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Strassenfotografie: Posterstories

Gute Strassenfotografie führt den Betrachter zu einem emotional bewegenden Punkt, ohne ihn in ein zu enges Korsett zu zwängen: Die Geschichte entsteht im Kopf.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Hans Feyh).

Kommentar des Fotografen:

Im Regen – Hauseingang gefunden. Verzweiflung, sie verpasst ihr Date!

Peter Sennhauser meint zum Bild von Hans Feyh:

Eine Junge Frau steht in dieser hochkant-Schwarz-Weiss-Fotografie in einem Hauseingang. Aus dem Flur und anscheinend aus der Hüfte fotografiert, scheint sie die Kamera nicht zu bemerken: Sie lehnt mit verschränkten Armen am Türpfosten und beisst sich auf die Unterlippe. Draussen zeugt regennasser Boden im unscharfen Hintergrund, warum die in Sandalen und leichter (50er-Jahre-?) Sommerkleidung ausgestattete Dame hier steht.

Die Emotion erschliesst sich in diesem Bild nicht auf den ersten Blick:

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Eine helfende Hand: Straßenfoto mit Berührung

Gute Streetaufnahmen fixieren eine sich spontan vor den Augen des Fotografen entfaltende Geschichte so, daß der Betrachter automatisch ins Foto gezogen wird.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© peter gutzat).

Kommentar des Fotografen:

Immer aus der suche nach was besonderen! in einer stadt in süddeutschland gesehen. so schnell wie es kam, so schnell war das motiv verschwunden. EILE WAR GEBOTEN, eine möglichkeit hatte ich. NUR DIESE !!!

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Peter Gutzat:

Der Reiz guter Straßenfotografie ist, Menschen in ihrem Alltag, in ihrer Umgebung so festzuhalten, daß das Foto zum Augenzeugen wird. Da sich die Situationen genauso schnell verflüchtigen, wie sie dem Fotografen gewissermaßen vor die Linse springen, ist es wichtig, Abläufe vorhersehen zu können, um im richtigen Augenblick auf den Auslöser zu drücken:

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Roller vor Straßencafe: Straßenfoto mit Colorkey

Spezialeffekte geben nicht immer das gewünschte Ergebnis – oder sie wirken dem Bild sogar entgegen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Manfred Wiese).

Kommentar des Fotografen:

Eine Straßenszene in der Kölner Altstadt. Besonders der Zusammenhang zwischen dem historischen Roller und den älteren Herren, die Spass an einem guten Glas Kölsch haben, hat mich dazu bewegt, diesen Schnappschuss aufzunehmen. Ich bin der Meinung, dass das Bild sich hervorragend für den Colorkey Effekt eignet und habe es deshalb so mit Lightroom umgesetzt.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Manfred Wiese:

Du hast hier eine nette Szene aus der Altstadt eingefangen, und ich möchte mich fast auch mit dazusetzen, um ein Bier zu trinken. Die beiden Männer sind ins Gespräch vertieft, einer von ihnen lacht, sie nehmen nicht wahr, daß sie fotografiert werden. Davor steht ein Roller, der einem von ihnen gehören könnte.

Ich hätte das Foto etwas aufgehellt:

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Strassenfotografie: Perfekt inszenierte Silhouette

Perfekte Komposition mit vielen Linien, die auf ein ebenso perfektes Subjekt zeigen: So entsteht eine hervorragende Fotografie.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Gregor John).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Foto ist bei einem Fotoshooting für einen Freund enstanden. Dieser ruft eine eigene neue T-Shirtmarke ins leben, für BMX, Dirt- und Downhillfahrer. (MTB)Für seine Hompage habe ich ein paar Fotos von seinem „Team“ geschossen. Dieses Foto jedoch war für mich. Mich hat die Struktur der Architektur sehr beeindruckt, und der Zusammenhang mit meinem Sport war das i-Tüpfelchen. Das schwere an dem Foto war es, den Fahrer noch soweit zu motivieren, dass er sich ausreichend an der Kante in die Luft drückt und einen kleinen Tabletop (ein Trick) zeigt. Nach einer ganztägigen Fototour durch Graz war bei Sonnenuntergang die Kraft und die Lust raus, was sich bei Anblick dieses Fotos auf dem Display schnell wieder änderte. Da diese Foto eigentlich relativ einfach ist, ist es, so finde ich, trotzdem ein Highlight meiner Sammlung und deswegen würde ich es auch gerne von Profis bewerten lassen. Entstanden in Graz-Liebenau in Österreich.

Profi Stuart Schwartz meint zum Bild von Gregor John:

Eine hervorragende Aufnahme. Das Licht, die Komposition, der entscheidende Moment: Alles in einem Sekundenbruchteil mit einer einzigen stimmigen Belichtung eingefangen.

So entsteht diese Silhouette des Subjekts gegen den Himmel, der noch dazu mit einem sehr weichen Verlauf erscheint. Der Schlüssel für diesen Erfolg liegt in der Wahl der richtigen Tageszeit.

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Strassenfotografie: Der Geschichte Raum geben

Strassenfotografen versuchen in der Regel, Szenen aus dem realen Leben zu finden, die sich in einem Bild wiedergeben lassen und dabei einen ganzen Handlungsstrang insinuieren.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jens Franke).

Kommentar des Fotografen:

Eine ältere Dame auf der Suche nach Leergut in den Strassen von Stuttgart. 1/50 f/1.8

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Jens Franke:

Eine ältere Frau mit Kopftuch in roter Jacke geht von links nach rechts fast formatfüllend durch dieses Bild. Sie trägt eine grüne Plastik-Netz-Einkaufstasche mit undefinierbarem Inhalt – vielleicht Plastiktüten. Im Hintergrund, offenbar einer Strassenecke, sind in der Unschärfe andere Menschen auszumachen.

Strassenfotografie heisst so, weil sie auf der offenen Strasse statt im Studio stattfindet.

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Strassenfotografie: Die Bühne Haltestelle

Im Alltag und auf der Strasse verhalten sich Menschen ihrem Kulturkreis und der Situation entprechend verschieden. Vor allem Wartesituationen haben es in sich.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Reinhard Krause).

Kommentar des Fotografen:

Tram-haltestelle; ursprünglich in Farbe. Das Foto wurde gemacht kurz bevor die Bahn kam – also wenig Zeit zum reagieren. „Aneinandergereite“ Personen, verschiedene Körperhaltungen, lässig-Großstadt, beiläufig.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Reinhard Krause:

Neun Personen sind insgesamt auf diesem frontal aufgenommenen Schwarz-Weiss Bild einer Tramhaltestelle in Berlin (?) zu sehen. Sie stehen dabei paarweise und allein, aber in einer Linie, wie aufgereiht auf der Perlenschnur, kümmern sich aber allesamt nicht um die anderen Wartenden.

Angeblich werden die Stockwerksanzeigern in Fahrstühlen immer hoch angebracht, damit sich die Menschen im Lift nicht in die Augen schauen müssen, sondern während der unangenehm gedrängten Fahrt gebannt woanders hinblicken können:

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Strassenszene: Versteckte grafische Schätze

Stadtlandschaften bieten viele versteckte Schätze: Fassadenausschnitte, Winkel und Kontraste – oder auch mal bunter Müll auf einer Litfasssäule.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Nils Waldow).

Kommentar des Fotografen:

Haben Sie sich schon mal gefragt,was sich alles auf Litfaßsäulen befindet? Nein? Ich bevor ich dieses Motiv sah auch nicht.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Nils Waldow:

Wir blicken in dieser Farbaufnahme von schräg oben auf etwas, was wir erst auf den zweiten Blick als Litfasssäule erkennen: Ihr Dach, das die gesamte rechte Bildhälfte aussmacht, ist bestreut mit Müll und bunten Dingen aus dem Alltag, die in wildem Durcheinander schon fast wieder ein Farbmuster bilden. Darunter ist eine Rasenfläche und ein Plattenweg zu erkennen, an dem eine kleine, grüne Mülltonne steht.

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Strassenfoto: Situationen vorhersehen

Street oder Strassenfotografie ist nicht gleich Schnappschuß. Effektive Fotos sehen Situationen vorher, erzählen Geschichten.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Max Denzer).

Kommentar des Fotografen:

Hallo, aufgenommen habe ich das Photo im Sommer auf Gomera. Ich musste schnell reagieren, bevor die Muslimin hinter der Ecke verschwand, und habe in der Eile die Füsse abgeschnitten. Dennoch ist es mein Lieblingsphoto aus diesem Urlaub. Man kann es abstrakt lesen, als Muster, oder aber auch als Kommentar zur Stellung vieler muslimischer Frauen in der Öffentlichkeit. Eure Kritik würde mich sehr interessieren.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Max Denzer:

Die von mir vielzitierte Helen Levitt war eine Meisterin der Straßenfotografie. Über Jahrzehnte hinweg hat sie unzählige Bilder von New York geschossen. Diese sind zum Teil unscharf oder haben andere technische Mängel, über die man aber hinweg sehen kann, weil die Fotos an sich so gut getroffen, so einprägsam sind.

Gute Straßenfotografie sieht Situationen vorher:

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Strassenfotografie: Maler ohne Bild

Ein Foto ohne Motiv kann als abstraktes Muster wirken oder als Zusammenspiel sorgfältig komponierter Farben oder Muster. Aber ein gegenständliches, realistisches Foto ohne Motiv wirkt langweilig.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Peter Gutzat).

Kommentar des Fotografen:

STREET PAINTER.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Peter Gutzat:

Auf den ersten Blick dachte ich, das Foto zeige einen obdachlosen Bettler auf der Straße sitzen und der Fotograf traue sich nicht, ihn von vorne zu fotografieren, aus Angst, bemerkt zu werden.

Erst beim zweiten Blick wirkte die Haltung nicht ganz passend, und der Kommentar „Street Painter“ des Fotografen brachte Aufschluss. Gezeigt wird kein Obdachloser, sondern ein Straßenkünstler, ein Zeichner:

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Tanzbären-Paradox: Strassengeschichte

Wenn Strassenfotografie Motiv, Exotik und Emotion zu einer Geschichte kombiniert, ist ein wesentliches Ziel erreicht. Wenn wir Fragen stellen müssen, ein weiteres.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Alexander Borais).

Kommentar des Fotografen:

Bei einem Spaziergang durch die Straßen Sankt Petersburgs (Russland) beobachtete ich auf einer Brücke diesen Jungen mit einem Zirkusbär. Es ist eine SW-Analogaufnahme, Spiegelreflex Nikon F3 mit einem 20 mm Nikon-Weitwinkel (gescannt und bearbeitet). Das Bild war schief, habe es gerade gerückt und einen Ausschnitt gewählt. Möglicherweise ist der Himmel zu hell?

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Alexander Borais:

Ein Junge mit wilder Frisur sitzt in diesem Hochformat-Schwarzweiss-Bild auf einer Mauer und stützt mit nachdenklich/traurigem Blick den Kopf in die Hand. Zu seiner Linken steht unter ihm ein junger Tanzbär mit Maulkorb, der sich anscheinend spielerisch an des jungen Bein zu schaffen macht und dabei in die Kamera blickt.

Ein starkes Stück. In unseren Breitengraden ist ein Tanzbär ein Anachronismus, und unser Tierschutz-Gewissen wird sich sofort mit einer gewissen Empörung ob diesem Bild Luft machen wollen. Damit ist ein Teil der Emotionalität bereits gegeben, die eine gute Fotografie aufweisen muss.

Hier geht die Geschichte aber noch viel weiter:

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