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Makro-Fotografie:
Spinne mit Auftritt

Eine Makro-Fotografie wie ein Still-Photo eines Horror-Films aus den Siebzigern: Die Tarantel, die nicht zu sehen ist, wirkt grade deshalb furchteinflössend schön.

Makrofoto einer Spinne, die auf einen Ast klettert

Makrofotografie mit grossem Auftritt. Canon EOS 6D , 1/60s bei Blende 4 mit 100mm Brennweite und ISO 250. © Johann Schreml

Johann Schreml aus Bad Wörishofen: In einer Ausstellung in München fotografiert. Eigentlich wollte ich die Spinne als ganzes fotografieren, doch dies war auf Grund der starken Reflektionen des Terrariumglases nicht möglich. So entstand nach langem Herumprobieren dann dieses, aber wie ich finde, spannenderes Fotos als das eigentlich geplante.

Man ist geneigt zu sagen: Glück gehabt. Aber das wird Deinem fotografischen Können wahrscheinlich nicht gerecht, denn die Qualität dieser Aufnahme scheint mir kaum ein Zufall.

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Color-Key-Fotografie:
Die leuchtende Himbeere

Bilder wie dieses laden zum Spielen mit dem Color-Key-Effekt ein. Ich würde ihn aber immer ausschliesslich am Rechner und mit dem Raw-Material der Fotografie anwenden, niemals direkt in der Kamera.

Color-Key Aufnahme einer Himbeere

Color-Key-Himbeere Sony Alpha 6000, 1/250s bei Blende 5.6 mit 155mm Brennweite und ISO 2000 © Bernhard Ruhland

Bernhard Ruhland aus Eggstätt schreibt: das Bild „Himbeere“ entstand im Sommer 2016 in einem kleinen Waldgebiet. Das kräftige Sonnenlicht brachte die Himbeere zum leuchten und schuf in diesem Detailausschnitt eine tolle Stimmung. Aufnahmedaten: Alpha 6000, 1/250 s, Blende 5,6, 155 mm und ISO 2000 (das Foto wurde aus der Hand aufgenommen). Die Einstellung s/w und „selektive Farbe rot“ habe ich ebenfalls noch vor Ort vorgenommen. In PSE wurden dann einige kleinere Störstellen weggestempelt, sowie eine Tonwertkorrektur und ein Beschnitt vorgenommen. Hier allerdings musste ich von den klassischen Vorgaben (Drittelregel bzw. goldener Schnitt) abweichen, da ich neben der Himbeere auch das sonnenbeschienene Blätterdach drauf haben wollte. Ich habe mich daher entschieden, die Himbeere ins Zentrum einer Fibonaccispirale zu legen, um so den harmonischen Ansprüchen Rechnung zu tragen. Ganz sicher bin ich mir aber nicht, ob der Leerraum links nicht zu dominant ist und die Lichtreflexe stören. Was haltet ihr davon, eure kritische Meinung interessiert mich!

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Ausdrucksstarkes Frauenporträt:
Ein Gesicht wie eine Geschichte

Wenn ein Foto den Betrachter so in den Bann zieht, dass er Mängel darüber vergisst, ist man als Fotograf am Ziel.

myanmar-elderly-pa-o-woman-portrait

Matthias Kleinmanns aus Hofheim schreibt zu diesem Bild:

Das Foto entstand auf einem Markt in einem Bergdorf in Myanmar. Bei der abgebildeten Person handelt es sich um eine Angehörige der ethnischen Gruppe Pa-O. Aufgenommen wurde das Foto mit eine Sony A7R ( ILCE-7R ) (Affiliate-Link) mit dem 90mm Voigtländer Objektiv Apo Lanthar (Blende 4.0, ca. 1/250 sek), verbunden mit einem Metabones Adapter .

Für Fotos dieser Art streife ich gerne stundenlang über Märkte in Regionen, in denen kulturelle Besonderheiten, wie landestypische Kleidung, Frisuren, Tattoos, oder ähnliches zu sehen sind. Hierbei achte ich heute zuerst auf die Lichtsituation, danach auf eine infrage kommende Person. Viele Jahre Erfahrung haben mich gelehrt, wie ich eine Kontaktaufnahme erreiche, ohne die Person zu erschrecken oder zu vergraulen. Unabdingbar für mich ist eine angenehme ungezwungene Atmophäre, die nicht zu einer Ablehnung des Fotos oder erstarrten Pose führt.

Eine freundliche Gestik und ruhig gesprochene Worte, sprachlich bedingt, oft auch unverstanden, helfen die oft anfängliche Scheu zu nehmen. Es ist nicht immer einfach die lockere Pose zu halten, da ich oft nicht mit Autofokus fokussiere, sondern mit der Einstellupe, um sicherzustellen, dass die Augen extrem scharf abgebildet werden.

Den bei diesem Foto abgeschnittenen Kopf und die nur teilweise dargestellte Hand habe ich toleriert, um den Kopf in einer bildbestimmenden Größe zu halten. Auf die Lichtpunkte oben rechts hätte ich gerne verzichtet, wollte sie aber auch nicht mittels Photoshop übertünchen.

M.E. wichtige Bildelemente sind der Bambusstamm und der Schal in satten Rottönen, die mir bezüglich Rahmung des Kopfes und Quantitäts-Kontrast sehr willkommen waren.

Als Fotografin habe ich den in den Medien vorherrschenden Jugend- und Schönheitswahn noch nie verstanden. Es ist für mich persönlich motivisch interessanter, Gesichter abzubilden, in denen das Leben der jeweiligen Person buchstäblich geschrieben steht. Nicht, dass Schönheit und Perfektion nicht fotografierenswert wären – sie sind eben nicht meins. Weiterlesen

Leserfoto:
Melancholie einer Industriebrache

Unsere heutige Bildbesprechung zeigt ein gelungenes Beispiel eines industriellen Stillebens.

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„Letzte Spuren eines Kosmetikherstellers“ nennt unser Leser Matthias Binder aus dem sachsen-anhaltinischen Zeitz sein Bild, welches er uns in der Kategorie ‚Stilleben‘ zur Besprechung eingereicht hat. Er schreibt dazu ergänzend: „Glaubt man den Gerüchten, so werden im kommenden Monat die ehemaligen Zitza Zeitz Werke (vormals Firma Oehmig-Weidlich Zeitz) abgerissen. Für mich ein Grund die Fabrikgebäude nochmals aufzusuchen, um letzte Spuren des Kosmetikhersteller zu suchen. Anfang der neunziger Jahre wurde die Produktion eingestellt. Eines der letzten Produkte war die Herren-Kosmetikserie ‚Macho‘. In einem der Produktionsräume habe ich dieses Motiv entdeckt. Die Tageszeitung ‚Neue Zeit‘ sowie auch die Pflegeserie ‚Macho‘ haben den Sprung in die neue Zeit nicht geschafft. Beide gibt es heute nicht mehr.“

Über die Ausrüstung und Aufnahmedaten erfahren wir nichts. Die geringe Schärfentiefe und das schöne Bokeh lassen aber an eine lichtstarke und wertige Optik denken. Matthias betreibt die Fotografie ernsthaft, wie seine durchaus sehenswerte Website mit Portfolio und Blog erkennen läßt.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Lichtunterschiede:
Portrait im Gegenlicht

Die Tücken einer Gegenlichtaufnahme illustriert dieses sommerliche Portrait sehr gut. Der Trick ist, die Balance zwischen Hintergrundhelligkeit und Motivlicht in den Griff zu bekommen.

Gegenlichtporträt © Björn Kluge

Gegenlichtporträt © Björn Kluge

Kommentar des Fotografen:

Hallo,
dieses ist eine meiner neuesten Outdoorportraits. Ich bin ein Freund von Gegenlichtaufnahmen, auch wenn ich diese noch nicht 100% beherrsche, so suche ich doch stets gern die Herausforderung.
Nach einem Jahr intensiven Lernens ist diese Aufnahme der aktuelle Stand dessen, was ich mir aneignen konnte. Nun bin ich gespannt, was ihr dazu sagen könntet, vor allem im Punkto Verbesserungspotential in allen Belangen.
Gruß Björn

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Björn Kluge:

Ich finde es gut, wenn Fotografen beständig versuchen, sich zu verbessern und neue Techniken zu lernen. In diesem Fall möchte der Fotograf Gegenlichtaufnahmen meistern. Weiterlesen

Die Anemone im surrealistischen Wald

Blumenbilder gibt es zuhauf und deshalb wirken viele schnell platt und langweilig. Wenn der Hintergrund – wie hier – gut mit einbezogen wird, kann das leicht vermieden werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Annemarie Berlin)

Kommentar des Fotografen:

Da ich schon sehr viele „normale“ Anemonenbilder gemacht habe, wollte ich dieses Blümchen einmal etwas anders ablichten. Die Einsamkeit, die Suche nach dem Licht und die kühle Umgebung des Waldes sollten unbedingt mit einfließen.

Fotografiert habe ich mit der 5DMII und dem 100mm Trioplan bei Blende 2.8 und 1/640s

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Annemarie Berlin:

Ein nicht normales Blumenfoto wollte die Fotografin Annemarie machen und mit dieser Aufnahme ist ihr das auf jeden Fall gelungen. Wiederholt habe ich bei den Bildkritiken sowohl Fotos rausgepickt, die bei den abertausenden Blumenfotos, die täglich ins Internet gestellt werden, positiv herausstechen (http://fokussiert.com/2012/04/26/blumenfoto-stengel-im-fokus/) als auch welche, die noch verbessert werden können.

Das ungewöhnliche Bilder von Blumen nicht so schwer sind, wenn einige Regeln beachtet werden (siehe meine Auflistung hier: http://www.fotografr.de/6686/4-typische-anfaenger-fehler-bei-blumenfotos/), zeigt auch das heute besprochene Foto. Der Trick bei dieser Aufnahme ist, dass die Fotografin der Umgebung einerseits genügend Platz gegeben hat, um erkennbar zu sein und einen „Mood“, also eine Stimmung, zu schaffen. Andererseits ist der Hintergrund durch die weit offene Blende 2.8 abstrakt genug, um durch das massenhaft wiederholte kreisförmige Bokeh eine surreale Wirkung zu erzielen.

Die offene Blende sorgt auch für eine Tiefenwirkung, die beim Betrachter den Eindruck erweckt, man wäre ein kleines Tier auf dem Waldboden, welches die Blume betrachtet.

Dazu passt gut, dass die weiße Anemone vorsichtig von links unten nach rechts oben ins Bild „reinzuschnuppern“ scheint. Sowohl die von der Fotografin erwähnte „Einsamkeit“ als auch die „Suche nach dem Licht“ und die „kühle Umgebung des Waldes“ werden somit gut illustriert. Das betone ich hier deshalb, weil ich in der Vergangenheit genügend andere Fotos gesehen habe, bei denen vom Fotografenkommentar kaum etwas im Bild zu erkennen war.

Nach all der Lobhudelei noch eine kleine Kritik und ein Verbesserungsvorschlag: Wenn sich die Fotografin schon die Mühe gemacht hat, für dieses Foto tief in die Knie oder gar ganz auf den Boden zu gehen, hätte sie bei der Gelegenheit auch das braune, welke Blatt ganz links im Bild entfernen können.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

Blumenbild:
Zeitdimension durch Bokeh

Mit langer Brennweite, kurzer Fokusdistanz und weit offener Blende lassen sich die typischen Bokeh-Kreise im Hintergrund erzeugen – was durchaus eine vierte Dimension schaffen kann.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Annemarie Berlin).

Kommentar des Fotografen:

Bei diesem Bild reizte es mich besonders, die im von der Sonne beleuchteten Hintergrund stehenden Blüten als Kontrast mit einzubeziehen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Annemarie Berlin:

Eine Krokus-Blüte stösst in dieser Tele-Farbaufnahme im Schatten im rechten Vordergrund durch den von dürrem Laub bedeckten Boden. Dahinter ist in der linken Bildhälfte in der Unschärfe der Tiefe eine weitere gelbe Doppelblüte zu erkennen, die sich gegen oben in den grossen Bokeh-Kreisen vor einem hell erleuchteten Hintergrund auflöst.

Bokeh stammt aus dem Japanischen und steht für „unscharf, verschwommen“;

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Seifenblase:
Plastisch vereinfacht

Fotografie macht die einfachsten Dinge zu Wunderwerken – oder umgekehrt: Die Seifenblase als Fülle von Geheimnissen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Raphaela Maier).

Kommentar des Fotografen:

Nicht nur Kinder, sondern auch ich bewundere die Seifenblasen. In allen Regenbogenfarben glitzern sie, ein tolles Objekt, um Fotos zu machen. Schade, dass sie nach kurzer Zeit wieder zerplatzen. Dieses Foto entstand auf meinem Balkon. In der Seifenblase kann man unser Haus erkennen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Raphaela Maier:

Eine farbenfrohe Seifenblase vor schwarzem Hintergrund: Schillernd in den erstaunlichsten Farbverläufen, scheint die runde Blase plastisch aus dem Bild herauszuragen. Glanzpunkte oben rechts und unten links markieren die Spiegelung der Sonne, im filigranen Gebilde selber spiegelt sich eine undefinierbare Struktur.

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Zapfhahnromantik:
Blickführung unklar

Geringe Schärfentiefe ist ein sehr rabiates Mittel für die Blickführung – und bietet damit Raum für Regelbrüche.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Carsten Brüggenolte).

Kommentar des Fotografen:

Aufgenommen in einem Pub in London

Peter Sennhauser meint zum Bild von Carsten Brüggenolte:

Eine Reihe von Bierzapfhähnen in einem englischen Pub reiht sich ungefähr in der horizontalen Bildmitte der Aufnahme von ganz links bis weit ins letzte Drittel nach rechts in die Tiefe des Raums. Dahinter sind entlang der Bar weitere, klassische Zapfhähne erkennbar, die allerdings bereits stark in der Schärfenuntiefe verschwimmen; am rechten Bildrand ist der Hintergrund des Raums nur noch schemenhaft zu erkennen, an der Decke hängt hier ein Kugellampe, die in der Aufnahme bereits durch das Bokeh zur weissen Scheibe wird. Weiterlesen

Morgentau-Grashalm:
Braucht keine Story

Nicht jede Fotografie braucht eine „Geschichte“. Ein wirklich gutes Bild lässt sie im Kopf des Betrachters entstehen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Florian Beyer).

Kommentar des Fotografen:

Hallo, tja, irgendwann einmal beim Weg zur Arbeit machte ich an einer taufeuchten Wiese halt, um ein paar Fotos zu schießen. Dabei ist dieses hier entstanden. Da ich immer sehr gerne die Kritiken hier auf fokussiert lese, lernt man mit der Zeit ja, auf was es ankommen sollte. Ein Punkt, der fast immer angesprochen wird ist die Geschichte, die ein Foto erzählen kann oder sollte. Aber kann man so etwas auch auf die Makrofotografie anwenden? Daher lege ich in diesem Bild eher wert auf die technische und kompositorische Bewertung des eingereichten Fotos. Schon einmal Danke dafür.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Florian Beyer:

Ein taufrischer Grashalm in der Morgensonne vor einer Wiese, fotografiert mit Makro und weit geöffneter Blende. Der Hintergrund verschwimmt in zahllosen, verschieden grossen Bokeh-Kreisen, deutet das Umfeld aber mit hochschiessenden Schatten an.

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