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Thomas Rathay

Kanu-Wildnis: Komponiere den Raum

13. September 2010/1 Kommentar/in Bildkritik, Landschaftsfotografie/von Thomas Rathay

Bilder, die Einsamkeit und die Freiheit in der Natur vermitteln, wollen erst recht gut komponiert sein.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Andrea Stutz).

Kommentar des Fotografen:

Algonquin-Park in Ost-Kanada, wo wir eine Paddel-Woche verbrachten.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Andrea Stutz:

Da ich selber schon im Algonquin Park paddeln war, weiß ich, wie genial die Stimmung dort ist (und wie beschwerlich die Portagen der Kanadier sein können). So manchen Sonnenuntergang hab ich gesehen, und kann diejenigen nicht verstehen, die meinen, man brauche keine Sonnenuntergänge mehr fotografieren, weil sie kitschig sind.

Allerdings steckt für einen selber meist viel mehr in solchen Bildern, als der Betrachter erahnen kann. Deswegen müssen wir als Fotografen aufpassen, dass auch wirklich alles stimmt an so einem Foto – und wenn möglich noch einen Aha-Effekt einbauen oder eine besondere Perspektive wählen.

Dein Bild hat schon gute Ansätze:

Der Horizont ist nicht mittig, sondern im oberen Drittel angesiedelt, wenn er auch etwas schief ist. Das lässt sich in der Nachbearbeitung schnell regulieren.

Begradigte VersionDein Bild habe ich versucht zu begradigen, ohne das zweite Kanu komplett aus dem Bild verschwinden zu lassen und den rechten Rahmen der Bäume (auch ein guter Ansatz) zu zerstören.

Die Sonne trifft gerade noch so den Süllrand des Kanadiers und hebt damit dessen Form gut hervor; der Nachteil ist allerdings, dass sie auch im Wasser sehr grell ist und an dieser Stelle ausfrisst. Wenn Du dieses Bild drucken willst, hast dort Probleme.

Am unteren Bildrand erahne ich noch ein zweites Kanu. Klar – man sollte nie alleine in der Wildnis unterwegs sein. Bau dieses zweite (oder vielleicht sogar ein drittes!) Boot noch stärker als wiederkehrendes Element des Bildes mit in die Komposition ein. Das bringt mehr Spannung ins Bild.

Kanu in Schweden © Thomas Rathay

In meinem gerade beendeten Outdoor-Fotokurs im schwedischen Värmland, was Kanada teilweise schon recht nahe kommt, legen meine Gäste natürlich mehr Wert auf das Fotografieren als auf die Idylle am Abend. Wir hatten aber trotzdem eine Menge Spaß und auch ein ordentliche Anzahl an unterschiedlichen Einstellungen, gerade am Abend am See im Glaskogen Naturreservat.

Mittig, da Spiegelung ©Thomas RathayIch habe mal zwei meiner Bilder ausgesucht, um zu verdeutlichen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, die Stimmung einzufangen. Beide sind direkt nach Sonnenuntergang entstanden und zeigen einmal einen ähnlichen „Aufbau“ wie dein Bild und einmal die symmetrische Spiegelung des Kanadiers im Wasser mit sehr mittiger Uferlinie.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

Schlagworte: Kanada, Kanu, Landschaftsfotografie, Sonnenuntergang
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1 Kommentar
  1. Christian Loose
    Christian Loose sagte:
    14. September 2010 um 23:27

    Was mich hier am meisten stört ist die fehlende Lichtfarbstimmung.
    Das Bild müsste m.E. viel wärmer sein. Ich glaube fest, dass das die tolle Stimmung des Fotos nochmal erheblich verbessern würde.

    Gruß,
    Christian Loose

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