Tommaso Bonaventura, Alessandro Imbriaco: Unsichtbare Spuren der Mafia

Städte, Landschaften, Innenräume in Italien, teil idyllisch, teils nüchtern: Tommaso Bonaventura und Alessandro Imbriaco zeigen uns Orte, an denen die Mafia ihre Untaten begangen hat.

Ortsteil Montagna dei Cavalli, Corleone, Provinz Palermo, 2012 © Tommaso Bonaventura, Alessandro Imbriaco

Wir als Betrachter können in den Fotografien keine Spuren der Mafia erkennen, wenn es sich nicht gerade um das Abbild eines Beweisstücks handelt. Darin spiegelt sich – so die Fotografen – das Wesen der heutigen Mafia, nämlich unsichtbar anwesend zu sein.

Ich sehe was, was du nicht siehst. Natürlich will kein ahnungsloser Mensch in einem romantisch gelegenen Bauernhof mit Schafherde im Vordergrund Böses vermuten. Erst wenn wir in der Bildbeschreibung zum Beispiel etwas von Corleone lesen, dämmert uns etwas. Das Recherche- und Dokumentationsprojekt von Tommaso Bonaventura und Alessandro Imbriaco (zusammen mit dem Kurator Fabio Severo) funktioniert also nur zusammen mit der Information. Das ist Risiko und Chance für ein fotografisches Projekt.

Im Fall von »Tat/Ort. (Un)heimliche Spuren der Mafia« – so der etwas umständliche Titel der aktuellen Ausstellung im Mannheimer Zephyr – baut sich da ein ganzes Kaleidoskop der Mafia auf. Die Schau vereint rund 50 meist großformatige Landschafts- und Stadtaufnahmen, aber auch Bilder von Innenräumen wie Gerichtssälen, Wohnungen und Büros sowie von Beweisgegenständen, Autowracks, Erpressungsschreiben und Gedenkstätten. Texte begleiten die Aufnahmen und ermöglichen es dem Betrachter, deren unsichtbare Sprengkraft zu erkennen.

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Das Projekt der drei Italiener entstand 2011. Sie möchten damit die Macht der Mafia in Italien aufzeigen und ein neues und zeitgemäßes Bild der kriminellen Organisation zu zeichnen. Das Gesicht der Mafia in Italien hat sich verändert: Heute versteckt sie sich hinter einer Maske der Normalität. Die sichtbare Brutalität ist zurückgegangen, dafür untergräbt sie systematisch die politischen und wirtschaftlichen Strukturen des Landes. Bonaventura und Imbriaco fangen mit ihren Fotografien einen scheinbar alltäglichen und arglosen Charakter der italienischen Mafia ein. Zwei Videoprojektionen ergänzen die Schau.

Mit einem Abschluss als Ingenieur arbeitet Alessandro Imbriaco seit 2008 als Fotograf mit dem Schwerpunkt auf urbanen Landschaften und unterschiedlichen Lebensweisen. Seine Arbeiten wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und in nationalen sowie internationalen Ausstellungen präsentiert. Er wird seit 2008 von der Agentur Contrasto und der Forma Galerie Mailand vertreten. Seine Serie „The Garden“ wurde 2013 auf dem Festival für Fotografie – Les Rencontres d’Arles ausgestellt und gewann 2013 den European Publisher Award.

Tommaso Bonaventura ist seit 1992 professioneller Fotograf für renommierte nationale und internationale Magazine. Er gewann 2004 den ersten Preis in der Sektion Kunst und Unterhaltung des World Press Photo Award – mit einem Bild aus seiner Serie „Path of Faith“ über christliche Pilger in Europa. 2010 erhielt er den Sony Award für eine Porträt-Serie, welcher er während seiner regelmäßigen Reisen durch China aufnahm.

Fabio Severo ist Herausgeber und Redakteur des Blogs „Hippolyte Bayard“ für zeitgenössische Fotografie, unterrichtet Fotografie am Istituto Europeo di Design und arbeitet als Journalist mit diversen Fotomagazinen zusammen.

Tat/Ort. (Un)heimliche Spuren der Mafia
Bis 20. Juli
Zephyr Raum für Fotografie, C4, 9, D-68159 Mannheim
+49 (0)621-2932120, mail@zephyr-mannheim.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr

Zephyr Mannheim

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