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Blumenfotografie: Buschwindröschen, weichgezeichnet

Blumenfotografie wirkt besonders, wenn sie mit passendem Hintergrund, minimaler Schärfentiefe und ungewohnter Perspektive arbeitet.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Anne Berlin).

Kommentar der Fotografin:

Dieses Bild entstand Anfang April, als überall die Buschwindröschen zu blühen begannen. Für mich ist es immer wieder faszinierend, wie diese zarten Blümchen Wind und Wetter trotzen. Die Zartheit der Blüte und ihre schlichte Schönheit wollte ich in diesem Bild einfangen, die Schönheit, die in der Einfachheit liegt.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Anne Berlin:

Ein Buschwindröschen (?) ragt in diesem in weichen Pastellfarben gehaltenen Hochkant-Bild über den Betrachter hinaus auf. Aus dem dunklen Grün der Stammblätter unten ragt ein Stiel in weichem Schwung ins oberste Drittel des Bildes, wo die weisslila Blüte sich ganz leicht vom Betrachter abwendet und einem vollständig in der Unschärfe verlaufenen Hintergrund fast nahtlos vorsteht.

Daraus ragen die kräftiggelben Stempel der Blüte, die im Fokus liegen.

Was soll man dazu sagen:

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Landschaftsfoto: Spannende Ungereimtheiten

Landschaftsfotografie lebt von der Tiefe. In mancher Tele-Aufnahme aber kleben Vorder- und Hintergrund dafür umso beeindruckender aufeinander.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Pascal Mathys).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild habe ich vor Jahren im Winter gemacht. Hinter dem „einsamen“ Baum ist ein Tal, welches von Schnee bedeckt war. Ab einer bestimmten Höhe war dieser dann wieder geschmolzen, was dem ganzen einen schönen Kontrast gibt. Dieses Bild (Mit einer Bridgecam geschossen) war der Anlass für mich, mich mehr mit der digitalen Fotografie auseinander zu setzen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Pascal Mathys:

Ein Baum an einem Abhang steht im Zentrum dieser schwarz-weissen Landschaftsfotografie. Seine nackten Äste und die Umgebung – ein Acker ganz im Vordergrund, Büsche daneben und ein verschneiter Hintergrund – wirken seltsam falsch, wie bei einem verspäteten Wintereinbruch kurz vor dem Frühling.

Das Tal im Hintergrund ist verschneit, könnte aber auch – die puderzuckerweissen Bäume sprechen Bände – von einem Frostnebel in eine Märchenlandschaft verwandelt worden sein. Dafür spricht auch der Umstand, dass der Wald ab einer gewissen Höhe im Bild nicht mehr weiss ist.

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Elend in Vancouver: Strassenfotografie ist nicht gleich Schnappschuss

Gute Straßenfotos wirken einfach und spontan, auch wenn manchmal viel Planung und Beobachtung in ihnen steckt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Urs Mücke).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto „Elend“ ist als Schnappschuss im Canadaurlaub (Vancouver) entstanden. Ich habe bewusst die heranfahrende Limousine abgewartet, um den Kontrast zwischen den beteiligten Personen noch zu verstärken. Der herabblickende Passant und das Zusammenspiel der Personen machen den Reiz dieser Aufnahme aus. Aufgenommen wurde das Bild mit der kleinen Panasonic Lumix DMC-FX01. Anschließende Bearbeitung (Vignettierung und SW)

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Urs Mücke:

In seinem Gespräch mit Bill Jay, „On Being a Photographer“ (erschienen auf Englisch bei lenswork.com), spricht Magnummitglied David Hurn die Planung von Fotoessays an. Er vertritt dort die Meinung, daß ein gutes Fotoessay, wie auch ein gutes Foto an sich, Planung verraten läßt.

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Möwen auf der Brücke: Effekt macht Motiv

Auch scheinbar überholte, ausgelutsche Motive können durch eine neue Herangehensweise wieder an Reiz gewinnen: In diesem Fall sorgt ein Tilt-Shift-Objektiv für eine neue Betrachtungsweise auf Möwen in der Stadt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Friedrich Ganter).

Kommentar des Fotografen:

Ich war mit dem Tilt-Shift für Architekturaufnahmen unterwegs. Da fiel mir diese Möwenszene auf. Um bei diesem Weitwinkel eine geringere Tiefenschärfe zu bekommen habe ich das Objektiv stark verschwenkt. Durch Nachbearbeitung wurden die Möwen noch optisch hervorgehoben. 24mm f/5.6, 1/80s

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Friedrich Ganter:

Ein gewöhnliches Motiv. Möwen auf dem Geländer eine Brücke. Durch zwei kleine Kunstgriffe wird jedoch auch dieses Bild zu einem Hingucker:

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Blumenfoto: Die vielen Unterschiede

Was hebt diese Fotografie einer wilden Orchidee von den üblichen Blumenbildern ab? Eine ganze Liste beachtenswerter Punkte.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Stephan Amm).

Kommentar des Fotografen:

Das Holunderknabenkraut, früher eine weit verbreitete Orchidee, ist heute außerhalb der Alpen nur noch an wenigen Fundorten anzutreffen. Bei uns im Frankenwald gibt es noch einige Stellen mit teilweise über 100 Exemplaren. Besonderes Glück hatte ich dieses Jahr bei einer kleineren Population, die in ihrer Lage für mich einmalig ist, am Hang, mit der Chance, daß die Frühjahrssonne mit ihren letzten Strahlen die Orchideen, von denen es auch eine rote Variante gibt, illuminiert. Ein Makro mit langer Brennweite (200mm) bei offener Blende sorgte für die Vignettierung und die „Auflösung“ der Umgebung.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Stephan Amm:

Eine wilde Orchidee im letzten Licht des Tages, fotografiert mit extremer Brennweite, steht in einer Wiese mit hohen Grashalmen, die im Vorder- und Hintergrund ind er Unschärfe verschwinden.

Diese Aufnahme könnte als Schulbeispiel für gut gemachte Blumenaufnahmen dienen:

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Krisenfotograf Emilio Morenatti: Kontraste

Der verletzte Emilio Morenatti ist in den USA in ein Rehabilitationsspital verlegt worden und guter Dinge. Wir werfen einen weiteren Blick auf seine Arbeit.

Der Ballonmann. Klick zur Bildstrecke mit Emilio Morenattis einzigartigen Bildern.

Emilio Morenatti und Frau Marta. (keystone)AP-Fotograf Emilio Morenatti, lange vor seiner schweren Verletzung durch eine Strassenbombe Mitte August beim Einsatz in Afghanistan mit amerikanischen Truppen ein Star, ist in den USA in ein Rehabilitationszentrum in Baltimore eingeliefert worden – und fotografiert dort unentwegt weiter.

Morenatti und seine Frau Marta Ramoneda scheinen guter Dinge zu sein:

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Sprungturm-Stillleben: Mystische Betonklötze

Fotografische Wunderwelten zu erschaffen verlangt bisweilen kaum mehr als ein gutes Auge – und das Geschick, die richtigen Elemente im Bild zu verstärken.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Ralf Augustin).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand im Rahmen einer Reihe vergangenen Winter. Thema: „Bodensee im Winter“. Aufgenommen wurde es im Strandbad Arbon. Zu sehen ist ein Sprungturm. Fasziniert hat mich dieser grobschlächtige Betonquader aus den Fünfzigern, der mich an die Ueberreste der Normandie Landung im 2. Weltkrieg erinnerte. Um die Spiegelung einzufangen, habe ich mich für eine Langzeitbelichtung entschieden. Nachträglich manueller Weissabgleich und vignettiert. (Ueber die Vignettierung „stolpere“ ich bei jeder neuen Betrachtung…) Graufilter mit 8 Blendenstufen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Ralf Augustin:

Es gibt Fotos, die aufgrund ihrer grafischen Wirkung funktionieren. Es gibt Fotos, die emotional bewegen. Und es gibt Fotos, die dem Geist Spielraum für lange Entdeckungsreisen liefern. Wenn all diese Eigenschaften in einem Bild vereint werden, entsteht etwas Ausserordentliches.

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Kaiserkrone: Aus einer andern Welt

Reduktion, Nahaufnahme und Abstraktion können aus den einfachsten Dingen kleine Weltwunder machen. Die Farbe, die Struktur und die Beleuchtung dieser Pflanze erschaffen gemeinsam eine andere Welt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Rüdiger Schütz).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand im Botanischen Garten in Krefeld und zeigt die Blüte einer so genannten Kaiserkrone. Mehr als auf die realistische Abbildung der Pflanze kam es mir hier auf die Farbwirkung verschiedener Schattierungen von Rot an. Ob mir das gelungen ist, würde ich gern von Euch wissen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Rüdiger Schütz:

Wie durch Reduktion etwas grösseres entstehten kann – dafütr ist dieses Bild ein perfektes Beispiel. Deine Entscheidung, statt der ganzen Blüte oder gar der ganzen Pflanze nur das Rot der Kaiserkrone aufzunehmen, verschafft diesem Naturwunder mehr Aufmerksamkeit als jedes Vollporträt.

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Vignettierung: Strahlende Menschen

Randabschattung oder Vignettierung versuchen wir in der digitalen Dunkelkammer meist zu korrigieren. Dabei kann sie einem Bild das gewisse etwas geben.

Vignettierung im Porträt: Originalbild

Das Originalbild: Gegenlicht, und aufgrund der Spotmessung im Gesicht der beiden deutlich überbelichtet. (© Peter Sennhauser)

Vignettierung im Porträtbild

Das Bild nach einer Bearbeitungssitzung: Die künstliche Vignettierung zentriert alle Blicke auf den beiden Gesichtern. (© Peter Sennhauser)

Dem Softerotik-Fotografen und Regisseur David Hamilton wird nachgesagt, er soll als Weichzeichner einen Nylonstrumpf über das Objektiv seiner Kamera gezogen und mit einer Zigarette ein Loch ins Zentrum gebrannt haben. Das Resultat sollen angeblich die Hamilton-typischen, watteweichen Schmusefotos gewesen sein – lange, bevor sowas mit Photoshop an jedem Bild geübt werden konnte.

Mehr als den Mädchen-Fotografen aus meiner Teenie-Zeit interessiert mich heute die Technik von Profis wie dem spanischen AP-Fotografen Emilio Morenatti, der in Asien für die Agentur unterwegs ist und häufig erstaunliche Bilder über den Dienst schicken lässt. Ihnen sind allen einige Dinge gemeinsam:

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