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HDR-Momentaufnahme:
Schwarzweiß hätte schon gereicht

Wenn man HDR als Weg der Nachbearbeitung einschlägt, sollte man  jenen auch voll zuende gehen.

FUJI X 30 - ƒ/7.1 - 10.8 mm bei 2/3 Zoll Sensorgrösse , 1/80 Sekunde, 320 ISO. Blendenvorwahl, ISO-Auto bis 800 - (c) Michael Teuber

FUJI X 30 – ƒ/7.1 – 10.8 mm bei 2/3 Zoll Sensorgrösse , 1/80 Sekunde, 320 ISO. Blendenvorwahl, ISO-Auto bis 800 – (c) Michael Teuber

Michael Teuber aus München schreibt zu diesem Bild, das er unter dem Titel „Greed“ (= „Gier“) eingereicht hat:

Das Bild wurde anlässlich des diesjährigen „Wave Gotik Treffen“ in Leipzig an der Moritzbastei mit meiner Strassenkamera, einer FUJI X 30 aufgenommen. Die Situation an der Moritzbastei ist mittlerweilen die, das dort auf 10 Teilnehmer ( mit entsprechender Bekleidung und extrovertiertem Äusseren ) ein Fotograf kommt, der diese Teilnehmer, in der Hoffnung auf möglichst spektakuläre exzentrische Bilder, gefragt oder ungefragt abbildet. Angesichts des vollkommenen Verlustes jeglicher Privatspäre bei so einem Festival in diesem öffentlichen Raum dürfte es auch rechtlich vollkommen irrelevant sein, ob man diese Personen erkennt oder nicht.

Ich habe nun mal den Spiess umgedreht und versucht, auf sehr überzeichnende Weise mit HDR-Bearbeitung diese Sensationsfotografen in ihrer Gier abzubilden. Daher auch der Bildtitel.

Mir ist schon klar, das das ein äusserst provokantes Foto ist, aber es zeigt ja auch die Realität der heutigen Bilderwelt, wo es nur noch um Sensation und aufreisserische Bilder geht. Insofern ist dieses Bild ein innerer Spiegel der hier fotografierenden Menschen.

Wer das nicht glaubt, kann gerne mal „Bilder WGT“ ergoogeln.

Genau das habe ich erst einmal getan, bevor ich mir das Foto zur Besprechung ausgesucht habe. Und in der Tat, man sieht auf manchen Aufnahmen eine riesige Gruppe Fotografen, die auf eine Person draufhalten. Insofern war der ursprüngliche Titel durchaus zutreffend. Weiterlesen

Architekturfoto:
Ein veränderter Blick

Eine interessante Architekturfotografie: Der Blick von unten gegen den Himmel schafft eine spannende Tonwertverteilung und Kontrastunterschiede.

Ausgangsbild

Leser Detlef Reich aus Bonn hat uns das obige Bild unter dem Titel „Post-Tower, Bonn” in der Kategorie ‚Architektur‘ zur Besprechung eingereicht:

Anbei habe ich eine Ansicht des Post-Towers in Bonn. Bei der Aufnahme handelt es sich um meine ersten Ausflüge in die Architektur- sowie SW-Fotografie. Für mich war bei dieser Aufnahme wichtig, die gezeigten Form-Elemente dieses Gebäudes zu betonen und eine für den Betrachter ungewohnte Sichtweise zu präsentieren. Als Equipment verwendete ich eine Olympus E-M1 mit Zuiko 9-18 bei ISO 100, sowie ein Stativ.

Über die verwendete Ausrüstung hatte Detlef bereits berichtet. Die Brennweite betrug 9,0 mm (entsprechend 18,0 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 2,0), die Belichtungsdaten waren 1/6 Sekunde bei Blende f/20,0.

Betrachten wir zunächst die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Schwarz-Weiß Fotografie:
Mein digitaler Workflow

Du magst Schwarz-Weiß-Fotografien? In diesem Artikel verrate ich dir meinen Schwarz-Weiß-Workflow – und wie ich ein besserer Schwarz-Weiß-Fotograf geworden bin.

Winter am Teich in Schwarz-Weiß - (c) Darius Kupczak

Winter am Teich in Schwarz-Weiß – (c) Darius Kupczak

„Wenn du Menschen in Farbe fotografierst, dann fotografierst du Ihre Kleidung. Wenn du sie in Schwarz Weiß fotografierst, dann fotografierst du Ihre Seelen,“ ist ein bekanntes Zitat von Ted Grant. Es ist natürlich etwas überspitzt, aber die Grundaussage stimmt schon. Damit ist nicht gemeint, dass Farb-Portraits „falsch“ oder „nicht schön“ sind, sondern dass Farben ein Bild wesentlich komplexer machen.

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Analoges Mittelformat:
Hasselblad 500c vs. Mamiya 7

Ein Anfänger des analogen Mittelformats und zwei vollkommen unterschiedliche analoge Mittelformat-Kameras treffen aufeinander. Ein Selbstversuch.

Mittelformat-Kameras Hasselblad 500c Mamiya 7

Die zwei analogen Mittelformat-Kameras Hasselblad 500c und Mamiya 7

 

Ich betreibe schon seit längerer Zeit das Projekt „Finding analog love„, bei dem ich die im Einzelhandel erhältlichen Filme für mich persönlich teste. Bisher habe ich dazu meine Nikon FE2 genutzt. Wie bereits berichtet, bin ich in einem Foto-Club. Einer der Vorteile eines solchen Clubs ist es, dass man sich Equipment untereinander verleihen kann. Da einige Mitglieder schon sehr lange fotografieren, haben sie auch noch richtige Schätzchen aus der analogen Zeit im Schrank. So bekam ich die Gelegenheit, gleich zwei hervorragende Mittelformat-Systeme auszuprobieren und zu vergleichen, soweit das möglich ist.

Ich muss dazu gleich vornweg sagen, dass ich kein Experte für analoge Fotografie bin, auch wenn ich schon länger damit rumspiele und auch meine schwarzweissen Filme selbst entwickle.

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Bildkritik Architektur in Abstraktion:
Form-(fast)-Vollendet

Manchmal kann man noch einen Schritt weitergehen, und ein fast perfektes Foto durch (zugegebenermaßen) drastische Nachbearbeitung zu einem hervorragenden machen.

Panasonic DMC-FT5 - 1/500 s - ISO 200 - f/10 - 4.9 mm - © Wiebke-Susanne Homann

Panasonic DMC-FT5 – 1/500 s – ISO 200 – f/10 – 4.9 mm – © Wiebke-Susanne Homann

Wiebke-Susanne hat uns diese Aufnahme der Universität Bielefeld unter dem Titel „Form-vollendet“ in der Kategorie „Architektur“ eingereicht. Sie  schreibt dazu:

«Der Schatten der Feuerleiter an der Wand hat mich fasziniert, und ich habe versucht, sowohl die triste Architektur, als auch den interessanten Schattenwurf abzubilden. Seit 10 Jahren arbeite ich in diesem Gebäude der Universität Bielefeld, und immer wieder springen mir neue Fotomotive ins Auge.»

Auf der Website von Wiebke-Susanne Homann sind noch mehr Bilder dieses Motivs zu sehen, aber dieses sticht für mich heraus, wenn auch der Titel etwas krankt (nicht ganz vollendet für mich – siehe unten). Aber zunächst zum Bild: Weiterlesen

St. Marxer Friedhof im Frühling:
Nachbearbeitung ist eine individuelle Entscheidung

Klischee oder nicht – Nachbearbeitung ist eine individuelle Entscheidung. Schwerer wiegen manchmal andere Dinge, die schon bei der Aufnahme anders hätten gemacht werden sollen.

Canon EOS 6D, 35mm Festbrennweite von Canon, f6,3 1/200, ISO 400

War ein sonniger früher Frühlingstag, neue Kamera wollte getestet und geübt werden, ein Besuch am größten noch erhaltenen Biedermeierfriedhof bot sich da an. In der Bearbeitung hat mir dann s/w trotzdem besser zum Thema Friedhof passend gefallen. Aber ob das jetzt zu sehr Klischee ist, ich weiß es nicht? Das Bild hängt außerdem etwas, tatsächlich ist es aber gerade, es ist einfach der Weg dort schräg. Bin mir da nicht sicher, ob ich das grade rücken soll, damit es fürs Auge passt…

Du hast uns hier ein Foto des St. Marxer Friedhofs in Wien eingereicht. Zu sehen sind links und rechts Grabsteine, fast mittig ein Baum, der im Weg wächst. Rechts sieht man auch umgefallene Grabsteine. Das ganze hast Du in Schwarzweiß gehalten. Weiterlesen

Review:
„PhotoKlassik – Das Magazin für aktuelle analoge Fotografie“

Titelseite

„Analog“ ist nicht gerade das Wort, mit dem man Neues in Verbindung bringt. Trotzdem gibt es Enthusiasten, die wieder neue Reize in der analogen Photographie setzen wollen. Zwei dieser wunderbaren Menschen sind Wolfgang Heinen und Thomas Maschke, die der Analogphotographie gleich ein ganzes Magazin widmen: PhotoKlassik.

Alles übers Analoge

Das Magazin erscheint quartalsweise und ist mit 9,80€ nicht gerade günstig, doch 40€ pro Jahr bezahlt man auch für billigere Magazine, die jeden Monat erscheinen. PhotoKlassik beschäftigt sich auf seinen knapp 100 Seiten mit verschiedenen Themenbereichen:

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Motive erkennen:
Perspektive finden (Teil 2)

(c) Carsten Schröder

Gute Motive finden sich überall um uns herum. Man muss sie nur erkennen und umsetzen lernen. Im 1. Teil dieses Beitrages habe ich Euch bereits ein paar Beispiele mitsamt ihrer Entstehungsgeschichte vorgestellt. Hier noch ein paar mehr.

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Motive erkennen:
Perspektive finden (Teil 1)

(c) Carsten Schröder

Viele Menschen schauen bloß, manche „sehen“. Sehen in diesem Sinn kann man nicht wirklich lernen – entweder man hat ein fotografisches Auge, oder man hat es nicht – aber man kann jenes fotografisch schulen, und aus Szenen werden dann Motive. Wie man diese umsetzt, ist eine andere Sache. Weiterlesen

«Playing Bass»:
Bühnenaufnahme mit zuviel Raum

Bei manchen Fotos macht der Beschnitt das Bild

(c) Olaf Veit

Nikon D800 – F 3.2 – 1/125 Sek.- 100.0 mm – ISO-4000

 

Die Aufnahme entstand während eines Polo Hofer Konzertes. Ich habe diese in schwarzweiss umgewandelt und wäre froh über eine Beurteilung.

Du hast uns eine Bühnenaufnahme eines Konzerts eingereicht, in der der Bassist einer Band „im Augenblick“ zu sehen ist. Er hat die Augen geschlossen, spielt vielleicht ein Solo – man weiß es nicht. Polo Hofer mußte ich zugegebenermaßen erst einmal nachschlagen; es handelt sich um einen Schweizer Mundart-Rocker, und der abgebildete Musiker ist demnach Teil seiner Band. Persönlich mag ich diese Art von Musik, speziell etwa so Leute wie Hubert von Goisern, und wünschte mir, es gäbe mehr ihrer Sorte anstatt des vorherrschenden pseudo-englischen Musikbreis, den man sonst geboten bekommt. Weiterlesen