Eis- und Schneereste

 

Dem tristen Winter mit einem sonnigen Foto auf den Leib gerückt, bleibt noch immer etwas Luft nach oben im Bildaufbau.

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Die Aufnahme entstand am vergangenen Wochenende an einem eingefrorenen Teich. Ich habe versucht, die Winterlandschaft noch einmal einzufangen, bevor uns der Frühling endlich erlöst. Reizvoll an diesem Motiv fand ich insbesondere den Kontrast zwischen der dunklen Eisdecke und der hellen Schneefläche, die hier wie eine kleine Insel wirkt.

Die Tiefenschärfe wurde durch das moderate Tele und den Einsatz der Offenblende (2.8) gezielt gering gehalten, um den konfusen Hintergrund zu unterdrücken.

Marke: Canon

Modell: Canon EOS 500D

Belichtungszeit: 1/1250

ISO: 100

Blende: 14/5

Brennweite: 135/1

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Ich hoffe Christian ist nicht in die Eisdecke eingebrochen, denn es sieht schon ziemlich angetaut aus. Das ist es auch was er uns mit dem Bild vermitteln möchte und auch schafft.

 

In der Tat ist der Kontrast zwischen dunklem Eis, was ja schon ungewöhnlich ist und den auch nicht mehr ganz schneeweißen, kristallinen Winterresten recht dominant. Für mich ist das Bild trotzdem noch etwas zu dunkel. Das Weiß des Schnees kommt auch eher grau daher. Das ganze Foto noch etwas aufgehellt bringt noch immer den Kontrast gut rüber und wirkt ansprechender. Auch kommt dadurch der leichte Sonnenstrahl auf dem vorderen Eishügel besser zur Geltung und bestärkt noch das Gefühl des Abschmelzens und bringt gute Stimmung ins Hirn des Betrachters.

Eispfuetze_TR

Eine weitere gute Lösung den im Auflösen begriffenen Winter zu zeigen sind die in den Häufchen steckenden Holzstücke. Im vorderen Motiv, dem Hauptmotiv, ist der Stecken noch ganz aufrecht zu sehen, doch wenn wir genauer hin sehen, entdecken wir im Hintergrund einen schon umgefallen Holzstab. Und um dem Ganzen noch die richtige, nämlich negative Bedeutung zu geben, liegt dieser auch als absteigende Diagonale im Bild. Das verstärkt die Wirkung, dass es mit ihm bald zu Ende geht noch zusätzlich.

Obwohl Christian schon mit Blende 2,8 belichtet hat finde ich den Hintergrund noch etwas störend, unruhig. Besonders das eine kranähnliche Element stört den ansonsten guten Bildaufbau. Sicherlich lässt sich dieses Element noch nachträglich entfernen. Und wenn wir schon dabei sind, kann die weiße gebogene Linie im Hintergrund noch etwas aufgehellt werden, um die Farbe und Helligkeit des Vordergrunds aufzunehmen und zu unterstützen.

Durch ein leichtes Panoramaformat bekommt das Bild noch etwas mehr Dynamik, auch wenn dadurch der sehr enge Beschnitt am linken Bildrand nicht aufgehoben wird. Mir ist es dort etwas zu nah dran, gerade wenn ich den Holzstab im Hintergrund betrachte.

 

 

 

Leserfoto – Statue of Liberty:
Stark reduziert

Sich bei bekannten Motiven auf Details zu konzentrieren, bietet neue Perspektiven. Dennoch sollte man bei der Nachbearbeitung auf eben jene auch achten.

(c) Borg Enders

Hier eine Detailaufnahme eines Amerikanischen Wahrzeichens. Erkennt ihr es oder war die Reduktionauf dieses eine Element zu viel?

Ich finde Details sagen oft mehr über ein Gebäude oder Denkmal aus als das Gesamtbild. Das Gesamtbild nimmt auch in der Regel jeder ähnlich war, wo ein Detail vielleicht nur von einer kleinen Anzahl von Fotografen gesehen wird.

Die Freiheitsstatue ist eines dieser Sujets, die man schon so oft gesehen hat, daß man sie nicht mehr sehen kann; eine einfache Suche auf Google genügt, um dieses zu illustrieren. Sie ist ein Muß auf der Liste eines jeden Touristen in New York City. Meistens wird sie vom Wasser aus in voller Länge dargestellt, oder von Liberty Island aus so, daß der Kopf oder die Fackel in Nahaufnahme zu sehen sind. Sehr selten sieht man Bilder, die sich auf andere Details konzentrieren. Du hast Dich hier auf die Tafel beschränkt, die die Statue in der Hand hält. Diese zeigt das Datum „July IV MDCCLXXVI“, also den Tag der amerikanischen Unabhängigkeit, den vierten Juli 1776.

Wenn man das Foto kompositionell analysiert, stellt man fest, daß sich die Hand und die sich in ihr befindliche Tafel fast perfekt im Goldenen Punkt befinden:

Goldener Punkt

Du hast das Motiv so reduziert, daß es schon fast abstrakt wirkt. Die Schweißlinien laufen strahlenförmig durchs Bild und aufeinander zu (gelb). Diese Geometrie wird durch das runde der Hand etwas aufgelöst. Der einfarbige, dunklere Himmel bildet ein optisches Spiegelbild zum hellen Metall der Statue.

Bestimmende Linien

Ich persönlich finde es nicht zu stark reduziert, im Gegenteil – es ist einmal etwas anderes. Allerdings hat das Foto ein Problem, das jedoch leicht zu lösen ist. Durch den Aufnahmezeitpunkt und den Winkel, den Du gewählt hast, befinden sich links zwei Schatten, die ich als störend empfinde (gelbe Pfeile).

Problemzonen

Du spielst hier mit Abstraktion und Linien, wozu die beiden schwarzen Flecken ganz und garnicht passen. Ich hätte sie später entweder wegretouchiert oder das Bild beschnitten:

Möglicher Beschnitt

Wie magisch rückt so auch die Tafel mehr in den Goldenen Punkt:

Vergleichsfoto

Die andere Frage ist, ob man das Bild so, wie es ist, lassen sollte, oder ob man noch einen Schritt weitergeht und es in Schwarzweiß umwandelt. Die Antwort fällt für jeden verschieden aus, liegt aber natürlich letztlich beim Fotografen. Sie hängt auch davon ab, was mit dem Foto letztlich geschehen soll. Wenn sie nur ein Urlaubsschnappschuß bleiben soll, kann man die Aufnahme so lassen. In einem Artikel über New York hätte sie ebenfalls in Farbe ihren Platz. Sie ist jedoch nicht notwendigerweise etwas, was andere sich an die Wand hängen würden.

Ich habe eine Präferenz für Schwarzweiß und habe sie probehalber entsprechend bearbeitet (Nik Silver Efex Pro in Photoshop mit der Einstellung „Full Spectrum“):

Bearbeitungsvorschlag

Durch diesen letzten Schritt verwandelt sich Dein Schnappschuß in einen Kunstdruck, den ich persönlich gerne an der Wand hätte. In dieser Form ein meines Erachtens rundherum gelungenes Foto.

Tutorial Streetfotografie (4/7):
Fallstricke und Lösungsansätze

Wer in der Strasse Menschen abbilden will, braucht in der Regel deren Zustimmung.

3. Mögliche Lösungsansätze

3.1 Zustimmung der Abgebildeten

Die Zustimmung der jeweils Abgebildeten einzuholen, erscheint zunächst als eine einfache und ideale Lösung für die Streetfotografie: das Vorgehen ist besprochen, die Tragweite ist verstanden, rechtlicher und gestalterischer Anspruch sind gleichsam abgegolten, alle sind zufrieden?!

Abb. 11: ´Don’t worry be happy´ (Quelle: David Jegers, undatiert, stürzende Linien korrigiert)Ich fürchte, es ist nicht ganz so einfach. Denken wir nochmals an die ´Goldene Regel´ („Was Du nicht willst, daß man Dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu“) zurück. Was würden wir wohl denken, wenn aus heiterem Himmel ein Kamerabehängter auf uns zustürmte, mit einem ´model release´ vor unserer Nase herumwedelte und dieses auch noch unterschrieben haben wollte? Genau: „Bin ich hier im falschen Film? Hasta la vista, baby!“ Und selbst wenn wir uns bequatschen ließen, verdiente die nachfolgende Aufnahme wohl kaum eine andere Betitelung wie ´Unbekannte Person nach gerade untergezeichnetem model release, mit unspontaner Pose´.

Mit solchen Überfallsaktionen wird also sicher nichts aus dem ´spontanen Straßenporträt´ und dem künstlerischen Anspruch.

Abb. 12: ´Junger Kellner im touristischen Carcassonne´ (Quelle: Eigenes Portfolio, 2009)´Entschleunigung´ kann auch hier ein nützlicher Ansatz sein – eine Weile vor Ort sein, mit der Kamera dazugehören, die Anwesenden behutsam über das eigene Vorhaben informieren, nochmals zuwarten und die Kamera quasi wieder in Vergessenheit bringen. Bisweilen ergibt sich darüber ein Gespräch, ein Einvernehmen, ein Blickkontakt des Abgebildeten zum Aufnehmenden, der dann sogar eine ´konkludente Zustimmung´ bzw. stillschweigende Willenserklärung im juristischen Sinn (‚Konkludentes Handeln‘ bei Wikipedia) darstellt.

Auf solche Weise erübrigten sich schriftliche Zustimmungen bei David Jegers Bild ´Don’t worry be happy´, welches wir im Juli 2013 hier besprochen hatten (siehe dazu auch Abbildung 11) und bei meiner Porträtierung eines jungen Kellners in seiner Zigarettenpause (siehe dazu auch Abbildung 12).

Abb. 13: ´Junge Frau mit Hunden im touristischen Carcassonne´ (Quelle: Eigenes Portfolio, 2009)Bisweilen ergibt sich aber auch eine interessante Szene in einiger Entfernung, daß wir nicht in unmittelbaren Kontakt mit dem Abgebildeten kommen, daß wir einen in seinen Gedanken Versunkenen nicht stören wollen oder gerade diese Versunkenheit das Motiv darstellt – wie etwa in meiner Darstellung der jungen Frau mit Hunden (siehe dazu auch Abbildung 13). Dann sollten wir uns zunächst sehr eingehend befragen, ob die Szene nach unserem Konzept wirklich zwingend oder doch verzichtbar ist und dem Abgebildeten nach der ´Goldenen Regel´ zuzumuten ist. Dies bedenkend und bejahend, werden wir uns dann möglicherweise zur Aufnahme entschließen und den Abgebildeten erst danach ansprechen, ihm das Projekt erläutern und das Rohbild zeigen und ihn um Zustimmung zu Aufnahme und Verwertung bitten. So lief es bei besagtem Bild.

Wenn sich hierbei eine Absage durch den Abgebildeten abzeichnet, dann müssen und können wir dies wohl hinnehmen – eine interessante Szene zu verpassen, ist immer schade, aber kein Beinbruch; statt sich in der verlorenen Gelegenheit festzubeißen, empfiehlt es sich eher, den ´fotografischen Flow´ aufrechtzuerhalten und weiter zu flanieren. Streetfotografie sollte nach meinem Dafürhalten immer in respektvoller, behutsamer und meditativer Weise erfolgen. Geradezu angewidert stolpere ich bisweilen über die ´Überrumpelungsfotos eines gewissen Bruce Gilden´, der kurz vor seinen Opfern einschert und diesen frech ins Gesicht blitzt.

3.2 Verwendung von Bewegungsunschärfe

Die Verwendung von Bewegungsunschärfe ist ein recht interessanter Ansatz in der Streetfotografie – gemeint ist damit ein Verwischen der sich bewegenden Passanten vor einem feststehenden Hintergrund. Gemieden werden dadurch zunächst die Fallstricke der Persönlichkeitsrechte (siehe dazu auch Punkt 2.1) durch die Nichterkennbarkeit der Abgebildeten, desgleichen aber auch jene Fallstricke der Porträtierung, Dokumentation und bisweilen auch der Trivialität durch die Unkonventionalität der Darstellung (siehe dazu auch Punkte 2.2 bis 2.4).

Man mag sich fragen, ob ein ´spontanes Straßenporträt´ mit bewegungsunscharfen Passanten in künstlerisch-gestalterischer Hinsicht überhaupt möglich ist. Ich meine: ja. Freilich rückt die Abbildung des Einzelnen, seiner unverkennbaren Züge, seines augenblicklichen Ausdrucks, auf solche Weise in den Hintergrund, doch treten dafür atmosphärische Qualitäten im Sinne eines ´was macht die Umgebung mit dem Einzelnen´ in den Vordergrund. Hinzu kommt ein kreatives Moment der Überraschung dahingehend, daß wir selbst das fertige Ergebnis von vornherein schwer erahnen können.

Einige sich daraus ergebende Möglichkeiten möchte ich anhand von zwei Bildern aus meinem Portfolio verdeutlichen.

Abb. 14: ´Liebespaar in der Unterführung´ (Quelle: Eigenes Portfolio, 2009)Beim ´Liebespaar in der Unterführung´ (siehe dazu auch Abbildung 14) entstand die Verwischung durch eine Belichtungszeit von 0,3 Sekunden. Ein Bildstabilisator wurde nicht verwendet, so daß nicht nur die Personen, sondern auch die Umgebung mitsamt der Lichtreflexe in Unschärfe fallen. Ich verstärkte diesen Effekt sogar noch durch eine Seitwärtsbewegung der Kamera.

Was mich vom Ergebnis her ansprach, war das verspielte, tänzerische Element der Personen und der Lichtreflexe. Es erschien wie eine bildgewordenen Entsprechung des jungen Glücks.

Abb. 15: ´Junge Frau am Straßenausgang´ (Quelle: Eigenes Portfolio, 2009)Ganz anders die ´Junge Frau am Straßenausgang´ (siehe dazu auch Abbildung 15), die in der gleichen Sitzung und nur wenig vom Ort des vorherigen Bildes aufgenommen wurde.

Hier ist nichts Leichtes, Spielerisches mehr vorhanden. Die durch eine Belichtungszeit von ebenfalls 0,3 Sekunden entstandene Bewegungsunschärfe wirkt vielmehr düster und bedrohlich, verstärkt durch den im Hintergrund vorbeibrausenden Lastwagen und den wie zum Schutz eingezogenen Kopf der jungen Frau. Der Bildstabilisator war hier übrigens eingeschaltet, so daß die Wände der Unterführung klare Zeichnung aufwiesen..

 

Leserfoto – „Perlensammler“:
Mehr Struktur

Auf das Minimalste reduzierte Pflanzenfotos sollten dem Betrachter interessante Details bieten.

(c) Stephan Wink

Entstanden in den Reisinger Anlagen Wiesbaden. Leider erinnere ich mich nicht mehr an die Pflanzenart. Das Blatt schien mir geradezu den am Morgen gesammelten Tau als Perle anzubieten.
Leichte Nachbearbeitung (Spot Removal, Hochpassfilter) in Photoshop CS6.
Canon EOS 600D, 55 mm Brennweite, f/5,6, 1/20 s, ISO 100, mit Kamera-Blitz

Viele Leute machen bei Pflanzen- oder Blumenbildern den Fehler, dieselben bei hellem Tageslicht und von oben zu fotografieren. Das Ergebnis sind blasse Farben, häßliche Schatten und Motive, die man so überall sieht. Das hast Du alles hier vermieden, doch es gibt ein paar andere Dinge, die auffallen.

Doch zunächst zu Deinem Foto selbst:

In Deiner Einreichung schreibst Du, der Tau in der Mitte des Blattes habe Dich fasziniert. Man sieht auf der Aufnahme ein Blatt einer auch mir unbekannten Pflanzenart vor grünem Hintergrund, dazu den Tautropfen.

Du hast dieses Blatt unter eher ungünstigen Lichtverhältnissen ohne Stativ fotografiert. Deiner Kamera hast Du alle Entscheidungen überlassen. Das von Dir benutzte Objektiv ist eine „Kit-“Linse, die gerne mit Canon-Modellen geliefert wird. Es ist allerdings kein wirkliches Makroobjektiv, und man kann minimal an sein Objekt auf 25 cm heran.

Zur Komposition ist anzumerken, daß der Tautropfen sich weder im Goldenen Schnitt (rosa) befindet, noch die Regel der Drittel (blau) hier greift. Er ist vielmehr stark nach unten und zur Mitte hin verschoben:

Goldener Schnitt/Drittel

Der Tautropfen ist außerdem, verglichen zum Blatt selbst, nur ein kleiner Teil des Bildes:

Gewichtung

Da er sich durch seine Helligkeit und Struktur so sehr vom Untergrund abhebt, und weil er eben nicht im Goldenen Schnitt oder einem Drittel angelegt ist, fällt es für mich hier nicht ins Gewicht – im Gegenteil, der Betrachter wird gezwungen, sich das Foto wirklich anzuschauen.

Hättest Du einen wesentlich kleineren Ausschnitt gewählt, es wäre ein vollkommen anderes Foto:

Vergleichsfoto

Worauf ich mich konzentrieren möchte sind erstens die Bedingungen, unter denen die Aufnahme entstanden ist, und was man an ihr in der Nachbearbeitung noch hätte verbessern können.

Makroaufnahmen sollte man grundsätzlich mit Stativ bei ISO 100 und im Manuellmodus machen. Es empfiehlt sich, ein dediziertes Makroobjektiv zu benutzen, oder auf Objektivverlängerungen und dergleichen zurückzugreifen. Du hattest hier Glück, und es kam ein passables Foto dabei heraus, aber es sieht auch bei der mir vorliegenden Auflösung leicht unscharf aus.

Du schreibst auch, es sei „leicht“ nachbearbeitet worden – und das sieht man. Ein helles weißes Oval unten in der Mitte, alles sonst ist grün auf grün. Es gibt nicht genügend Details in diesem Bild, die es interessant machen. Das Motiv ist so stark reduziert, daß Du in der Nachbearbeitung etwas mehr herausholen mußt.

Weiterhin sind links oben und unten störende Elemente in der Aufnahme:

Problemzonen

Wo rechts alles schön verschwommen ist, sieht man dort Blattteile. Diese kann man jedoch leicht wegstempeln oder andere Bildteile darüberlegen.

Wenn mich an einem Foto Dinge stören, gehe ich nach einem „Was wäre, wenn“-Verfahren vor. Ich „spiele“ mit der Aufnahme und ändere, was mich zu stören scheint. Wenn es das Bild verbessert, hätte man diesen Schritt machen sollen. Andernfalls kann man es nicht ändern, oder es war eine Entscheidung, die ich bereits bei der Aufnahme anders getroffen hätte.

Hier habe ich Dein Foto in Nik Color Efex Pro nachbearbeitet, denn das Blatt hebt sich vom fast gleichfarbigen Hintergrund trotz Vignette nicht ausreichend ab. Erst habe ich die Farbstimmung und den dynamischen Kontrast bezogen nur auf das Blatt verändert, dann den tonalen Kontrast insgesamt angehoben und diese Ebene auf 50% Deckkraft über dem Original reduziert.

Als letzten Schritt habe ich die beiden störenden Teile weggestempelt (zugegebenermaßen eher salopp). Das Endergebnis ist farblich vielen wahrscheinlich zu extrem, soll aber nur illustrieren, was noch in diesem Foto steckt, wenn man sich etwas damit beschäftigt:

Vergleichsfoto

Es ist nur eine der vielen Möglichkeiten der Nachbearbeitung. Ob und was Du schlußendlich noch daraus machst, hängt von Dir ab.

 

Tutorial Streetfotografie (3/7):
Stil und Abgrenzung

Gedanken zu einem schwierigen und auch umstrittenen Thema. Ein siebenteiliges Aufbaututorial mit 25 Bildbeispielen und Illustrationen.

Dirk Wenzel am Zuge

Nicht um das große Ganze eines die gesamte Aufnahme in Frage stellenden ´Erlaubt oder nicht´ wie im vorangehenden Kapitel soll es hier gehen, sondern um subtilere Fragen der stilistischen Abgrenzung und Zuordnung.

Wie schon in meinem Tutorial zur Porträtfotografie dargestellt, können wir Menschen auf vielerlei Möglichkeiten darstellen – beginnend beim extremen Nahporträt mit Detail- oder Anschnittdarstellung und endend beim weitgefaßten Porträt mit maßgeblicher Einbeziehung der Umgebung.

Wenn man von künstlich ausgeleuchteten Studioaufnahmen vom neutralem Hintergrund absieht, ist ´ein wenig Umgebung´ bei den meisten Menschenbildern vorhanden. Die Unterscheidung zwischen Porträt und Street ergibt sich darüber, wieviel Einfluß Hintergrund und Umgebung auf die Gesamtwirkung des Bildes nehmen. Ich will dies nachstehend an einigen Bildern weiter erläutern.

Abb. 7: ´Am Zuge´ (Quelle: Dirk Wenzel, undatiert)Beim Bild von Dirk Wenzel, welches wir im September 2013 hier besprochen hatten (siehe dazu auch Abbildung 7) erscheint die Sache relativ klar. Wir sehen ein klassisches (und wie ich meine, auch sehr anmutiges) Porträt eines älteren Mannes. Die Umgebung gibt sich hier im Sinne eines etwas rustikalen oder auch düsteren Hintergrundes zu erkennen. Solche Skizzierung des Zimmers drängt sich von der Bildgewichtung her aber nicht in den Vordergrund, sondern verstärkt und ergänzt unsere Überlegungen und Empfindungen hinsichtlich des Porträtierten. Bei aller Freiheit der individuellen Betrachtung möchte ich doch annehmen, daß die meisten von uns hier einen vom Leben gezeichneten und recht mitgenommenen Menschen erkennen.

Abb. 8: ´Bettler im touristischen Carcassonne´ (Quelle: Eigenes Portfolio, 2009)Schwieriger wird es nach meinem Dafürhalten schon bei der Porträtierung eines Bettlers (siehe dazu auch Abbildung 8). Der Abgebildete nimmt trotz Ganzkörperdarstellung nicht einmal ein Viertel der Bildfläche ein und entsprechend prominent ist das umgebende historische Mauerwerk. Doch scheue ich mich, hier bereits von Streetfotografie zu sprechen und ordne die Aufnahme der Sparte des Umgebungsporträts zu – der Hintergrund ist hier immer noch Beiwerk, mit der betonten Senkrechten und dem hohen Kontrast trägt er mehr in kompositorischer und dramaturgischer Weise zur Bildaussage bei (als ´Die im Dunkeln sieht man nicht´ wurde es in verschiedenen Bildbesprechungen paraphrasiert) denn in inhaltlicher Hinsicht.

Abb. 9: ´Alte Frau im touristischen Carcassonne´ (Quelle: Eigenes Portfolio, 2009)Klarer erscheinen die Verhältnisse wieder bei der Straßendarstellung einer alten Frau (siehe dazu auch Abbildung 9). Man beachte die Bildgewichtung zwischen der Abgebildeten und der Umgebung insofern, als kein Teil nur als Beiwerk erscheint, sondern sich im Dialog mit seinem Gegenstück befindet und insofern eine eigenständige Betrachtung verdient. So ist die Person zwar alsbald im linken unteren Quadranten erkennbar, aber durch ihre kleine und verschattete Darstellung sowie den auf Straßenflucht und Kirchenfassade gerichteten Blick wird auch unsere Betrachtung unweigerlich in Richtung des historischen Ensembles und die atmosphärischen Qualitäten einer französischen Stadt gelenkt.

2.3 Beschränkung auf Dokumentation

Auch dokumentarische Zwecke sind in der Fotografie seit langem bekannt und legitim.

Wir kennen etwa die nüchterne Katalogisierung eines Objektbestandes zu Präsentations- oder Verkaufszwecken oder auch den Beleg einer irgendwann stattgefundenen Veranstaltung sowie eines irgendwo eingetroffenen Politikers zu Pressezwecken. Doch wohnt solchen Bildern selten eine über Bestand und Augenblick hinausreichende Aussage inne. Alles ist übersichtlich und vorhanden, nichts muß gedeutet werden, der Betrachter wird insofern auch kaum zur ´eigenen Durchwanderung des Bildes´ eingeladen.

Vor dem Hintergrund solch sinnvoller Unterscheidung und Abgrenzung kann ich mich der nachfolgenden Definition der Dokumentarfotografie bei Wikipedia nicht recht anschließen. In der dortigen Formulierung sehe ich eher eine Verschleierung wie eine Klärung der Begrifflichkeit: „Die Dokumentarfotografie ist eine Art des Fotografierens, deren Motivation es ist, ein fotografisches Dokument herzustellen, das für das Festhalten der Realität, als Zeit-Dokument, als Appell oder auch Warnung genutzt werden soll. Diese fotografischen Dokumente stellen dabei jedoch keine objektive, sondern eine subjektive oder ideologische Betrachtung zumeist mit sozialkritischem Hintergrund dar … Der Begriff ´Dokumentarfotografie´ wurde in den USA der 1930er Jahre im Zusammenhang mit der Großen Depression geprägt. Der Wert von Dokumentarfotografie liegt zumeist in der über die reine Wiedergabe des Realen hinaus weisenden sozialkritischen Bestandsaufnahme …

2.4 Gefahr der Trivialität

Wie bei den vorgenannten Punkten 2.2 und 2.3 geht es auch hier nicht um ´alles oder nichts´, also nicht um eine unrechtmäßige und möglicherweise strafwürdige Aufnahme und Verwertung wie im Punkt 2.1.

Abb. 10: ´Moderne Hof-Pflastersteine´ (Quelle: Rainer Sturm / Pixelio, 2014)Es geht vielmehr um fehlende Bildwirkung oder (genauer ausgedrückt) um eine solche, die nur aufgrund der persönlichen Vorstellung des Aufnehmenden existiert (siehe dazu auch Abbildung 10). Wir sind hier also beim klassischen Erinnerungsbild oder Schnappschuß angekommen.

Und manche von uns erinnern sich vielleicht noch mit mühsam überstandenem Gruseln an jene ´Diaabende unter Freunden´, bei denen der Vorführende schier unermüdlich und in wachsender Begeisterung ein Magazin nach dem anderen einschob, während das geneigte Publikum wahlweise wegschnarchte oder schon die Flucht ergriffen hatte.

Drucksachen:
Farben richtig übersetzen

Bilder vom Monitor zu Papier zu bringen ist schwieriger als man denkt. Nicht nur der Drucker, sondern auch der Bildschirm hat einen großen Einfluss auf das Druckergebnis und sorgt nicht selten für negative Überraschungen.

{© Henry Schmitt ;Fotolia.com}Trotz Blogs, E-Mails und Newsletter haben Werbemittel wie Flyer und Broschüren nach wie vor einen festen Platz im Repertoire von Marketingspezialisten. Anders als flüchtige Medien wie Bilder, Texte oder Videos im Internet sorgen Druckerzeugnisse für einen bleibenden Eindruck und überzeugen durch ein Zusammenspiel von Text und Bild. Am PC mit gängigen Software-Lösungen wie InDesign oder Photoshop erstellt, lassen sich Broschüren leicht und kostengünstig vervielfältigen. Nicht immer entspricht das Druckergebnis später jedoch dem Vorbild auf dem Monitor.  Weiterlesen

Eigener Bildblog oder Social Media?

Will man sein Fotos nicht ausschließlich in Fotoblogs wie hier präsentieren und besprechen lassen, kommt man nicht um andere Wege herum, seine Bilder zu publizieren. Viele Fotografen und Künstler haben eine Facebook-Seite, doch dort besteht folgendes Problem: Facebook verkleinert die Fotos und verstümmelt sie derartig, dass man von einer ernsthaften Präsentation nicht sprechen kann. Außerdem macht der blauweiße Hintergrund das Betrachten nicht gerade angenehm. Facebook ist also nicht mehr als eine Möglichkeit, auf eine andere Seite hinzuweisen und sollte keineswegs als einziges Medium genutzt werden.

Ebenfalls relativ beschränkend, aber schon wesentlich offener als Facebook ist Tumblr. Die Blogplattform, die auch soziale Komponenten bietet, zeigt Fotos in wesentlich höherer Qualität an. Zudem ist die eigene Seite stark mit Design-Themen und über HTML konfigurierbar. Es ist sogar möglich, seinen Account über eine eigene Domain laufen zu lassen. Neben der Tatsache, dass man auch hier nicht die volle Freiheit genießt, hat Tumblr aber noch einen anderen großen Nachteil: Wird das eingestellte Foto über die soziale Komponente des „Reblogs“ von einem anderen Nutzer geteilt, bleibt das Bild bei dem anderen User im Netz, selbst wenn man es von seiner eigenen Seite entfernt hat. Durch die Einfachheit dieses Rebloggens verbreiten sich gute Fotos einerseits sehr schnell. Andererseits ist es dadurch auch fast unmöglich, ein einmal gepostetes Bild gänzlich zu entfernen, falls man dies wünscht. Natürlich ist ein Im Internet gepostetes Bild unabhängig vom gewählten Medium generell schwer zu entfernen, aber bei Tumblr wird dies noch erschwert.

Life is Tumblr Bilder verbreiten sich auf Tumblr rasend schnell

Eigene Seite für volle Kontrolle unumgänglich

Wer die volle Kontrolle über Bildverbreitung und Design haben möchte, der muss eine eigenständige Website aufbauen. Entweder man arbeitet sich in die Technik von beispielsweise WordPress ein und mietet sich Webspace, oder man realisiert sein Projekt mit solchen Komplettlösungen. Dank bestehender Vorlagen ist dieses System deutlich einfacher zu handhaben als WordPress. Letzterers bietet allerdings einige Möglichkeiten mehr. Will man direkt starten, ist die Einrichtung der Fertiglösung sinnvoll. Bei Bedarf kann man sich immer noch später mit WordPress beschäftigen und es in einer Testumgebung ausprobieren. Ein späterer Umzug ist mit entsprechenden Werkzeugen jederzeit möglich. In beiden Fällen ist allerdings auf ausreichend Webspace zu achten, da Bilder in ordentlicher Web-Auflösung relativ viel Platz in Anspruch nehmen.

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