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Überlagerter Foto-Film: Per Zufall zum Werk

Zeit spielt in der Fotografie eine grosse Rolle. Im Falle der Fotografie mit lange über seine Haltbarkeit hinaus gelagertem Foto-Film allerdings in einem ganz neuen Zusammenhang. Diesem Zufallselement widmet das Industrie- und Filmmuseum Wolfen eine Ausstellung.

Aufnahme mit überlagertem Film

Michael Doer

Nicht erst die totale technische Kontrolle durch die digitalen Kameras hat die Lust vieler Fotografen am Element Zufall geweckt: Lomographie war schon lange eine fotografische Sparte, bevor lustige Zufallsfilter aus der Handy-Kamera eine Bilderbox machten, die Unerwartetes ausspuckt. Inzwischen gibt es ein umfangreiches Sortiment an Lomographie-Kameras und Zubehör.

In der Film-Fotografie war der Zufall allerdings seit je her ein Element, das in den Ausdruck des Fotografen hineinspielte. Zeit war ausserdem nicht nur eine Grösse, die bei der Belichtung der Aufnahme eine zentrale Rolle spielte. Indem sie sich zwischen Aufnahme und Entwicklung legte wie meine Katze auf meine Tastatur wenn ich am Schreiben bin – die Resultate reifen ganz anders heran.

Das haben Pinhole-Fotografen auch schon mit Belichtungszeiten von einem halben Jahr und mehr auf die Spitze getrieben.

Eine weitere Art, Zeit in die Entstehung der Fotografien eingreifen zu lassen, ist die Analog-Fotografie mit überlagertem Film. Weiterlesen

Leserfoto: See in Schwarzweiß – Linien und Flächen

Bereits totfotografierte Motive können zu neuem Leben erweckt werden, wenn man sie mit anderen Augen sieht – und auch so aufnimmt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Florian Gampert).

Kommentar des Fotografen:

Ich weiß leider nicht mehr genau, wo in meinem Italien Urlaub ich das Bild gemacht habe.
Der Baum rahmt die Szene meiner Meinung nach schön ein. Ich würde mich über eine Kritik sehr freuen!

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Florian Gampert:

Dein Bild hätte ein langweiliger, nur für Dich interessanter Urlaubsschnappschuß werden können, hättest Du Dir nicht etwas mehr dabei gedacht, und das Motiv auf eine Weise eingefangen, die es jetzt auch für mich sehenswert werden läßt. Auf die Art, wie Du es fotografiert hast, ist es jetzt zwar kein Landschaftsfoto mehr im eigentlichen Sinn – für mich eher ein Kunstfoto – aber die Übergänge sind eben manchmal fließend.

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Porträt im Ambrotypie-Look: Grundlagen nicht vernachlässigen

Gerade bei einfach und sauber komponierten Porträts kommt es besonders darauf an, daß keine störenden Elemente vorhanden sind, da diese um so mehr auffallen. Auch die Nachbearbeitung kann hier eher hinderlich sein, wenn sie das Foto selbst nicht wirklich unterstützt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© André Bax).

Kommentar des Fotografen:

Hallo. Dieses Portrait enstand in meiner Familie. Ich habe versucht den Charakter dieser jungen Frau auf diesem Foto festzuhalten. Ich wollte mit dem Ambrotypen-Look die Bildwirkung verstärken. Ob ich damit auf dem Holzweg bin, werdet Ihr mir hoffentlich sagen können.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von André Bax:

Eine junge Frau blickt uns unverwand und ungestellt an. Sie wirkt nachdenklich, aber gleichzeitig auch irgendwie herausfordernd.

Es ist schwierig, solche Porträts zu schießen, weil viele Leute denken, sie müßten grundsätzlich lächeln, wenn sie fotografiert werden. Was mir bei diesem Foto gut gefällt, ist die saubere, klare Pose:

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Retro-Eisenbahnfoto: Des einen Traum…

Ein perfekt fotografiertes und bearbeitetes Motiv macht ein schönes, aber nicht immer interessantes Foto.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Calcada).

Kommentar des Fotografen:

Ich mag Eisenbahnbilder und besonders Dampflokomotiven. Ich finde das Motiv eignet sich hervorragend für eine Retro- Bearbeitung. Das Bild ist für mich eine kleine Zeitmaschine, in der die vergangene Zeit wieder lebendig wird. Die Oberleitung und andere „neumodische“ Details habe ich entfernt.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Michael Calcada:

Seit Photoshop und anderen digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten für Fotografen zum normalen Handwerkszeug wurden, haben sich Fotos zusehends von der Darstellung von „Realität“ wegentwickelt. In einer Zeit, wo jeder, der sich etwas auskennt, mit Bildern alles Mögliche machen kann, zählt verstärkt die Idee und deren Umsetzung.

Dein Foto einer Dampflokomotive, verfremdet durch einen antiken Effekt, fand ich spontan sehr ansprechend, wenn ich mich persönlich auch nicht für Lokomotiven interessiere.

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