Deutscher Fotobuchpreis 2014: Wegweiser zu guten Fotobänden

In der Flut der neu erschienenen Fotobücher ist der Deutsche Fotobuchpreis stets ein guter Wegweiser zu herausragenden Werken. 23 Fotobücher wurden jetzt mit dem Preis für 2014 ausgezeichnet.

Deutscher Fotobuchpreis 2014: Die Jury bei der Abstimmung. Quelle: Deutscher Fotobuchpreis

Unter den Preisträgern ist auch unser Autor Martin Zurmühle. Sein neues Buch „Bildsprachen zeitgenössischer Fotografen“ wurde mit einer silbernen Medaille bedacht.

Den deutschen Fotobuchpreis wird an Fotografen, Verfasser und Herausgeber vergeben, die eine fotografische Aufgabenstellung besonders gut gelöst oder präsentiert haben. Das Prädikat „Sieger Deutscher Fotobuchpreis 2014«, so die Organisation vom Borsenverein des Deutschen Buchhandels, stehe für herausragende fotografische Qualität, einen überzeugenden ästhetischen Gesamteindruck und für eine hervorragende fototechnische oder fotogeschichtliche Leistung.

Zehn goldene Medaillen wurden jetzt für 2014 vergeben. Das sind die folgenden Bände:

Kategorie Konzeptionell-künstlerische Fotobildbände

Hatje Cantz-Verlag: Mars – Eine fotografische Entdeckung.
Textautoren: Alfred McEwen, Francis Rocard, Nicolas Mangold

Dazu schreibt die Jury: Im Rahmen der NASA-Operation „High Resolution Imaging Science Experiment“, kurz HiRISE, ist seit 2006 die leistungsstärkste Kamera im Einsatz, die je zu einem anderen Planeten geschickt wurde. Über dem Mars kreist dieses digitale Auge in 300 Kilometer Höhe und liefert, wenn es auf Farbe verzichtet wie bei den Aufnahmen in diesem Buch, eine Auflösung entsprechend dem bloßen Auge aus einem Kilometer Höhe – anders gesagt: ziemlich genau… Das Resultat ist absolut faszinierend – diese Bilder sind nicht nur zum Niederknieen schön, es ist auch ein mentales Abenteuer, sie zu betrachten: der sprichwörtliche Blick in fremde Welten, hier findet er wirklich und konkret statt. Einen großen Anteil der Anziehungskraft dieses Buches macht seine perfekte Herstellung aus. Die Bildwiedergabe ist umwerfend, die Gestaltung bis ins Detail ausbalanciert, und die flankierenden Beiträge von allererster Qualität.

Kehrer-Verlag: Nine Nameless Mountains
Bild- und Textautoren: Maanantai

Prestel-Verlag: Viviane Sassen – In and out of Fashion
Bildautor: Viviane Sassen. Textautor: Nanda van den Berg

Steidl-Verlag: Philip-Lorca diCorcia – Hustlers
Hrsg.: Musée suisse de l’appareil photographique Vevey
Bildautor: Philip-Lorca diCorcia

Die Jury: DiCorcia wollte den USA den Spiegel vorhalten, als er Ende der 80er Jahre ein staatliches Stipendium erhielt, mit der Auflage, keine so genannten amerikanischen Werte zu mißachten. Also finazierte er dieses Projekt in L.A., „einer Stadt, die Fantasien, Gewalt und Sex verkauft.“ Am Walk of Fame in Hollywood, der Heimat des Starkultes, sammelte er die Stricher auf und fotografierte sie an gesichtslosen, aber präzise vorbereiteten Locations nahebei. Die Bildunterschriften bestehen aus Name, Alter, Wohnort – und Preis. Philip-Lorca diCorcia zahlte für das Foto, was die Stricher sonst für Sex berechneten, meist 20-30 Dollar.

Vor kurzem hatten wir bei fokussiert.com auf diCorcia hingewiesen: Mögliche Wirklichkeit.

Kategorie Coffeetable Books

Prestel-Verlag: Große Fotografen
Textautoren: Roberto Koch, Alessandra Mauro

Scheidegger & Spiess: Common Pavilions – The National Pavilions in the Giardini of the Venice Biennale in Essays and Photographs
Bildautor: Gabriele Basilico. Textautoren: Diener & Diener Architekten

teNeues: Before They Pass Away
Bildautor: Jimmy Nelson. Textautor: Mark Blaisse

Kategorie Fotogeschichte

Prestel-Verlag: Rise and Fall of Apartheid – Photography and the Bureaucracy of Everyday Life
Textautor: Hrsg. Okwui Enwezor

Spector Books: Idylle + Desaster – Die Fotosammlung Bogomir Ecker
Textautoren: Florian Ebner, Sibylle Lewitscharoff u.a.

Steidl: The Black Photo Album
Bildautor: Santu Mofokeng

13 Mal Silber

Die silbernen Medaillen wurden 13 Mal vergeben:

Kategorie Konzeptionell-künstlerische Fotobildbände

Der Greif und dienacht Publishing: Nowhere
Bildautor: Leon Kirchlechner

Die Jury: Leon Kirchlechner baut eine Serie aus Einzelbildern, die zwar allesamt knackscharf, korrekt belichtet, brillant geprintet und meist auch sehr detailreich sind – aber dennoch radikal verweigern, was wir normalerweise so automatisch herstellen, dass wir es gar nicht mehr bemerken: Sinn-Zusammenhänge. Damit ist hier Schluss. Ende Gelände, buchstäblich. Dies sind Landschaften ohne Horizont, Ansichten ohne Ausweg.

Zweimal Kehrer-Verlag:
Zwei Bier für Haiti
Bildautor: Nathalie Mohadjer. Textautoren: Emanuele Quinz, Silke Opitz

Ametsuchi
Bild und Text: Rinko Kawauchi

Auch über Rinko Kawauchi schrieben wir im Frühjahr: Poesie des Alltags.

Zweimal Edition Lammerhuber:
The Distance Between Us
Bild und Text: Christopher Capozziello

Wolfskinder
Bildautor: Fabian Weiß. Textautoren: Fabian Weiß, Matthias D. Witte

Peperoni Books: be happy!
Bild und Text: Igor Samolet

Die Jury: Igor Samolet studiert an der „Rodschenko Schule für Fotografie“. Rodschenko – Abstraktion, Trompeter von unten, Stadtraum von oben, der Rodschenko, der als mal brannte für die kommunistische Sache, für ein gutes Leben aller Unterdrückten, der würde sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen, wenn er sähe, wie die Jugend Russlands, diese ehemalige Speerspitze der Weltrevolution in Igor Samolets Fotografie daherkommt.

Zweimal Steidl-Verlag:
The Unknown Berenice Abbott
Bildautor: Berenice Abbott

File Room
Bildautor: Dayanita Singh

Kategorie Coffeetable Books

Edition Panorama: Heiliges Indien
Bildautor: Amit Pasricha. Textautor: Axel Michaels

Prestel-Verlag: Sturm
Bildautor: Mitch Dobrowner. Textautor: Gretel Ehrlich

Kategorie Fotogeschichte

seltmann + söhne Verlag: Through a Soldier’s Lens – Europe in the Fifties
Bild und Text: Bill Perlmutter

Kategorie Fotolehrbuch

Dpunkt-Verlag: Die Kunst der Fotografie – Der Weg zum eigenen fotografischen Ausdruck
Bild und Text: Bruce Barnbaum

Dazu schreibt die Jury: Es ist das geballte Werk eines Fotografie-Lehrers, der seit über 35 Jahren im Job ist… Barnbaum ist spürbar begeistert von seinem Metier, und er ist ein ungemein kenntnisreicher Erzähler. Auf fast 400 Seiten durchstreift er ein immenses Spektrum an Themen, von Grundlagen wie Licht und Visualisierung über alle erdenklichen Aspekte analoger sowie digitaler Technik bis hin zu konzeptionellen Erwägungen über künstlerische Integrität oder den intuitiven Zugang zu schöpferischem Potential. Trotz dieser Fülle bleibt Barnbaum unterhaltsam, denn er hat Mut zur Meinung. „Das Schlimmste, um potentiell gute Fotos zu ruinieren ist, nach Regeln zu suchen oder solche zu befolgen. Regeln sind blödsinnig…“ „Hüten Sie sich vor Wettbewerben. Wettbewerbe stehen der Kunst diametral gegenüber. Die Frage, wer besser ist, ist so dumm, dass sie keine Antwort verdient.“

Vier-Augen-Verlag: Bildsprachen zeitgenössischer Fotografen – Die Magie der Fotografie oder das Geheimnis herausragender Bilder
Textautor: Martin Zurmühle

Die Jury meint: In seiner Trilogie (Martin gewann vor einigen Jahren schon einmal einen Preis für das erste Werk: Das Vier-Augen-Modell) hat Martin Zurmühle im Grunde ein großes Anliegen: das sehr komplexe Phänomen „Fotografie“ durch Analyse, durch Beschreibungen und Vergleiche verständlich zu machen – und ausgehend von diesem Verständnis den Leser zum eigenen kreativen Fotografieren anzuregen.

Die ausgezeichneten und eine Auswahl der nominierten Fotobücher (nochmals 193!) werden in Form einer Wanderausstellung ausgestellt, zuerst bei den Stuttgarter Buchwochen (bis 8. Dezember), im Januar/Februar zum Beispiel im Forum für Fotografie in Köln oder auf zehn internationalen Messen Paris, Buenos Aires, Abu Dhabi, Warschau, Sao Paulo, Bangkok, Istanbul, New Delhi, Peking und Moskau. Infos und weitere Einzelheiten finden sich auf der Website zum Deutschen Fotobuchpreis.

Deutscher Fotobuchpreis 2014

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.