Beiträge

Der Sperling: Spatz in der Hand

Tierfotos, auch von Haustieren, haben den Bonus des „Jööööh-Effekts“. Das sollte Fotografen nicht verleiten, sich mit dem schnellen Schnappschuss zufrieden zu geben.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Christoph Michel).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand bei einem Zoobesuch. Nach unzähligen Bildern von Tieren hinter Zäunen und Gittern, gelang dieser Schnappschuss während der Rast am Mittag. Der kleine Vogel saß seelenruhig auf der Tischkante und wartete wie selbstverständlich darauf, an der Nahrungsaufnahme teilzunehmen. Ein unvorhergesehener Schnappschuss, dessen Wirkung mir erst zu Hause bewusst wurde.

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Christoph Michel:

Ein Sperling sitzt auf einer Holzplatte und äugt mit schräg gehaltenem Kopf in die Kamera.

Du bezeichnest diese Aufnahme selber als Schnappschuss, hast sie aber in der Kategorie Naturfoto – die wir für Bilder von Haus- und anderen Tieren und von Pflanzen vorschlagen, eingereicht. Das soll kein Vorwurf sein:

Weiterlesen

Schwanensee: Die Schönheit im Banalen

Hunderttausendfach gesehen, gibt es immer noch neue Möglichkeiten, den Schwan in seiner Pracht abzubilden. Hier gelingt es – einmal mehr – durch extreme Reduktion.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© John Gerard).

Kommentar des Fotografen:

Ruhig und majestätisch dahin gleitender, sich im Baggerweier spiegelnder Schwan.

Peter Sennhauser meint zum Bild von John Gerard:

Ein Schwan gleitet, die rechte Bildhälfte füllend, durch diese Farbaufnahme. Die Fotografie zeigt ausser dem Tier und seiner Spiegelung absolut nichts: Der See unter und hinter dem Schwan erstreckt sich horizontlos in einem sanften Verlauf von graublau zu weiss.

Wer hat noch keinen Schwan fotografiert? Wer will nicht nochmals einen Schwan fotografieren? Die Tiere sind nicht sonderlich scheu, überall am Wasser vorhanden und von einer majestätischen Schönheit.

Und obwohl sie so oft geknipst werden, wie ihnen Brotstückchen zugeworfen werden, gibt es noch Möglichkeiten, einen Schwan auf neue, spannende Weise zu fotografieren.

Hier hast Du eine gefunden, die ebenso simpel wie schwierig zu erreichen ist:

Weiterlesen

Blumenbild: Verborgener Blick

Noch eine raffinierte Art, Blumenbilder zu machen: Der Blick ins Unsichtbare, das Subjekt als Entdeckung, macht Banales spannend.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Becker).

Kommentar des Fotografen:

…blühen, im Verborgenen. Die ersten Frühlingsboten unter einer blühenden Azalee

Peter Sennhauser meint zum Bild von Michael Becker:

Ein Paar Osterglocken sind in dieser Farbfotografie im Halblicht der Sonnenstrahlen zu sehen, welche zwischen dem Bewuchs eines Gartens hindurch scheint. In der unmittelbaren Vordergrund-Unschärfe sind die violetten Blütenblätter einer Azalee mehr zu erahnen als zu sehen. Sie bildenen einen Rahmen um die gelben Osterglocken, die deutlich ausserhalb des Bildzentrums oben links angeordnet sind.

Es gibt unzählige Arten, wie man Blumen spannend fotografieren kann. Leider ist ihre natürliche Anmut meistens so vereinnahmend, dass die wenigsten Fotografinnen und Fotografen auf die Idee kommen, die Umgebung einzubeziehen oder einen frischen Blickwinkel zu wagen.

Du hast hier eine besonders raffinierte Methode gewählt, welche aus der hinlänglich bekannten Osterglocke eine Entdeckung macht:

Weiterlesen

Naturfotografie: Der Rabe

Ein Bildkonzept in der Natur umzusetzen ist problematisch und besonders schwierig, wenn man Tiere als Darsteller wählt. Hier ist es gelungen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Raimund Janocha).

Kommentar des Fotografen:

Immer wieder zog ich mit der Kamera los, um einen der zahlreichen, am Rheinufer lebenden Raben vor dem Drachenfelspanorama in Königswinter bei Bonn einzufangen. An diesem Tag kam dieses Prachtexemplar angeflattert und setzte sich – unweit meines Standorts – auf den Zaun der linksrheinischen Uferpromenade. Es blieben mir nur wenige Sekunden, bis ich mit meinem 85er nah genug heran kam, in die Knie ging und dieses Foto machte. Und bevor ich in irgendwelche TfP-Verhandlungen mit dem Raben treten konnte, war er schon über alle Berge des gegenüberliegenden Siebengebirges verschwunden

Ich mag dieses Motiv, weil der „geheimnisvolle’ Rabe der mythenumwobenen Gegend um den Drachenfels eine zusätzliche Bedeutung verleiht und vielfältig deutbar ist. Die Entscheidung für Schwarzweiß und der bestimmte Ausschnitt sollte dem Geheimnisvollen noch zusätzliche erzählerische Wirkung verleihen. Geht die Rechnung auf?

Peter Sennhauser meint zum Bild von Raimund Janocha:

Ein Rabe sitzt auf einem Geländer um Ufer eines Flusses. In der Schwarz-Weiss-Aufnahme ist rechts in der oberen Bildhälfte am Rand ein Framing durch zwei Bäume zu sehen, von links schiebt sich im Hintergrund, der durch Dunst stark weichgezeichnet ist, ein Gebirgszug nach rechts ins Bild.

Um Deine Frage zu beantworten: Die Rechnung geht auf, allerdings nicht bis auf die letzten Stellen hinter dem Komma. Wir haben hier schon mehrfach darauf hingewiesen, dass es häufig schief geht, wenn man ein Bild mit interpretatorischen Absichten komponiert. Das gilt auch hier:

Weiterlesen

Beste Wildlife-Fotos 2010: Wunderwerk der Ameisen

Die besten Wildlife-Fotografien des Jahres 2010 – sie kommen von jungen Fotografen. Wildlife Photographer des Jahres ist Bence Máté mit seinem Wunderwerk der Blattschneider-Ameisen.

Bence Máté: A marvel of ants

Bence Máté aus Ungarn startete in der Kategorie für die jungen Talente zwischen 18 und 26 Jahren. Schon 2001 gewann er seinen ersten Preis, in der Kategorie der 15- bis 17-Jährigen. Die besten Wildlife-Fotos sind aktuell in München ausgestellt. Weiterlesen

Pelikane in Pink: Das Hirschgeweih-Syndrom

Menschen und Tieren sollte man in Fotografien möglichst keine Körperteile abschneiden. Aber auch keine Bäume, Hirschgeweihe oder zweite Köpfe wachsen lassen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Sucker).

Kommentar des Fotografen:

mit freundlicher Genehmigung des Tierpark Hagenbeck

Peter Sennhauser meint zum Bild von Michael Sucker:

Drei orange-rosa farbene Pelikane sitzen in diesem fast quadratischen Bild vor einem sehr dunklen Hintergrund freigestellt auf etwas, was wie ein Ast aussieht. Zwei der Vögel putzen sich intensiv das Gefieder; der dritte, in der linken Bildhälfte leicht von einem der beiden vorderen, nebeneinander sitzenden Vögel verdeckte, legt den Schnabel vom Betrachter abgewendet mit hochgrecktem Kopf an den Hals.

Was dieses Bild zum Blickfang werden lässt, sind die Farben und die Freistellung der drei Vögel:

Weiterlesen

Bremsenporträt: Umfeld geschickt genutzt

Die Umgebung – und sei sie auch so unnatürlich wie eine Autoscheibe – geschickt zu nutzen ist ein Element guter Fotografie.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jens Wildner).

Kommentar des Fotografen:

eins meiner ersten makros. diese bremse saß auf meiner windschutzscheibe des autos und ich konnte sie ganz in ruhe fotografieren. es war wie im studio. sie ließ sich nicht beirren.

Peter Sennhauser meint zum Bild von jens wildner:

Ein Insekt – eine Bremse – sitzt auf einem weitgehend monochromen Hinter- oder Untergrund. Die Makro-Fotografie stellt das Tier aus einer Perspektive von Schräg vorne oben ins Zentrum des Bildes und bietet Gelegenheit, das Tier im detail zu mustern.

Ich kann nicht sagen, dass Tiere dieser Art zu meiner Lieblingsgattung gehören – aber interessant anzuschauen, speziell im Makro, sind sie allemal.

Weiterlesen

Makro-Naturaufnahme: Kleine grosse Libelle

Auch mit dem Tele lässt sich Makro-Fotografie erstellen. Besonderes Augenmerk verlangt dabei die Schärfentiefe.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Bernhard Schindele).

Kommentar des Fotografen:

Habe ich ohne Stativ fotografiert.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Bernhard Schindele:

Eine Libelle bei der Eiablage an einem Tümpel oder einer Pfütze. Das Tier steht im Zentrum der Aufnahme mit sehr geringer Schärfentiefe. Eine Art natürliches Spotlight entsteht durch eine punktuelle Sonnenbestrahlung, die den Rücken und den Kopf des Insekts in grelles Licht taucht. Der Hinterleib ist gekrümmt in den Schlamm gestreckt; von den vier Flügeln sind drei gut sichtbar, zwei ragen dem Betrachter fast im rechten Winkel entgegen, weshalb einer kaum auszumachen ist.

Insekten sind ein ebenso beliebtes wie schwieriges Fotomotiv:

Weiterlesen

Naturfotografie: Fluss in Bewegung

Wer Bewegungsunschärfe als gestalterisches Mittel nutzt, sollte aufpassen, dass die unbeweglichen Teile des Bildes trotzdem scharf bleiben. Auch der Einsatz anderer Gestaltungsmittel zur Verbesserung der Bildwirkung bleibt erlaubt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Timo K.).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild ist im Juli auf Fehmarn entstanden. Es soll die dynamische Bewegung des Wassers zeigen. Hierzu habe ich einen Graufilter verwendet und stark abgeblendet und, um den perfekten Moment einzufangen, die Serienbildfunktion benutzt. Um die Kamera vor dem Wasser zu schützen, wurde ein Teleobjektiv verwendet.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Timo K.:

Bewegungen einzufangen, ist für Fotografen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln immer eine Herausforderung. Eine bewährte Lösung ist die Langzeitbelichtung. Auch hier beim Fotografieren eines fließenden Bachs hast Du zu diesem Mittel gegriffen.

Aber eine Langzeitbelichtung allein erzeugt noch kein beeindruckendes Foto. Im Eifer des Gefechts, zwischen Aufschrauben des Graufilters, Auswahl des Teleobjektivs und dem In-Zaum-Halten der Serienbildfunktion hast Du leider zwei wichtige Elemente vergessen:

Weiterlesen

Insektenbild: Wichtige Bildelemente freistellen

Bei einem Foto sollten die bildwichtigsten Elemente nicht von anderen Objekten überlagert werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Stefan Kassal).

Kommentar des Fotografen:

Bilder der Gemeinen Heidelibelle gibt es wahrscheinlich sehr viele, da dieses Libelle recht verbreitet ist. Durch das schöne warme Gegenlicht kurz vor Sonnenuntergang wird dieses Bilder meiner Meinung nach jedoch zu etwas besonderem, da die feinen Strukturen der Libelle und des „Schlafplatzes“ schön herausgearbeitet werden.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Kassal Stefan:

Ein Naturfoto wie aus dem Bilderbuch. Schönes Abendsonnenlicht beleuchtet die Flügel der Libelle von hinten, so dass deren feine Struktur sichtbar und fühlbar wird. Der Hintergrund verschwindet in einer braun-grünen Unschärfe, die der Libelle die nötige Bedeutung verleiht. Eine Sache hätte man jedoch beachten können, die das Bild ein wenig besser gemacht hätte:

Weiterlesen