Thomas Brotzler

In jüngeren Jahren konnte sich Thomas (*1961) nicht so recht zwischen Medizin und Kunst entscheiden, weswegen er sich schließlich beides aneignete. Medizin studierte er an den Universitäten Heidelberg / Mannheim und Würzburg, um sich nach Approbation und Promotion auf die psychoanalytisch orientierte Therapie zu konzentrieren.
 
Bei Reinhold Haas in Biberach/Riß erlernte er Mal- und Zeichentechniken, Bildanalyse und Komposition, bei Torsten A. Hoffmann (DGPh) in Frankfurt a. M. und Rolf Walther (DGPh) in Mainz Fototechnik, Bildbearbeitung und Fine-Art-Druck.

Heute lebt er mit seiner Familie nahe Stuttgart und arbeitet als ärztlicher Psychotherapeut und künstlerischer Fotograf. Ersteres nimmt dabei etwa zwei Drittel, letzteres etwa ein Drittel seiner Zeit in Anspruch.

Schtuagart at night - Studie 02 Schtuagart at night - Studie 22 Schtuagart at night - Studie 32

Mit der Zeit fand er immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen Medizin und Kunst: “Heilkunst mag man es nennen, wenn in der Psychotherapie etwas Neues entsteht und die individuelle Entwicklung des Ratsuchenden befördert wird … andererseits begegnet mir auch in der Fotografie die Psychologie auf Schritt und Tritt – bei der Arbeit mit Menschen in Porträt- und Streetsituationen natürlich, aber auch bei Aufnahmen für mein Nacht- oder Architekturportfolio, wenn ich den metaphorischen Gehalt der Szenerie zu ergründen versuche …”.

Über Leben in der Stadt - Mondän Über Leben in der Stadt - Entfremdet Über Leben in der Stadt - Untergang

Thomas’ große Leidenschaft gilt der Schwarzweißfotografie: “es ist zunächst eine Reverenz gegenüber den alten Meistern der Fotografie und auch eine Frage der Ästhetik, denn ich mag diese Art fotografischer Klarheit und Strenge sehr. Der bewußte Verzicht auf Farben, die vorrangige Bedeutung von Strukturen und Tonwerten erfordert Disziplin bei der Motivsuche und Ausarbeitung. Daraus ergibt sich aber die Chance, das Gesehene im späteren Bild in besonderer Weise verdichten, übersetzen und interpretieren zu können …”.

Bretagne - Küste bei Tréguier Masuren - See bei Rogoźnik

Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Landschafts-, Nacht-, Architektur- und Streetfotografie. Seine Bilder sind mittlerweile in überregionalen und internationalen Ausstellungen und Wettbewerben, öffentlichen Beständen und Publikationen vertreten.

Auch der Unterricht ist ihm über die Jahre ans Herz gewachsen: “das zentrale Anliegen ist es, das ‘fotografische Sehen’ zu schulen – jene Fähigkeit also, ein vielversprechendes Motiv im Rahmen kompositorischer und dramaturgischer Überlegungen zu erarbeiten und zum wirkungsvollen Bild werden zu lassen …”.

In seiner redaktionellen Tätigkeit bei Fokussiert (insbesondere den Bildbesprechungen) ist es ihm angelegen, seine vor Ort gewonnenen Erfahrungen aus Einzelunterricht und Workshops auch im digitalen Medium des Internets nutzbar zu machen. Um ‘schlichte Benotung’ geht es dabei nicht, um ‘Verriß’ schon gar nicht. Es soll vielmehr aufgezeigt werden, wie Bilder ‘funktionieren’, beim Betrachter also Wirkung entfalten können …

Weitere Informationen zu Thomas’ künstlerischem Werdegang und seinen fotografischen Aktivitäten sowie Kontaktmöglichkeiten finden sich auf www.brotzler-fineart.de.

 

Alle 280 Artikel von Thomas Brotzler auf fokussiert.com:

Tutorial:
Fallstricke und Lösungsansätze in der Streetfotografie (2)

Gedanken zu einem schwierigen und auch umstrittenen Thema. Ein siebenteiliges Aufbaututorial mit 25 Bildbeispielen und Illustrationen.

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einführung in das Thema
2. Bekannte Fallstricke
2.1 Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten
2.2 Vorrangigkeit der Porträtierung
2.3 Beschränkung auf Dokumentation
2.4 Gefahr der Trivialität
3. Mögliche Lösungsansätze
3.1 Zustimmung der Abgebildeten
3.2 Verwendung von Bewegungsunschärfe
3.3 Abdunklungseffekte, Film-noir-Eindruck
3.4 Nutzung von Scherenschnitten
3.5 Kleinheit der Abgebildeten
3.6 Anschnitte und Abstraktion
3.7 Exkurs: Streetfotografie mit dem Lensbaby
4. Zusammenfassung und Schlußbemerkung
Bisherige Tutorials des Autors

 

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2. Bekannte Fallstricke

2.1 Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten

Ich möchte diesen Abschnitt mit dem Hinweis beginnen, daß ich kein Jurist bin und insofern keine rechtsverbindlichen Auskünfte geben kann. Die nachfolgenden Ausführungen sind stattdessen Erkenntnisse und Ableitungen, wie ich sie als professioneller Fotograf tagtäglich für eine rechtskonforme Tätigkeit benötige und hier entsprechend wiedergeben möchte.

Gesetze und Verordnungen lassen sich als ´niedergeschriebenes Regelwerk des Zusammenlebens´ auffassen. Als solches fallen diese nicht vom Himmel und stammen nicht aus den Urgründen der Zeit, sondern entstehen in Demokratien im Zuge gesellschaftlicher Meinungs- und Kompromißbildung, in Diktaturen hingegen im Rahmen des Machtprivilegs.

Ein solches Regelwerk ist naturgemäß eine zwiespältige Angelegenheit – auf mehrere Personen verteilt ist ‘des einen Freud’ (oder Vorteil) des anderen Leid’ (oder Nachteil); auf einen Einzelnen bezogen bietet es einerseits Schutz vor nicht regelkonformen Ansprüchen anderer bzw. der Gemeinschaft, fordert aber andererseits auch Beachtungspflichten ein, deren Vernachlässigung wiederum sanktioniert sind.

Abb. 3: ´Paragraphen, Paragraphen´ (Quelle: Diverse)

Abb. 3: ´Paragraphen, Paragraphen´ (Quelle: Diverse)

Für unsere fotografischen Zwecke und insbesondere für das Thema dieses Tutorials müssen wir uns in erster Linie mit dem Persönlichkeitsrecht und deren juristischer Konkretisierung in sogenannten Fallgruppen der ‘informationellen Selbstbestimmung’, hier wiederum vor allem mit dem ‘Recht am eigenen Bild’ befassen (siehe dazu auch Abbildung 3).

Ich darf dazu mit den Verhältnissen in Deutschland anfangen – gewiß nicht, weil ich dieses anderen Ländern vorzöge (über Frankreich etwa als ´Land meiner Sehnsucht und wiederholter Fotoexkursionen´ hatte ich in Besprechungen und Diskussionen ja schon verschiedentlich berichtet), sondern schlichtweg, weil mir die Verhältnisse in meinem Heimatland am besten vertraut sind.

Maßgeblich für Deutschland ist der § 22 KunstUrhG (Kunsturheberrechtsgesetz vom 09.01.1907): “Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, dass er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt …“. Der § 23 KunstUrhG zählt die zulässigen Ausnahmen auf: “(1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden: 1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte; 2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen; 3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben; 4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient …” § 33 KunstUrhG steckt den Strafrahmen ab: “(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer entgegen den §§ 22, 23 ein Bildnis verbreitet oder öffentlich zur Schau stellt …

Bilder von ´absoluten und relativen (also dauerhaft oder vorübergehend im Blickfeld der Öffentlichkeit stehenden) Personen der Zeitgeschichte´ (siehe Ziffer 1) sind demnach erlaubt. Deren Privatsphäre bleibt freilich unantastbar, wie etwa der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in seinem Urteil vom 24. Juni 2004 feststellte. Ein ähnlicher Schutz gilt für normale Personen auf Basis des § 201a StGB (Strafgesetzbuch): “Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wer (1) von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt Bildaufnahmen herstellt oder überträgt und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt. (2) Ebenso wird bestraft, wer eine durch eine Tat nach Absatz 1 hergestellte Bildaufnahme gebraucht oder einem Dritten zugänglich macht. (3) Wer eine befugt hergestellte Bildaufnahme von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, wissentlich unbefugt einem Dritten zugänglich macht und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.” Das Bemerkenswerte daran ist, daß hier bereits die unautorisierte Aufnahme, nicht erst deren Verbreitung unter Strafandrohung gerät.

Die ´Beiwerk- und Versammlungsregelungen´ (siehe Ziffern 2 und 3), die teilweise auch im § 57 UrhG (Urheberrechtsgesetz) behandelt werden, bieten zwar gewisse Freiräume der Personenabbildung, doch können im Zweifelsfall ungewisse Einzelfallentscheidungen vor Gericht drohen. Sofern einzelne Personen aus solchermaßen abgebildeten Gruppen herausreichen, gelten wieder die restriktiveren Bestimmungen. Die hier und da immer wieder einmal vorzufindenden ´Empfehlungen einer unbedenklichen Abbildung von Gruppen ab soundsoviel Personen´ sind schlichtweg falsch und können ganz gewiß nicht als Maxime einer rechtskonformen Fotografiepraxis empfohlen werden – siehe dazu auch eine anwaltliche Stellungsnahme im Internet, die auch wichtige Aussagen zur ´Konkludenz´ oder stillen Einwilligung zur Aufnahme beinhaltet.

Es bliebt noch der Begriff der ´Kunstfreiheit´ (siehe Ziffer 4) und die damit verbundene Hoffnung, daß die Fotografie im etwaigen Streitfall und vor Gericht als derart bedeutend und bahnbrechend anerkannt würde, um über die konkurrierenden Persönlichkeitsrechte zu obsiegen – allzu viel sollte man darauf freilich nicht geben; meines Wissens nach gab es in Deutschland noch kein maßgebliches Urteil, welches sich einer solchen Sichtweise bedient hätte.

Weniger fündig wurde ich in Hinblick auf eine eindeutige Rechtsauffassung in Österreich. Es heißt, daß das Recht am eigenen Bild in § 78 UrhG (Urheberrechtsgesetz), insbesondere in dessen Absatz 1, geregelt sei: “Bildnisse von Personen dürfen weder öffentlich ausgestellt noch auf eine andere Art, wodurch sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, verbreitet werden, wenn dadurch berechtigte Interessen des Abgebildeten oder, falls er gestorben ist, ohne die Veröffentlichung gestattet oder angeordnet zu haben, eines nahen Angehörigen verletzt würden.“ Zugleich sei es aber grundsätzlich weder verboten, ein Bild einer Person (sofern nicht minderjährig und bei schutzwürdigen Interessen) ohne deren Zustimmung zu schaffen, noch es zu verbreiten oder zu veröffentlichen. Andererseits habe sich der Oberste Gerichtshof 2013 dem deutschen BGH angeschlossen. Danach seien Fotoaufnahmen, auf denen der Abgebildete deutlich zu identifizieren ist, nun in der Regel nur mit Einwilligung des Abgebildeten zulässig.

Auch zur Situation in der Schweiz liegen mir leider nur wenige Quellen vor. Nach diesen entsprächen die einschlägigen Regelungen im Wesentlichen dem deutschen Recht. Zwar bedürfe eine Personenfotografie der Einwilligung des Abgebildeten, doch müsse zur Anfechtung einer Aufnahme eine spürbare Beeinträchtigung der abgebildeten Person nachzuweisen sein.

Soweit ich die Rechtssituation in Frankreich richtig überblicke, ist diese weniger determiniert. Zwar fand die Formulierung “chacun a droit au respect de sa vie privée” (Übersetzung: jeder hat ein Recht auf Respekt seiner Privatsphäre) Einzug im Art. 9 des Code civil, doch scheint andererseits das Recht am eigenen Bild noch keinen Einzug in das Zivilrecht gefunden zu haben. Einzelrichterlichen Abwägungen scheint insofern eine höhere Bedeutung zuzukommen. Nach einem mir bekannten Urteil wurde ein Schadensersatzanspruch einzig aufgrund des Unwillens des Aufgenommenen über ein nicht entstellendes Bild zurückgewiesen. Daraus ein generelles Fotografenrecht abzuleiten, schiene gleichwohl gewagt.

In England besteht nach mir vorliegenden Informationen bis heute kein Recht auf Schutz des Privatlebens (“right to privacy“) und auch kein Recht am eigenen Bild. Anfechtungen einer Aufnahme oder deren Verbreitung könnten nur im Rahmen nachgewiesener Belästigung, Ehr- oder Vertrauensverletzung erfolgen.

Maßgeblich für die Situation in den USA ist das Konstrukt der “reasonable expectation of privacy” (Übersetzung: angemessene Erwartung von Privatsphäre), welche Einzelnen einerseits einen schutzwürdigen Status in privaten bzw. nichtöffentlichen Bereichen verleiht, ihn andererseits in öffentlichen Bereichen der legitimen Möglichkeit des Aufgenommenwerdens aussetzt, sofern die Bilder eine gewisse Gestaltungshöhe erreichen und nicht nur kommerziellen Zwecken dienen. Einige Bekanntheit hat jener Prozeß erlangt, den Erno Nussenzweig, ein pensionierter Juwelenhändler chassidischen Glaubens gegen den Fotografen Philip-Lorca diCorcia anstrengte. Die Aufnahme erfolgte unbemerkt und ohne Einwilligung, was der Kläger mit weiterem Hinweis auf das für orthodoxe Juden zwingende Bilderverbot der Tora als unzulässigen Eingriff in seine Privatsphäre bezeichnete. Da der Kläger sich jedoch im öffentlichen Raum befand, war seinem Ansinnen kein Erfolg beschieden.

Abb. 4: ´Bratislava Bronze Paparazzo´ (Quelle: Benmil222 / Wikipedia CC, 2005)

Abb. 4: ´Bratislava Bronze Paparazzo´ (Quelle: Benmil222 / Wikipedia CC, 2005)

All dies klingt aus fotografischer Sicht teils recht einschränkend, teils ziemlich kompliziert. Gleichwohl sollten wir uns nicht darauf beschränken, über allzu strenge Gesetze und Verordnungen zu schimpfen, sondern auch einen Blick auf die ethische Dimension werfen. Die aus ganz unterschiedlichen Zeiten und Kulturen her bekannte ´Goldene Regel´ mit ihren umgangssprachlichen Entsprechungen “Behandle andere so, wie Du von ihnen behandelt werden willst“ oder auch “Was Du nicht willst, daß man Dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu” weist hier den Weg: Würden wir uns selbst als Fotografen an Stelle des Abgebildeten in der vorgefundenen Weise abbilden lassen? Und selbst wenn wir vollständig überzeugt wären, den so Abgebildeten doch in würdiger und vorteilhafter Weise aufzunehmen: wer sagt uns, daß der so Abgebildete ähnlich denkt und empfindet wie wir (siehe dazu auch Abbildung 4)?

Abb. 5: ´ Berufskraftfahrer Max Mustermann´ (Quelle: Gemeinfrei)

Abb. 5: ´ Berufskraftfahrer Max Mustermann´ (Quelle: Gemeinfrei)

Abb. 6: ´Oberleutnant Erika Mustermann´ (Quelle: Gemeinfrei)

Abb. 6: ´Oberleutnant Erika Mustermann´ (Quelle: Gemeinfrei)

So mag sich etwa der Berufskraftfahrer Max Mustermann (siehe dazu auch Abbildung 5) auf unseren Bildern durchaus von seiner schönsten Seite zeigen und doch über eine Veröffentlichung auf Flickr nicht recht glücklich sein. Desgleichen nicht seine Ehefrau, Oberleutnant Erika Mustermann (siehe dazu auch Abbildung 6), die bisher davon ausging, daß er gerade mit einer verderblichen Lieferung auf der Straße und eben nicht in anderer Weise auf Lieschen Müller (ohne Abbildung) unterwegs wäre, wie unser Bild akkurat aufzeigt. Partnerschaftliche Kollateralschäden sind in dieser Konstellation nicht auszuschließen.

 

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Soweit in der heutigen Folge. Die nächste Folge dieses Tutorials erscheint in der kommenden Woche.

Tutorial:
Fallstricke und Lösungsansätze in der Streetfotografie (1)

Gedanken zu einem schwierigen und auch umstrittenen Thema. Ein siebenteiliges Aufbaututorial mit 25 Bildbeispielen und Illustrationen.

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einführung in das Thema
2. Bekannte Fallstricke
2.1 Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten
2.2 Vorrangigkeit der Porträtierung
2.3 Beschränkung auf Dokumentation
2.4 Gefahr der Trivialität
3. Mögliche Lösungsansätze
3.1 Zustimmung der Abgebildeten
3.2 Verwendung von Bewegungsunschärfe
3.3 Abdunklungseffekte, Film-noir-Eindruck
3.4 Nutzung von Scherenschnitten
3.5 Kleinheit der Abgebildeten
3.6 Anschnitte und Abstraktion
3.7 Exkurs: Streetfotografie mit dem Lensbaby
4. Zusammenfassung und Schlußbemerkung
Bisherige Tutorials des Autors

 

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1. Einführung in das Thema

Die Verwirrung fängt, wenn man so will, bereits beim Begriff an: wohl mag sich hierzulande die Bezeichnung ‘Streetfotografie’ etabliert haben, eigentlich ist sie aber eine Chimäre aus der deutschsprachigen ‘Straßenfotografie’ und der englischsprachigen ‘street photography’.

Die Faszination der Streetfotografie ist unbestritten, doch scheint sich diese in ihrem Wesen und ihrer Wirkung nicht leicht in Worte bringen zu lassen. Der von Henri Cartier-Bresson (1908 bis 2004) verwendete Begriff des ´instant décisif´, ´decisive moment´ bzw. ´entscheidenden Augenblicks´ bietet hierzu, wie ich meine, weiterhin eine gute Brücke, doch keine letztgültige Klärung. Es resultieren daraus weitere Fragen, etwa jene, was denn nun in einem bestimmten Augenblick entscheidend sein solle. » weiterlesen

Leserfoto:
Heitere Skurrilität

Ein ‘etwas anderes Landschaftsbild’, gewürzt mit subtilem Regelbruch möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (7 Bilder)

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Markus Aatz aus dem hessischen Oberursel (Taunus) hat uns das obige Bild unter dem Titel „Mohn und Silage RGB” in der Kategorie ‘Landschaftsfotografie’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Hallo, angeregt durch das Mohn Bild letztens, möchte ich mein Mohn Bild in den Ring werfen. Ich bin gerne mit der Kamera in der Landschaft und auf Feldern unterwegs, auf der Suche nach interessanten Motiven. Ich denke daß ich hier eine schöne Situation eingefangen habe. Mir gefallen die Farben (das Bild ist eins meiner ‘RGB’ Serie), und die Komposition, durch die Silage Ballen entsteht fast eine surreale Atmosphäre. Was meint ihr dazu?”

Zur Aufnahme wurde die 2010 eingeführte APS-C-Kamera Canon EOS 60D mit Zoomobjektiv Canon EF-S 10-22mm f/3.5-4.5 USM verwendet. Die Brennweite betrug 13,0 mm (entsprechend 20,8 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1,6), die Belichtungsdaten unter Blitzbedingungen waren 1/125 Sekunde bei Blende f/10,0 und ISO 100.

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Sofern wir bei diesen Bildbesprechungen ‘gemeinsam um Erkenntnis ringen’ wollten, wäre ich ganz bei Markus. Zu einem Kampf, wie es die Phantasie des ‘in den Ring Werfens’ nahelegt, müßte es aber nicht ausarten … doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. » weiterlesen

Leserfoto:
Eine verpaßte Chance …

Der Autofokus moderner Kameras kann, so er ein Eigenleben führt, manch interessanten Gestaltungsansatz zunichte machen, wie die heutige Bildbesprechung aufzeigen möchte.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (5 Bilder)

 

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unsere Leserin Lissi Gerhardt aus Münster hat uns das obige Bild unter dem Titel „Nur wenige große Dinge verdienen Bewunderung” in der Kategorie ‘Stillleben’ zur Besprechung eingereicht.

Sie schreibt dazu: „Gesehen im Herbst 2013 in der Arabischen Wüste Ägyptens … Nikon Coolpix L20, Blende F/5.5, Belichtungszeit 1/620 Sek., Brennweite 7mm”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Lissi bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch die kleinbildäquivalente Brennweite von etwa 40 mm bei einem Formatfaktor von knapp 5,7.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. » weiterlesen

Leserfoto:
Dramatisches Chiaroscuro

Wie gezielte Unterbelichtung die atmosphärischen Qualitäten einer Porträtaufnahme verbessern kann, möchte die heutige Bildbesprechung aufzeigen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil

 

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Dieter Lange aus Leipzig hat uns das obige Bild unter dem Titel „Dominique Leonetti (Lazuli)” in der Kategorie ‘Event/Musik’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Das Foto entstand beim Burg Herzberg Festival 2010 und zeigt den Sänger und Gitarristen der französischen Band Lazuli. Mich faszinierte an dem Bild die ausdrucksvolle Mimik und Gestik. Das hell bestrahlte rechte Auge entstand durch kleine Taschenlampe, mit der sich Dominique Leonetti selbst bestrahlte. Ich habe bis auf einige Feinheiten (kleine Retuschen, einen geringfügigen Beschnitt und eine winzige Drehung) nichts verändert. Beim Fotografieren von Musikern sind Hände wichtig für mich, sie sagen viel aus.”

Zur Ausrüstung und den Aufnahmedaten liegen bei diesem Bild keine Daten vor.

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Zur Gruppe ‘Lazuli’ mußte ich mich erst einmal etwas schlau machen (auch ich als Kritiker lerne immer gerne noch etwas dazu) …

Auf der Homepage der Gruppe lesen wir: „Quelque part entre rock progressif, chanson, électro et world, la musique atypique de Lazuli, onirique, exploratrice, nous mène hors des sentiers battus.” (Übersetzung: ‘Irgendwo zwischen Progressive Rock, Chanson, Elektro und World [Music] [angesiedelt,] führt uns die unkonventionelle, traumartige und ‘sich herantastende’ Musik von Lazuli von ausgetretenen Pfaden weg.’). Auf den Videoclips, die ich sah, singt Dominique Leonetti, der Leadsänger der Gruppe, französisch (schön, aber ungewöhnlich!) und mit unglaublich hoher Stimme (ungewöhnlich, aber schön!).

Doch zurück zu Dieters Bild. Betrachten wir dazu zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. » weiterlesen

Leserfoto:
Ein Standbild der Bewegung

Wenn Kopf und Herz des Fotografen mit den Möglichkeiten der Kamera ‘neue Welten’ erschaffen, erhebt sich die Fotografie aus der Niederung der naturalistischen Abbildung.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (6 Bilder)

 

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Marcus Leusch aus Mainz hat uns das obige Bild unter dem Titel „Nichts ist, wie es scheint – Ein Tagtraum” in der Kategorie ‘Street/Strasse’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Wiesbaden/Hbf.: Eine Treppe, die zu zerfließen beginnt, in der Abwärtsbewegung ein Kind, das sich noch einmal umwendet, offenbar erstaunt, aber dennoch heiter, während eine Schattengestalt auf einem Roller aus den Augenwinkeln und ins Nichts zu entfliehen scheint. Ein sicherer Halt wäre vielleicht das Treppengeländer, wenn es nicht schon selbst deformiert wäre und keine Führung mehr besäße. Mit dem Schatten würde es jetzt wohl in dessen Schlepptau mit in die Dunkelheit gezogen werden, wenn der Fotograf vor den Spiegeln diese merkwürdige Begebenheit nicht bloß geträumt hätte … Aufnahmedaten: Nikon D 700, 85 mm-Objektiv bei Blende 4, Belichtungszeit 1/320, ISO 800, Bearbeitung in Lightroom/Photoshop, Kontrast angehoben”

Über die Ausrüstung (vermutlich die Festbrennweite Nikon AF 85 mm/1,4 D IF) und Aufnahmedaten hatte Marcus bereits berichtet. Zu ergänzen wäre allenfalls noch, daß die abgelesene Brennweite bei der hier verwendeten Vollformatkamera auch der kleinbildäquivalenten entsprach.

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Zuckerwürfel (Quelle: div.)

Zuckerwürfel (Quelle: div.)

Mit schöner Regelmäßigkeit versorgt uns Marcus mit ansehnlichen und lehrreichen Bildern aus seinem Streetportfolio. Dieses hier jedoch, so meine ich, ist ‘ein ganz besonderes Zuckerle’ …

Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. » weiterlesen

Leserfoto:
Ein Lichtfeuerwerk

Ein Beispiel dafür, daß die Lebendigkeit einer Szene manche Konstruktions- und Belichtungsprobleme überdecken kann, möchte ich in der heutigen Bildbeprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (4 Bilder)

 

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Mathias Ondraczek aus Brilon im nordrhein-westfälischen Hochsauerlandkreis (was es alles gibt!) hat uns das obige Bild unter dem Titel „turn on the lights” in der Kategorie ‘Street/Strasse’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „ich habe diese Bild anfang Dezember in Amsterdam gemacht (licht festival) die zwei Lichter sind zwei 3D projecktoren die auf das Museum hermitage gerichtet waren!Ich fand diese Aussicht interessanter als das lichtspiel was auf der Fasade projektiert wurde!”

Zu Ausrüstung und Aufnahmedaten liegen uns diesmal leider keine Informationen vor.

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Mathias Ondraczek: 'Berliner Momente'

Mathias Ondraczek: 'Berliner Momente'

Mancher von Euch wird sich vielleicht noch an Mathias’ ‘Berliner Momente’ (siehe nebenstehendes Bild) erinnern, die wir im August 2013 hier besprochen und diskutiert haben – eine recht atmosphärische, aber aus meiner Sicht auch zu düster ausgearbeitete und damit zu viel verbergende Fotografie.

Doch kehren wir zur heutigen Aufnahme zurück und betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente … » weiterlesen

Tutorial:
Folgt dem Untergang der Sonne derjenige der Fotografie auf dem Fuße? (7)

Betrachtungen zu einem ebenso wirkungsvollen wie überstrapazierten Motiv.

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einführung in das Thema
2. Ein meteorologisch-astronomischer Ausflug
3. Kompositorisch-dramaturgische Exkursionen
4. Eine psychologische Annäherung
5. Kurzer Boxenstop beim Kitschbegriff
6. Zurück im fotografischen Alltag: Was können wir tun?
7. Zusammenfassung und Schlußbemerkung
Bisherige Tutorials des Autors

 

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7. Zusammenfassung und Schlußbemerkung

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Ich komme nun zum Schluß.

Hatte ich bei der Planung noch gedacht, das Ganze kurz und knapp abhandeln zu können, so sah ich mich bei meiner Recherche und der Abfassung rasch eines Besseren belehrt. Es ist somit (durch die Vielschichtigkeit des Themas und mein Bemühen, ‘Plakatives nicht plakativ abzuhandeln’) ein recht umfangreiches Tutorial geworden … » weiterlesen

Leserfoto:
Spannungsbögen auf engem Raum

Gerade flüchtige und im Sinne von Standardmotiven unscheinbare Szenen haben das Potential zu wirksamen Bildern, wie die heutige Besprechung aufzeigen möchte.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (6 Bilder)

 

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Bernd Plumhof aus dem rheinland-pfälzischen Gutweiler hat uns das obige Bild unter dem Titel „Bitte recht freundlich” in der Kategorie ‘Schnappschuss’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Beim Besuch einer Dali-Ausstellung in Singapur erwartet den Besucher am Eingang das von starken Scheinwerfern angestrahlte Gesicht des Künstlers. Meiner Freundin, die das leicht verzerrte Gesicht Dalis betrachtete, rief ich zu, sie möge sich bitte für ein Foto umdrehen. Ihrem Blick in die Scheinwerfer folgte sogleich der Auslöser mit 1/30s bei Blende 4 und 50mm Brennweite (ISO 3200). Das Bild habe ich leicht beschnitten und in Schwarz-Weiß konvertiert, damit störende Farben nicht von der Komposition ablenken. Ich persönlich mag das Bild auch wegen der Staffelung vom Gesicht im Mittelpunkt, dem Schatten und den in gleicher Linie liegenden Augen Dalis. Nikon D700 mit Nikkor 24-120 4,0”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Bernd bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch, daß sich die abgelesene und kleinbildäquivalente Brennweite beim hier verwendeten Kleinbildvollformat entsprachen.

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Bernd hatte uns schon einige Bilder zur Besprechung eingesandt. Bei diesem hier sehe ich vergleichsweise die deutlichste Tendenz in Richtung eines eigenständigen Gestaltungsansatzes, der sich nicht in der ‘Beliebigkeit des schon vielfach und manierlich abfotografierten Standardmotivs’ verliert. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. » weiterlesen

Tutorial:
Folgt dem Untergang der Sonne derjenige der Fotografie auf dem Fuße? (6)

Betrachtungen zu einem ebenso wirkungsvollen wie überstrapazierten Motiv.

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einführung in das Thema
2. Ein meteorologisch-astronomischer Ausflug
3. Kompositorisch-dramaturgische Exkursionen
4. Eine psychologische Annäherung
5. Kurzer Boxenstop beim Kitschbegriff
6. Zurück im fotografischen Alltag: Was können wir tun?
7. Zusammenfassung und Schlußbemerkung
Bisherige Tutorials des Autors

 

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6. Zurück im fotografischen Alltag: Was können wir tun?

Nach diesen Durchgängen durch meteorologisch-astronomische, kompositorisch-dramaturgische und psychologische Gefilde einschließlich eines Rekurses auf den Kitschbegriff stellt sich nun die Frage, was wir aus all dem nun machen. Wir stellen uns also vor, nächstens wieder von einem Sonnenuntergangsmotiv zu stehen und Überlegungen hinsichtlich einer bildnerischen Umsetzung anzustellen.

Aus methodischen Gründen möchte ich die gegebenen in drei hauptsächliche Möglichkeiten unterteilen … » weiterlesen