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Konzeptfoto: Regungslos starrt die Frau

Ein Motiv ist entweder logisch oder so überdreht, dass es lustig oder skurril wirkt. Einer teilnahmslos schauenden Frau einen Regenschirm in die Hand zu drücken, reicht allerdings nicht.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Johannes Walther).

Kommentar des Fotografen:

Porträt einer jungen Frau, symbolisch ins Spannungsfeld zwischen beschleunigter Ökonomie und persönlicher Zurückhaltung und Zweifel an deren Menschlichkeit gesetzt.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Johannes Walther:

Mehrmals musste ich die Bemerkungen des Fotografen zum Bild lesen. War der Kommentar ernst gemeint? Oder sollte hier mit einem Augenzwinkern die ausufernden Künstler-Beschreibungen zu ihren Werken auf die Schippe genommen werden?

Ich befürchte jedoch, der Fotograf meint es ernst, wenn er von „Spannungsfeld zwischen beschleunigter Ökonomie und persönlicher Zurückhaltung und Zweifel an deren Menschlichkeit“ redet.

Aber widmen wir uns dem Foto:

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Cy Twombly: Malerei, Fotografie?

„Gemalte“ Fotografien oder „fotografierte“ Malerei? Cy Twomblys Fotos müssen wir zusammen mit seiner Malerei sehen, mit den Zeichnungen und der Plastik.

Cy Twombly: Landscape, Lexington, VA, 2007 © 2011 Cy Twombly / courtesy Schírmer/Mosel

Beim Amerikaner Cy Twombly steht die Fotografie in einem eigenen Zweig neben den anderen künstlerischen Feldern. Wir können seine Fotos nun erstmals in Deutschland sehen – aktuell in München. Weiterlesen

Konzeptfoto: Die monochrome Birne

Ein neues Kunstwerk steht selten im luftleeren Raum, sondern muss sich – und manchmal will es auch – dem Vergleich mit und der Einordnung in bestehende kunstgeschichtliche Epochen und Stile stellen. So lassen sich auch gut Stärken und Schwächen eines Werkes – hier ein Foto – erkennen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Moritz Wörle).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild ist eines von drei Stillleben, die ich für meine Bewerbungsmappe beim Lette-Verein erstellt habe. Aufgabe war es, drei Stillleben zu erstellen die den Betrachter sensibilisieren sollen in Bezug auf Pestizide, Verunreinigungen oder Gifte. Meine Idee war es, ein Bild zu gestalten, das in sich bereits einen extremen Kontrast besitzt. Auf der einen Seite die „perfekte“ Birne. Und dann die andere Hälfte, wo es von Würmern nur so wimmelt.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Moritz Wörle:

Dieses Foto fasziniert vor allem aus zwei Gründen. Zum einen ist es das Motiv. Eine saftige Birne auf der seinen Seite, eine Birnenhälfte voll mit wimmelnden Maden auf der anderen. Da verschluckt man sich fast an dem Wasser, was einem erst im Munde zusammengelaufen ist.

Gute Kunst lebt von solchen Reaktionen, und hier bettet sich das Foto sogar mit einem Kunstgriff in zwei historische Strömungen ein: Weiterlesen

Fashionfotos: Gegenüberstellung

Zwei mal fast identische Fotos mit gleicher Komposition und sehr ähnlicher Pose von verschiedenen Fotografen. Die Wirkung ist jedoch unterschiedlich. Woran liegt das?

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Laura Steiner).Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Patryk Bafia).

Kommentare der Fotografen:

Laura Steiner, links

Cooles Fashionshooting mit Sara im Boyfriend-Look

Patryk Bafia, rechts

Das ist mein Sohn, Quentin. Dieses Bild ist bei einem Outdoor-Shooting mit Quentin entstanden.Ich sah diese Wand und es passte wie angegossen zu seiner Kleidung. Pose sollte ganz locker und cool aussehen.

Profi Robert Kneschke meint zu den Bildern von Laura Steiner und Patryk Bafia:

Beim Stöbern durch die eingereichten Fotos für die Bildkritiken bin ich auf zwei Fotos gestoßen, die innerhalb von drei Tagen von einem Fotografen und einer Fotografin unabhängig voneonander eingereicht worden waren.

Beides sind Fashionfotos, und beide Fotografen schrieben in den Kommentaren, dass der Look „cool“ wirken solle. Das Erstaunliche an den Fotos ist, dass sie sich sehr ähnlich sehen. Trotzdem wirken sie sehr verschieden:

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Konzeptbild mit Cup Cakes: Studio verlangt Perfektion

Wenn ein Foto im Studio entstanden ist, erwartet man als Betrachter automatisch ein technisch perfekt fotografiertes Bild. Insbesondere, wenn die Komposition auf das Wesentliche reduziert ist.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Kiara Katharina Schimmel).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild ist Teil des „Cake me“ Projektes, an dem ich zur Zeit arbeite. Ziel des Projektes ist es Kuchen, Törtchen und andere Süßigkeiten, sowie extreme und ausgefallene Make-ups als Accessoires zu verwenden.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Kiara Katharina Schimmel:

Zunächst einmal Glückwunsch zu Deiner Idee mit den Cup Cakes. Das stach mir sofort ins Auge, es ist eine erfrischende Idee, und das blau-gelbe Farbschema gefällt mir gut.

Das extreme Makeup paßt gekonnt zu Deinem ausgefallenen Thema und zu dem extravaganten „Haarschmuck“. Weniger hätte dem Bild Abbruch getan, mehr wäre viel zu viel gewesen. Auch die Komposition ist insgesamt gut getroffen.

Mich stört eigentlich nur etwas:

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Die Ballerina: Klischee, märchenhaft gelungen

Eine junge Frau tanzt gedankenversunken Ballett im romantischen Ballsaal – bis sie die Zeit um sich herum vergisst und der Verfall einsetzt. Eine gut gewählte Geschichte lässt selbst das Klischee von „jungen Frauen in alten Gemäuern“ gut dastehen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Heike Brauer).

Kommentar des Fotografen:

Aufgenommen in einer location aus dem 19 jahrhundert, schon seit jahrzenten leerstehend. War früher ein ballsaal und vergnügungsstätte mit allem drumherum. Dieses bild entstand aus einer belichtungsreihe (1/60, 1/250, 1/15), in der das model die pose hielt. Ich wartete auf den tag, an dem sonne schien und in das große fenster hinter der bühne fiel. Den staub ein bißchen aufgewedelt und das model positioniert. Die belichtungsreihe wurde im photoshop per hand (ebenen und masken) bearbeitet. Durch die handarbeit konnte ich lichter und tiefen gezielt herausarbeiten. Wir hatten 7 grad minus draussen und das model war sehr tapfer!

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von heike brauer:

Willkommen zur gefühlt 3756. Folge von „Junge Frau in alten Gemäuern“. Warum das oft nicht gut geht, hatte ich in einer früheren Bildkritik ausführlich erklärt.

Warum es manchmal doch klappt, zeigt das Foto von Heike Brauer. Bei vielen Varianten der „Reine Haut und verfallene Häuser“-Fotos passen die Umgebung und die Person nicht zueinander. Hier passt beides im Gegenteil perfekt zueinander:

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Charles Compére: Natur-Schichtungen

Charles Compéres Bilder von Gebirgslandschaften entstehen durch mehrfache Belichtungen. Die Natur wird sozusagen in Schichten übereinandergelegt.

Charles Compère: Silvenstein, 1980 © Charles Compère

„Schichtungen“ heißt also die aktuelle Ausstellung von Charles Compére in Berlin. Die Landschaften, die ausschließlich auf Film entstehen, zeigen eine ganz eigene Farbigkeit.

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Symbolbild: Der Zusammenhang zählt

Konzeptbilder, deren Inhalt bildliche Umsetzung einer konkreten Aussage ist, müssen so eindeutig wie möglich sein, ohne platt zu wirken.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Dr. Martin Baumgärtner).

Kommentar des Fotografen:

Ein Symbolbild zum Niedergang Irlands. Die Belichtungsdaten ergeben sich aus der EXIF-Datei. Das Bild ist selbsterklärend.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Dr. Martin Baumgärtner:

Der Schriftzug „EIRE“ (Irland) in massiven, einst weissen und jetzt leicht verwitterten Buchstaben an einer Backsteinmauer. Das „I“ hängt leicht schief nach rechts, der Schriftzug, leicht nach links oben im Bild platziert, ist in seiner unteren rechten Hälfte von einem rot-rosa-Spot beleuchtet.

Irland ist in grossen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Diese Fotografie kann das auf einfache, eindringliche Weise zum Ausdruck bringen. Jedenfalls in Zeiten, in denen der Zusammenhang allgemein klar ist.

Demnach wäre die Aufnahme gerade jetzt und zusammen mit dem grosszügigen Negativraum rechts unten durchaus als Titelbild für einen Artikel in einem Magazin geeignet:

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Low Key Pflanzenblüte: Das Licht der Welt

Gegenlicht- und Low Key Aufnahmen wirken meistens schwer, nachdenklich und melancholisch. Es geht auch leicht.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Matthias Bühler).

Kommentar des Fotografen:

Auf dem Heimweg von der Arbeit ist mir der Busch mit diesen interessanten Blüten aufgefallen. Hinter dem Wald im Hintergrund stand die Sonne sehr tief, so dass ich die Blüte scheinbar von innen leuchten lassen konnte.

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Matthias Bühler:

Eine Pflanze mit feinen, pelzigen Blüten steht im Zentrum dieser Low-Key-Aufnahme. Sie ragen von Links aus absolutem Scharz etwas nach rechts über das Bildzentrum hinaus, wo eine der Blüten direkt vor der Sonne im Gegenlicht golden zu leuchten scheint. Dahinter verschwindet ein zweiter Blütenstand in der Unschärfe, am linken Bildrand sind Ansätze eines dritten zu sehen.

Auf diese Bildidee muss man zuerst kommen:

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Konzeptfoto: Gefräßiger Baum

Wenn man mit offenen Augen durch den Alltag geht, kann man auch in seiner unmittelbaren Umgebung auf gute – nein, witzige – Motive stoßen. Wie man sie dann festhält, bleibt dem einzelnen überlassen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Christian Gruber).

Kommentar des Fotografen:

Der gefräßige Baum wird sich mit der Zeit das Schild sicher einverleiben. — Ein Motiv, an dem ich jeden Arbeitstag vorbeifahre, wobei ich schon unzählige Varianten abgelichtet habe. Das Schild ist grob in ca 2,5 Metern Höhe auf dem Baum und ist zu ca 30 Grad in den Baum hinein geneigt. Als Foto mit der vorhandenen (nicht sichtbaren) Straße rechts wird das Schild zu klein. Das Waldstück im Hintergrund ist auch ziemlich konfus. Ich hab bisher etwas am Kontrast und an der Farbstättigung variiert. Als Negativ erscheint es auch nicht uninteressant, bin mal auf die Kritik gespannt.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Christian Gruber:

Sehen lernen ist etwas, was einem keiner wirklich beibringen kann. Über Jahre hinweg muß man sein Auge schulen, und die Belohnung sind dann Fotos, über die andere meistens sagen werden, ein bestimmtes Motiv hätten sie so nie gesehen:

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