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Einsame Parkbänke: Stimmung macht eine Landschaft

Meistens lohnt es sich zu warten, und sich noch einmal umzudrehen, noch ein letztes Foto zu schießen. Viele große Fotos, wie etwa Dorothea Langes „Migrant Mother“, sind so entstanden. Allerdings verspricht Warten nicht immer Erfolg. Manchmal ist das Foto, das dann entsteht, nicht unbedingt besser als das, das davor entstanden wäre.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jan Lorenz).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto entstand während eines Spaziergangs. Ich hatte mich geärgert, da sich eine Wolke vor die Sonne geschoben hatte, als ich aus dem Wald kam und es so recht dunkel wurde. Ich setzte mich eine Weile auf eine der Bänke, und wartete ab, ob das Sonnenlicht zurückkommen würde. Als abzusehen war, dass es bald dunkel wird, machte ich mich auf dem Heimweg. Ich drehte mich doch nochmal um und machte dieses Foto. Im Nachhinein denke ich, dass es eine gute Entscheidung war.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Jan Lorenz:

Jan Lorenz hat hier eine Landschaft dargestellt, die vollkommen bar jeder menschlichen Gestalt im Dämmerlicht liegt. Zwei Bänke stehen leer am Waldrand, alles wirkt etwas verloren und düster. Die Webseite des Fotografen hat den Slogan „Es gibt an jedem Ort Schönes zu entdecken, man muß nur seine Augen öffnen.“ Dort sind noch mehr Landschaften in der Art zu finden, wie er sie hier abgebildet hat.

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Wetter und Fotografie: Den Schweinehund überwinden

Wer als Landschaftsfotograf bei vermeintlich „schlechtem“ Wetter den inneren Schweinhund niederringt, dem winkt als Belohnung die Energie für Monate voller Motivation. Ein Erlebnisbericht.

Mono Lake, CA. Das Geisterschiff (Foto © P. Sennhauser).

Ich habe mir am Wochenenden auf dem Rückweg von Las Vegas (von der Elektronikmesse CES) einen Umweg durch die östliche Sierra Nevada gegönnt, um noch ein oder zwei Landschaftsshootings mitzunehmen.

Die Fahrt durchs Death Valley nach Lone Pine und von da aus nach Norden via Bishop an den Mono Lake bietet eine Strecke voller versteckter Schönheiten. Aber häufig verstecken sich die grössten Schönheiten hinter nichts anderem als dem inneren Schweinehund.

Wie wir gleich sehen werden.

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Linde mit Stockhorn: Gibt es zu viel Harmonie?

Zu viel Harmonie und zuviel Beachtung der Regeln können ein Bild sterilisieren.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Marcel Zaugg).

Kommentar des Fotografen:

Linde mit Stockhorn Aufgenommen im Juni 2004 auf dem Uttiggut, Bern, Schweiz an einem wunderbaren, warmen Abend.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Marcel Zaugg:

Eine grosse, grüne, saftige Linde in einem knallgelben Kornfeld vor einer glasklaren Kulisse der Schweizer Alpen unter einem blauen Himmel mit Schäfchenwolken. Die Beschreibung des Bildes klingt fast zu perfekt.

Und so ungern ich das sage:

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Anonymer Sänger: Gesicht obligatorisch

Bei Aufnahmen von Menschen sollte das Gesicht zu sehen sein. Das gilt auch für Konzertfotos, und selbst wenn der Sänger wild springt und sich ständig bewegt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Mathias Krüger).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto ist zu später Stunde und Dunkelheit in Wismar auf dem Campus Open Air entstanden, ich habe nur minimal an den Farben gedreht und es etwas zurechtgeschnitten (auf Hintergrundbild-Format). Ich mag die Lichtstimmung und die Umrandung, links vom blauen Schimmer, rechts vom Sänger, unten vom Publikum. Würde trotzdem gerne hören, was ihr dazu sagt.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Mathias Krüger:

Konzerte sind nicht der beste Anlass zum Fotografieren. Laut, dunkel, viel Bewegung, wenig Platz: Das erfordert vom Fotografen hohe Konzentration und Aufmerksamkeit. Mal klappt es, mal nicht.

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Leadsänger-Actionporträt: Livebild in Studioqualität

Weil die Werbung häufig Reportage- und Streetfoto-Stil imitiert, sind wir bei derartigen Fotos Topqualität gewohnt. Umso bemerkenswerter ist es, wenn sie in einer echten Reportage-Situation glücken.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Stephan Amm).

Kommentar des Fotografen:

Ein Konzertphoto, welches ich mit einer klassischen Reportagebrennweite (35mm) gemacht habe. Die Nähe war natürlich nur möglich durch die geringen Bekanntheitsgrad der Band.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Stephan Amm:

Nah-Porträt eines Leadsängers, dem Stil der Aufnahme nach zu schliessen einer Rock`n Roll-Band. Die Schwarz-Weiss-Aufnahme zeigt Hand und Mikrofon und das Gesicht des Stars, der mit gläsernem Blick in seinen Liedtext versunken scheint, in einer Mischung aus hartem Gegenlicht und indirekter Beleuchtung von rechts unten.

Wieder ein Bild, zu dem ich gratulieren möchte – diese Aufnahme ist sowohl in der Komposition – die bei Reportage-Bildern ja nicht bis ins Detail geplant werden kann – als auch in der technischen Umsetzung ausserordentlich geglückt.

Da ist zunächst das Motiv selber:

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Strandfoto: Endzeit-Leuchten

Abends wird das Licht am Strand oft zusätzlich durch Dunst und Nebelschwaden spannend. Wenn das Meer zur Lichtsee wird, lassen sich tolle Stimmungsbilder schiessen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Andrea Schneider).

Kommentar des Fotografen:

Letzten Sonntag in Nordwijk, Niederlande. Die bereits vorhandene Lichtstimmung wurde durch Verlaufsfilter dramatisiert. Ich bin unsicher, ist das zuviel, zu bunt?

Peter Sennhauser meint zum Bild von Andrea Schneider:

Der Strand am Abend, mit flach einfallendem, goldenem Sonnenlicht, dramatischer Bewölkung und schemenhaften, als Schatten wahrnehmbaren Spaziergängern.

Mir fällt hier zunächst die Komposition positiv auf, indem der Wasserhorizont ungefähr im unteren Drittel, die Menschen am Strand links im Goldenen Schnitt platziert sind.

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Sonnenaufgang auf Mallorca: Mehr als Abdrücken

Ein typisches Urlaubsbild: Für die Fotografin ein wunderbarer Moment, für die Betrachter ein lauer Sonnenaufgang mehr. Kann man das ändern?

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Melanie Steiner).
Kommentar der Fotografin:

Am Morgen in Mallorca

Peter Sennhauser meint zum Bild von Melanie Steiner:

Es gibt wohl kaum ein typischeres Urlaubsbild als der Sonnenauf- oder Untergang am Meer, mit Wolken am Himmel, Spiegelung im Wasser und wenig, das uns im Bild festhält.

Und das, obwohl hier einiges passiert: Die Sonnenstrahlen schiessen über den Wolken durch den Himmel, die Sonne selber ist halb verdeckt von den Wolken, unten links ist ein Fischerboot und gradeaus in der Bucht etwas anderes, vielleicht ein Schwimmer, im Wasser zu sehen.

Aber Bilder wie dieses haben wir alle zu oft gesehen, meist wissen wir sogar, was die Fotografin ablichten wollte und leiden ein wenig mit ihr, weil auf dem Papierabzug einfach nicht ein Hauch der Stimmung aufkommen will, wie sie an diesem Morgen herrschte. Und meistens sagen wir jetzt irgendwas wie „ja, diese herrliche Morgenstimmung!“ und versuchen vom Bild abzulenken, um nichts über die Fotografie selber sagen zu müssen:

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Sonnenaufgang-Foto: Weniger ist mehr

Vor und nach Sonnenauf- oder Untergang findet ein Spektakel von Farben, Formen und Licht statt, das oder gerade einfachen Bildern viel Emotionalität verleiht.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Torsten Muehlbacher).

Kommentar des Fotografen:

Früh morgens ging es zum Gipfel des Kellerjochs. Die Sicht war nicht gerade berauschend, jedoch wirkt dies -meiner Meinung nach – sehr gut auf die aufgehende Sonne. Man sieht dadurch die Sonne sehr gut und man meint, sie gehe zwischen den Bergen auf.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Torsten Muehlbacher:

Die Sonne geht auf und scheint durch den Dunst über den Bergen nur knapp und grellrot hindurch. Die Gipfel der Alpen um den Fotografen herum erscheinen als blosse Schemen in verschiedenen Blau- oder Grautönen, wobei sich die Kanten zum jeweils ferneren Berghang durch leichten weissen Dunsthauch abgrenzen. Der Himmel über der Sonne erstrahlt in einem knalligen Verlauf von Rot zu einem von Federwolken durchzogenen Gold.

Ich finde nicht, dass die Sicht nicht berauschend war, als Du diese Aufnahme gemacht hast – im Gegenteil:

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Rafal Milach: Black Sea of Concrete

Der polnische Fotograf Rafal Milach gewinnt mit „Black Sea Of Concrete“ den Fotobuchpreis des Online-Verlags Blurb. Exzellente Bilder einer Landschaft zwischen Zerstörung und Idylle.

Rafal Milach: Aus Black Sea of Concrete

„Das erste, was einem auffällt, ist der Beton. Kilometerlange Reihen schwarzer Blöcke, manchmal bemalt in blau und gelb, den Nationalfarben der Ukraine.“

Der polnische Fotograf Rafal Milach war im Auftrag einer NGO unterwegs an der russisch-ukrainischen Grenze und der Schwarzmeerküste – und hin- und hergerissen zwischen der Schönheit der Landschaft und der überwältigenden Architektur aus der Sowjet-Ära. Er wollte die Ukraine im Winter fotografieren, wenn die Touristen verschwunden sind und die Landschaft roh und leer ist.

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Parkfoto: Vom Baum zum Schloss

Statt einer typischen Schloss-Aufnahme gibt es hier auch das Drumherum: Die ausgedehnten Parkanlagen, die mehr über das Schloss erzählen als das Gebäude allein.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jan Thomas Michaelsen).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild ist im Park bei Leeds Castle, England, entstanden. Der Park und seine Fauna und Flora sind fast beeindruckender als das Schloss selbst. Insbesondere dieser Baum hatte es mir angetan, spiegelt er doch das Alter und die lange Geschichte dieses Ortes sehr gut wieder. Leider war auch mit viel rumlaufen keine bessere Perspektive, die das Schloss unverdeckt gezeigt hätte, zu bekommen.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Jan Thomas Michaelsen:

Diese Landschaftsaufnahme lebt von der Tiefe. Im Vordergrund steht ein wuchtiger, knorriger Baumstamm, dahinter kommt eine Wasserfläche, danach ein gepflegter englischer Rasen mit einem ebenfalls grünen Baum und dahinter kommt das Schloss, in diesem Fall das Leeds Castle in England. Hinter dem Schloss bilden eine Baumreihe und ein bedeckter Himmel den Abschluss des Bildes.

Diese Staffelung ist es auch, welche die Geschichte des Fotos erzählt.

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