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Peter Sennhauser

Marienkäfer: «Makro» mit Offenblende

26. Oktober 2017/9 Kommentare/in Bildkritik, Makroaufnahme, Natur/Tier/von Peter Sennhauser

Was die Offenblende auch bei geringer Brennweite leisten kann: Tolles Bokeh und ein Feuerwerk der Farben und weichen Formen.

Canon EOS 1000D Aufnahmedaten: 1/320s bei Blende 9/5 mit 50/1mm Brennweite und ISO 100

Canon EOS 1000D Aufnahmedaten: 1/320s bei Blende 1.8 mit 50mm Brennweite und ISO 100 © Katharina Franz

Katharina Franz aus Egelsbach: Dieses Foto habe ich vor ein paar Jahren im Urlaub aufgenommen. Auf einigen Pflanzen entdeckten wir plötzlich ein paar dieser Käfer. Zusammen mit den weichen und warmen Sommerfarben im Hintergrund ergab es für mich ein stimmiges Sommerbild. Durch die Offenblende konnte dieser tolle Effekt erzielt werden.

Der Käfer als Statist: Ehrlich gesagt braucht es das Krabbeltier gar nicht, um diese Aufnahme wirken zu lassen. Ich bin versucht zu sagen, er stört – aber das wäre übertrieben: So, wie er Dich zu dieser Aufnahme herausgefordert hat, lockt er den Blick der Betrachterin tiefer in die Aufnahme hinein.

Wir sehen in dieser Farbfotografie in goldgelben Tönen vor einem stark weichgezeichneten, weiss-gelben Hintergrund den Stil oder Stamm einer Staude mit dünnen, bereits verdorrten gelben Blättern. Am Stamm sitzt, ungefähr mittig in der Mitte der Horizontalen, ein Marienkäfer, Rücken zu uns.

Der Glücksfall dieser Aufnahme ist,  wie Du richtig bemerkst, die geringe Schärfentiefe. Und die Fotografie ist der Beweis, dass die nicht mit der Brennweite, sondern in erster Linie mit dem Objektabstand, der Blende und dem Unschärfekreis zusammenhängt.

Du hast mit maximal offener Blende und einem sehr kurzen Abstand zum Käfer fotografiert, und das mit einem Normalobjektiv, das auf Deiner [amazon B001TDG8PI]Canon EOS 1000D[/amazon] mit Cropfaktor 1.6 dem Bildausschnitt eines 80mm Teleobjektivs auf einer Vollformat-Kleinbildkamera entspricht.

An der tiefen ISO-Empfindlichkeit ist abzulesen, dass es einigermassen hell war und Du wohl auch wegen des Gegenlichts im Bildzentrum eine Zeit gewählt hast, die einen Kompromiss zwischen hellstem Punkt und dem  Käfer als Motiv darstellt: Zwar brennt hier der helle Fleck im Bild aus, das heisst, es gibt darin keinerlei Zeichnung mehr (jedenfalls nicht mehr in der JPG-Version, die allerdings auf 256 Helligkeitsstufen beschränkt ist). Trotzdem ist aber der Käfer für mein Dafürhalten leicht unterbelichtet, seine Schattenseite ist etwas gar dunkel und seine Farbe kommt nicht wirklich zur Geltung.

Marienkäfer ausgebrannte Stellen

Die roten Stellen im Bildzentrum weisen keinerlei Zeichnung mehr auf.

Das muss dem Bild nicht unbedingt Abbruch tun, denn es lebt wie erwähnt nicht wirklich von dem Krabbeltier. Dieses dient nicht nur Dir, sondern auch den Betrachtern mehr als Vorwand für eine tiefere Untersuchung des in Formen und Farben bereits sehr attraktiven Bildes: Hier haben Licht und Schatten, Farben und Weiss und Schärfe und Weichzeichnung ein fotografisches Gemälde geschaffen.

Wenn man es denn noch in Lightroom anfassen will, hätte ich wahrscheinlich einerseits versucht, den Käfer zur Anschauung mal durch ein Anheben der Tiefen lokal etwas herauszuholen.

Marienkäfer, Tiefen angehoben

Der Käfer leicht erleuchtet

Ich hätte ferner mit einer sanften Steigerung von Sättigung (oder neu in Lightroom einem Misch-Regler Namens «Dunst reduzieren») die pastellenen Farben im Hintergrund, das leichte Rot am oberen und das Grün am unteren linken Bildrand herauszuarbeiten versucht.

Marienkäfer, Bild stärker gesättigt.

Marienkäfer, mittels „Dunst entfernen“ in Lightroom stärker gesättigt – etwas mehr, als ich es wirklich machen würde.

Einen Trick hätte es vielleicht bei der Aufnahme selber noch gegeben: Vielleicht hätte sich der Käfer dazu bewegen lassen, ein paar Schritte nach oben und rechts zu gehen und damit seine Rückseite nicht genau im rechten Winkel zur Kamera hinzuhalten: Er würde dann etwas plastischer wirken und mehr von seiner Rolle als Protagonist in diesem Bild erfüllen.

Schlagworte: Hintergrund, Käfer, Sättigung, Schärfentiefe
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https://static.fokussiert.com/1498396974/marienkaefer.jpg 1333 2000 Peter Sennhauser https://static.fokussiert.com/20151121174132/fokussiert-logo-schriftzug-klein-fok-300x62.png Peter Sennhauser2017-10-26 19:22:182017-10-26 19:25:52Marienkäfer: «Makro» mit Offenblende
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9 Kommentare
  1. André Leisner
    André Leisner sagte:
    5. September 2022 um 18:28

    Hallo Katharina,

    stimmungsvolle und sommerliche Farben. Wie da bei Bildern so ist, sind Geschmäcker verschieden. Kommt immer darauf an, wie man das Bild betrachten möchte. Einerseits könnte der Marienkäfer wie hier auch erwähnt fast schon störend wirken, anderseits könnte man auch sagen, hey, er rundet das Bild dazu noch ab. Aus Makrofotografie-Sicht betrachtet wäre es zu viel drum herum. Egal, ein stimmungsvolles Bild und wenn es Dir gefällt ist es die Hauptsache.

    Viele Grüße aus Lübeck
    André

  2. Stefan Schwarz
    Stefan Schwarz sagte:
    31. Juli 2018 um 15:24

    Erinnert mich doch an etwas…
    https://fokussiert.com/2008/05/22/tele-makro-farbklecks-mit-perspektive/

  3. Stefan S.
    Stefan S. sagte:
    7. März 2018 um 19:43

    Erinnert mich doch an etwas… https://fokussiert.com/2008/05/22/tele-makro-farbklecks-mit-perspektive/

  4. Tilman
    Tilman sagte:
    27. Oktober 2017 um 16:13

    Es ist ein fantastisches Bild, das Du aufgenommen und bearbeitest hast, Katherina. Und wie Peter – vielen Dank für die Besprechung – finde ich die abstrakten Formen und die sanft sich ändernde Farbtönung ganz toll. Allerdings gebe ich Dierk auch recht… der helle Fleck stört mich. Nicht einmal, dass das Bild hier „überbelichtet“ ist, so etwas kann toll als Stilmittel eingesetzt werden… nein, es ist diese mittige Anordnung und die Tatsache, dass man viel zu sehr von der Helligkeit angezogen wird und der Rest unwichtig wird. Ich habe deswegen mal etwas Dein Bild bearbeitet, ich hoffe Du bist mir nicht böse. Etwas mit GIMP gemalt um den Fleck kleiner zu machen, und etwas Struktur dazu gefügt, damit der Blick mehr auf den Käfer und dann nach oben gelenkt wird. Herzlichen Glückwunsch noch einmal zu dem tollen Bild. Mit vielen Grüßen, Tilman

    • Katharina
      Katharina sagte:
      27. Oktober 2017 um 17:04

      Hi Tillmann,

      nein, keine Angst, ich bin da nicht empfindlich und dir deswegen auch nicht böse.
      Ich kann verstehen, warum euch der helle Fleck ablenkt und finde deinen ersten Versuch der „Retusche“ gar nicht mal so übel. :) Wie du vielleicht gesehen hast, habe ich in meinem ersten Kommentar eine weitere Version des Bildes verlinkt, auf der der weiße Fleck nicht so zu sehen ist.

      Um die Reihe komplett zu machen, zeige ich euch hier auch noch das dritte Foto, welches ich in dieser Situation gemacht habe. Unser Marienkäfer hat nämlich noch einen Freund gefunden. Dabei hat sich auch der Hintergrund etwas verändert. Es hängt an. :)

      Danke auf jeden Fall schonmal für die lieben Kommentare!

      Liebe Grüße
      Katharina

    • Tilman
      Tilman sagte:
      27. Oktober 2017 um 17:59

      Das ist ganz anders gewichtet… toll in blau. Ich kann mich gar nicht entscheiden, welches schöner ist. Beide klasse.

  5. Katharina
    Katharina sagte:
    27. Oktober 2017 um 13:06

    Hallo Peter,

    vielen Dank erstmal für die Kritik, ich habe mich gefreut, dass es nach so langer Zeit mal wieder ein Bild von mir hierher geschafft hat.
    Ich stimme dir zu, dass man den Käfer noch etwas besser hätte herausarbeiten können, mir gefällt, wie du die Tiefen angehoben hast. Danke für den Tipp!
    Tatsächlich lag für mich persönlich der »Fokus« des Bildes auf dem Farbenspiel im Hintergrund.

    @Dierk: Leider war es sehr windig an dem Tag, weswegen eine 100% scharfe Aufnahme für mich schwer zu erreichen war. Ich habe tatsächlich ein paar Versuche unternommen, aber da war an eine Belichtungsreihe nicht zu denken, da man sie nicht hätte überlappen können, weil einfach zu viel Bewegung im Spiel war. Auf der rechten Seite habe ich übrigens gar nichts manipuliert (am gesamten Bild eigentlich nicht!), das ist alles Natura. :)

    Hier habe ich übrigens nochmal eine andere Variante, die etwas anders belichtet wurde. Dort ist der Marienkäfer auch etwas besser ausgeleuchtet und das Weiß nicht so überzeichnet: https://500px.com/photo/3037430/ladybug-by-katharina-franz

    • dierk
      dierk sagte:
      27. Oktober 2017 um 13:45

      Hallo Katharina,
      „alles Natura“ dachte ich mir auch. Die starke Weichzeichnung rechts kam sicher von anderen Gräsern im Vordergrund. Die Bearbeitung hätte ich sinnvoller erst als zweites nennen sollen.
      Mit Belichtungsreihe meinte ich nicht zwangsläufig auch eine HDR Verarbeitung sondern nur die Möglichkeit, bei kritischen Lichtsituationen sich später die beste Belichtung aussuchen zu können. So habe ich es auch schon früher zu analogen Zeiten gemacht.
      LG dierk

  6. dierk
    dierk sagte:
    26. Oktober 2017 um 22:59

    die beabsichtigte helle sommerliche Farbstimmung ist sicher erreicht.

    Leider habe ich einige „aber“, Katharina.
    * Der helle Fleck in der Mitte sieht für mich einfach zu sehr überbelichtet aus. Bei so schwierigen Lichtbedingungen besser eine Belichtungsreihe machen.
    * Der Marienkäfer (müsste ein eingeschleppter asiatischer Marienkäfer sein) ist nicht exakt scharf, was bei so einem Eyecatcher wichtig wäre. Vielleicht wäre etwas abgeblendet oder durch leichtes Vor- und Rückbewegen mit mehreren Aufnahmen sicherer für einen scharfen Käfer.
    * Die rechte Seite sieht sehr stark (zu stark) manipuliert weich gemacht aus oder es befindet sich davor im Vordergrund viel Gras und bewirkt diesen weichen Effekt.
    VG
    dierk

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