Blumenbild: Warum so konservativ?

Kopiere beim Fotografieren nicht einfach, was du schon mal gesehen hast. Versuche, etwas Neues zu schaffen, etwas, was zeigt, wie Du die Dinge siehst.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Alexander Sage).

Kommentar des Fotografen:

Belichtungszeit und Blende weiss ich leider nicht mehr genau, da Analogkamera… Zeit war sehr wahrscheinlich 1/250s oder kürzer, Blende vermutlich f5.6. Das Bild wurde von mir nicht digital bearbeitet.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Alexander Sage:

Dieses Foto hier ist ein Beispiel für ein typisches Blumenfoto. Aufgenommen mit dem typischen Abstand zur Blume, mit dem typischen blättrigen, grünen Hintergrund, sieht die Blume im Bild genauso aus, wie wir es erwarten würden.

Da gibt es keine Überraschungen. Der unscharfe, fast traumähnliche Hintergrund ist ganz gut. Leider reicht das aber nicht. Es sticht nicht heraus aus den Unmengen an Blumenfotos, die tagtäglich gemacht werden.

Wenn Leute interessante Motive für Fotos suchen, stehen farbenfrohe Blüten hoch in ihrer Gunst. Dafür gibt es viele Gründe:

Man findet sie in den meisten Parks und Gärten; sie sind leicht zugänglich, und man muss nicht stundenlang nach einem Motiv suchen. Außerdem hampeln sie nicht herum wie Kinder oder Tiere und sind sehr geduldig. Nicht zuletzt haben sie sehr oft lebendige Farben und interessante Formen.

Weil Blumen so allgegenwärtig sind, etwas das wir fast täglich sehen und zugleich Ausdruck von Schönheit per se, strengen sich die wenigsten Fotografen an, spezielle Fotos von ihnen zu schießen.

Doch mit den Blumen ist es so wie mit allen anderen Motiven, die wir fotografieren: Anstrengung und Geduld sind Voraussetzung für großartige Ergebnisse.

Wie also können wir bessere Blumenaufnahmen machen?

Als erstes sollte man sich anschauen, was andere Leute machen oder gemacht haben.

Zum Beispiel die Bilder von Katja Liedle. Sie schafft abstrakte Welten – indem sie schönes Licht verwendet, um Nahaufnahmen der Blumen aus verschiedenen und interessanten Winkeln zu machen.

Zwei Meister der Fotografie des letzten Jahrhunderts sind Imogen Cunningham und Robert Mapplethorpe. Im Laufe ihres Fotografenlebens haben sie das Objektiv auf viele Dinge gerichtet und dabei auch eindrucksvolle Pflanzenstudien gemacht.

Von diesen Leuten – seien es nun grossartige Fotografen aus der Vergangenheit oder interessante zeitgenössische Künstler – können wir lernen, einen eigenen Stil zu entwickeln , oder wenigstens von den absolut gängigen Pfaden abzuweichen. Dabei kann die Technik helfen – bei Blumenbildern beispielsweise mit einer Beleuchtung der Blüte von unten, mit Makro-Aufnahmen und Ringblitz oder mit technischen Verfremdungen. Was es genau ist, bleibt Dir als Fotograf vorbehalten: Du kannst Dich auch auf „ganz gewöhnliche“ Blumenfotografie spezialisieren, die sich dann aber zumindest durch den Grad dere Perfektion, durch Stimmung oder Kontext abheben muss.

Das gilt für jede „standardisierte“ Form der Fotografie. Nur faul darf man dabei nicht werden, das ist das ganze Geheimnis. Man muss immer versuchen, neue Wege zu finden, um sein Motiv in Szene zu setzen.

Mach nicht dasselbe Foto, das wir alle schon tausendmal gesehen haben. Versuche, dein Motiv auf deine eigene, persönliche Art festzuhalten.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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