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Gesten-Foto: Über den Ausdruck

Kurzbildkritik: Wenn man eine Geste darstellen will, muss man alle Akzente beachten. Dieses Bild ist etwas zu eindimensional.

Mann zeigt sich an die Stirn - Fotografie zur Geste

Die Erleuchtung © Christian Richter

Unser Leser Christian Richter aus dem hessischen Neu-Isenburg hat uns das obige Bild unter dem Titel „Die Erleuchtung” in der Kategorie ‚Portrait‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Nach langem Grübeln kam ihm die Idee …”

Das Bild ist gemäss EXIF mit einer [amazonna  B0000XNPKE]Sigma SD10[/amazonna] bei ISO 100 mit 1/80Sekunde und Blende 1 (so was gab’s zumindest mal von Canon, den Weltrekord in Lichtstärkehat aber inzwischen Leica) aufgenommen worden.

Die Bildanlage ist schon recht mittig, doch der Spannungsbogen zwischen Kopf und Hand mildert das Ganze etwas und läßt die Komposition nicht allzu statisch wirken.

Der Hintergrund ist vielleicht nicht in der Weise bereinigt bzw. freigestellt, wie man es sich für ein Porträt wünschen würde, doch finden wir hier andererseits auch keine allzu störenden Elemente.

Bei der Struktur fiel mir auf, daß das Bild insgesamt etwas unscharf, fast weichgespült wirkt. Hier vermute ich eine sehr aktive Rauschreduktion am Werk.

Was mich hier aber besonders umtreibt, ist Christians Bildbeschreibung bzw. -konzeption.

Dabei geht es ja um Ausdruckspsychologie und da muß ich vielleicht auch einige Rückgriffe auf meinen Zweitberuf eines Psychotherapeuten machen: eine ‚Heureka-Geste‘ beinhaltete demnach ein Erstaunen, ausgedrückt durch aufgerissene, zumeist noch oben gewandte Augen, untermalt von Freude und mit einem Finger, der noch an der Schläfe oder schon in der Luft sein mag.

Hier sehen wir hingegen herabgezogene Mundwinkel, einen finsteren Ausdruck und starren Blick, was eher als ‚Tocktock-Geste‘ auszulesen wäre …



Anna Peisl: Schiefe Whitebox

Die schiefe weiße Box der Münchner Fotografin Anna Peisl bringt unsere Sehgewohnheiten durcheinander. Die Perspektive verrutscht, der Mensch verliert gewohnten Halt.

© Anna Peisl

Anna Peisls „Whitebox“ wurde über mehr als drei Jahre zur schiefen Bühne für viele Menschen. Hundert von ihnen zeigt sie jetzt – nur eine Woche bis 7. Februar – in der Münchner Orangerie im Englischen Garten.

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Walter Schels/Beate Lakotta: Begegnungen mit Sterbenden

Mit dem Tod umgehen, sterbende Menschen fotografieren? Der Fotograf Walter Schels und die Journalistin Beate Lakotta begleiteten unheilbar Kranke in ihren letzten Tagen.

Walter Schels - aus der Ausstellung 'Noch mal leben'

Aus diesen Begegnungen entstanden einfühlsame Porträts von Menschen, die ihrem Tod sehr nahe sind. Die erschütternde Ausstellung ist aktuell in Stuttgart zu sehen – noch bis 20. Dezember.

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Zwiegespräch: Strassen-Schnappschuss

Die Begegnung zweier fremder Menschen zu beobachten und auch noch zu fotografieren ist eine spannende Angelegenheit. Die Herausforderung besteht darin, das Optimum einzufangen, ohne die Interaktion zu stören.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Patrick Figaj).

Kommentar des Fotografen:

Andalusisches Fest zum Ende des Sommers: Hinter den Kulissen ein alter Herr mit seinem Hund, der mit jedem, der sich ihm nähert, auch gerne mal ein Schwätzchen hält – ob man nun will oder nicht. In der Aufnahme ging es mir einerseits um die pure Situation, anderseits um den Kontrast zwischen den Personen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Patrick Figaj:

„Menschen zusehen“ ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen in Städten und auf Reisen. Am Rande postiert, könnte ich den Ein- und bisweilen Zwei- und Dreiaktern auf Gehsteig und Strasse stundenlang zusehen:

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