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Symbolfoto: Einsam zu zweit

Die besten Symbolbilder stellt der Alltag bereit. Man muss sie aber sehen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Günter Bremm).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto wurde in Cuxhaven aufgenommen,am Abend eines ungewöhnlich sonnigen und klaren Frühlingstages. Als wir unsere Ferienwohnung verließen, sah ich die beiden älteren Herrschaften auf ihren Bänken sitzen und zückte sofort meine Kamera. Dann musste ich noch kurz meine Frau von der Treppe scheuchen, andere Passanten waren gerade weit und breit nicht zu sehen.

Ich hatte in diesem Fall spontan, ohne große Überlegung fotografiert (die Kamera befand sich im Automatik-Modus)und das Foto später auch nicht weiter beachtet. Um so überraschter war ich, dass es bei diversen Freunden und Bekannten bisher gut aufgenommen wurde. Über Eure Kritik würde ich mich sehr freuen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Günter Bremm:

Zwei Menschen sitzen, in fünfzig Metern Abstand, am jeweils em andern zugewandten Ende zweier Parkpänke auf einem Deich. Sie blicken, mit dem Rücken zur Kamera, hinaus auf den nicht sichtbaren Horizont.

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Konzeptionelles Porträt in High Key: Widerspruch Motiv vs Aussage

Bei Konzept-Fotos kommt es besonders darauf an, daß die Art der Aufnahme ihre Aussage unterstützt. Es reicht nicht aus, mittels Nachbearbeitung aus dem Foto „etwas zu machen“ und die Interpretation dann anderen zu überlassen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Henning Werner).

Kommentar des Fotografen:

Thyon2000!

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Henning Werner:

Auf der Kapuze des jungen Mannes steht „When will it all end?“ (zu Deutsch, „Wann wird das alles enden?“), er hat seine Augen geschlossen. Man sieht seinen Atem, der sich hell von den dunklen Bergen abhebt.

Das Foto ist sehr kontrastreich und in Sepiatönen gehalten. Man könnte hier Verzweiflung hineindeuten, oder einen Augenblick der Besinnung. Vielleicht vor dem Absprung?

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Mondbild: Auswahlsendung statt Motiv

Komplexe Motive mit vielen Elementen bedürfen einer sorgfältigen Komposition. Der Trick für wirksame Bilder heisst indes „Reduktion“.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Christian Gruber).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto ist um die Mittagszeit entstanden. An diesem strahlendem Sonnenscheintag heute hat mich der Anblick des Mondes fasziniert insbesondere dessen deutliche Sichtbarkeit. Dem gegenüber steht die gewählte Kompositon. Alles scheint den Mond zu ignorieren. Der Weg, das Flugzeug, nur die Bäume sind ihm etwas zugeneigt.

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Christian Gruber:

Eine unspektakuläre Frühlingslandschaft, bestehend aus einem Asphaltweg, der sich von links vorne in den nur am unten Bildrand sichtbaren Horizont durch knallgrüne Wiesen mit einigen silhouettenartigen, noch laublosen Bäumen ins eines Himmelblau hineinschlängelt. In diesem mit einem leichten Verlauf das Bilddominierenden Blau verläuft der Kondensstreifen eines Flugzeugs von links unten diagonal nach rechts oben, darüber steht die Sichel des Mondes am hellichten Tag.

Dein Bildkommentar liefert eigentlich gleich die Ursache dafür, dass die Fotografie nicht so funktioniert, wie Du Dir das vorgestellt hast:

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Papierflieger-Spiegelbild: Abstrakte Kommunikation

Leichte Abstraktion kann so gut wie jedes noch so unscheinbare Objekt in eine Darstellung von etwas Bedeutsamem und sogar Aufwühlendem verwandeln.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Christoph Hellmuth).

Kommentar des Fotografen:

Die Idee war es, eine nicht mehr vorhandene Grenze zwischen Realität und Spiegelwelt zu schaffen. Mit Schwarz-Weiss habe ich versucht durch die farbliche Reduktion den Blick nochmal auf das wesentliche zu lenken.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Christoph Hellmuth:

Dies ist eine Art Foto, das mich nun schon eine ganze Weile mehr interessiert, als ich je für möglich gehalten hätte. Obwohl es wegen seiner Einfachheit und Thematik zunächst dumpf wirken mag, gibt es jedoch noch sehr viel mehr zu bedenken:

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Ofer Wolberger: Reisen mit Maggie

Der New Yorker Fotograf Ofer Wolberger und seine Kunstfigur „Maggie“ reisen gemeinsam durch die Lande – vom Sunset Boulevard Los Angeles bis an Frankreichs Küsten.

Ofer Wolberger: Mont Saint-Michel, Normandie, France

Eine Maske und ein Name – daraus entsteht eine ganze Welt. Ofer Wolbergers „Life with Maggie“ ist derzeit im C/O Berlin zu sehen.

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Sprungturm-Stillleben: Mystische Betonklötze

Fotografische Wunderwelten zu erschaffen verlangt bisweilen kaum mehr als ein gutes Auge – und das Geschick, die richtigen Elemente im Bild zu verstärken.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Ralf Augustin).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand im Rahmen einer Reihe vergangenen Winter. Thema: „Bodensee im Winter“. Aufgenommen wurde es im Strandbad Arbon. Zu sehen ist ein Sprungturm. Fasziniert hat mich dieser grobschlächtige Betonquader aus den Fünfzigern, der mich an die Ueberreste der Normandie Landung im 2. Weltkrieg erinnerte. Um die Spiegelung einzufangen, habe ich mich für eine Langzeitbelichtung entschieden. Nachträglich manueller Weissabgleich und vignettiert. (Ueber die Vignettierung „stolpere“ ich bei jeder neuen Betrachtung…) Graufilter mit 8 Blendenstufen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Ralf Augustin:

Es gibt Fotos, die aufgrund ihrer grafischen Wirkung funktionieren. Es gibt Fotos, die emotional bewegen. Und es gibt Fotos, die dem Geist Spielraum für lange Entdeckungsreisen liefern. Wenn all diese Eigenschaften in einem Bild vereint werden, entsteht etwas Ausserordentliches.

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Der eingesperrte Sportwagen: Mehr Nacharbeit

Wenn ein Bild von inhaltlichen Kontrasten lebt, muss alles daran gesetzt werden, sie zu betonen. Vor Ort und im Photoshop.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Daniele Capra).
Kommentar des Fotografen:

April 2009, Mailand. Im entlegenen Winkel einer Tiefgarage stieß ich zufällig auf dieses bemerkenswerte Bild: Ein Szenario wie aus einem Film wo ein Autofreak an seinem Auto bastelt. Um den Kontrast zwischen blankpoliertem Sportwagen und der schäbigen Werkstatt noch stärker hervorzuheben, habe ich mit Photoshop die Sättigung der Werkstatt etwas verringert und dem Bild ein leichtes Rauschen zugefügt.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Daniele Capra:

Ein Raubtier in seinem schäbigen Käfig, ein Ritter im Verlies, ein Relikt der Verbrauchsgesellschaft nach der ökologischen Apokalypse – der Interpretationen für dieses Bild gibt es viele. Der inhaltliche Kontrast stimmt aber leider nicht mit dem technischen überein.

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Zurück in die Zukunft: Die Fotografie nach Feininger

An den grundsätzlichen Weisheiten der Standardwerke der Fotografie wie Feiningers Fotolehre hat sich nichts geändert – und an der Kritik, wonach bessere, einfachere Technik nicht unbedingt mit mehr künstlerischer Qualität einhergeht, auch nicht.

Die hohe Schule der Fotografie von Andreas Feininger, Ausgabe 1965 © HKAls ich mein Bücherregal nach geeigneter Literatur durchsah, um mich für diesen Artikel inspirieren zu lassen, bemerkte ich zwei Dinge: Ich beschäftige mich seit 25 Jahren mit der Fotografie, und das Buch, aus dem ich am meisten gelernt habe, ist 48 Jahre alt. Meine Anfänge und die Veröffentlichung von Andreas Feiningers Hohe Schule der Fotografie liegen also in analoger Vorzeit.

Die erste bezahlbare Digitalkamera, die ich benutzte, kam vor zehn Jahren auf den Markt – die Nikon D1. Was hatte sich verändert? Ernsthaft fotografieren konnte man mit der D1 nicht, die Auflösung reichte höchstens für Experimente, wie zusammengesetzte QuickTime VR Panoramen, bei denen der Aufwand des Scannens der vielen einzelnen Aufnahmen vom Kleinbildfilm sehr groß war. Also ein kleiner Fortschritt für die Bildproduktion damals und eine Explosion heute: Die Menge der geschossenen und digital veröffentlichten Bilder hat sich im letzten Jahrzehnt vervielfacht.

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Wolfgang Zurborn: Weg vom Gewohnten

Der Kölner Fotograf Wolfgang Zurborn lädt uns ein, visuell etwas vom gewohnten Weg abzukommen und so Neues zu entdecken.

Wolfgang Zurborn: o.T., Wolfsburg 2001„Drift“ – so überschreibt Zurborn auch seinen Bilderzyklus, der zur Zeit in der Berliner Galerie Loris zu sehen ist. Damit will er eine gewisse, manchmal kaum merkliche Abweichung vom Kurs andeuten. Dabei sind seine Aufnahmen ebenso rätselhaft anders als magisch anziehend. Sie verlocken mit dem Wunsch nach Interpretation und erklärung.

Zurborns Fotografien zeigen die Welt in ausschnitthafter Form. Häufig ist der Blick verstellt, unterschiedliche Ebenen werden verknüpft. Wolfgang Zurborn bezieht Spiegelungen, Schatten, Plakatwände mit in seine Bilder ein. Die Fotografien widersetzen sich der einfachen Entschlüsselung.

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Achat-Makro: Dinosaurier, Vögel und Meereswellen

Durch eine interessante Beleuchtung oder einen kreativen Einsatz von Schärfentiefe kann man abstrakt anmutende Makro-Fotos interessanter machen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Kurt Worni).

Kommentar des Fotografen:

Ich mache Makro-Aufnahmen vom Innenleben spezieller Achate. Dieses Bild stellt einen Ursaurier in der Wüste dar (meine Interpretation:-) Bildgrösse 5mm! Aufnahme bei Sonnenlicht, Objektiv Canon MP-E 65mm F2.8 1-5x, ISO 100, Belichtungszeit 2 Sek. Das Problem bei diesen Fotos ist wie bekannt die Tiefenschärfe, zumal ich die Fotos bis zu 80×120 cm vergrössere.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Kurt Worni:

Trotz des Aufgebots an Formen, Mustern und flotten Farben wirken Fotos wie diese auf die meisten Menschen etwas einfach. Obwohl ich verstehen kann, dass man solch ein Motiv fotografieren möchte, braucht man meiner Meinung nach viel Kreativität, um ein wirklich interessantes Foto zu machen.

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