Martin Zeller: Hongkong diagonal

Martin Zeller verließ für seine Ansichten der Mega-City Hongkong das traditionelle Bild-Rechteck und schuf überkreuzende Collagen.

Martin Zeller: Pink Lady, 2004

Drei Jahre lang hielt sich Zeller in Hongkong auf. Seine ungewöhnlichen Arbeiten – aktuell in der Kunsthalle Mannheim zu sehen – geben nicht nur das gängige Bildformat auf. Auch die klassische Perspektive sucht man vergeblich. Mit der ungewöhnlichen Belichtungsmethode entfällt selbst die Wahrnehmung der Zeit als dem Augenblick der Belichtung.

Der in Mannheim geborene Martin Zeller nimmt einen weitreichenden Einfluss auf die Belichtung. In der Dunkelheit der Nacht, mit der Wahl einer kleinen Blendenöffnung und eines niedrigempfindlichen Films, sowie dem Schwarzschild-Effekt (ab zehn Sekunden gilt: die Empfindlichkeit des Films nimmt mit länger andauernder Belichtungszeit ab) erreicht er Belichtungszeiten von 30 bis zu 120 Minuten. Wie diese Zeiten gestaltet sind, kann er selbst entscheiden. Über den Anfang und das Ende hinaus bestimmt er, ob die Zeit an einem Stück, oder in mehreren Etappen belichtet wird. Aus gestalterischen Gründen können aus sechzig Minuten auch mal fünfzig oder siebzig werden, ohne dass das Dia falsch belichtet wäre. Und er kann mit noch offenem Verschluss den Standpunkt verändern. So denkt Zeller das Bild während der Belichtung zu Ende.

Martin Zeller: Silent Witness, 2005

Aus mehreren Bildern entstehen die Collagen, die verwinkelte, sich teilweise überschneidende Ausschnitte der gleichen Ansicht abbilden. Der Bildraum besteht aus den Perspektiven der Einzelbilder. Die überkreuzten Hoch- und Querformate, die Zeller übrigens mit einer Linhof 6×17-Kamera fotografiert, erzeugen eine ziemlich ungewohnte Spannung. Unser Vorstellungsvermögen tut sich schwer damit, weil es unwillkürlich versucht, die einzelnen Teile miteinander zu verbinden. Diese Räume sind mit gewohnter Sichtweise nicht fassbar und wir müssen uns darauf einlassen, anders zu sehen.

Martin Zeller, Jahrgang 1961, hat an der Fachhochschule für Gestaltung in Darmstadt studiert. Unter dem Titel „The Diagonal Mirror“ ist im Heidelberger Kehrer-Verlag ein Bildband mit den Ansichten aus Hongkong erschienen. Leider hat Zeller keine eigene Website, lediglich bei der Galerie Weigand in Ettlingen gibt es eine Online-Galerie mit weiteren schriftlichen Informationen.

Martin Zeller – Space and Time in Photographing Hong Kong
Bis 3. Mai
Kunsthalle Mannheim, Friedrichsplatz 4, D-68165 Mannheim
+49-(0)-621-2936452, kunsthalle@mannheim.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr

Kunsthalle Mannheim
Galerie Weigand

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