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Zufälliger „Film Noir“:
Bewußter Fotografieren

Wenn auch ein zufälliger Schnappschuß einen Treffer landen kann, sollte man bewußt fotografische Entscheidungen fällen können, damit das Ergebnis wiederholbar wird. Dazu gehört Komposition.

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Nikon D7100, 20mm, f/11, 1/100s, ISO 100 – (c) Andreas Matti

Leser Andreas Matti hat uns dieses Foto zur Besprechung eingereicht. Er schreibt dazu:

„Das Bild habe ich während einem Spaziergang zu Herbstbeginn auf dem Pfannenstiel aufgenommen (D7100, 20mm, f/11, 1/100s). Eigentlich beiläufig fotografiert, fiel mir zu Hause die Dramatik der Wolken in Kombination mit dem Strommast auf, welche ich mit der S/W-Umwandlung verstärken wollte. Ich bin mir bezüglich der stürzenden Linien des Strommasts jedoch nicht sicher, ob diese nun für das Bild vorteilhaft oder störend sind.“

Vor kurzem habe ich bei fokussiert einen Artikelzweiteiler veröffentlicht, der sich mit Drauflosfotografieren beschäftigte. Genauer gesagt ging es darum, daß sich viele Leute wundern, warum ihre Fotos wie Anfängerschnappschüsse wirken, trotzdem sie ohne nachzudenken auf den Auslöser gedrückt haben. Hier hat das meines Erachtens zufälligerweise funktioniert, aber Du bist Dir der Sache nicht sicher, und hast uns deshalb Dein Bild zur Besprechung eingereicht.

Ich will mich hauptsächlich auf die Komposition und Bildaussage konzentrieren, denen ja Deine Frage galt: Weiterlesen

Actionshooting mit Skatboarder:
Torso in Bewegung

Eine sehr gelungene Momentaufnahme mit einigen Schwächen der Dramaturgie und des Finishs. Ein zweigeteiltes Motiv, das in den Augen des Betrachters wieder zusammenfindet.

Canon EOS 7D mit Zoomobjektiv Canon EF 70-200mm f/4L IS USM © Jonathan Kopf 186mmKB/f4/ISO100/1/200s

Begleitet vom Klack-Klack-Klack unzähliger Skater filmten zwei junge Spanier vor dem Museu d’Art Contemporani de Barcelona. Spannender als die Tricks fand ich die Perspektive, die den Skater sprichwörtlich zweiteilt. Viele Freiheitsgrade hatte ich allerdings nicht – von rechts kommt einen Augenblick später der Filmer, während über den Knien des Protagonisten die Füße der Passanten zu sehen gewesen wären. Stören die schwarzen Punkte am oberen Bildrand? Kopierstempel vermeide ich wenn möglich, daher habe ich bislang nichts verändert…

Eine Offenblende ist in der Streetfotografie generell zu empfehlen, um die Belichtungszeit möglichst kurz und die Schärfentiefe im Sinne einer Konzentration auf das Hauptmotiv gering zu halten.

Ich meine aber, daß es Jonathan hier mit der maximalen Offenblende von f/4,0 etwas übertrieben hat – auch wenn das hier verwendete Telezoom ein ausgezeichnetes Objektiv ist, so erreicht es seine maximale Abbildungsleistung konstruktionsbedingt erst bei einem Abblenden um ein bis zwei Blendenstufen (siehe hierzu auch den Test bei Traumflieger).

Eine Blende f/5.6, ggf. kombiniert mit Auto-ISO (das Bildrauschen bei ISO 200 oder 400 ist bei der 7D gewiß noch nicht kritisch) zur Vermeidung von Bewegungsartefakten, wäre hier also zu empfehlen gewesen.

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Naturfotografie mit Unschärfe:
Steh zu Deinem Plan

Wenn hinter einem Bild eine Idee steht, muss die möglichst konsequent umgesetzt werden. Das gilt vor allem beim Einsatz von so starken Werkzeugen wie der Schärfentiefe.

Wasserfall, © Hanspeter Lang

Wasserfall, © Hanspeter Lang

Dieser kleine Wasserfall wurde sicher schon 1000fach fotografiert, und ich versuchte, eine neue Variante zu finden. Ich habe auf den Vordergrund scharf gestellt und bei Blende 2,8 den Wasserfall unscharf gelassen. Vom Stativ Belichtungszeit 10sec. Kamera Olympus OM-D EM5 MII, Objektiv Olympus 12-40 Pro. Hanspeter Lang

In dieser hochformatigen Farbfotografie ist zentral ein kleiner Wasserfall im Wald zu sehen, umgeben von viel grünem Unterholz. Im Vordergrund links holen die sternförmige Blüte und die nassen Blätter einer Bärlauchpflanze den Betrachter ab. Den rechten Vordergrund macht eine zweite kleine Bodenpflanze aus. Das fallende Wasser ist mit einer Langzeitbelichtung und der resultierenden Bewegungsunschärfe weichgezeichnet. Erst bei genauem Hinsehen erkennt man in der höheren Auflösung, dass auch die Felsen des Wasserfalls und der restliche Hintergrund in leichter Unschärfe verschwimmen.

Unscharf, ganz bewusst

Schärfentiefe: In meinen Augen das Gestaltungsmittel, das selbst mittelmässige Fotografien am sichersten «professionell» wirken lässt (weswegen wir hier ein fünfteiliges Tutorial Schärfentiefe publiziert haben). Aus dem einfachen Grund, dass sie sich nur mit sehr gutem Equipment so begrenzen lässt, dass man starke Effekte erhält. Weiterlesen

Fokussiert ist umgezogen:
Wir schwingen uns rüber

Am Wochenende vom 21. November 2015 ist es passiert: Fokussiert.com ist auf  einen neuen Server gewandert, hat ein neues Outfit erhalten und ist etwas moderner geworden. Jetzt brauchen wir Euer Feedback!

Auf zu neuen Schwüngen... {yetzt, CC;https://www.flickr.com/photos/yetzt/}

Man sieht’s von «vorne» nicht, aber hinter einem Blog wie fokussiert.com steckt ein Haufen technischer Einstellungen, Software – und viele, viele Skripte. All das wurde am Samstag, 21. November 2015, auf einen neuen Server gezügelt. Pannen gab es keine nennswerten – aber jetzt sagt uns, was hält Ihr von dem neuen Design: Weiterlesen

Drauflosfotografieren reicht nicht (2/2):
10 Gründe, warum Deine Fotos
wie Anfängerschnappschüsse wirken

(Fortsetzung von Teil 1)

Auch Komposition und Nachbearbeitung sind wichtig, um nichtssagende Schnappschüsse zu vermeiden.

Nichtssagendes Naturfoto

6. Dir sind Regeln der Komposition nicht bewußt, bevor Du sie brichst

Viele Anfängerbilder haben Kompositionsmängel. Die Regel des Goldenen Schnitts, vereinfacht Drittelregel, hält sich in der Malerei und jetzt in der Fotografie schon seit Jahrhunderten. Der Grund: so komponierte Bilder werden vom menschlichen Auge als angenehm empfunden.

Diese Grundlage sollte man einzusetzen wissen, bevor man mit ihr bricht. Wenn man einen Gegenstand mittig darstellt, wirkt er statisch. Tut man das bei einer dynamischen Sportszene, wirkt es fehl am Platz. Will man dadurch die Ruhe in einer Landschaft noch unterstreichen, ist es richtig. Im allgemeinen eben.

Auch wenn das Foto zufälligerweise mit Regelbruch so stimmen sollte, kann man sich als Fotografin in dieser Hinsicht nur weiterentwickeln, wenn man Kompositionsentscheidungen bewußt trifft; andernfalls ist jede Aufnahme kompositionsmäßig ein Schuß ins Blaue. Manchmal kann es klappen, meistens nicht. Weiterlesen

Bildkritik „Herbsttag“:
Komposition und Technisches kann man lernen

Wenn man mit dem Fotografieren anfängt, gilt es viel zu üben. Dazu gehört nicht nur das Beherrschen des Handwerkszeugs = Kamera, sondern natürlich auch ein Verständnis für Bildaufbau/Komposition. Beides bedarf hier noch der Verbesserung, aber ein guter Ansatz ist vorhanden.

Canon 1100D, 135mm, F/7.1 , 1/500 sek., ISO 6400 – (c) Larissa Sellmann

 

Ich wollte bei diesem Shooting auf die schöne Jahreszeit Herbst eingehen. Ein bisschen mit herbstlicher Umgebung und Farben arbeiten. Ich hoffe ich kann ein paar Tipps bekommen was ich in Zukunft besser machen kann, da ich später Fotografin werden möchte und bis dahin schon so viel wie möglich lernen.

Zunächst einmal zu dem, was mir an Deinem Foto gefällt. Da ist die allgemeine Farbstimmung, die den Herbst wirklich gut eingefangen hat, und die Tatsache, daß das Modell nicht direkt in die Kamera schaut. Das wirkt verträumt, nachdenklich, und paßt zu der natürlichen Umgebung. Sie sitzt mit dem Rücken an einem Baum, inmitten einer Wiese, als wollte sie sich ausruhen. Daß Du die junge Frau so aufgenommen hast, zeugt von einem guten Auge, insbesondere für Farbstimmung. Alles andere, woran dieses Foto krankt, kannst Du lernen. Weiterlesen

Fotograf Nathan Ishar:
«Möglichst wenig Überflüssiges»

Nathan Ishar, aufstrebender Fotograf aus Köln,  ist bekannt unter dem Pseudonym Pramudiya. Derzeit stellt Ishar in Bonn aus – dabei ist er nach abgeschlossenem Studium Jurist. Aber die Fotografie ist inzwischen seine erste Berufswahl. Im Gespräch sagt er, wie man seine Berufung zum Beruf ausbauen kann.

Nathan Ishar © Darius Kupczak

Du bist einer der Fotografen, die das Internet intensiv für ihre Vermarktung nutzen. Ob Facebook, WordPress, Tumblr oder Instagram, man findet Deine Arbeiten auf allen wichtigen Plattformen im Netz. Außerdem schreibst Du immer wieder Artikel für verschiedene Blogs. Welche Tipps hast Du für andere Fotografen, die bekannter werden möchten?

Die Bekanntheit sollte nicht die höchste Priorität bei der Arbeit als Fotograf sein, sondern dass man sich fotografisch weiterentwickelt. Wesentlicher als der Bekanntheitsgrad ist, dass man seine Zielgruppe erreicht und nicht einfach nur populärer wird, es sei denn, das ist Dein vorgängiges Ziel… Weiterlesen

Bildkritik Architektur in Abstraktion:
Form-(fast)-Vollendet

Manchmal kann man noch einen Schritt weitergehen, und ein fast perfektes Foto durch (zugegebenermaßen) drastische Nachbearbeitung zu einem hervorragenden machen.

Panasonic DMC-FT5 - 1/500 s - ISO 200 - f/10 - 4.9 mm - © Wiebke-Susanne Homann

Panasonic DMC-FT5 – 1/500 s – ISO 200 – f/10 – 4.9 mm – © Wiebke-Susanne Homann

Wiebke-Susanne hat uns diese Aufnahme der Universität Bielefeld unter dem Titel „Form-vollendet“ in der Kategorie „Architektur“ eingereicht. Sie  schreibt dazu:

«Der Schatten der Feuerleiter an der Wand hat mich fasziniert, und ich habe versucht, sowohl die triste Architektur, als auch den interessanten Schattenwurf abzubilden. Seit 10 Jahren arbeite ich in diesem Gebäude der Universität Bielefeld, und immer wieder springen mir neue Fotomotive ins Auge.»

Auf der Website von Wiebke-Susanne Homann sind noch mehr Bilder dieses Motivs zu sehen, aber dieses sticht für mich heraus, wenn auch der Titel etwas krankt (nicht ganz vollendet für mich – siehe unten). Aber zunächst zum Bild: Weiterlesen

Leserfoto – „Sensuality“:
Die Qual der Wahl

Nach welchen Kriterien sollte man Fotos auswählen?

(c) Mario Franke

Hallo, das ist das 2. Foto vom selben shooting, ich konnte mich nicht entscheiden! :o) Vielleicht könnt ihr ja entscheiden, nochmals DANKE!
Groetjes uit Belgie, Mario

Bevor sich jetzt diejenigen unter unseren Lesern, die vergeblich Fotos eingereicht haben, benachteiligt fühlen, weil von einem Fotografen fast hintereinander zwei mit fast identischem Motiv besprochen wurden, möchte ich erklären, was mich zu dieser Auswahl bewogen hat.

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Leserfoto – „Into the Light“:
Zu viel „Schliff“

Gute Fotos benötigen nicht viel „Schliff“.

(c) Mario Franke

 

Hallo, ich heisse Mario, lebe in Belgien und habe seit 2 Jahren die Leidenschaft zur Fotografie gefunden. Dieses Foto habe ich an einem verregneten Nachmittag geschossen mit der Tochter eines Freundes. Das Wohnzimmer wurde als Studio genutzt und 2 Softboxen haben mich beim Licht unterstützt. Ich bekomme immer positives Feedback von Familie und Freunde aber im Feedback sehe ich keinen Fortschritt,denn schön, toll und super sagt mir nicht ob ich knipse oder ob langsam etwas Qualität im Bezug auf meinen Fotos gibt.
Ich finde das Spiel mit Licht sehr interessant und durch die Haare bekommt das Bild für mich noch etwas mehr Dramatik. Das Spiel mit den Haaren ist zufällig gewollt.
Sorry für mein deutsch!
es wäre schön wenn ich mal eine professionelle Meinung bekommen könnte damit ich Fehler die ich als richtig sehe, abstellen kann und kleinen Schritt zu besseren Fotos nach vorn gehe.
Ich sage schon mal vielen Dank, und wünsche euch noch viel Erfolg und viele schöne Stunden mit tollen Fotos!

Groetjes uit Belgie, Mario

Im Geiste vollkommener Offenheit: ich bin ein Fan von Schwarzweißfotografie, und was Nachbearbeitung angeht eher ein Purist. Was notwendig ist, wie auch was zuviel wird, entscheidest am Ende Du als Fotograf. Jedenfalls halte ich mich schon seit Jahren an die Weisheit, daß Effekte und dergleichen ein schlechtes Foto nicht gut, ein durchschnittliches nicht herausragend, und ein gutes nicht noch besser machen.
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