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Schärfenverlagerung iPhone:
Eine Sache der Physik

Geringe Schärfentiefe bieten eigentlich nur sehr lichtstarke Objektive bei längeren Brennweiten – und in grossen Kameras. Der Effekt hängt nämlich auch mit der Sensorgrösse zusammen – und galt daher bisher für die winzigen Kameras in Smartphones als unerreichbar. Inzwischen schaffen sie’s doch – mit Software-Hilfe.

sttropez

Fred Germann aus Saarbrücken schreibt zu diesem Bild: Beim Sommerurlaub in St. Tropez aufgenommen, als Schnappschuss mit dem Iphone 6s mit dem Versuch der Schärfeverlagerung.

Achtung: Dies ist keine eigentliche Fotokritik. Ich fand Fred Hermanns Aufnahme einfach interessant, weil sie den Fokus (Tadaa!) auf einen grossen Unterschied der kleinen Handykameras zu den grossen Spiegelreflexkameras lenkt, den erst neue Software einigermassen zu überwinden weiss: Den Mangel der Kontrolle über die Schärfentiefe.  Weiterlesen

Sensorgrössen:
Das Zollformat-Missverständnis

Der «Ein-Zoll-Sensor» in meiner Sony-Kompaktkamera hat weder eine Bilddiagonale noch sonst irgendeine Länge von einem Zoll. Die Zoll-Angaben bei Sensorgrössen beziehen sich auf alte Technologie – den Durchmesser der ursprünglichen Bildaufnahme-Röhren.

Vidicon Bildaufnahmeröhre {Wikipedia/sphl;https://de.wikipedia.org/wiki/Bildaufnahmer%C3%B6hre}

Vidicon Bildaufnahmeröhre Wikipedia/sphl

Und plötzlich geht’s nicht mehr um Megapixel, sondern um grosse Sensoren und hochauflösende elektronische Sucher: Das durfte ich feststellen, nachdem ich mich einige Zeit lang nicht mehr mit der Entwicklung der Technologie im Kamerabereich beschäftigt hatte. Die Bewegung in Richtung echter Bildqualität auch bei kompaktesten Kameras dürfte dem Umstand zu verdanken sein, dass inzwischen jede Smartphone-Kamera mit einem Sensor von der Grösse der bisherigen Kompaktkameras (16 Quadratmillimeter) im zweistelligen Megapixelbereich auflöst. Wer braucht denn also noch eine Kamera, wenn das iPhone doch schon super Bilder aufnimmt?

Jeder, der nicht mit ausgestrecktem Arm rumrennen, der oder die Bilder auch in greller Sonne sorgfältig komponieren will; ein optisches Zoom benutzen und auch im Halbdunkeln noch brauchbare Bilder machen möchte. Und jede, die Wert legt auf geringe Schärfentiefe in Offenblendenbildern. Weiterlesen

Blitzfotografie:
Mit Sensor und Regenschutz

Lightning Trigger {Stepping Stone Products, USA;http://store.lightningtrigger.com/}

 

Blitze fotografieren, ohne die Kamera einfach nachts auf Langzeitbelichtung zu stellen: Wie geht das? Es geht mit einem Sensor, der Blitze erkennt und den Auslöser viel schneller bedient, als wir Menschen das mit unseren Reflexen könnten.

Das einzige Gerät, das ich hierbei für ausreichend zuverlässig halte, ist der Lightning Trigger von Stepping Stone Products (die bezahlen mich nicht für diesen Werbespot, ich schöre es.)

Natürlich gibt es auch bei diesem Ausrüstungsgegenstand viel Auswahl und viele Hersteller mit wesentlich billigeren Produkten.  Weiterlesen

Leserfoto:
Der Alien-Käfer auf dem fremden Planten

Das Spiel mit den Größenverhältnissen macht aus etwas Wüste, paar Gräsern und einem Scarabaeus eine kleine Fantasiewelt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jochen Smolka).

Kommentar des Fotografen:

Ein Südafrikanischer Wüstenscarabaeus in Namaqualand.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Jochen Smolka:

Tierfotos leben oft entweder von der Niedlichkeit ihrer Protagonisten oder ihrer Exotik. Wohl nur die wenigsten werden den Wüstenscarabaeus niedlich nennen, deswegen ist klar, dass bei diesem Foto die Neugier und der ungewohnte Anblick eines in unseren Breiten kaum anzutreffenden Tiers dominieren. Man spürt fast das Verlangen, den Panzer abzuklopfen, um dessen Härte zu testen und fragt sich, wie weich die Haare an den Beinen sein mögen.

Ich finde, das Foto ist ein gutes Bild, aber nicht nur wegen des exotischen Käfers, sondern vor allem wegen seiner Kombination mit der Umgebung. Die Pflanzen und Gräser, zusammen mit Sand, bei dem jedes einzelne Körnchen genau zu erkennen ist und der geringen Tiefenschärfe (interessanterweise trotz des kleinen Kamerasensors) sorgen für eine seltsame Wahrnehmung der Größenverhältnisse. Das Bild erinnert mich in der Anmutung an die Werbeaufnahmen mit dem Tilt-Shift-Effekt der Telekom, bei dem reale Stadtszenen wie bei einer Modelleisenbahn wirkten. Der Sand und die Gräser lassen aber erahnen, dass das Tier doch eher klein sein muss.

Die zweite unweigerliche Assoziation – vielleicht hervorgerufen durch zu viele Fantasy- und Science-Fiction-Romane – lässt mich bei dem Bild an die Wüstenlandschaft eines fremden Planeten denken, in der der Scarabaeus die Rolle des fremdartigen Aliens einnimmt. Daran ist sicher der knorrige rötliche Stamm der Pflanze links vom Käfer schuld und außerdem hat der Fotograf die alte Regel eingehalten, dass möglichst immer auf Augenhöhe fotografiert werden sollte und deshalb eine sehr niedrige Kameraposition eingenommen. Das wiederum sorgt für die optische Täuschung, dass wir entweder sehr stark geschrumpft worden sind oder der Käfer doch sehr groß ist. Wieder also das Spiel mit den Größenverhältnissen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

Hasselblad CFV-39:
39 Megapixel für Kameras ab 1957

Hasselblad stellt ein neues digitales Rückteil für ihre Kameras der V-Serie vor. Das Rückteil kann an alle Hasselblads montiert werden, die seit dem Jahr 1957 gebaut wurden, und katapultiert diese damit auch ins digitale Zeitalter.

Hasselblad cfv-39

Die Daten beeindrucken schon beim Lesen: Ein 16-bit Rohdatenbild aus dem Digitalen Rückteil der Hasselblads, das von Adobe-Produkten gelesen werden kann, benötigt 50 MB – und als Tiff-Datei mit nur 8-bit gespeichert sogar rund 117 MB pro Bild.

Da sind selbst große CF-Speicherkarten schnell voll. Um das zu umgehen, kann auch direkt per Firewire800 auf eine Festplatte im angeschlossenen PC gespeichert werden.

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Canon EOS 500D:
Video und ISO-Boost für Amateure

Mit der EOS 500D bringt auch Canon Video in der Spiegelreflex zu den Amateuren. Die bezahlbare Dual-Mode-SLR nimmt in Full HD auf -allerdings mit „nur“ 20 Bildern pro Sekunde.

Canon EOS 500D mit Digic-4 Prozessor und Full-HD-Video. (Bilder Canon)

Die Nikon D90 war die Premiere, dann hat Canon gleich auf Profistufe mit der 5DMKII nachgezogen: Video hält definitiv Einzug auf den Spiegelreflexkameras. Das war vorher ausgeblieben, weil die grossen Sensoren anders als die in Kompaktkameras nicht für ständiges Auslesen konzipiert waren. Für Live-View – die Benutzung des Monitors als Sucher – musste das ermöglicht werden, und folgerichtig war der nächste Schritt, eine Aufnahme dieser Daten und damit Video zu ermöglichen.

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Sensor-Nanotechnik:
Noch kleinere Pixel?

Nanotechnologie soll bislang eher für Schuhspray herhalten, oder selbstreplizierende Nanoroboter. Wie wäre es mit kleineren Bildsensoren?

Ein Fotoauge - bald noch kleiner? (Bild: Pixelio.de/sprisiAngesichts des Megapixelwahns fragt man sich, ob Nanotechnik in der Kameratechnik nun wirklich sinnvoll ist. Doch muß man immerhin keine unkontrollierbaren Folgen fürchten wie in der Chemie.

Tatsächlich sollen nun auch nicht etwa die Sensorpixel auf Nanogröße geschrumpft werden, sondern mittels winziger in die Metallschicht des Sensors integrierter Nanostrukturen dessen Empfindlichkeit gesteigert werden:

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Nikon D3X:
140 MB pro Foto

Die Nikon D3X ist die Studioversion der Nikon D3. Sie bietet mehr Pixel – und weniger Empfindlichkeit.

Nikon D3X: Fürs Studio gebaut.Die Nikon D3 setzte Maßstäbe in der Empfindlichkeit: Sie bot erstmals ISO 25600 geboostet, ISO 6400 regulär. Die D700 wurde dann mit dem gleichen Sensor ausgestattet, der ungewöhnliche Aufnahmen ermöglicht.

Nun gibt es die D3X , eine D3 mit neuem Sensor:

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Stacheldraht:
Hyperperfekt und unvollkommen

Die Digitalisierung hat der Fotografie große Veränderungen beschert. Einer der negativen Auswirkungen ist eine übertriebene Perfektion und Leblosigkeit der Bilder.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Gregor Holzner).

Kommentar des Fotografen:

Soll düster, beklemmend wirken

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von GreGor Holzner:

Während der letzten Jahre hat die digitale Technologie einen großen Einfluss auf die Fotografie ausgeübt. Für uns alle, die mit dem Verwenden von Film begannen, ist einer der größten Neuerungen die Beschaffenheit und Tiefe, die man mit Digitalkameras im Vergleich zu Fotofilmkameras erreichen kann. Dieses Foto ist ein gutes Beispiel:

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Nikon MX-Sensor:
Digitales Mittelformat?

Bringt Nikon 2009 eine Art von abgespecktem digitalem Mittelformat? Hinweise auf einen „MX“-Sensor deuten auf ein quadratisches Format mit über 40 Megapixeln für Landschafts- und Studiofotografie.

[Edit: Korrektur einiger eher dümmlicher Definitionsfehler. PS]

Bringt Nikon einen MX-Sensor? Inserat für die WPPI

Lange hielt Nikon mit einem Sensor für Digitalkameras hinter dem Berg, der dem „Vollformat“ von Kleinbildfilm entspricht: DX, das kleiner Sensorformat, das die Brennweiten der Objektive durch den Cropfaktor auf 1.5 verlängert, schien Nikons einzige Strategie zu sein.

Dann kam endlich mit dem FX-Format in der D3 (und jetzt der D700) doch das Vollformat. Und jetzt, sagen Gerüchte, legt Nikon mit einem Quasi-Mittelformat-Sensor von 48mmx 48mm und über 40Megapixeln nach:

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