Thomas Struth: Das präzise Sehen

Das präzise Sehen steht im Zentrum von Thomas Struths fotografischer Arbeit. Und immer wieder: das Verhältnis zwischen Betrachter und dem Betrachteten.

[textad]Thomas Struth: Chemistry Fume Cabinet

Erstmals in Europa sehen wir jetzt einen Gesamtblick auf das Schaffen dieses Großmeisters der Fotografie. In Düsseldorf, wo er studiert und alles angefangen hat.

Thomas Struth: Düsselstraße, Düsseldorf 1979

1978 beginnt also der Blick auf das Werk von Thomas Struth – mit bisher noch nie öffentlich gezeigten Schwarzweiß-Bildern der Straßen von Düsseldorf. Diese Bilder werden auch nur dort in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20 zu sehen sein. Am Ende der Gesamtschau stehen Struths aktuellste Bilder aus dem Jahr 2010, die ebenfalls hier noch nicht im Original zu sehen waren.

Thomas Struth: Paradise 09 (Xi Shuang Banna) Provinz Yunnan

Die Ausstellung ist aber nicht chronologisch, sondern nach Werk-Gruppen geordnet, so teilt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit. Im Zentrum stehen die aktuellsten Arbeiten von Thomas Struth aus den letzten zehn Jahren. Die Aufnahmen sind in Hochtechnologie-Labors, in Industrieanlagen oder dem Kennedy-Weltraumzentrum von Cape Canaveral entstanden. Sie alle stellen hochkomplexe Konstruktionen „auf kondensierte Weise“ dar, so Thomas Struth – eben im konzentrierten präzisen Sehen.

Thomas Struth: Museo des Prado 4

Das Space-Shuttle-Programm hat er einmal mit dem mittelalterlichen Kathedralenbau verglichen. Struth reflektiert in diesen Bildern ein „Höchstmaß an menschlicher Anstrengung, Überzeugung, Organisation und vielleicht auch Hybris“.

Neben diesen neueren Arbeiten sind auch Struths „Klassiker“ zu sehen, die Dschungelbilder „Paradises“, die Bilder aus den Museen (Betrachter und Betrachtetes) oder die Familienporträts. Die Düsseldorfer Schau umfasst insgesamt über hundert Motive.

Thomas Struth: The Felsenfeld / Gold Families, Philadelphia, 2007

Thomas Struth, Jahrgang 1954, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf zunächst bei Gerhard Richter Malerei, dann ab 1976 bei Bernd Becher Fotografie. Auf Thomas Struths Website finden wir Bilder von 1977 bis 2002. Der Katalog zur Ausstellung [amazon 9783829604635]Thomas Struth – Fotografien 1978 – 2010[/amazon] erschien bei Schirmer/Mosel in München.

Thomas Struth – Fotografien 1978 – 2010
Bis 19. Juni
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K20 Grabbeplatz, Grabbeplatz 5, D-40213 Düsseldorf, +49 (0)211. 83 81-204, service@kunstsammlung.de
Geöffnet Dienstag bis Freitag 10 – 18 Uhr, Samstag 11 – 18 Uhr, Sonn- und Feiertage 11 – 18 Uhr

Thomas Struth
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

23 Kommentare
  1. Reinhard Witt
    Reinhard Witt sagte:

    CorinnZS Du hast das studiert nicht wahr?… :-) Wer sonst als Normalo kennt Fotografen mit solchen Namen?…
    Ich erfreue mich an Bildern von Lindbergh, Hoshino, ja…auch Araki ist für mich Kunst… oder Testino… Vielleicht spielt es auch eine Rolle in welche Richtung man sich begibt.

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  2. CorinneZS
    CorinneZS sagte:

    Zur unterschiedlichen Wirkung von Einzelbild und Serie sei auf Michael Wolfs Serie Architecture of Density verwiesen – einen Einblick in eine weitere Serie Wolfs bietet Eberhardts Artikel vom 24. Januar diesen Jahres, Tokyo Compression.

    Ich halte daran fest, dass zwischen einem gut gelungenen Foto und einem Foto eines bemerkenswerten Künstlers Welten liegen. Kunst überdauert, verweist auf den Zeitpunkt, in dem sie entstand, eröffnet dem gewählten Medium neue Wege.

    Für mich gibts deshalb weder zwei Mona Lisas noch zweimal die Beatles (was bekanntlich schade ist).

    Und Kunst verändert. Das tun Deine und meine Fotos nicht, nicht einmal dann, wenn sie gut gemacht sind.

    Um noch ein wenig fachzusimpeln: Es war Struths Paradise, (das übrigens neben Bildern von Franz Gertsch hing), welches mich innerhalb eines Augenblickes von drei Jahrzehnten bedingungsloser Liebe zu Robert Zünds Eichenwald befreite.

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  3. Dr. Thomas Brotzler
    Dr. Thomas Brotzler sagte:

    Kontaktabzüge, nur wenige Zentimeter groß, die Bilder der späteren Jahre vielleicht mal 18 mal 24 cm … es scheint mir – wie überall im Leben – um das richtige Maß und die Angemessenheit zu gehen, über die allein der Urheber entscheiden kann.

    Ganz meine Rede – wenn der Urheber denn dazu in der Lage ist. Ich erinnere mich an eine letztjährige Gruppenausstellung alter Meister in der Frankfurter Leica-Galerie. Allesamt kleine Kontaktabzüge, allesamt wunderbare Kunstfertigkeit atmend. Und ich erinnere mich an einen kürzlichen Ausstellungsbesuch in Pforzheim. Dort hatte der Künstler offensichtlich mit Halbformatkamera als JPG aufgenommene Bilder ohne Interpolation auf 150 auf 100 aufgeblasen. Man kann sich das Ergebnis denken: zahlreiche Artefakte, völlig verwaschene Struktur, generelle Unschärfeanmutung, schlichtweg eine Katastrophe. Der Aussteller hätte gut daran getan, in mindestens fünf Metern Abstand ein Absperrband einzuziehen …

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    • Peter Sennhauser
      Peter Sennhauser sagte:

      Immerhin kann man nicht abstreiten, dass Struth eine Diskussion auslöst – wobei die Frage, ob etwas Kunst ist oder nicht, vielleicht nicht die die höchste Form der artistischen Provokation ist.

      Ich teile dennoch die Ansicht, dass sich die Frage bisweilen nicht aus einem Teilaspekt eines Gesamtwerks beantworten lässt.

      Ich erinnere mich immer wieder an die „Anlage zum Einfangen radiokativer Pferde“, einer Installation im Basler Wenkenpark, die mich vor vielleicht 30 Jahren fasziniert hat: Vollkommen sinnlos, „bekloppt“, wenn man so will, aber als Anlage überaus spannend, unterhaltend und zum Nachdenken anregend – was mehr muss Kunst denn können? Bis zu einem gewissen Grad ist auch Kunst ein Nachfrage-Produkt: Sie wird nie von allen Menschen gleich auf- oder angenommen. Ich kann immerhin mit ziemlich vielen Musikstilen auch überhaupt nichts anfangen. Das muss nicht heissen, dass sie deshalb keine Kunst sind.

    • Reinhard Witt
      Reinhard Witt sagte:

      Dann muss aber auch die Frage gestattet sein:
      Sind wir dann nicht ALLE Künstler? Jeder auf seine Art und Weise? Einzigartig…
      Sind also meine Bilder dann auch KUNSTWERKE?… Manchmal unterhaltend, oft auch zum Nachdenken anregend wenn Kunst nicht mehr können muss. Und weil ich mit einigen Bildern auch so ganz und gar nichts anfangen kann… und nur weil sie bisher keiner entdeckt hat… mal ganz provokant gefragt. Und völlig wertfrei.
      Oder ist Kunst nur für denjenigen verständlich, der studiert hat, einen höheren Bildungsgrad genießt… Manchmal kommt es mir so vor.

    • Uwe S
      Uwe S sagte:

      Ich teile Beuys´ Überzeugung, dass jeder Mensch zur Künstlerin oder zum Künstler werden kann. Das jedoch unter gewissen, von Beuys definierten Voraussetzungen.

      Ein scharfes, detailreiches Foto abzuliefern genügt mir nicht als alleiniges Kriterium für ein Kunstwerk, das können moderne Kameras ohne bereits ohne menschliches Zutun.

      Aber warum muss denn ein gutes Foto gleich ein Kunstwerk sein? Ich wäre schon stolz ein handwerklich gutes Foto zu machen und es meinen Freunden angemessen präsentieren zu können.

    • Peter Sennhauser
      Peter Sennhauser sagte:

      Reinhard: Die Frage ist selbstredend erlaubt, und ich würde sie auch bejahen. Was allerdings nicht heisst, dass die Kunst jedes Künstlers nachgefragt, will heissen, auf ein breites Verständnis oder Zustimmung stösst.

  4. Reinhard Witt
    Reinhard Witt sagte:

    Nun, eines hat der Künstler jedenfalls definitiv geschafft: Das man über ihn redet/schreibt…
    denn, den Namen Thomas Struth hatte ich vorher noch nie gehört ;-)

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  5. Salo
    Salo sagte:

    Kennt ihr das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“? Wenn nicht, dann googelt mal. Ich hab´s als Kind schon gelesen.
    Was hat das mit Kunst zu tun? Die Parallelen liegen da auf der Hand. Wer nicht erkennt, dass ein Bild ein Kunstwerk ist, der ist dumm. Und wer will schon dumm sein?
    Da wird etwas suggeriert und hinein interpretiert, was einem „Normalo“ abstruß und durchgeknallt vorkommt. Aber viele erstarren vor Ehrfurcht und spielen das Spiel mit.
    Ich erinnere auch mal an den Skandal, wo ein Affe ein Bild gemalt hat und die Fachleute in kollektive Ergriffenheit über die Machart des Bildes gefallen sind. Nur weil von vornherein suggeriert wurde, dass es sich um ein Kunstwerk eines aufstrebenden Künstlers handelt.

    Nagut, jeder kann ja für sich selbst entscheiden, was ihm gefällt oder nicht. Ebenso für sich definieren, ob er es für seinen künstlerischen Horizont als Kunstwerk erachtet.
    Auch das es einen Mainstream in der Fotografie gibt ist jedem klar.
    Ich für meinen Teil sehe Fotokunst an anderen Stellen, wo wirklich mit Bedacht und beobachterischem Aufwand Bilder entstehen, die auch in klein, als Online-Präsentation bereits wirken.

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  6. Uwe S
    Uwe S sagte:

    Man muss nicht „durchgeknallt“ sein, um ein Kunstwerk zu schaffen. Ist man es aber, so muss beim künstlerischen Schaffen auch dieses Detail der individuellen Persönlichkeit des Künstlers seinen „unmittelbarsten Ausdruck“ finden. (siehe Fundstelle)

    Man muss schon die individuelle Persönlichkeit eines Künstlers kennen, um sich ein Urteil erlauben zu können, ob es sich um Kunst handelt. Viele angebliche Kritiker hingegen, begnügen sich mit der Kenntnis einiger Werke, schließen daraus auf die Persönlichkeit des Künstlers, und finden dann heraus, dass sich die Persönlichkeit dieses Künstlers in seinen Werken ausdrückt. Ein klassischer Zirkelschluss.

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  7. Reinhard Witt
    Reinhard Witt sagte:

    Ich sag ja… durchgeknallt… leider bin ich das nicht… :-) und so werde ich wohl niemals Kunst präsentieren können.

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  8. CorinneZS
    CorinneZS sagte:

    @Witt: Und wenn es nicht Kunst ist, ist es sicher Kunst, solches zu überleben.

    Signers Beschreibungen seines Werks „Kissen mit Kerze, 1983″ lautet z. B. schlicht: Hier habe ich ein Kissen aus Plastikfolie gemacht, mit Benzin gefüllt und eine Kerze draufgestellt. Das war eine etwas gefährliche Sache.“

    Dass er seinem geliebten Auto eine Rampe baute, damit es einmal fliegen kann, zeugt dann wieder von seiner zarten Seite ;-) (Vorher hat er mit dem Auto allerdings auch allerlei andere Dinge gemacht, es hatte den Flug sozusagen mehr als verdient.)

    Antworten
  9. Reinhard Witt
    Reinhard Witt sagte:

    Wenn ich mir diese Videos anschaue kann ich nur zu dem Schluss kommen: Manche müssen einfach durchgeknallt sein um so etwas zu machen. Vieles erscheint mir als Vernunftsmenschen völlig gegen den Strich zu gehen. Wie z.B. das Schießen mit einem Trommelrevolver auf eine Blechdose, während man von einem Massagegerät gerubbelt wird… Ehrlich: Bekloppter geht’s doch nicht… Oder sich so lange in einem Kajak durch die Gegend schubbern lassen, bis der Boden durch ist. Vielleicht ist es gerade das was uns dann von einem Künstler unterscheidet: Das Abschalten der Vernunft… im künstlerischen Sinne. Gut und effektvoll fand ich übrigens das Abschießen der Seidenbänder über diversen Locations. Das hatte was. Und wenn man das noch ins BILD bekommt… noch mehr.
    Wieder was gelernt…:-) THX

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  10. CorinneZS
    CorinneZS sagte:

    Ich konnte mir beim Lesen des Artikels ein Schmunzeln nicht verkneiffen, denn ich war mir sicher, dass er Bemerkungen zum Kunstgehalt der Fotos nach sich ziehen würde.

    Nun, in der Schweiz gibt es Künstler, die Tische in die Luft jagen oder Abfolgen von Stühlen umfallen lassen. Das kann ich auch. Trotzdem sind sie Künstler und ich nicht. Woran das liegen mag? Das herauszufinden gelingt um so einfacher, je mehr man sich mit Kunst befasst. (Es ist dabei ähnlich wie bei der Musik, wo wir im allgemeinen neidlos einer Sängerin zugestehen, dass sie ein besseres Gehör hat als wir – auch wenn wir bloss ihren Gesang hören. Bei der Fotografie gelingt uns das offenbar viel weniger.) Wenn einer ein wirklich grosser Künstler ist, macht er nicht nur irgend etwas, sondern verändert mit dem, was er macht, auch unseren Blick auf die Welt (oder uns), er dehnt unser Wissen aus, erstaunt uns. Das macht Struth ohne Zweifel. Er hat sozusagen das Verständnis von Fotografie und Kunst unumkehrbar verändert. Aber dafür braucht es ein Verständnis von Fotografie und Kunst und wer es nicht hat, ist nicht erstaunt sondern sieht das blosse Abbild.

    Es wäre allerdings tatsächlich hilfreich, wenn die Grösse der Fotos im Artikel angegeben würde – das gilt aber für alle hier besprochenen Künstler. Ebenso wichtig ist die Angabe darüber, ob es sich um eine Reihe handelt oder um ein Einzelfoto.

    Wer sich für die oben erwähnte banale Schweizer Sprengkunst interessiert, sei auf Roman Signer (Gesamtwerk) und Fischli/Weiss (Der Lauf der Dinge) verwiesen. Ich garantiere grosses Vergnügen, trotz nichtiger Vorgänge. Hat allergings überhaupt nichts mit Fotografie zu tun.

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  11. Reinhard Witt
    Reinhard Witt sagte:

    Wenn Ihr vor einem 2,67 mal 3,37 Meter großen „Paradise“-Bild steht und noch ungefähr zehn weitere von dieser Art im gleichen Raum hängen, dann spürt Ihr die ästhetische Qualität und Intensität, die davon ausgeht.

    Das will ich wohl meinen… da glaubst Du ja schon bald mitten drin zu sein, statt nur dabei. Aber diese Information fehlte mir bei der Vorstellung der Bilder. Aber Gestrüpp ist es immer noch :-) für einen Schnappschuss habe ich es nie gehalten, auch wenn es so anmutet in dieser kleinen Version.
    Hinzu kommt, dass wir eben keine Expeten sind, die unbedingt Kunst von Nichtkunst unterscheiden können. Auch will ich gerne zugeben, dass ich beim Fotografieren von Serien wie diesen meine Schwierigkeiten habe. Insofern ein Lob an den Fotografen wenn da so etwas bei heraus gekommen ist.
    Die Erklärung warum jetzt mein Gestrüppbild nicht auch im Museum hängt hat mir die Augen geöffnet. Aber ich habe ja auch nicht umsonst gefragt. ;-)

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    • Endres
      Endres sagte:

      „Hinzu kommt, dass wir eben keine Experten sind, die unbedingt Kunst von Nichtkunst unterscheiden können“
      Das redet man den Kritikern gerne ein…
      Ich erinnere mich an Schullehrer, die machen das heute noch so, wenn sie von den Schülern durchschaut werden.
      Hefte raus …. Klassenarbeit.

  12. Uli Eberhardt
    Uli Eberhardt sagte:

    Die hier abgebildeten Fotos können nur einen unzulänglichen Eindruck von den Originalen vermitteln, das liegt in der Natur der Sache. Erstens sind die Online-Fotos viel zu klein, zweitens stecken hinter jedem der Beispielbilder ganze Werkserien (nachzusehen auf Struths Website, auch wenn die Bilder dort ebenfalls klein sein müssen). Wenn Ihr noch keine Originale von Thomas Struth gesehen habt, empfehle ich, diese Euch anzuschauen und Euch ein wenig damit zu beschäftigen. Wenn Ihr vor einem 2,67 mal 3,37 Meter großen „Paradise“-Bild steht und noch ungefähr zehn weitere von dieser Art im gleichen Raum hängen, dann spürt Ihr die ästhetische Qualität und Intensität, die davon ausgeht. Ihr merkt erst dann, wie präzise das gesehen, fotografiert, ausgearbeitet ist und welche Wirkung das entfaltet – so darf ich jedenfalls von mir sprechen. Das gilt nicht nur für das „Gestrüpp“, auch für die anderen nur scheinbar „banalen“ Serien, etwa die Museen oder – gerade sehr aktuell – die Bilder aus den hochtechnologischen Anlagen. Struth formuliert mit seiner Konsequenz seine Weltanschauung. So wurde er über Jahrzehnte zu einem der weltweit angesehensten, in bedeutenden Museeen ausgestellten und mit Preisen bedachten deutschen Fotografen – um die Frage nach der „positiven Kritik“ für seine Bilder zu beantworten. Das als „Schnappschüsse“ zu bezeichnen entbehrt jeder Sachkenntnis. Es ist ein wenig wie mit der (alten) Diskussion über abstrakte Kunst. „Das kann ich auch“ – hören wir sagen – und: „Kunst kommt von Können“. Zum Beispiel das „Schwarze Quadrat“ von Kasimir Malewitsch, ein schwarzes Quadrat eben. Das kann sozusagen jeder malen und tatsächlich ist es auch so. Aber Malewitsch hat es gemalt und diejenigen, die behaupten, sie könnten es, eben nicht (und eben auch nicht vor ihm). Deshalb wurde das Bild zu einem Schlüsselbild für die abstrakte Kunst und hängt im Museum. Und der Hobby-Schnappschuss vom „Gestrüpp“ gerade nicht. Ihr werdet sehen in der Kunstsammlung NRW: Struth „kann“ was. Ob Ihr thematisch lieber andere Bilder sehen möchtet, ist wieder eine ganz andere Sache.

    Antworten
    • Dr. Thomas Brotzler
      Dr. Thomas Brotzler sagte:

      Es geht auch mir so, die oben gezeigten Bilder erscheinen mir völlig banal bzw. beliebig. Ein konzeptionelles bzw. kompositorisches Einwirken, überhaupt nur ein künstlerischer Übersetzungsanspruch ist darin nicht zu erkennen.

      Erstens sind die Online-Fotos viel zu klein …

      Das ist korrekt, daß kleine Bilder im Internet mit kümmerlichen 72 dpi im Vergleich zum großformatigen Print gewiß keine Idee der Mikrostruktur vermitteln.

      Wenn Ihr vor einem 2,67 mal 3,37 Meter großen „Paradise“-Bild steht …

      Einspruch hinsichtlich des so verbreiteten Gigantismus in der heutigen Ausstellungspraxis – man könnte den Eindruck gewinnen, daß ein Foto scheinbar erst ab 150 auf 100 zu wirken beginnt. Dem möchte ich gegenüberstellen: (1) solche Größen zwingen den Betrachter auf immensen Abstand und erschweren eine Annäherung bzw. einen inneren Dialog; (2) nichtssagende Bilder werden durch Gigantismus nicht besser oder bedeutender.

    • Uli Eberhardt
      Uli Eberhardt sagte:

      @Dr. Thomas Brotzler:
      Letzthin beim Besuch der Ausstellung von André Kertész habe ich das Gegenteil von Gigantismus erlebt. Seine Fotos aus der Anfangszeit und dem Ersten Weltkrieg sind meist Kontaktabzüge, nur wenige Zentimeter groß, die Bilder der späteren Jahre vielleicht mal 18 mal 24cm. Im Fotomuseum Winterthur lagen gar Lupen aus, um sich die Details dieser Bilder bei dem (aus konservatorischen Gründen) schummrigen Licht überhaupt ansehen zu können. Obschon aus einer anderen Zeit, einer anderen Technik, klar – macht das noch weniger Spaß, als vor einem großen Druck ein paar Meter zurückzutreten. In diesem Fall von Kertész wären die Online-Bilder sogar teils größer geworden und besser zu sehen… Es scheint mir – wie überall im Leben – um das richtige Maß und die Angemessenheit zu gehen, über die allein der Urheber entscheiden kann.

      @Corinne
      Es ändert nichts daran, dass die Online-Abbildung in den weitaus meisten Fällen kein Maßstab sein kann. Ich greife gerne die Anregung von Corinne auf, mehr auf die Bedingungen der Originale einzugehen, ihre Größe, Beschaffenheit. Die Hinweise auf Ausstellungen und auf Fotokunst verstehen sich jedoch weiter als Anregung zum Besuch dieser Ausstellungen, zur Ansicht der Originale und der Beschäftigung mit der Motivation der Künstler. Diese Erfahrung, die für uns als Amateure ja in erster Linie wichtig ist, ist durch nichts zu ersetzen.

      Über die Frage, was nichtssagend und was vielleicht doch von Bedeutung ist, werden wir nicht zu einem eindeutigen Ende kommen.

  13. Reinhard Witt
    Reinhard Witt sagte:

    Ich kann Dir eigentlich nur zustimmen. Denn wer ausser dem Künstler selbst(vielleicht)kann mir erklären was hier mit Präzise sehen gemeint ist.
    Paradise 09 (Xi Shuang Banna) Provinz Yunnan, China, 1999,
    Bei solchen Bildern frage ich mich als Hobbyknipser sicher nicht ohne Grund – WAS mache ich falsch?
    Warum hängt mein Gestrüppbild nicht in einer namhaften Kunstsammlung?…

    Antworten
  14. Markus Kohlhoff
    Markus Kohlhoff sagte:

    Mal eine ketzerische Frage:
    Hätte eins der hier gezeigten Bilder (ich kenne den Fotografen und andere seiner Bilder nicht) eine positive Kritik bekommen?
    Das Bild des Abzugs mit den Ballons hat noch eine komische Note, aber abgesehen vom exklusiven Zugang zu den oben erwähnten Technik-„Kathedralen“ auch nur ein Schnappschuss. Hier wurde auch schon mehrfach kritisiert: Exotik macht noch keine guten Bilder. Bei den anderen fehlt m.M. nach selbst dieser Reiz. Macht ein interessantes Projekt/Überschrift schon ein gutes Foto?
    Wie seht ihr das?

    Antworten
  15. Arvid
    Arvid sagte:

    Ich schätze Ihren Blog ja wirklich sehr, aber die oben abgebildeten Fotos sind doch völlig banal und ohne jeglichen Tiefgang. Sehen aus wie Urlaubsschnappschüsse.

    Antworten

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