder im weissen Nebel zu stehen.

Fotografische Verfahren zur Verfremdung und „anderen Sichtweise“ auf Dinge gibt es wie Sand am Meer. Ich finde jene derzeit noch am spannendsten, die weitgehend direkt in der Kamera generiert werden. Nicht, weil ich nichts mit den Möglichkeiten von Photoshop und Co zu tun haben möchte:

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High-Key: Nicht zu schlicht

Bei einem High-Key-Porträt sollte versucht werden, möglichst viele störende und dunkle Elemente aus dem Bild zu entfernen. Hier ist das nur teilweise umgesetzt worden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Nicole Krämer).

Kommentar der Fotografin:

Modell: Jennifer – Fotografiert mit meiner Canon EOS 500D, Standardobjektiv

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Nicole Krämer:

Schlicht vs. nicht schlicht. Die Fotografin Nicole Krämer hat beim Porträt des jungen Modells Jennifer eine Art High-Key-Aufnahme probiert. Das ist ein Stil, bei dem – vereinfacht gesprochen – durch Auswahl der Beleuchtung, der Kleidung und Requisiten und der Nachbearbeitung ein Look erzeugt werden soll, der so hell wie möglich ist.

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Highkey-Porträt: Ganz schlichtes Gesicht

Auch wenn ein Motiv minimalistisch ist, gibt es genug Details, auf die es sich zu achten lohnt. In diesem Fall sind es die Augen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Calcada).

Kommentar des Fotografen:

Ein gefühlvolles SW Portrait von Christina.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Michael Calcada:

Ein Frauenportrait in Schwarz-Weiß. Die Frau schaut zur Seite. Es ist nichts zu sehen außer ihrem Gesicht und etwas nackter Schulter. Da konzentrieren sich die Augen automatisch auf den Blick.

Was ist dabei zu erkennen? Ein Blick, der irgendwo zwischen Trauer, Langeweile und tiefen Gedanken liegt. So ganz gefühlvoll, wie der Fotograf das Bild kommentiert, sieht es für mich nicht aus.

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Konzeptionelles Porträt in High Key: Widerspruch Motiv vs Aussage

Bei Konzept-Fotos kommt es besonders darauf an, daß die Art der Aufnahme ihre Aussage unterstützt. Es reicht nicht aus, mittels Nachbearbeitung aus dem Foto „etwas zu machen“ und die Interpretation dann anderen zu überlassen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Henning Werner).

Kommentar des Fotografen:

Thyon2000!

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Henning Werner:

Auf der Kapuze des jungen Mannes steht „When will it all end?“ (zu Deutsch, „Wann wird das alles enden?“), er hat seine Augen geschlossen. Man sieht seinen Atem, der sich hell von den dunklen Bergen abhebt.

Das Foto ist sehr kontrastreich und in Sepiatönen gehalten. Man könnte hier Verzweiflung hineindeuten, oder einen Augenblick der Besinnung. Vielleicht vor dem Absprung?

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Sportfoto: Orientierungsloser Skirennfahrer

Sportfotografie setzt ein paar Regeln voraus: Verschlusszeit – Blende – Brennweite. Es fehlt die Motivklingel.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Gerhard Buthmann).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild wurde beim Ski Worldcup Garmisch-Partenkirchen 2010 aufgenommen. Es zeigt den Schweizer Carlo Janka beim Abschwung des Riesenslaloms.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Gerhard Buthmann:

Sportfotografie ist mein Steckenpferd, deshalb möchte ich auch kurz etwas zu dem Bild von Gerhard schreiben.

Es ist leichter bei Sportarten, die man selber betreibt, gute Bilder zu bekommen, als wenn man keine Ahnung von Regeln und Ablauf hat.

Nun kann ich zwar nicht Alpinskifahren, wie ich gestehen muss, aber bei diesem Geschwindigkeitssport gibt es doch viele Gleichnisse der Abfolgen und Bewegungsrichtungen wie beim Biken auch.

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Ausstellungsbesucherinnen: Starke Vektoren

Technische Perfektion und Schärfe sind keine Voraussetzung für eine starke Fotografie. Emotionalität, Aussage und Komposition sind massgebend.

Leserinnenfoto: Klick für Vollansicht (© lilo ulke).

Kommentar der Fotografin:

besucherinnen einer ausstellung. ziel: darstellung von bewegung und innehalten

Peter Sennhauser meint zum Bild von Lilo Ulke:

Zwei Frauen in einem Schwarz-Weissen Highkey-Bild bewegen sich schlendernd vom Betrachter weg, die eine, etwas näher im Vordergrund, nach links, die andere nach rechts hinten. Zwischen ihnen führt eine Reihe von drei kreisrunden Bodenelementen schnurgerade in den Bildhintergrund.

Technisch betrachtet gibt es an diesem Bild viel zu bemängeln. Es ist unscharf und mit extremem Kontrast auf Highkey getrimmt, was zu Ausblühungen und Artefakten in den Graubereichen führt. Nicht trotzdem, sondern auch deswegen ist es eine starke Fotografie:

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