Leserfoto – Fahrradtour durch das Samerott: Nachbearbeitung schafft kein Motiv

Alleine durch Nachbearbeitung kann man einem Foto kein Leben einhauchen.

(c) Arthur Lieske

Canon 550D – Belichtungszeit: 1/100 s – ISO: 100 Blende: f/5.6 Brennweite: 18 mm (c) Arthur Lieske

 

Auf einer Fahrradtour durch das Samerott, ein urwüchsiges Reservat. Alter Sandweg…..

Du hast uns hier einen Schnappschuß von einer Fahrradtour eingereicht. Zu sehen ist links ein Pfad, daneben ein Sandweg, getrennt durch in den Boden gerammte Holzpflöcke. Sonst sieht man nur wilde Natur. Betitelt hast Du es ursprünglich „1. Mai“.

Zunächst einmal zum Foto selbst: Was mir bei Deinem Bild nicht ganz klar ist, ist das eigentliche Motiv. Worauf es Dir ankam. Du warst auf einer Fahrradtour, das Wetter war schön; dann hast Du aus irgeneinem Grund angehalten und ein Bild geknippst. Leerer Raum als Motiv ist durchaus möglich, doch sprichst Du hier in Deiner Beschreibung das „urwüchsige Reservat“ und den „alten Sandweg“ an. Du vermittelst mir aber weder wirklich das eine, noch das andere, und wußtest wohl selbst nicht, was Du fotografieren wolltest, sonst hättest Du einen anderen Titel und Beschreibung gewählt.

Als Handyschnappschuß wäre das vorliegende Foto eineSache, aber Du mußt es gut genug gefunden haben, daß Du es uns zur Kritik eingereicht hast. Dein Foto ist eines dieser, bei denen ich lange geschwankt habe, bevor ich sie ausgewählt habe. Ich persönlich gehe bei der Fotoauswahl so vor, daß bei der folgenden Abhandlung irgendetwas herauskommen muß, das über „wow, toll“ oder „ne, eher nicht“ hinausgeht. Ob die Aufnahme voll gelungen oder komplett daneben gegangen ist, spielt grundsätzlich keine Rolle – mehr, ob das Bild mich anspricht, oder ob ich denke, daß bei der Besprechung etwas „Lehrreiches“ herauskommen wird. Schließlich sollte ich ja nicht nur eine Seite füllen, sondern Ihr Leser auch etwas davon haben.

Ich habe hier beschlossen, Dein Bild Stück für Stück im Tutorienstil weiterzubearbeiten, um Dir Anhaltspunkte zu bieten, was man das nächste Mal anders machen könnte. (Die verwendeten Screenshots sind alle die englische Version von Photoshop CS 5.1, aber ich habe die einzelnen Schritte so aufgeteilt, daß man sie ohne spezielle Plugins und in anderen Bearbeitungsprogrammen nachvollziehen können müßte.)

Was ich hier im folgenden vermitteln will, ist, wie man einen solchen Schnappschuß noch in etwas verwandeln kann, das einem außenstehenden Betrachter „etwas bringt“; doch das geht letztlich auf Kosten des Fahrradfahrerlebnisses, das Du wahrscheinlich ursprünglich einfangen wolltest (welches aber nicht ‚rüberkommt). Es ist besser, sich von vorneherein bei der Aufnahme diese Gedanken zu machen, als im Nachhinein ein Bild durch Nacharbeitung zu „retten“. Ich persönlich hätte mich entweder auf die Knie begeben, wenn es der Sandweg war, der es Dir angetan hatte, oder die Natur um Dich herum näher fotografisch erkundet. Du hättest auch Dein Rad als Vordergrund nehmen können – IRGENDETWAS, das mir hier visuell einen Halt gibt.

Fotos wie diese können unter anderem durch Farben, Details, Stimmung bestechen. Dein Schnappschuß vermittelt mir nichts davon. Weiterhin wirkt er leicht gekippt, also habe ich die Aufnahme erst einmal begradigt und danach so beschnitten, daß wieder ein vertikales Bild dabei herauskam. Um ein Bild in Photoshop zu begradigen, kann man auch „Objektivkorrektur“ zum Einsatz bringen. Oder, wie hier, das Bild an einer Horizontalen ausrichten und danach manuell beschneiden (die roten Linien verstärken hier nur visuell die von Photoshop zur Verfügung gestellten Leitlinien):

Schiefer Horizont

 

Beschnitt

 

Analysiert man daraufhin das Foto, stellt man fest, daß die Fluchtlinien/der Fluchtpunkt (gelb) sowohl aus dem Goldenen Schnitt (grün) als auch aus dem entsprechenden Drittel (rosa) heraus verschoben ist:

Goldener Schnitt/Drittel

Meines Erachtens fällt das hier allerdings nicht so sehr ins Gewicht, so daß ich mir nicht die Mühe gemacht habe, die Aufnahme rechts zu beschneiden. Was schwerer wiegt, ist, das mir als Betrachter dieses Bild nichts bietet.

Es sieht nicht danach aus, als sei es irgendwie nachbearbeitet worden. Bei Naturaufnahmen entsteht die emotionale Beziehung zu dem, was man sieht, unter anderem durch das Farbenspiel. Ich habe daher erst einmal den Kontrast angehoben:

Angehobener Kontrast

Weiterhin habe ich die Farbsättigung erhöht:

Angehobene Farbsättigung

Die jetzige Version des Bildes sieht etwas überzogen aus; man kann, wenn man es in Farbe belassen möchte, sowohl Kontrast als auch Farbsättigung etwas herunternehmen.

Was sich trotz meiner Änderungen nicht einstellen will, ist Stimmung. Ich kann keine emotionale Beziehung zu diesem Foto aufbauen. Also habe ich es spaßeshalber mittels des Schwarzweißkorrekturfilters eben in Schwarzweiß verwandelt:

Variante 1

Die erste Variante ist das, was mir Photoshop als erstes angeboten hat. Die zweite die, die die Schwarztöne maximal erhöht:

Variante 2

 

Endergebnis

In dieser düsteren Version hat sich die ursprüngliche Stimmung des Fotos, oder das Fehlen davon, komplett gewandelt: es sieht fast aus, als sei es Dämmerung. Wie aber bereits oben erwähnt, hat diese Bearbeitung mit dem eingereichten Bild nicht mehr viel gemein – es wäre wie oben angedeutet besser gewesen, sich von vorneherein bei der Aufnahme diese Gedanken zu machen.

4 Kommentare

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] den Satz schmunzeln: Wie oft haben wir hier schon (nicht ganz zu unrecht) lesen können, dass ein missglücktes Bild durch Nachbearbeitung nicht besser wird? Und daran halte ich fest. Aber: Du hast hier gar nicht […]

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.