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Oskar Barnack Preis 2011: Sieger ist Fotograf Jan Grarup

Der «Leica Oskar Barnack Preis 2011» geht an den dänischen Fotografen Jan Grarup. Die Jury wählte seine Fotostrecke «Haiti Aftermath» zum Sieger. Den zweiten Preis, den «Leica Oskar Barnack Nachwuchspreis 2011» erhält Jing Huang aus China für seine Fotoreportage «Pure of Sight».

Jan Grarup: «Haiti Aftermath»

Mit «Haiti Aftermath» hält Jan Grarup das schwere Erdbeben vom 12. Januar 2010 und dessen Auswirkungen fotografisch fest. Nach Ansicht der Jury, zeigt Jan Grarup das Ausmaß der Katastrophe und das Schicksal der Überlebenden deutlich auf. Die Zerstörung ist massiv. Eine genaue Erfassung und Identifizierung der Opfer ist aufgrund der vorherrschenden Verhältnisse schwierig – Opferzahlen können bis heute nur geschätzt werden. Die Regierung geht von rund 300.000 Todesopfern und insgesamt mehr als drei Millionen Betroffenen aus. Damit handelt es sich um das schwerste Beben in der Geschichte Nord- und Südamerikas. Weiterlesen

Chris Killip: Kohle aus dem Meer

Menschen sammeln zu ihrem Lebensunterhalt Schwemmkohle aus dem Meer. Chris Killips Reportage darüber gilt als Klassiker der sozialen Dokumentarfotografie.

Chris Killip - aus der Serie Seacoal

Killps Bilder aus Nordengland wirken sehr frühkapitalistisch und erinnern auch an die berühmten Serien aus der amerikanischen Depressionszeit. In Braunschweig können wir die Reportage Seacoal erstmals vollständig sehen. Weiterlesen

Blickkontakt: Fotografisches Interview

Der direkte Blickkontakt ist das unmittelbare Transportmittel für Emotionen. In fotografischen Reportagen und Dokumentation muss er deshalb sehr bewusst eingesetzt werden.


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Roland Beck).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild des teppichknüpfenden Jungen aus Ecuador in seinem engen Arbeitsraum habe ich beim Scannen meiner Diasammlung wiederentdeckt. Die Szene hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Kann das Bild aber auch auf neutrale Betrachter eine Wirkung entfalten? Aufgenommen mit einer Leica CL Kleinbildkamera auf Kodachrome-Diafilm. Belichtungsdaten nicht mehr rekonstruierbar.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Roland Beck:

Ein Junge sitzt in einem Raum an einem hölzernen Webstuhl, dessen Wände mit Kalk geweisst scheinen. Durch das glaslose Fenster im Bildzentrum hinter dem Jungen, der nach links direkt in die Kamera blickt, fällt gleissendes Licht.

Diese Farbfotografie ist jedenfalls ein einprägsames Bild, das kaum ein Betrachter ohne nähere Untersuchung übergehen wird. Einerseits sind der Raum und die Tätigkeit des Jungen von indigener Abstammung mit Filzhut am Arbeitsplatz ausreichend exotisch, um unser Interesse zu wecken. Das dominante Element aber ist der direkte Blick des Jungen:

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Kinderaugen: Emotion und Information

Eine aufgeregte Kinderschar vor der Kamera ist eine Herausforderung, aus der sich vieles machen lässt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Rolf Pessel).

Kommentar des Fotografen:

Nordindien/Himalaya. Im abgelegenen Zanskartal wurde von einer Schweizer Stiftung eine Schule gegründet. Dies Bild wurde anlässlich der 10 Jahresfeier aufgenommen. Die Schüler sassen als Zuschauer vor der Bühne auf der Tanzvorführungen gezeigt wurden.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Rolf Pessel:

Drei Knaben jüngeren Alters drängeln sich vor der Linse des Fotografen: Einer vorne rechts hochformatfüllend im Fokus, dahinter ein zweiter, der den Kopf um neunzig Grad nach rechts kippt und hinter der Schulter des ersten hervorguckt und in der dritten Reihe einer, dessen fröhliches Lachen nur an den zusammengekniffenen asiatischen Augen zu erkennen ist. Alle drei Jungen tragen uniforme Baseballmützen.

Wir alle kennen die Szenen:

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Nachwuchsfotografie: Thomas Epping – „Cika“

Von Kindern im Asyl erzählt Thomas Epping in seiner Abschlussarbeit an der ecosign/Akademie für Gestaltung.


[photos title=“Cika“]

Gastbeitrag von „Flare

Zwei Monate lang hat Thomas Epping, Jahrgang 1983, einen Sozialarbeiter begleitet, der sich um Roma-Flüchtlingskinder in Köln kümmert. Das Ergebnis seiner Abschlussarbeit sind intime Portraits und Einblicke in das Leben von Flüchtlingsfamilien in Deutschland, ohne plakative Sozialromantik oder langweilige Klischees.

Gesucht: Top Ten
Nachwuchs-Fotografen

Das Online-Magazin Flare sucht in einem Wettbewerb die zehn besten Nachwuchs-Fotografinnen und Fotografen – vorschlagen kann sich jeder und jede selber, man kann aber auch Leute nominieren: Flare sucht die Top Ten unter 30.

Wir zeigen eine Auswahl der insgesamt 50 Bilder umfassenden Arbeit. In den ersten Tagen seiner Fotoreportage ließ Thomas die Kamera oft zu Hause, um zunächst das Vertrauen der Familien zu gewinnen. Das hat sich, wie die vertraut wirkenden Aufnahmen zeigen, mehr als ausgezahlt.

Geholfen hat dabei auch, dass der Sozialarbeiter Tihomir D., selber in den siebziger Jahren aus Serbien eingewandert, sich bereits seit Jahrzehnten um Flüchtlingskinder kümmert.

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Swiss Photo Award: Prostitution im Tessin

Der Swiss Photo Award ging in diesem Jahr an Jacek Pulawski. Seine prämierte Reportage: ein Wochenende mit einem Transsexuellen aus Chiasso.

Jacek Pulawski – aus: Un weekend con un transessuale di Chiasso (Quadrantaria in Ticino)

Zum zwölften Mal vergab Ewz.Selection den Swiss Photo Award für die besten Arbeiten des vergangenen Jahres mit insgesamt 35.000 Franken Preisgeldern. Achtung: Die Arbeiten aller 18 nominierten Fotografinnen und Fotografen sind nur bis 16. Mai in Zürich ausgestellt.

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Porträt ohne Gesicht: Der Tube-Pianist

Schnellschüsse aus der Hüfte können Glückstreffer werden. Oder der Fotograf hat Pech und schafft es nicht, das Wesen des Porträtierten einzufangen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Marvin Mendzies).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild ist entstanden, als ich im Londoner Untergrund unterwegs war.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Marvin Mendzies:

Ich möchte wetten, dass der Fotografen den Porträtierten vor dem Fotografieren nicht gefragt hat, ob er ein Foto machen darf bzw. auch nicht mit ihm geredet hat. So wirkt zumindest das Bild.

Marvin Mendzies hat es in der Rubrik „Porträt“ eingereicht, aber schon der Aufnahmestandpunkt lässt vermuten, dass hier sozusagen „aus dem Versteck“ fotografiert wurde. Das würde ich bei einer Reportage über somalische Kindersoldaten oder den ukrainischen Straßenstrich verstehen, aber nicht bei einem Keyboarder in der Londoner U-Bahn:

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Foto-Essay: Geschichten konzise erzählen

Reportage- oder Strassenfotografie muss vor allem eines: In jeder Aufnahme eine Geschichte erzählen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Nicolas Bruckmann).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto ist in einer Discothek am Nürburgring aufgenommen worden und zeigt GoGo-Girls bei der Arbeit. Eine Freundin von mir ist nebenberuflich GoGo-Tänzerin und hat mich eines schönen Samstagabends zum Fotografieren mitgenommen. Heraus gekommen ist ein kleines Essay, das auf meiner Flickr-Seite zu sehen ist.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Nicolas Bruckmann:

Eine Schwarz-weiss-Aufnahme im Reportage-Stil zeigt, eindeutig mit Blitz aufgenommen, zwei knackige junge Tänzerinnen im Disco-Outfit. Die Fotografie, aufgenommen aus einem tiefen Blickwinkel von der Bühne, auf der die beiden tanzen, nimmt in der linken Bildhälfte im Dunkel des Raums, an dessen hinterem Ende eine Bar zu sehen ist, ein paar junge Männer mit, die sich von der Bühne ab- und einem Gespräch oder einem Bildschirm an der nicht sichtbaren linken Wand zugewandt haben. Unmittelbar am Bühnenrand vor den beiden mehr als formathohen Tänzerinnen ist ein weiterer Besucher der Disco zu sehen, der über seine linke Schulter hinweg die eine der beiden jungen Frauen mustert. Im Halbdunkel hinter ihm sind schemenhaft weitere Zuschauer erkennbar.

Diese Fotografie zeigt eine möglicherweise typische Nachtclub-Szene in einem Stil, der zeitlich überholt scheint:

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Walter Schels/Beate Lakotta: Begegnungen mit Sterbenden

Mit dem Tod umgehen, sterbende Menschen fotografieren? Der Fotograf Walter Schels und die Journalistin Beate Lakotta begleiteten unheilbar Kranke in ihren letzten Tagen.

Walter Schels - aus der Ausstellung 'Noch mal leben'

Aus diesen Begegnungen entstanden einfühlsame Porträts von Menschen, die ihrem Tod sehr nahe sind. Die erschütternde Ausstellung ist aktuell in Stuttgart zu sehen – noch bis 20. Dezember.

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Fischmarkt-Foto: Schärfentiefe und Belichtung

Auch in der hektischen Umgebung eines Marktes darf eine Belichtung nur zu künstlerischen Zwecken ausgebrannte Stellen enthalten. Belichtungsserien oder die Nachbearbeitung können schwierige Situationen meistern helfen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Florian Müller).

Kommentar des Fotografen:

Dies ist ein Bild aus einer Serie, die ich auf dem Fischmarkt in Ciutadella, Menorca, aufgenommen habe. Ein freies Projekt. Die Bilder gehören zu meinen Lieblings-Stills. Danke für die Aufmerksamkeit!

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Florian Müller:

Dieses Stilleben ist Teil einer im Stil einer Fotoreportage geschossenen Serie (Link oben) Auf Nachfrage hat mir Florian erklärt, der Markt sei überdacht, die Aufnahme also innen gemacht.

Mein Blick blieb an dem Foto ursprünglich hängen, weil mich der Fisch in der unteren Mitte links so klagend anstarrte, und das macht auch den Charme dieses Fotos aus. Nicht nur ist es ein ungewöhnliches Motiv, Fotograf Florian Müller hat sich ganz bewußt auf die untere Bildmitte konzentriert.

Die große Blende von f/2.2 verleiht dem Foto eine geringe Schärfentiefe, so daß die Fische nach hinten hin schnell verschwimmen. Man bekommt den Eindruck, selbst mit in der Auslage zu sein.

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