Weihnachtskommerz: Ein Schritt zurück

Ausschnitte aus uns allen bekannten Szenen können zu einer Aussage verdichtet werden. Dazu muss aber die Botschafts eindeutig sein – und das Bild muss entweder inhaltsverstärkend verfremdet werden oder den Konventionen folgen.

Nam Chu Hoai
Leserfoto: Klick
für Vollansicht (© Nam Chu Hoai). – Fuji Finepix S6500 – ISO 400 – F2.8 – 1/30 sec

Kommentar des Fotografen:

Kaufhof Alexanderplatz, Berlin. Das Bild ist eher auf der Tour nach Motiven entstanden, soll ansatzweise Kritik an Kommerzialisierung aussagen, deshalb die Santas verpackt und im Preis gesenkt. Titel wäre „3,2,1…meins?“ Ich bin noch eher Anfänger, nicht gerade schön umgesetzt, viel plastisches mit Bearbeitung in Gimp, Ubuntu

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Nam Chu Hoai:

Vom Inhalt her erinnert mich dieses Foto ein bisschen an die surrealistischen Arbeiten des französischen Fotografen Eugene Atget:

Er ist bekannt für seine Aufnahmen des längst verschwundenen Paris zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Doch zeigen uns Atgets Fotos nicht nur, wie Teile von Paris der damaligen Zeit aussahen, sondern ihnen haftet auch eine flüchtige, vergängliche Qualität an – die dieses Bild hier nicht hat. Bei diesem Foto gibt es keine Spannung, keinen Raum für Geheimnis oder introspektive Interpretation.

Sehe ich angestrengt genug hin, könnte ich etwas von Deiner erwünschten Kritik an der Kommerzialisierung entdecken. Aber weil ich die Komposition nicht besonders interessant finde, gibt es nicht wirklich einen Grund, mehr als nur ein mal hinzusehen, und dann auch nur flüchtig.

Möglicherweise ist das Problem, dass die Aufnahme zu normal und gewöhnlich ist. Vielleicht hättest Du sie schwarz-weiß machen sollen, um das Motiv aus dem Alltäglichen herauszulösen.

Und ich wäre definitiv eine Schritt zurückgetreten, damit mehr von der gesamten Szene zu sehen ist. Das hätte die Weihnachtsmannpuppen und das Schild in einen besseren Kontext gebettet.

Versuche zumindest, den Weihnachtmann nicht mit dem Bildrand abzuschneiden, so wie es hier rechts geschehen ist. Wenn möglich, sollte so was grundsätzlich vermieden werden.

Was mir gefällt, ist, dass Du das Schild nicht in der Bildmitte platziert hast, und dass Du dem Betrachter eine klaren Punkt als Fokus anbietest (Weihnachtsmann links). Ansonsten wäre das Bild zu chaotisch geworden.

Das Bild könnte vielleicht als Postkarte verwendet werden, obwohl das heftige digitale Rauschen ein Problem darstellt. Das ist ein großes Manko kleiner, günstiger Digitalkameras, wenn sie in Situationen mit wenig Beleuchtung gebraucht werden. Abhilfe schafft entweder eine bessere Kamera oder ein Stativ und ein geringerer ISO-Wert.

Bleib am Ball und sieh Dir mal Eugene Atgets Bilder an!

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

1 Kommentar
  1. Nam
    Nam sagte:

    Huch, habe gar nicht bemerkt, dass mein Foto bewertet wurde.
    Ich sage mal danke für die Konstruktive Kritik. Muss natürlich auch noch was dazu sagen.
    Ich habe den Bildausschnitt einerseits gewählt, weil ich den einen Schritt nicht zurückgehen könnte, da war abgrund, obwohl ich schon in 28 mm war. Außerdem sollte der Fokus auch eher auf den Weihnachtsmännern liegen, wobei im Nachhinein wirklichd as geschäftige Trudeln besser gepasst hätte.
    Die Kamera ist eigentlich die rauschärmste kompakte die es gibt, nidriger als ISO 400 in geschlossenen Räumen bekam ich noch nie hin…
    Und nachhinein wäre ein ColorKey besser gewesen? daS Rauschen entstand vroallem durch aufhellen der Schatten

    Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.