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Sofie Dittmann

HDR-Momentaufnahme: Schwarzweiß hätte schon gereicht

24. Januar 2016/in Ansehen, Bildkritik/von Sofie Dittmann

Wenn man HDR als Weg der Nachbearbeitung einschlägt, sollte man  jenen auch voll zuende gehen.

FUJI X 30 - ƒ/7.1 - 10.8 mm bei 2/3 Zoll Sensorgrösse , 1/80 Sekunde, 320 ISO. Blendenvorwahl, ISO-Auto bis 800 - (c) Michael Teuber

FUJI X 30 – ƒ/7.1 – 10.8 mm bei 2/3 Zoll Sensorgrösse , 1/80 Sekunde, 320 ISO. Blendenvorwahl, ISO-Auto bis 800 – (c) Michael Teuber

Michael Teuber aus München schreibt zu diesem Bild, das er unter dem Titel „Greed“ (= „Gier“) eingereicht hat:

Das Bild wurde anlässlich des diesjährigen „Wave Gotik Treffen“ in Leipzig an der Moritzbastei mit meiner Strassenkamera, einer FUJI X 30 aufgenommen. Die Situation an der Moritzbastei ist mittlerweilen die, das dort auf 10 Teilnehmer ( mit entsprechender Bekleidung und extrovertiertem Äusseren ) ein Fotograf kommt, der diese Teilnehmer, in der Hoffnung auf möglichst spektakuläre exzentrische Bilder, gefragt oder ungefragt abbildet. Angesichts des vollkommenen Verlustes jeglicher Privatspäre bei so einem Festival in diesem öffentlichen Raum dürfte es auch rechtlich vollkommen irrelevant sein, ob man diese Personen erkennt oder nicht.

Ich habe nun mal den Spiess umgedreht und versucht, auf sehr überzeichnende Weise mit HDR-Bearbeitung diese Sensationsfotografen in ihrer Gier abzubilden. Daher auch der Bildtitel.

Mir ist schon klar, das das ein äusserst provokantes Foto ist, aber es zeigt ja auch die Realität der heutigen Bilderwelt, wo es nur noch um Sensation und aufreisserische Bilder geht. Insofern ist dieses Bild ein innerer Spiegel der hier fotografierenden Menschen.

Wer das nicht glaubt, kann gerne mal „Bilder WGT“ ergoogeln.

Genau das habe ich erst einmal getan, bevor ich mir das Foto zur Besprechung ausgesucht habe. Und in der Tat, man sieht auf manchen Aufnahmen eine riesige Gruppe Fotografen, die auf eine Person draufhalten. Insofern war der ursprüngliche Titel durchaus zutreffend.

Man könnte in diesem Fall als problematisch betrachten, daß die nach deutscher Auffassung notwendigen Einverständniserklärungen der Abgebildeten absichtlich nicht eingeholt wurden. Ohne jetzt hier eine pseudo-juristische Diskussion anzufangen, denke ich, daß mit Michaels Erklärung gekoppelt man diesen Schnappschuß als größere Gruppe als Teil einer Massenveranstaltung sehen kann, bei dem es nicht auf die einzelnen Personen ankam. Außerdem müßten sie mitbekommen haben, daß sie fotografiert wurden.

Da es sich um ein Wimmelbild handelt und alle Kompositionsregeln gebrochen wurden, möchte ich mich auf den allgemeinen Bildaufbau und die gewählte Nachbearbeitung konzentrieren.

Was mir hier gefiel, waren die verschiedenen Ebenen, die trotz der Enge des Rahmens noch im Motiv sind – vorne die Fotografen (grün), dann noch zwei Reihen Menschen dahinter (orange bzw. rot), dann der restliche Hintergrund (blau):

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Trotz der mittleren Verschlußzeit von 1/80 s ist das Kind, das rechts zwischen den Erwachsenen durchhuscht, verwaschen – wohl dem Umstand geschuldet, daß bei HDR etwa in Photomatix mindestens drei Aufnahmen mit unterschiedlich langer Verschlußzeit miteinander kombiniert werden. Optisch gesehen ist es jedoch ein Bonbon in diesem an sich statischen Foto, denn es gibt dem ganzen, hat man es einmal entdeckt, unverhofft eine gewisse Dynamik.

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Ich bin mir sicher, daß die Aufnahme aus mir unbekannten Gründen beschnitten wurde. Jedenfalls wurde rechts und unten jeweils von der Person etwas abgeschnitten – rechts sogar ziemlich. In einem Schnappschuß dieser Art muß man das teilweise in Kauf nehmen, weil man sich bei Momentaufnahmen den Rahmen nicht immer aussuchen kann. Da ich nicht weiß, wie Michael genau beschnitten hat und warum, kann ich keine weiteren Aussagen dazu machen, wie ICH es statt dessen gelöst hätte.

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Was ich hier jedenfalls anders gemacht hätte, ist die Umwandlung in HDR. Wenn man schon diese Bearbeitungsmethode wählt, sollte man den Weg zuende gehen. Man sieht in der Aufnahme deutlich am Himmel die bekannten Aureolen, die Michael nicht entfernt hat.

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Ich bin persönlich der Meinung, daß eine Schwarzweißumwandlung hier vollkommen ausgereicht hätte – HDR unterstreicht die Absurdität der Szene für mich nicht unbedingt noch mehr. HDR ist hier mehr Michaels eigene ästhetische Entscheidung.

Ansonsten ist das Foto ein meines Erachtens insgesamt gelungener Schnappschuß, und es wäre interessant, noch mehr Aufnahmen vom Wave Gothic Treffen zu sehen.

Schlagworte: HDR, Leipzig, Schwarzweiss-Fotografie
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https://static.fokussiert.com/1434028470/greed.jpg 688 800 Sofie Dittmann https://static.fokussiert.com/20151121174132/fokussiert-logo-schriftzug-klein-fok-300x62.png Sofie Dittmann2016-01-24 10:00:202016-01-22 16:10:21HDR-Momentaufnahme: Schwarzweiß hätte schon gereicht
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