Eis- und Schneereste

 

Dem tristen Winter mit einem sonnigen Foto auf den Leib gerückt, bleibt noch immer etwas Luft nach oben im Bildaufbau.

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Die Aufnahme entstand am vergangenen Wochenende an einem eingefrorenen Teich. Ich habe versucht, die Winterlandschaft noch einmal einzufangen, bevor uns der Frühling endlich erlöst. Reizvoll an diesem Motiv fand ich insbesondere den Kontrast zwischen der dunklen Eisdecke und der hellen Schneefläche, die hier wie eine kleine Insel wirkt.

Die Tiefenschärfe wurde durch das moderate Tele und den Einsatz der Offenblende (2.8) gezielt gering gehalten, um den konfusen Hintergrund zu unterdrücken.

Marke: Canon

Modell: Canon EOS 500D

Belichtungszeit: 1/1250

ISO: 100

Blende: 14/5

Brennweite: 135/1

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Ich hoffe Christian ist nicht in die Eisdecke eingebrochen, denn es sieht schon ziemlich angetaut aus. Das ist es auch was er uns mit dem Bild vermitteln möchte und auch schafft.

 

In der Tat ist der Kontrast zwischen dunklem Eis, was ja schon ungewöhnlich ist und den auch nicht mehr ganz schneeweißen, kristallinen Winterresten recht dominant. Für mich ist das Bild trotzdem noch etwas zu dunkel. Das Weiß des Schnees kommt auch eher grau daher. Das ganze Foto noch etwas aufgehellt bringt noch immer den Kontrast gut rüber und wirkt ansprechender. Auch kommt dadurch der leichte Sonnenstrahl auf dem vorderen Eishügel besser zur Geltung und bestärkt noch das Gefühl des Abschmelzens und bringt gute Stimmung ins Hirn des Betrachters.

Eispfuetze_TR

Eine weitere gute Lösung den im Auflösen begriffenen Winter zu zeigen sind die in den Häufchen steckenden Holzstücke. Im vorderen Motiv, dem Hauptmotiv, ist der Stecken noch ganz aufrecht zu sehen, doch wenn wir genauer hin sehen, entdecken wir im Hintergrund einen schon umgefallen Holzstab. Und um dem Ganzen noch die richtige, nämlich negative Bedeutung zu geben, liegt dieser auch als absteigende Diagonale im Bild. Das verstärkt die Wirkung, dass es mit ihm bald zu Ende geht noch zusätzlich.

Obwohl Christian schon mit Blende 2,8 belichtet hat finde ich den Hintergrund noch etwas störend, unruhig. Besonders das eine kranähnliche Element stört den ansonsten guten Bildaufbau. Sicherlich lässt sich dieses Element noch nachträglich entfernen. Und wenn wir schon dabei sind, kann die weiße gebogene Linie im Hintergrund noch etwas aufgehellt werden, um die Farbe und Helligkeit des Vordergrunds aufzunehmen und zu unterstützen.

Durch ein leichtes Panoramaformat bekommt das Bild noch etwas mehr Dynamik, auch wenn dadurch der sehr enge Beschnitt am linken Bildrand nicht aufgehoben wird. Mir ist es dort etwas zu nah dran, gerade wenn ich den Holzstab im Hintergrund betrachte.

 

 

 

Leserfoto – Statue of Liberty:
Stark reduziert

Sich bei bekannten Motiven auf Details zu konzentrieren, bietet neue Perspektiven. Dennoch sollte man bei der Nachbearbeitung auf eben jene auch achten.

(c) Borg Enders

Hier eine Detailaufnahme eines Amerikanischen Wahrzeichens. Erkennt ihr es oder war die Reduktionauf dieses eine Element zu viel?

Ich finde Details sagen oft mehr über ein Gebäude oder Denkmal aus als das Gesamtbild. Das Gesamtbild nimmt auch in der Regel jeder ähnlich war, wo ein Detail vielleicht nur von einer kleinen Anzahl von Fotografen gesehen wird.

Die Freiheitsstatue ist eines dieser Sujets, die man schon so oft gesehen hat, daß man sie nicht mehr sehen kann; eine einfache Suche auf Google genügt, um dieses zu illustrieren. Sie ist ein Muß auf der Liste eines jeden Touristen in New York City. Meistens wird sie vom Wasser aus in voller Länge dargestellt, oder von Liberty Island aus so, daß der Kopf oder die Fackel in Nahaufnahme zu sehen sind. Sehr selten sieht man Bilder, die sich auf andere Details konzentrieren. Du hast Dich hier auf die Tafel beschränkt, die die Statue in der Hand hält. Diese zeigt das Datum „July IV MDCCLXXVI“, also den Tag der amerikanischen Unabhängigkeit, den vierten Juli 1776.

Wenn man das Foto kompositionell analysiert, stellt man fest, daß sich die Hand und die sich in ihr befindliche Tafel fast perfekt im Goldenen Punkt befinden:

Goldener Punkt

Du hast das Motiv so reduziert, daß es schon fast abstrakt wirkt. Die Schweißlinien laufen strahlenförmig durchs Bild und aufeinander zu (gelb). Diese Geometrie wird durch das runde der Hand etwas aufgelöst. Der einfarbige, dunklere Himmel bildet ein optisches Spiegelbild zum hellen Metall der Statue.

Bestimmende Linien

Ich persönlich finde es nicht zu stark reduziert, im Gegenteil – es ist einmal etwas anderes. Allerdings hat das Foto ein Problem, das jedoch leicht zu lösen ist. Durch den Aufnahmezeitpunkt und den Winkel, den Du gewählt hast, befinden sich links zwei Schatten, die ich als störend empfinde (gelbe Pfeile).

Problemzonen

Du spielst hier mit Abstraktion und Linien, wozu die beiden schwarzen Flecken ganz und garnicht passen. Ich hätte sie später entweder wegretouchiert oder das Bild beschnitten:

Möglicher Beschnitt

Wie magisch rückt so auch die Tafel mehr in den Goldenen Punkt:

Vergleichsfoto

Die andere Frage ist, ob man das Bild so, wie es ist, lassen sollte, oder ob man noch einen Schritt weitergeht und es in Schwarzweiß umwandelt. Die Antwort fällt für jeden verschieden aus, liegt aber natürlich letztlich beim Fotografen. Sie hängt auch davon ab, was mit dem Foto letztlich geschehen soll. Wenn sie nur ein Urlaubsschnappschuß bleiben soll, kann man die Aufnahme so lassen. In einem Artikel über New York hätte sie ebenfalls in Farbe ihren Platz. Sie ist jedoch nicht notwendigerweise etwas, was andere sich an die Wand hängen würden.

Ich habe eine Präferenz für Schwarzweiß und habe sie probehalber entsprechend bearbeitet (Nik Silver Efex Pro in Photoshop mit der Einstellung „Full Spectrum“):

Bearbeitungsvorschlag

Durch diesen letzten Schritt verwandelt sich Dein Schnappschuß in einen Kunstdruck, den ich persönlich gerne an der Wand hätte. In dieser Form ein meines Erachtens rundherum gelungenes Foto.

Leserfoto – „Perlensammler“:
Mehr Struktur

Auf das Minimalste reduzierte Pflanzenfotos sollten dem Betrachter interessante Details bieten.

(c) Stephan Wink

Entstanden in den Reisinger Anlagen Wiesbaden. Leider erinnere ich mich nicht mehr an die Pflanzenart. Das Blatt schien mir geradezu den am Morgen gesammelten Tau als Perle anzubieten.
Leichte Nachbearbeitung (Spot Removal, Hochpassfilter) in Photoshop CS6.
Canon EOS 600D, 55 mm Brennweite, f/5,6, 1/20 s, ISO 100, mit Kamera-Blitz

Viele Leute machen bei Pflanzen- oder Blumenbildern den Fehler, dieselben bei hellem Tageslicht und von oben zu fotografieren. Das Ergebnis sind blasse Farben, häßliche Schatten und Motive, die man so überall sieht. Das hast Du alles hier vermieden, doch es gibt ein paar andere Dinge, die auffallen.

Doch zunächst zu Deinem Foto selbst:

In Deiner Einreichung schreibst Du, der Tau in der Mitte des Blattes habe Dich fasziniert. Man sieht auf der Aufnahme ein Blatt einer auch mir unbekannten Pflanzenart vor grünem Hintergrund, dazu den Tautropfen.

Du hast dieses Blatt unter eher ungünstigen Lichtverhältnissen ohne Stativ fotografiert. Deiner Kamera hast Du alle Entscheidungen überlassen. Das von Dir benutzte Objektiv ist eine „Kit-“Linse, die gerne mit Canon-Modellen geliefert wird. Es ist allerdings kein wirkliches Makroobjektiv, und man kann minimal an sein Objekt auf 25 cm heran.

Zur Komposition ist anzumerken, daß der Tautropfen sich weder im Goldenen Schnitt (rosa) befindet, noch die Regel der Drittel (blau) hier greift. Er ist vielmehr stark nach unten und zur Mitte hin verschoben:

Goldener Schnitt/Drittel

Der Tautropfen ist außerdem, verglichen zum Blatt selbst, nur ein kleiner Teil des Bildes:

Gewichtung

Da er sich durch seine Helligkeit und Struktur so sehr vom Untergrund abhebt, und weil er eben nicht im Goldenen Schnitt oder einem Drittel angelegt ist, fällt es für mich hier nicht ins Gewicht – im Gegenteil, der Betrachter wird gezwungen, sich das Foto wirklich anzuschauen.

Hättest Du einen wesentlich kleineren Ausschnitt gewählt, es wäre ein vollkommen anderes Foto:

Vergleichsfoto

Worauf ich mich konzentrieren möchte sind erstens die Bedingungen, unter denen die Aufnahme entstanden ist, und was man an ihr in der Nachbearbeitung noch hätte verbessern können.

Makroaufnahmen sollte man grundsätzlich mit Stativ bei ISO 100 und im Manuellmodus machen. Es empfiehlt sich, ein dediziertes Makroobjektiv zu benutzen, oder auf Objektivverlängerungen und dergleichen zurückzugreifen. Du hattest hier Glück, und es kam ein passables Foto dabei heraus, aber es sieht auch bei der mir vorliegenden Auflösung leicht unscharf aus.

Du schreibst auch, es sei „leicht“ nachbearbeitet worden – und das sieht man. Ein helles weißes Oval unten in der Mitte, alles sonst ist grün auf grün. Es gibt nicht genügend Details in diesem Bild, die es interessant machen. Das Motiv ist so stark reduziert, daß Du in der Nachbearbeitung etwas mehr herausholen mußt.

Weiterhin sind links oben und unten störende Elemente in der Aufnahme:

Problemzonen

Wo rechts alles schön verschwommen ist, sieht man dort Blattteile. Diese kann man jedoch leicht wegstempeln oder andere Bildteile darüberlegen.

Wenn mich an einem Foto Dinge stören, gehe ich nach einem „Was wäre, wenn“-Verfahren vor. Ich „spiele“ mit der Aufnahme und ändere, was mich zu stören scheint. Wenn es das Bild verbessert, hätte man diesen Schritt machen sollen. Andernfalls kann man es nicht ändern, oder es war eine Entscheidung, die ich bereits bei der Aufnahme anders getroffen hätte.

Hier habe ich Dein Foto in Nik Color Efex Pro nachbearbeitet, denn das Blatt hebt sich vom fast gleichfarbigen Hintergrund trotz Vignette nicht ausreichend ab. Erst habe ich die Farbstimmung und den dynamischen Kontrast bezogen nur auf das Blatt verändert, dann den tonalen Kontrast insgesamt angehoben und diese Ebene auf 50% Deckkraft über dem Original reduziert.

Als letzten Schritt habe ich die beiden störenden Teile weggestempelt (zugegebenermaßen eher salopp). Das Endergebnis ist farblich vielen wahrscheinlich zu extrem, soll aber nur illustrieren, was noch in diesem Foto steckt, wenn man sich etwas damit beschäftigt:

Vergleichsfoto

Es ist nur eine der vielen Möglichkeiten der Nachbearbeitung. Ob und was Du schlußendlich noch daraus machst, hängt von Dir ab.

 

Drucksachen:
Farben richtig übersetzen

Bilder vom Monitor zu Papier zu bringen ist schwieriger als man denkt. Nicht nur der Drucker, sondern auch der Bildschirm hat einen großen Einfluss auf das Druckergebnis und sorgt nicht selten für negative Überraschungen.

{© Henry Schmitt ;Fotolia.com}Trotz Blogs, E-Mails und Newsletter haben Werbemittel wie Flyer und Broschüren nach wie vor einen festen Platz im Repertoire von Marketingspezialisten. Anders als flüchtige Medien wie Bilder, Texte oder Videos im Internet sorgen Druckerzeugnisse für einen bleibenden Eindruck und überzeugen durch ein Zusammenspiel von Text und Bild. Am PC mit gängigen Software-Lösungen wie InDesign oder Photoshop erstellt, lassen sich Broschüren leicht und kostengünstig vervielfältigen. Nicht immer entspricht das Druckergebnis später jedoch dem Vorbild auf dem Monitor.  Weiterlesen

Eigener Bildblog oder Social Media?

Will man sein Fotos nicht ausschließlich in Fotoblogs wie hier präsentieren und besprechen lassen, kommt man nicht um andere Wege herum, seine Bilder zu publizieren. Viele Fotografen und Künstler haben eine Facebook-Seite, doch dort besteht folgendes Problem: Facebook verkleinert die Fotos und verstümmelt sie derartig, dass man von einer ernsthaften Präsentation nicht sprechen kann. Außerdem macht der blauweiße Hintergrund das Betrachten nicht gerade angenehm. Facebook ist also nicht mehr als eine Möglichkeit, auf eine andere Seite hinzuweisen und sollte keineswegs als einziges Medium genutzt werden.

Ebenfalls relativ beschränkend, aber schon wesentlich offener als Facebook ist Tumblr. Die Blogplattform, die auch soziale Komponenten bietet, zeigt Fotos in wesentlich höherer Qualität an. Zudem ist die eigene Seite stark mit Design-Themen und über HTML konfigurierbar. Es ist sogar möglich, seinen Account über eine eigene Domain laufen zu lassen. Neben der Tatsache, dass man auch hier nicht die volle Freiheit genießt, hat Tumblr aber noch einen anderen großen Nachteil: Wird das eingestellte Foto über die soziale Komponente des „Reblogs“ von einem anderen Nutzer geteilt, bleibt das Bild bei dem anderen User im Netz, selbst wenn man es von seiner eigenen Seite entfernt hat. Durch die Einfachheit dieses Rebloggens verbreiten sich gute Fotos einerseits sehr schnell. Andererseits ist es dadurch auch fast unmöglich, ein einmal gepostetes Bild gänzlich zu entfernen, falls man dies wünscht. Natürlich ist ein Im Internet gepostetes Bild unabhängig vom gewählten Medium generell schwer zu entfernen, aber bei Tumblr wird dies noch erschwert.

Life is Tumblr Bilder verbreiten sich auf Tumblr rasend schnell

Eigene Seite für volle Kontrolle unumgänglich

Wer die volle Kontrolle über Bildverbreitung und Design haben möchte, der muss eine eigenständige Website aufbauen. Entweder man arbeitet sich in die Technik von beispielsweise WordPress ein und mietet sich Webspace, oder man realisiert sein Projekt mit solchen Komplettlösungen. Dank bestehender Vorlagen ist dieses System deutlich einfacher zu handhaben als WordPress. Letzterers bietet allerdings einige Möglichkeiten mehr. Will man direkt starten, ist die Einrichtung der Fertiglösung sinnvoll. Bei Bedarf kann man sich immer noch später mit WordPress beschäftigen und es in einer Testumgebung ausprobieren. Ein späterer Umzug ist mit entsprechenden Werkzeugen jederzeit möglich. In beiden Fällen ist allerdings auf ausreichend Webspace zu achten, da Bilder in ordentlicher Web-Auflösung relativ viel Platz in Anspruch nehmen.

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