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24 Stunden: Auf Distanz

Kirgistan; Sarai, Aserbaidschan; Kabul, Afghanistan; Berlin, Deutschland. (Bilder Keystone)

Nicht nah genug dran? Nicht jede Fotografie lebt von der Nähe. Weitwinkel oder Kompositionen mit viel Raum haben einen besonderen Reiz.

In der Rubrik „24 Stunden“ veröffentlichen wir die besten drei bis fünf Pressebilder aus den vergangenen 24 Stunden, ausgewählt nach rein fotografischen Kriterien.

24 Stunden: Fluchtpunkte und weite Winkel

New York, USA; Scheveningen, Holland; Gaza, Israel; Frisco, Colorado, USA; Houston, Texas. (Bilder Keystone)

Mit einem Tele lassen sich Dinge zusammenziehen und dichter, lebhafter machen. Mit dem Weitwinkel und / oder einer kleinen Blende lassen sie sich strecken und furchteinflössend weit, einsam und leer machen.

In der Rubrik „24 Stunden“ veröffentlichen wir die besten drei bis fünf Pressebilder aus den vergangenen 24 Stunden, ausgewählt nach rein fotografischen Kriterien.

Grössenvergleich: Zu viel ist zu wenig

Diesem Bild fehlt eine eindeutige Aussage – durch fehlenden Vorder- und Hintergrund und einen Mangel an Konzentration auf das Wesentliche. Die Bildabsicht – ein Grössenkontrast – wird nicht erreicht.

© Thomas Meier. - Canon EOS 450D - 1/250s - f/11 - ISO 100 - 10mm (15mm)
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thomas Meier). – Canon EOS 450D – 1/250s – f/11 – ISO 100 – 10mm (15mm)

Kommentar des Fotografen:

War am Wochenende in Cadiz. Den Kontrast zwischen kl. Fischerbooten und gigantischen Strommasten fand ich interessant (alt und modern, groß und klein). Zum Bildaufbau: Hauptmotiv ist der Strommast rechts, Blick soll von den Seezeichen unten halb rechts in einer Linie zum Hauptmotiv und dann in den Mittelpunkt zum zweiten Mast auf der anderen Seite der Meerenge gehen.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Thomas Meier:

Der Fotograf wollte bei diesem Bild den Kontrast zwischen kleinen, alten Fischerbooten und dem gigantischen, moderenen Strommast hervorheben. Eine gute Idee, da diese Kontraste ganz offensichtlich vorhanden sind und damit allein schon Spannung im Bild erzeugen könnten.

Könnten, denn im Foto selber gibt es keine Spannung, da die Kontraste der Bildinhalte nicht sorgfältig genug herausgearbeitet wurden:

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Baumleichen: Infrarotes Horrorbild

Waldbrandregionen bieten wohl viele ungewöhnliche Motive, aber auch Farbkombinationen. Auf die Idee einer Infrarotaufnahme muss man zuerst mal kommen.

michaelgoermann.jpg
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Görmann). Keine eindeutigen Exif-Daten

Kommentar des Fotografen:

Die Aufnahme entstand einige Wochen nach den verheerenden Waldbränden in Kalifornien. Es ist eine Infrarotaufnahme ohne besondere Nachbearbeitung. Tageszeit: früher Nachmittag.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Michael Görmann:

Ich gestehe, dass ich mich mit Infrarot bisher noch nicht versucht habe. Umso mehr staune ich immer wieder, was damit möglich ist: Winterlandschaften mitten im Sommer, halbtransparente Büsche – oder eben ein Bild wie aus einem Horror-Computerspiel.

In diesem Fall passt’s ja bestens:

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Kornfeld im Weitwinkel: Nah und weit zugleich

Die Weite eines dramatischen Himmels und ein reifes Kornfeld reichen bei kleiner Brennweite für ein stimmungsvolles Landschafts-Stilleben – solch ausgewogene Bilder brauchen allerdings einen oder zwei kompositorische Widerhaken, um nicht nach der ersten Betrachtung schal zu werden.

Horst Fuchs: Kornfeld mit Mohnblüte
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Horst Fuchs). – Nikon D300 – 1/640s – f/8 – ISO200 – 10mm (15mm)

Kommentar des Fotografen:

Aufgenommen habe ich dieses Bild auf dem Heimweg von der Arbeit. Der zerrissene Himmel und die bereits goldenen Weizenhalme zeigten für mich ein richtiges Sommerbild auf. Als Farbtupfer habe ich noch eine Mohnblüte eingefügt, die leider nicht an dieser Stelle wuchs.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Horst Fuchs:

Dies ist eines dieser Bilder, die auf den ersten Blick (und in geringer Auflösung wie auf dem Kamera-Monitor, auch jenem einer D300) den Wow!-Reflex auslösen – den sie dann bei näherer Betrachtung allerdings nicht oder nur knapp einhalten können.

Wirklich gut gelungen ist der Kontrast aus den Ähren im Nahbereich – die den Betrachter gewissermassen in der Nase kitzeln – mit dem durch die winzige Brennweite verzogenen, weiten Himmel. Ich liebe diesen Effekt:

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Regenlandschaft: Mehr Weite und Korn

Dieses Bild ist ein gutes Beispiel dafür, wie wenige Elemente es braucht, um eine optisch ansprechende Szene und ein aufsehenerregendes Foto zu machen.

Sacscha Diercks
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sascha Diercks). – Canon EOS 400D – 1/200s – f/4.5 – ISO 200 – 31mm (46mm)

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild entstand an einem Sommertag auf dem Deich von St. Peter Ording. Wir wurden dort von einem heftigen Regenguss überrascht. Dieses Bild entstand 10 Minuten bevor uns der Regen erreicht hat. Ich habe versucht, in dem Foto den Platzregen und dei Regenwolken über dem weit entfernten Strand einzufangen. Das Foto wurde aus der Hand aufgenommen und in Lightroom in Schwarz/Weiss konvertiert.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Sascha Diercks:

Obwohl ich nicht die ursprüngliche Farbversion gesehen habe, denke ich, schwarz-weiß war eine gute Wahl:

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Nachtaufnahmen: Aufhellblitz oder Taschenlampe

Nächtliche Langzeitaufnahmen könnten häufig einen Aufhellblitz – meist auf dem Vordergrund-Objekt – vertragen. Alternative wäre die Lightbrush-Technik.

Oliver Raupach
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Oliver Raupach). – Canon EOS 350D – 25s – f/13 – ISO100 – 18mm (27mm)

Kommentar des Fotografen:

Das Bild ist eine nächtliche Langzeitaufnahme und zeigt das Trojanische Pferd vor der Antikensammlung in München. Belichtungsdaten siehe EXIF. Das Bild ist als Teil einer Belichtungsreihe entstanden – hier plus 2/3.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Oliver Raupach:

Dieses Foto hätte sehr von einer etwas anderen Perspektive, einem grösseren Weitwinkel und einem Blitz, der das Holzpferd aufhellt, profitiert.

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Zu viel Vordergrund: Rahmen mit Mass einsetzen

Das Spiel mit einem unscharfen Vordergrund vor einem weiten Hintergrund ist beliebt, um einem Bild Tiefe zu verleihen. Aber das sollte mit Mass geschehen – und beide Ebenen müssen etwas Interessantes zu bieten haben.

Cyril Schlauri
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Cyrill Schlauri). – Nikon D70s – 1/400s – f/5.6 – 20mm (30mm), ISO 200

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand auf Tierra del Fuego (Argentinien) im Dezember 2006. Es zeigt für mich eindrücklich die Weite und Kargheit, aber auch die faszinierende Schönheit dieser einmaligen Landschaft. Durch den Vorder- und Hintergrund und den Einsatz der Tiefenschärfe (ist aber zuwenig… nicht so tolles Objektiv) wollte ich Tiefe und Dimension ins Bild bringen.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Cyrill Schlauri:

Es gibt viele Dinge, die dieses Bild zu einem besonderen Blickfänger machen. Die Wolken, die in die Ferne ziehen, verleihen dem Foto ein Gefühl von Tiefe und Dimension, die parallelen Linien des Zaunes und der Horizont teilen es in verschiedene Teile und führen unseren Blick durch das ganze Bild, während der Metallschuppen einen Referenzpunkt für unsere Augen darstellt, nachdem wir unseren Blick durch das Bild haben schweifen lassen.

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Leserbilder in der Profi-Kritik: Stürzende Linien

Gebäude werden durch Weitwinkel-Objektive sehr rasch verzerrt. Ein höherer Standpunkt und ein Normalobjektiv – oder die Bearbeitung in der digitalen Dunkelkammer – schaffen Abhilfe.

Patrick Federi
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Patrick Federi). – NIKON D70s – 1/2000s – f/4 – ISO 200 – 18mm (27mm)

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Patrick Federi:

Wie ich so oft sage, ist es besser, man kommt dem Foto, das man haben will, schon bei der Aufnahme so nah wie möglich, als später alle Fehler in der Dunkelkammer ausbessern zu müssen.

Dies gilt sogar heutzutage, wo die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung nur noch durch unsere Vorstellungskraft begrenzt sind, und uns die meisten Nachbearbeitungs-Tricks viel, viel leichter machen.

Dieses Foto, das in Kanada aufgenommen wurde, hätte verbessert werden können, wenn der Fotograf entweder ein Tilt/Shift-Objektiv benutzt hätte, oder mithilfe einer Leiter, eines Autos, etc. ein paar Meter höher gestiegen wäre und dabei ein «Standardobjektiv« wie ein 50mm benutzt hätte.

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