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Spontanes Stillleben: Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Fotografien werden immer automatisch subjektiv vom Betrachtenden beurteilt. Daran ändert auch eine Erklärung des Künstlers nichts.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Juliane Kunath).

Kommentar der Fotografin:

aufgenommen im April im Dänemarkurlaub. Irgendwer hatte den falschen Lichtschalter erwischt und in der Sauna das Licht angeschaltet. Ich fand das so toll, dass ich unter den fragenden Blicken aller beteiligten die Kamera samt Stativ schnappte und ins Bad verschwand. Ergebnis ist dieses Bild, für das ich schon sehr sehr viel Lob und sogar die Verwendung in einem Onlineartikel geerntet habe.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Juliane Kunath:

Dieses Foto habe ich mehrmals zwischen meinem Kritikerspace und dem allgemeinen Fotopool hin und her geschoben. Es stach mir ins Auge, aber nicht aus den Gründen, die die Fotografin angibt:

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Gletscherbild: Landschaft aus Eis

Gletscher üben eine besondere Faszination auf uns aus. Sie sind Naturgewalt, eine Welt, die nur sehr wenige von nahem kennen. Gelingt es dieser Aufnahme, diese Faszination zu zeigen?

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Monika Metzger).

Kommentar des Fotografen:

Wanderung auf dem Aletschgletscher. Durch die Schwarzweissbearbeitung wollte ich die Formen des Eises besser zur Geltung bringen.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Monika Metzger:

Bis ins 19. Jahrhundert hielten sich die Menschen nur ungern in höheren Lagen der Alpen auf. Mit dem Aufkommen des Tourismus und der romantischen Betrachtung der Bergwelt als einer der wenigen Orte, wo die Natur noch ursprünglich und unverdorben ist, stieg das Interesse an den Alpen:

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Marc Räder: Spielzeuginsel Mallorca

Mallorca gilt als 17. deutsches Bundesland, die Urlaubsinsel schlechthin. Marc Räder hat sich dort umgesehen und durch Tilting eine Modelllandschaft kreiert.

Marc Räder: Photo Point, 1998Die Aufmerksamkeit legte Marc Räder auf die ständige Veränderung der Insel durch den Tourismus. Die Verschwenkung der Schärfenebene, das Tilten, lässt Mallorca wie eine Spielzeuglandschaft erscheinen.
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Jules Spinatsch: Spektakel in den Bergen

Der Winter ist da, die Skisaison beginnt. Jules Spinatsch zeigt uns Spektakel in den Bergen – Alpenglühn um Mitternacht.

Jules Spinatsch: Snow Management Scene BDEEP, 2008Tourismus und Wintersport kennt Jules Spinatsch schon von Kindheit an. Die ersten sieben Jahre seines Lebens verbrachte er auf dem Jakobshorn hoch über Davos, im Bergrestaurant seiner Eltern.

Die lokalen Auswirkungen der globalen Wirtschaft und die Kommerzialisierung des Schnees stehen deshalb nicht zufällig im Zentrum von Jules Spinatschs Arbeit.

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Strassen-Wirrwarr: Tourismusfotografie anders

Reduktion auf das Wesentliche erübrigt meist die Bildunterschrift, ist aber nicht immer einfach.

Leserfoto: Klick für Vollansicht und Kameradaten (© Kuno Hendrich).

Kommentar des Fotografen:

Aufgenommen im April 2009 auf St.Kitts, östl. Karibik. Als Reisekamera diente mir eine Nikon D90. Aufnahme mit Interessant finde ich den Kontrast zwischen Inselarchitektur und modernen Kreuzfahrtschiffen. Gegen die Dimensionen des Schiffes wirken die größten Gebäude der Insel (Häuser) eher wie winzige Hütten. Dies erzeugt meiner Meinung nach eine gewisse Spannung im Geiste eines Christof Columbus des 21ten Jahrhunderts.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Kuno Hendrich:

Das Beeindruckende an Karibikaufenthalten ist die dort vorherrschende Fremdartigkeit. Es ist alles bunter, alles lauter, alles verwirrender und auch verwirrter als in unseren mitteleuropäischen Gefilden.

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Ad van Denderen: Die Ränder des Mittelmeeres

So blau sind die Ränder des Mittelmeeres – der Niederländer Ad van Denderen hat sie in einer groß angelegten Arbeit erforscht.

Ad van Denderen: Saida, Marokko, 2006

Fünf Jahre lang, von 2003 bis 2008, erkundete Ad van Denderen die 17 Länder rund um das Mittelmeer. „So Blue, So Blue – Ränder des Mittelmeers“, so nannte der seine Arbeit, die unter diesem Titel zur Zeit im Fotomuseum Winterthur zu sehen ist.

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Touristenmief: Das Detail macht die Aussage

Wer mit einer Fotografie eine starke Aussage machen will, tut gut daran, den Betrachter leisen Selbstzweifeln zu überlassen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Pascal Reis).
Kommentar des Fotografen:

Ich habe mich gefragt, wie man etwas fotografiert, das schon millionenmal fotografiert worden ist. Heraus gekommen ist diese traurige Szene: Touristen sitzen auch in den Ferien, wie zu Hause am Fernseher, vor diesem mystischen Gebilde und betrachten den Sonnenuntergang beim Essen und einer Dose Bier. Der schwarze Rahmen und das 16:9 Format soll den Fernseheindruck noch verstärken.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Pascal Reis:

Im Rahmen der gesellschaftskritischen Reportagefotografie – derzeit sehr en vogue – finde ich deine Aufnahme bemerkenswert. Von den technischen Mängeln (siehe unten) mal abgesehen, würde sie wohl in ein Australien-Projekt von Alec Soth passen. In Deinem Fall gibts aber noch einen Bonus, weil die Aufnahme nicht gestellt ist und eine äusserst einfache Aussage fotografisch überzeugend rüberbringt: Die Majestät des in der Sonne glühenden Ayers Rock und die Erbärmlichkeit eines Tourismus, der sie buchstäblich „konsumiert“.

Trotz dieser „Faust-aufs-Auge“-Aussage ist das Bild nämlich alles andere als platt. Es gibt seine Geschichte nicht auf den ersten Blick preis und lässt uns stocken und zweifeln – um uns dann erst mit einem Detail im Urteil zu bestätigen:

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Klischees: Fluch und Segen

Grossartige Motive haben einen Nachteil: Sie sind milliardenfach fotografiert worden und zum Klischee mutiert. Sein eigenes Bild davon anzulegen ist schwierig, aber dank des unerschöpflichen Vergleichsmaterials eine fruchtbare „Hausaufgabe“ mit starkem Lerneffekt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Christof Eugster).

Kommentar des Fotografen:

Während einer USA-Reise machte ich einen Ausflug zum Antelope Canyon. Dieser ist zwar relativ kurz, die Lichteffekte sind dafür einmalig und mit jedem Schritt wieder anders.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Christof Eugster:

Wer könnte da widerstehen? Du spazierst durch eines der hervorragend erschlossenen, atemberaubenden Naturwunder des amerikanischen Westens (oder Ostens, Nordens oder Südens) und erlebst ein Schauspiel, das in Natur den Touristenströmem zum Trotz eben doch überwältigender wirkt als auf allen Fotos. Und den Moment möchtest Du festhalten.

Das ist Dir hier im Antelope Canyon gelungen:

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