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Begegnungsbild: Der ganze Ausdruck im Detail

Gesichter sind die stärksten Stimmungsträger. Aber bisweilen lässt sich eine Situation auch durch ein anderes Moment ausdrücken.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Barbara Sucker).

Kommentar der Fotografin:

Canon EOS 7D, (1/250), f/5.6, 145.0 mm, ISO 250

Peter Sennhauser meint zum Bild von Barbara Sucker:

Ein Kleinkind – im Bild nicht zu sehen – reicht einem Elefanten ein Salatblatt. Diese Farbfotografie zeigt ausschliesslich die direkte Übergabe: Von links reicht, absolut mittig und rechtwinklig fotografiert, der Arm des Kindes mit leicht abgewinkelter Hand das Salatblatt dem Rüssel des Elefanten, der von rechts ins Bild reicht. Im Hintergrund unter dem Kinderarm sind in der Unschärfe gerade noch zwei sitzende Zuschauer auszumachen.

Immer wieder ist in unseren Rezensionen der Hinweis zu finden, dass bei menschlichen – und auch bei tierischen – Tätigkeiten das Gesicht der Protagonisten im Zentrum stehen sollte, weil sich die Stimmung der Situation im Ausdruck am stärksten widerspiegelt. Weiterlesen

Spinnenfoto: Ein tiefer Blick

Alltägliche Motive müssen mit fotografischen Mitteln spektakulär gemacht werden. Die können technischer und kompositorischer Art sein.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Florian Heeg).

Kommentar des Fotografen:

Bei der Kategorie bin ich mir nicht sicher: Ich habe dieses Raubtier unterm Briefkasten entdeckt, sozusagen „bei der Arbeit“. Einige Stunden hat sich die Spinne zum Bearbeiten Ihrer Beute schon genommen. Hätte ich mir die auch für das Foto nehmen sollen? ;-) Leider war die Spinne mit dem Rücken zur ca 5cm entfernten Hauswand gewandt, was ein freistellen erschwerte. Letztendlich hab ich versucht es mit dem Blitz so gut wie möglich zu bewerkstelligen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Florian Heeg:

Eine Spinne sitzt in ihrem Netz und verarbeitet eine gefangene Fliege zu einem Fresspäckchen. Die Aufnahme ist mit einer Perspektive direkt in der Ebene des Netzes aufgenommen und zeigt Spinne und Opfer aus einer Sicht, wie sie ein zweites Wesen im Netz hätte.

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Papageitaucher: Charaktervögel

Tierfotografie macht besonderen Spass, wenn es gelingt, die Akteure in spannender Pose und / sehr typischer Umgebung abzulichten.

papageitaucher.jpg

Kommentar des Fotografen:

Das Bild zeigt nicht wirklich eine Landschaft, aber diese Kategorie passte am besten. Oder hätte ich lieber Porträt nehmen sollen? vielleicht sollte man nur Bilder aus den angebotenen Kategorien wählen. Ich habe den Papageientaucher in Irland auf der Michael Sceilig fotografiert, mit einer EOS 5D markII. Ich fand die Vögel faszinierend. Sie kommen dort in Massen vor und leben paarweise in Erdlöchern. Mir hat dieses Motiv der beiden Höhlenbewohner gefallen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Monika Kunze:

Zwei Papageitaucher vor ihrem Erdloch: Die Farbaufnahme zeigt die beiden Vögel vielleicht beim Futteraustausch. Das eine Tier blickt aus der Höhle, das zweite scheint von aussen dazugekommen und ist von hinten zu sehen. Die Aufnahme ist bei höchstem Sonnenstand entstanden, die Umgebung ist von typischem Küstengrün bewachsen.

Monika hat natürlich recht:

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Olaf Unverzart: Massive Spuren

Olaf Unverzarts Fotografien zeigen die massiven Spuren, die der Mensch in der Natur hinterlässt, in den Alpen zum Beispiel. Oder diejenigen, die die Natur dem Menschen zufügt.

Olaf Unverzart: ohne Titel/ofenpass, aus der serie strata, 2005

Als Hans-guck-in-die Luft zeigt sich Olaf Unverzart auf dem Titel seiner Website, mit einem Bein gefährlich über dem Abgrund. „Stand“ wie standfest heißt die aktuelle Ausstellung in Berlin.

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Nick Brandt: Ostafrikas Tiere

Nick Brandts Fotos aus der Tierwelt Ostafrikas wirken unwahrscheinlich, sind aber ganz wirklich. Brandt setzt den Mythos Ostafrika in Szene.

Nick Brandt: Giraffes in Evening Light, Maasai Mara, 2006

Wer hat die Giraffen vor dem dramatischen Himmel so perfekt aufgestellt, fragt man sich unwillkürlich. Und denkt an die Möglichkeiten von Photoshop. Aber Nick Brandt fotografiert die Tiere Ostafrikas tatsächlich vor Ort und analog auf Film dazu.

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24 Stunden: Köpfe, Störche, Regenbogen

Klick für Legende und Vollansicht. (Bilder Keystone)

…oder anders gesagt: Keine Ahnung, wie diese Bilder zu kategorisieren wären.

In der Rubrik „24 Stunden“ veröffentlichen wir die besten drei bis fünf Pressebilder aus den vergangenen 24 Stunden, ausgewählt nach rein fotografischen Kriterien.

Beste Wildlife-Fotos: Das wilde Leben schaut dich an

Tierfotos der ungewöhnlichen Art aus dem weltweiten Wettbewerb Wildlife Photographer of the Year werden in München ausgestellt.

Stefano Unterthiner (Italien): Troublemaker. © Stefano Unterthiner / Wildlife Photographer of the Year 2008

Für sein Portät-Bild des Sulawesi-Makaken mit Spitznamen „Troublemaker“ folgte der Italiener Stefano Unterthiner der Herde mehrere Wochen lang. Eines Tages waren sie sich so vertraut, dass die Porträt-Sitzung möglich wurde (mit Blitz!)

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Heuschrecken-Porträt: Zu viel Tiefe

Der Fokus auf dem Auge: So müssen Tiergesichter fotografiert werden. Allerdings würde auch der Rest des Körpers etwas Schärfe verdienen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thomas Schaller).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand bei einem Besuch im Basler Zoo. Neben den „ZoostandartTieren“ findet man im Zolli auch den Grashüpfer. Diese kleinen Tiere faszinieren mich in Gross. Den Hüpfer habe ich versucht in einem schönen grün von seinem Futter darzustellen, mit dem Fokus auf seinem Auge …

Peter Sennhauser meint zum Bild von Thomas Schaller:

Eine weit Offene Blende ist bei Tierfotografie in dämmerdunklen Räumen ein Muss. Nicht nur wegen des Lichts, sondern auch, um das Wesen vor dem Hintergrund freizustellen – was ganz besonders bei einer grünen Heuschrecke vor grünem Hintergrund gilt.

Diesen Locust hier hast Du gut getroffen: er wirkt, als würde er neugierig hinter seinem Futterblatt hervor aus dem Bild herauslugen.

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Sony World Photo Awards 2009: Die Gewinner und ihre Bilder

In Cannes wurden die Gesamtsieger der Sony World Photo Awards 2009 bekanntgegeben. „Fotograf des Jahres“ wurde der Amerikaner David Zimmerman.

© David Zimmerman - courtesy Sony World Photography Awards 2009Bei den Amateuren wurde Vincent Foong aus Singapur zum Gesamtsieger gekürt und darf damit den Titel „Amateurfotograf des Jahres 2009“ führen. Der Preis des Studentenwettbewerbs ging an Neal Kartik and Pranab Kumar Aich aus Indien. Weiterlesen

Touristenmief: Das Detail macht die Aussage

Wer mit einer Fotografie eine starke Aussage machen will, tut gut daran, den Betrachter leisen Selbstzweifeln zu überlassen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Pascal Reis).
Kommentar des Fotografen:

Ich habe mich gefragt, wie man etwas fotografiert, das schon millionenmal fotografiert worden ist. Heraus gekommen ist diese traurige Szene: Touristen sitzen auch in den Ferien, wie zu Hause am Fernseher, vor diesem mystischen Gebilde und betrachten den Sonnenuntergang beim Essen und einer Dose Bier. Der schwarze Rahmen und das 16:9 Format soll den Fernseheindruck noch verstärken.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Pascal Reis:

Im Rahmen der gesellschaftskritischen Reportagefotografie – derzeit sehr en vogue – finde ich deine Aufnahme bemerkenswert. Von den technischen Mängeln (siehe unten) mal abgesehen, würde sie wohl in ein Australien-Projekt von Alec Soth passen. In Deinem Fall gibts aber noch einen Bonus, weil die Aufnahme nicht gestellt ist und eine äusserst einfache Aussage fotografisch überzeugend rüberbringt: Die Majestät des in der Sonne glühenden Ayers Rock und die Erbärmlichkeit eines Tourismus, der sie buchstäblich „konsumiert“.

Trotz dieser „Faust-aufs-Auge“-Aussage ist das Bild nämlich alles andere als platt. Es gibt seine Geschichte nicht auf den ersten Blick preis und lässt uns stocken und zweifeln – um uns dann erst mit einem Detail im Urteil zu bestätigen:

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