Thomas Brotzler

In jüngeren Jahren konnte sich Thomas (*1961) nicht so recht zwischen Medizin und Kunst entscheiden, weswegen er sich schließlich beides aneignete. Medizin studierte er an den Universitäten Heidelberg / Mannheim und Würzburg, um sich nach Approbation und Promotion auf die psychoanalytisch orientierte Therapie zu konzentrieren.
 
Bei Reinhold Haas in Biberach/Riß erlernte er Mal- und Zeichentechniken, Bildanalyse und Komposition, bei Torsten A. Hoffmann (DGPh) in Frankfurt a. M. und Rolf Walther (DGPh) in Mainz Fototechnik, Bildbearbeitung und Fine-Art-Druck.

Heute lebt er mit seiner Familie nahe Stuttgart und arbeitet als ärztlicher Psychotherapeut und künstlerischer Fotograf. Ersteres nimmt dabei etwa zwei Drittel, letzteres etwa ein Drittel seiner Zeit in Anspruch.

Schtuagart at night - Studie 02 Schtuagart at night - Studie 22 Schtuagart at night - Studie 32

Mit der Zeit fand er immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen Medizin und Kunst: “Heilkunst mag man es nennen, wenn in der Psychotherapie etwas Neues entsteht und die individuelle Entwicklung des Ratsuchenden befördert wird … andererseits begegnet mir auch in der Fotografie die Psychologie auf Schritt und Tritt – bei der Arbeit mit Menschen in Porträt- und Streetsituationen natürlich, aber auch bei Aufnahmen für mein Nacht- oder Architekturportfolio, wenn ich den metaphorischen Gehalt der Szenerie zu ergründen versuche …”.

Über Leben in der Stadt - Mondän Über Leben in der Stadt - Entfremdet Über Leben in der Stadt - Untergang

Thomas’ große Leidenschaft gilt der Schwarzweißfotografie: “es ist zunächst eine Reverenz gegenüber den alten Meistern der Fotografie und auch eine Frage der Ästhetik, denn ich mag diese Art fotografischer Klarheit und Strenge sehr. Der bewußte Verzicht auf Farben, die vorrangige Bedeutung von Strukturen und Tonwerten erfordert Disziplin bei der Motivsuche und Ausarbeitung. Daraus ergibt sich aber die Chance, das Gesehene im späteren Bild in besonderer Weise verdichten, übersetzen und interpretieren zu können …”.

Bretagne - Küste bei Tréguier Masuren - See bei Rogoźnik

Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Landschafts-, Nacht-, Architektur- und Streetfotografie. Seine Bilder sind mittlerweile in überregionalen und internationalen Ausstellungen und Wettbewerben, öffentlichen Beständen und Publikationen vertreten.

Auch der Unterricht ist ihm über die Jahre ans Herz gewachsen: “das zentrale Anliegen ist es, das ‘fotografische Sehen’ zu schulen – jene Fähigkeit also, ein vielversprechendes Motiv im Rahmen kompositorischer und dramaturgischer Überlegungen zu erarbeiten und zum wirkungsvollen Bild werden zu lassen …”.

In seiner redaktionellen Tätigkeit bei Fokussiert (insbesondere den Bildbesprechungen) ist es ihm angelegen, seine vor Ort gewonnenen Erfahrungen aus Einzelunterricht und Workshops auch im digitalen Medium des Internets nutzbar zu machen. Um ‘schlichte Benotung’ geht es dabei nicht, um ‘Verriß’ schon gar nicht. Es soll vielmehr aufgezeigt werden, wie Bilder ‘funktionieren’, beim Betrachter also Wirkung entfalten können …

Weitere Informationen zu Thomas’ künstlerischem Werdegang und seinen fotografischen Aktivitäten sowie Kontaktmöglichkeiten finden sich auf www.brotzler-fineart.de.

 

Alle 294 Artikel von Thomas Brotzler auf fokussiert.com:

Leserfoto:
Schlaflos

Eine verdichtete Bildbetrachtung.

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unsere Leserin Tatjana Butschik aus dem niedersächsischen Hildesheim hat uns das obige Bild unter dem Titel „Schlaflos” in der Kategorie ‘Schnappschuss’ (auch ‘Nacht’ wäre möglich gewesen) zur Besprechung eingereicht.

Sie schreibt dazu: „Mit meiner Nikon D5100 und dem 18-105 Kitobjektiv wurde ich von der Momentmagie angezogen, als Schneeregen nachts auf die Autodächer fiel und das Laternenlicht sich milchig auf den Straßen spiegelte. Der letzte Schatten irrte durch die Gassen, es wirkte leicht unheimlich, die Schritte hallten in meinen Ohren und ich sah durch den Sucher meiner Kamera zu.”

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Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Tatjanas sehr poetische und bildhafte Beschreibung ließ mich das Potential dieser Szene erahnen – das Bild quasi ‘eher spüren wie sehen’, denn auf der Fotografie selbst fand ich dahingehend zunächst wenig, nur schwarze Fächen und helle Punkte, abgebildet.

Mein nachfolgender Workflow ist ein Versuch, Tatjanas Bildabsicht nachzuempfinden und bildhaft umzusetzen. Zum Aufnahmesetup möchte ich noch kurz ‘1/60 Sek bei ISO 14368′ erwähnen – so etwas geht, wie man sieht … » weiterlesen

Leserfoto:
Im Streben nach den Vorbildern

In der Entwicklung der eigenen Bildsprache kann die Auseinandersetzung mit Vorbildern ein wichtiger Zwischenschritt sein, wie die heutige Bildbesprechung aufzeigen möchte.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (5 Bilder)

Ausgangsbild

Ausgangsbild

Unser Leser Andreas Peters aus Altbüron im Kanton Luzern hat uns das obige Bild unter dem Titel „Haus in Oia (Santorini)” in der Kategorie ‘Architektur’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Die Aufnahme erfolgte mit einer Sony Alpha 65 mit Carl Zeiss DT 16-80mm F/3.5-4.5 Objektiv. Es zeigt das durch George Meis berühmt gewordene Haus in Oia. Dieses ist heute ein Appartement, welches an Touristen vermietet wird. Als langjähriger George Meis Fan habe ich das Haus anhand vieler Oia Aufnahmen lokalisieren können und bei meinem Santorini Besuch im September auch sofort gefunden. Beim Besuch hat mich der Japaner, der das Apartement mit seiner Frau bewohnt hat, auch freundlich reingelassen, um ein paar Aufnahmen zu machen. Das Bild wurde lediglich leicht an der Türe retouchiert, weil dort die Lehne eines Stuhls störte (und ich konnte den Japaner schlecht bitten erst einmal seine Terasse aufzuräumen bevor ich Bilder machen konnte)…”

Über seine Ausrüstung hatte Andreas bereits berichtet. Die Brennweite betrug 16 mm (entsprechend 24 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1,5), die Belichtungsdaten waren 1/800 Sekunde bei Blende f/8,0 und ISO 100.

Andreas versteht seine Arbeit auch als eine Hommage an den von ihm bewunderten George Meis und dessen Bild vom gleichen Motiv. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. » weiterlesen

Leserfoto:
Kirche in blauer Stunde

Heute wollen wir eine recht ansprechende Aufnahme – nach Bekunden des Fotografen eine ‘Premiere in der Nacht- und Architekturfotografie’ – analysieren und weitere Entwicklungsschritte diskutieren.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (7 Bilder)

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Moritz Griebl aus dem niederbayerischen Vilshofen an der Donau hat uns das obige Bild unter dem Titel „Kirche in blauer Stunde” in der Kategorie ‘Architektur’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Hallo zusammen, habe dieses Bild während einer Reise durch Albanien im Sommer 2013 aufgenommen. Es war für mich eine fotografische Premiere in vielerlei Hinsicht. Zum einen entstand dieses Bild erstmals für mich auf einer Reise mit ner DSLR, nämlich mit der Nikon D5100. Zum anderen berührt dieses Bild gleich 2 Genres in denen ich völliger Neuling bin (hört sich jetzt so an als wäre ich in anderen Genres schon sehr erfahren, was aber auch nicht stimmt :-)), nämlich der Fotografie in der Blauen Stunde, also Langzeitbelichtungen und Architekturfotografie. Mir gefällt der Komplementärkontrast zwischen dem Blau des Himmels und den Orangtönen der angestrahlten Kirche und auch die Dynamik der vorbeiziehenden Wolken, die dem Bild meinermeinung nach Tiefe verleihen. In der Entwicklung in Camera Raw sowie in der Nachbearbeitung wurde das Bild in den Flächen leicht entrauscht, Kontraste etwas angezogen, insbesondere in den Wolkenstrukturen und es wurde nachgeschärft.Kameradaten waren: Nikon D5100, mit dem Nikkor AF-S DX 18-105mm f3,5-5,6 ED VR Objektiv, bei 21mm (entspricht 31mm Kleinbild) Brennweite; Belichtungszeit 13 Sekunden bei f25 und ISO 100. Für eine Kritik, die mich fotografisch, aber auch in der Bearbeitung weiter bringt wäre ich sehr dankbar.LG Moritz”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Moritz bereits berichtet. » weiterlesen

Leserfoto:
Ein Schiffswrack wie ein Fabelwesen

Auch Unbelebtes läßt sich ‘porträtieren’, wie die heutige Bildvorstellung aufzeigen möchte.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (6 Bilder)

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Bernard Ksiazek aus Gießen hat uns das obige Bild unter dem Titel „Verlassenes Schiff” in der Kategorie ‘Landschaftsfotografie’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Dieses Schiff habe ich auf meiner Fototour auf Island (Akranes) entdeckt. Es hat mich durch seinen heruntergekommen Zustand direkt in seinen Bann gezogen. Obwohl es nicht mehr seetauglich scheint, hat es nichts von seinem Glanz verloren. Canon 6d F/7.1 1/40s Iso 500 24mm”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Bernard bereits berichtet. Weitere Details des hier verwendeten 24-70-Zoomobjektivs (Canon, Sigma, Tamron?) sind hier nicht bekannt. Zu ergänzen wäre noch, daß die abgelesene Brennweite beim hier verwendeten Vollformat auch der kleinbildäquivalenten entsprach.

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Bernard Ksiazek: 'Nachdenklicher Affe'

Bernard Ksiazek: 'Nachdenklicher Affe'

Manchen unserer Leser mag Bernard mit seinem feinfühligen Tierporträt (siehe nebenstehendes Bild), welches wir im Mai 2013 hier besprochen hatten, in guter Erinnerung geblieben sein.

Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente der heutigen Arbeit.

Komposition (siehe dazu untenstehende, gleichnamige Bilder):

Wir sehen ein 2:3-Hochformat mit einem aufgebahrten Schiffswrack vor tiefem Horizont und dramatischer Landschaft.

Besagtes Schiffswrack ist unzweifelhaft das Motivzentrum. Fast bildfüllend bietet es immer noch einen imposanten Anblick, zugleich entstehen ‘Assoziationen in Richtung eines Fabelwesens, Helms oder Gesichts’ mit zwei Augen (rote Linien ebd.), Nasenrücken und Stirnansatz (orange Linien ebd.) sowie Kinnpartie und Haaransatz (gelbe Linien ebd.).

Quer- und ins Bild hineinlaufende Schienenstrukturen werden am unteren Bildrand erkennbar, des weiteren zwei geschichtete Holzstapel, welche das Schiffswrack tragen (grüne Linien ebd.).

Der Horizont liegt sehr tief, so daß aus solcher Untersichtanmutung das porträtierte ‘Schiffsfabelwesen’ noch mächtiger bzw. sogar bedrohlich wirkt (blaue Linien ebd., siehe dazu ggf. auch den zweiten Teil meines Tutorial ‘Porträtfotografie’).

Die Konstruktion ist nicht ganz exakt, die Abweichung nach rechts bereits mit bloßen Auge erkennbar. Darüber hinaus werden harmonische Linien und Kreuzungen des Goldenen Schnitt von bildwichtigen Strukturen nicht berührt (türkisfarbene Linien ebd.).

Die Blickführung gestaltet sich als ‘mächtige Aufwärtsbewegung’ von den tragenden Schienen über die Bugkante zum Himmel (violetter Pfeil ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm zeigt sich linksversetzt bei einem Median von etwa 85, dabei aber normalverteilt mit geringfügigen, den Gesamteindruck nicht weiter störenden Tonwertabbrüchen im Schattenbereich des Schienenunterbaus.

In der Spreizung der Tonwerte bleiben Möglichkeiten ungenutzt, das Bild wirkt insgesamt ‘auf düstere Art etwas flau’ – der Bodenbereich und das Schiffswrack beschränken sich auf die Zonen I bis V bzw. VI, die Himmelsbereiche auf die Zonen III bis VII bzw. VIII.

Farben:

Rötliche Brauntöne (‘Rost’) im Schiffsrumpf kontrastieren mit dem dunklen Himmelsblau, welches sich (sei es als Spiegelung oder verwitterter Farbanstrich) wiederum auf Teilen des Wracks wiederfindet.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Bernard ist der Verdienst zuzusprechen, das Potential der Szene erkannt und im Sinne eines Untersichtporträts auch wirkungsvoll angegangen zu haben.

So gut das Konzept auch ist, die Umsetzung mit der Dislozierung des Hauptelements und der naturalistisch-flauen Anmutung erscheint aus meiner Sicht nicht optimal – es fehlt mir Dramatik, es wirkt zu brav, fast ‘zu sehr touristisch mitgenommen’.

In der Überarbeitung (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) habe ich durch entsprechenden Beschnitt das Schiffswrack ins Zentrum und dessen ‘Augen’ in den Goldenen Schnitt gebracht.

Im Zuge der skizzenhaften Schwarzweißkonvertierung (bitte nicht mit der einfachen Graustufenumwandlung der illustrierenden Abbildungen verwechseln) geriet der Himmel dunkler, so daß das zugleich aufgehellte Schiffswrack nun vor diesem ‘leuchtend hervortreten’ kann.

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Bildteil:

Komposition: Darstellung der Bildkonstruktion

Komposition: Darstellung der Bildkonstruktion

Komposition: Darstellung der Grundelemente

Komposition: Darstellung der Grundelemente

Komposition: Darstellung der Blickführung

Komposition: Darstellung der Blickführung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Überarbeitung: Neukonstruktion nach Beschnitt

Überarbeitung: Neukonstruktion nach Beschnitt

Überarbeitung: Schwarzweißkonvertierung

Überarbeitung: Schwarzweißkonvertierung

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung

 

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In der Rubrik ‘Bildkritik’ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Leserfoto:
1000 Sonnen

Eine verdichtete Bildbetrachtung.

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Heiko Rau aus dem württembergischen Hattenhofen hat uns das obige Bild unter dem Titel „1000 Sonnen” in der Kategorie ‘Abstraktion’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Hallo, nach heftigem Regen kam am Abend noch die Sonne durch die Wolken. Zuerst wollte ich ein Bild vom ganzen Fenster machen, denn die Tropfen, die am ganzen Fenster hingen, schienen wie viele kleine eigene Sonnen. Ich bin immer weiter ins Detail gegangen und habe am Schluss das 55-200 rausgeholt um einen möglichst kleinen Ausschnitt zu erhalten (ein Makro fehlt leider noch…). Jetzt wiederholt jeder Tropfen die Szene vor dem Fenster. Es hat mich überrascht, wie schnell die Sonne sinkt und wie wenig Zeit ich hatte, mich um Ausschnitt und Hintergrund zu kümmern. Es gibt auch noch eine Aufnahme mit komplett orange-farbenem Hintergrund, doch diese hier gefällt mit dem kühlen oberen Bereich besser. Weil ich wegen der Hintergrundfarben schräg durchs Fenster fotografieren musste, sind wegen der Kombination aus kürzestmöglicher Entfernung und längster Brennweite leider die Tropfen rechts und links in die dann unvermeidbare Unschärfe geraten (Danke übrigens Thomas für das Tutorial über die Schärfentiefe neulich :-) ). In der Nachbearbeitung habe ich 2-3 Staubkörner des Fensters weggestempelt und die Farben intensiviert. Was hätte man technisch (Makro?) und gestalterisch (nicht schon wieder ein quietschbunter Sonnenuntergang?) besser machen können? Vielen lieben Dank vorab, Heiko”

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Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Betrachten wir zunächst die Aufnahmedaten: ‘300 mm kleinbildäquivalenter Brennweite, eine Belichtungszeit von 1/125 Sek bei Blende f/5,6 und ISO 100′ sprechen eindeutig bzw. wahlweise für …

  1. eine ‘feste Betonhand’,
  2. einen ‘hochwirksamen Bildstabilisator’,
  3. eine ‘nützliche Auflage’ der Kamera (oder)
  4. noch anderes, was mir gerade nicht einfällt …

Heikos Dilemma ist nachvollziehbar – in der Aufnahmesituation herrschte offensichtlich geringes Licht, weswegen er eine offene Blende wählte, was natürlich die Problematik der geringen Schärfentiefe verstärkt und die seitlichen Bildpartien (durch die Schrägaufnahme) in relativer Unschärfe beläßt.

Doch sollten wir uns darin nicht verbeißen – gerade der abstrakte Charakter des Bildes scheint mir geeignet, über das genannte Dilemma wohlwollend hinwegsehen zu können.

Auch Heikos Besorgnis („nicht schon wieder ein quietschbunter Sonnenuntergang”) möchte ich energisch entgegentreten. Über dieses Thema hatte ich mich ja in meinem Tutorial ‘Folgt dem Untergang der Sonne derjenige der Fotografie auf dem Fuße?’ weitschweifig ausgelassen. Der Bildwitz dieser Aufnahme (daß also so etwas Großes, Mächtiges und Einzigartiges wie die Sonne plötzlich ganz klein und dann noch multipliziert erscheint) ‘haucht dem alten Thema doch genug neues Leben ein’ und zeugt insofern von einer kreativen Herangehensweise …

Fazit: das Bild gefällt, besonders durch seine frische Idee.

Gewiß könnte man durch eine (mithilfe Stativverwendung und höherer Empfindlichkeit mögliche) kleine Blende das Dilemma der Schärfentiefe mildern. Ein Makroobjektiv würde hier vermutlich wenig bringen, denn dieses spielt seine Qualitäten ja erst in extremer Objektnähe aus, wo die Schärfentiefe oft nur Millimeter (bzw. Bruchteile dessen) beträgt …

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Leserfoto:
Extremes Gegenlicht

Eine eindrucksvolle Gruppenaufnahme im Gebirge, zugleich aber auch einige typische Artefakte der Gegenlichtfotografie möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (3 Bilder)

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Kim Jonas Meier aus Meierskappel bei Luzern hat uns das obige Bild unter dem Titel „Licht und Schatten” in der Kategorie ‘Landschaft’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Das Foto ist bei einem Wochenendausflug im schweizerischen Tessin entstanden. Es war ein sehr dunstiger Tag, und ich wusste da noch nicht, was für tolle Effekte man erreichen kann, wenn man sich bei solchem Wetter in die Sonne stellt und fotografiert. So entstand eine tolle Reihe von Fotografien mit allen möglichen Silhouette-Figuren. Natürlich musste auch noch ein Gruppenfoto her. Der Selbstauslöser wurde eingestellt, und so brauchte ich mich nur noch links daneben zu stellen und schon ist dieses Foto hier entstanden. Mir gefällt die natürlich entstandene Vignette und die flächig wirkenden Bergreihen, die auf die schöne Aussicht schliessen lassen. Diese Fotografie wurde nicht bearbeitet, nur zurecht geschnitten, damit die Gruppe schön im Zentrum liegt (da auch das Licht zum Zentrum hin verläuft). Kameraeinstellungen: ISO: 100 Verschlusszeit: 1/640 Blende: f/16 Liebe Grüsse Kim”

Zur Aufnahme wurde eine Canon EOS 400D mit Weitwinkelzoom Canon EF-S 10-22mm f/3,5 – 4,5 USM verwendet. Die Brennweite betrug 10 mm (entsprechend 16 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6). Über die Belichtungsdaten hatte Kim Jonas bereits berichtet.

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Um entsprechenden Fragen zuvorzukommen: „ja, das reicht, um nach zeitverzögertem Selbstauslöser zur Gruppe zu flitzen und sich dort ganz entspannt hinzustellen. Die Kamera ist nicht weit von der Gruppe postiert, denn ’16 mm KBÄ machen große Dinge ziemlich klein’” … doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Perfekt eingepaßt zeigt sich die Bildanlage – der Rahmen des Goldenen Schnitts umschließt die Gruppe der jungen Leute einschließlch der von diesen verdeckten Sonne und einem kleinen Saum der Bergsilhouettenkante (türkisfarbene Linien ebd.).

Zetraler Blickfang ist die erwähnte Gruppe (rote Linien ebd.), welche auf einem kleinen Hügel oder Nebengipfel zu stehen scheinen (orangefarbige Linien ebd.). Auch die schemenhaft im Hintergrund erkennbaren Bergkanten laufen auf die zentralen Gruppe zu (gelbe Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm ist deutlich linksversetzt und -steil bei einem Mittelwert von etwa 50. Ein deutlicher Peak zeichnet sich im Bereich der tiefsten Schatten ab.

Die Personengruppe und der kleine Hügel bzw. Nebengipfel fallen in die Zone 0, sie erscheinen damit als reine Silhouette ohne Detailstruktur und Tonwertmodulation. Die Berge im Hintergrund umfassen die Zonen II bis III. Der Himmel durchwandert fast alle Zonen, beginnend bei Zone X im Bereich der etwas durchblitzenden Sonne und endend bei Zone I am Bildrand.

Farben:

Im Bildzentrum überwiegen warme Rot- und Gelbtöne, sie verkürzen damit den Raum und scheinen die Personengruppe etwas aus dem Bild heraustreten zu lassen. Kühle Blautöne überwiegen dagegen zu den Bildrändern hin, diese lassen somit die Umgebung in den Hintergrund treten.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Mir gefällt Kim Jonas’ Bildidee recht gut.

Die Komposition ist übersichtlich, sie wirkt in ihrer zentralen Anlage statisch, fast streng. Das Bild wirkt in solcher Weise nicht sonderlich dynamisch, doch ist die Bildidee der Heraushebung und Betonung der Personengruppe überzeugend umgesetzt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, daß alle Nebenlinien der vorder- und hintergründigen Bergkanten auf eben diese Gruppe zulaufen.

Erwähnt sei noch, daß bei derart extremen Kontrastverhältnissen einer Gegenlichtaufnahme die heutige Sensortechnik an ihre Grenzen gerät – gemeint ist hier nicht der Dynamikumfang, denn dieser ist durch die geschickte Verdeckung der Sonne soweit ‘eingefangen’, sondern vielmehr der rasante Durchgang durch die verschiedenen Tonwertstufen auf relativ knappem Raum. Wir sehen im oberen Bildteil deutliche Bildartefakte im Sinne von streifigen Tonwerttrennungen (auch als Banding bzw. Posterisation bezeichnet).

Dies ist das einzige Manko dieser ansonsten so überzeugend angelegten und komponierten Arbeit.

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Bildteil:

Komposition: Bildanlage

Komposition: Bildanlage

Komposition: Grundelemente

Komposition: Grundelemente

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung

 

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In der Rubrik ‘Bildkritik’ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Leserfoto:
Ein bißchen Zerstörung …

Ein interessantes Konzept verdient auch eine entsprechende Umsetzung, wie wir anhand der heutigen Bildvorstellung diskutieren wollen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (9 Bilder)

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Malte Renken aus Hamburg hat uns das obige Bild unter dem Titel „Alles zerstört…?” in der Kategorie ‘Konzept’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Hallo ihr lieben! Kurz zu mir: Ich bin Malte, 24 Jahre alt und fotografiere seit ca 3 Jahren, wobei ich im letzten Jahr erheblich dazu gelernt habe durch Fachlektüre und Gesprächen mit anderen Fotografen. Meine Bilder sind meist nicht perfekt und im Prinzip habe ich auch bei weitem nicht das Know-How, wie ich es gerne hätte, aber ich denke sie können sich sehen lassen ;) Ich habe dieses Foto zusammen mit meinem Bruder geknippst, in einer verlassenen Jugendherberge! Ziel war es, den Moment nach einem ‘Ausraster’ darzustellen. Daher die lässige Pose mit dem Golfschläger und dem Blick aus der geöffneten Tür. Fotografiert wurde mit einer EOS 1100D und dem Canon EF 16-35mm f/2.8L II USM. Habe für die Szene ein Stativ benutzt und mit 1/2 Sekunde belichtet bei f4 und ISO 400. Brennweite betrug 16mm! Bei der Nachbearbeitung habe ich versucht meinen Bruder dunkel erscheinen zu lassen. Ansonsten habe ich nur ein wenig die Sättigung angehoben, das wars :) Habe schon von diversen Leuten Kritik bekommen, das z.B. der Auschnitt ein wenig anders gewählt werden soll, da links und rechts noch Fenster zu sehen sind, aber ansonsten gabs von deren Seite nichts zu bemängeln. Deswegen würde ich mich gerne mal eure Meinung zu dem Bild interessieren! Lieben Gruß Malte”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Malte bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch die kleinbildäquivalente Brennweite von knapp 26 mm bei einem Formatfaktor von 1,6.

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Ausführliche Erläuterungen bei der Bildeinreichung schätze ich sehr – auch Fragen und Zweifel wären hierbei willkommen und könnten bei der Besprechung berücksichtigt werden … doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente …

Komposition (siehe dazu untenstehende, gleichnamige Bilder):

Eine kontrastreich-düstere ‘Türstockszene mit Person’ im 2:3-Hochformat empfängt den Betrachter.

Als Blickfang und Motivzentrum fungiert ein junger Mann in Rückenansicht, im Schwerpunkt etwa in den Goldenen Schnitt von links oben gelegt, dabei seltsam geneigt und mit Jacke sowie Kapuze versehen, welche Teile des Kopfes verdeckt und somit auf den ersten Blick an ‘Quasimodos Buckel‘ denken läßt (durchgezogene rote Linien ebd.). Auf den zweiten Blick wird ein Golfschläger erkennbar, den der junge Mann in der rechten Hand hält und auf den er sich zu stützen scheint (punktierte rote Linien ebd.).

Ein Kaskade von Senkrechten und Waagrechten im Mittel- (durchgezogene orange Linien ebd.) und Hintergrund (punktierte orange Linien ebd.) rahmt die Hauptperson ein. Es handelt sich um Türstöcke, Schwellen und Fachungen, die in ihrer Ausrichtung an den Bildrändern einerseits einen Kontrapunkt zur geneigten Person darstellen, andererseits dem Bild einen sehr statischen Eindruck geben.

Der Boden um den jungen Mann herum zeigt sich von Fragmenten bedeckt – Kabel, Scherben und kleinere Holzstücke, soweit erkennbar (gelbe Linien ebd.).

Im oberen Teil der seitlichen Bildränder irritieren zwei knapp angeschnittene Lichtquellen (türkisfarbene Blitze ebd.). Dunkle Leere im Sinne eines weitläufigen ‘Negativraums’ erstreckt sich schließlich im vorderen Boden- und insbesondere im Deckenbereich (grüne Blitze ebd.).

Die Posterisation verdichtet das Bild auf die wesentlichen Elemente. Eine kurzläufige, einmal um die Hauptperson herumführende und keinen rechten Abschluß findende Blickführung wird darin erkennbar (violetter Pfeil ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm zeigt sich extrem zweigipflig mit U-Form bei einem Median von gut 45. Die Mitten sind kaum belegt, dafür finden sich weitläufige Tonwertabbrüche im Schatten- und Lichterbereich, der Zone 0 bzw. X ohne jede Detailzeichnung und Tonwertmodulation entsprechend.

Einzig Mauerwerk und Fachungen als motivisch nachrangige Elemente zeigen etwas Struktur in den Zonen I bis II bzw. II bis IV.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

„Alles zerstört … nach einem ‘Ausraster’ … lässige Pose” – ich lese wohl die Beschreibung, suche aber deren Entsprechung im Bild vergebens.

Stattdessen sehe ich eine statisch ausgerichtete, wohlgeordnete und fast brav wirkende Architekturbrache. Spannungsvolle Abgründe oder bildliche Dramatik finde ich hier nicht visualisiert. Auch das Posing der Hauptperson erscheint mir eher bemüht, keinesfalls jedoch entgrenzt, erschöpft oder gar ‘genüßlich der vorherigen Raserei nachspürend’, wie es im vorgetragenen Bildkonzept anklang.

Auch die formale Umsetzung vermag mich nicht zu überzeugen, wie ich im Sinne der störenden Nebenlichtquellen, des nicht gemeisterten Szenenkontrasts und der ‘Blickführung im kurzen Kreise’ oben schon ausgeführt habe.

Was könnte man aus dieser Szene noch herausholen?

Ein Beispiel zeigt die untenstehende ‘Überarbeitung 1′. Hier orientiert sich die Vertikale an der geneigten Person, wodurch der Raum verkippt und der konventionellen Betrachtung ‘entrückt’ wird.

Ein Beschnitt eliminiert die störenden Nebenlichtquellen, eine forcierte Tonwertnormalisierung mit dem Instrument ‘Tiefen/Lichter’ bringt im Vorder- und Mittelgrund mehr offene Schatten und dunkle Mitten zur Geltung und vermag im Hintergrund einen Teil der ausgebrannten Lichter ‘einzufangen’.

Die Blickführung erscheint nun eingängiger im Sinne einer von der Person zu den Bodensplittern hin abfallenden Diagonale – hier endet der Blick beim ‘Werk’ (violetter Pfeil ebd.).

Eine ‘Überarbeitung 2′ bietet sich im Sinne einer horizontalen Spiegelung noch an – hier wandelt sich die Blickführung zu einer aufsteigenden Diagonale und fokussiert auf die Person.

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Bildteil:

Komposition: Darstellung der Grundelemente

Komposition: Darstellung der Grundelemente

Komposition: Posterisation zur Verdeutlichung der Blickführung

Komposition: Posterisation zur Verdeutlichung der Blickführung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Tonwerte: Lichterbeschnitt

Tonwerte: Lichterbeschnitt

Tonwerte: Schattenbeschnitt

Tonwerte: Schattenbeschnitt

Überarbeitung 1: Verkippung, Beschnitt, Tonwertnormalisierung und Blickführungsänderung

Überarbeitung 1: Verkippung, Beschnitt, Tonwertnormalisierung und Blickführungsänderung

Überarbeitung 1: Endergebnis

Überarbeitung 1: Endergebnis

Überarbeitung 2: Wie oben, zusätzlich horizontale Spiegelung

Überarbeitung 2: Wie oben, zusätzlich horizontale Spiegelung

Überarbeitung 2: Endergebnis

Überarbeitung 2: Endergebnis

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung

 

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In der Rubrik ‘Bildkritik’ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Leserfoto:
Ein Bild der Unmittelbarkeit

Eine archaische Aufnahme fernab vom konventionellen ‘Rosarotgefühl und Kindchenschema’ möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (6 Bilder)

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Jörg Fietkau aus dem nordbadischen Niefern-Öschelbronn hat uns das obige Bild unter dem Titel „new life” in der Kategorie ‘Schnappschuss’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Ich habe das Bild direkt (bei) nach der Geburt meiner dritten Tochter aufgenommen. Es war mehr oder weniger Spontan, deshalb auch ein Schnappschuss. Ich finde das es sehr viele Babybilder gibt, solche denke ich aber doch eher selten sind. Ich habe auch sehr lange überlegt ob ich das Bild veröffentlichen soll, Ich habe es jetzt doch einmal gewagt. Aufgrund meiner perönlichen emotionalen Bindung zu diesem Bild finde ich es Weltklasse. Nun sollt Ihr mir sagen ist es wirklich gut, oder sollte ich mir ein anders Hobby suchen, bzw. kann man sich so ein Bild auch aufhängen.”

Zur Aufnahme wurde eine Canon EOS 1000D mit Zoomobjektiv 18 bis 200 mm (Canon, Tamron, Sigma?) verwendet. Die Brennweite betrug 72 mm (entsprechend gut 115 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6), die Belichtungsdaten waren 1/60 Sekunde bei Blende f/5,6 und ISO 400, der Blitz wurde ausgelöst.

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Es rührt mich wohl, wenn Jörg mir solche Wegweisung hinsichtlich ‘Bild aufhängen oder anderes Hobby suchen’ zubilligt, doch erschiene mir ein solcher ‘Richtspruch aus der Ferne’ auch problematisch. Vielleicht wäre schon geholfen, wenn ich etwas zur Beschreibung und zum Verständnis des Bildes beitragen könnte.

Betrachten wir in diesem Sinn zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente …

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Wir sehen ein Querformat im heute üblichen 3:2. Die Szene ist ebenso übersichtlich wie archaisch – ein Neugeborenes, noch deutlich von der Geburt gezeichnet und ganz in seiner eigenen Welt; zugleich sicher gehalten, auch emporgehoben und vorgezeigt von zwei Händen, die etwas von rechts ins Bild hineinreichen. Wir Betrachter scheinen so der haltenden Person über die linke Schulter zu blicken.

Die Aufzählung der wichtigen Bildelemente soll beim Gesicht des Neugeborenen beginnen. Es wirkt doch etwas angestrengt von den Mühen der Geburt, noch etwas ‘verhutzelt’ gar (rote Linien ebd.). Seine Arme setzen des weiteren starke Signale – der rechte steht in die Luft, weiß vielleicht gar nicht, wo er hin will; der links ist zum Gesicht gebogen, und den Daumen dürfen wir wohl im Munde vermuten – der Saugreflex wird getriggert (orange Linien ebd.).

Ergänzend und abschließend treten schließlich noch die haltenden Hände von rechts unten hinzu – auch dies eine starke Geste, schützend und wertschätzend zugleich (gelbe Linien ebd.).

Die Blickführung ist übersichtlich – vom Betrachterstandpunkt haben wir das Neugeborene unmittelbar gegenüber, der Blick geht also quasi in das Bild hinein (violetter Pfeil ebd.).

Auch die Problembereiche des Bildes sollen nicht unter den Tisch fallen. Der motivnahe Blitz setzt unschöne Glanzlichter auf Stirn und Wangen (1 ebd.), im Gegenzug tiefe und abgezirkelte Schatten besonders unter dem linken Arm (2 ebd.) und reines Schwarz im Hintergrund. Die rechte Hand ist leider etwas abgeschnitten, wo eine vollständige Darstellung von Vorteil gewesen wäre (3 ebd.). Die Schriftzeichen des rechten Handschuhs und vermutlich angeschnittene linke Bein bieten schließlich noch einiges Ablehnungspotential vom bildwichtigen Geschehen (4 ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm zeigt einen Median von etwa 70, recht gut belegte Mitteltöne und einen starken Peak im Bereich der tiefen Schatten. Das Neugeborene wird in den Zonen III bis VII bzw. IV bis VI umspielt, die Handschuhe grenzen sich davon etwas heller und deutlich kontrastärmer in den Zonen VI bis VII ab.

Farben:

Bläuliche Rottöne, eine sogenannt ‘livide Verfärbung’ des Neugeborenen und gedämpfte Gelbtöne der Handschuhe dominieren das Bild.

Struktur:

Das Schärfemaximum liegt auf dem linken Handschuh der haltenden Person und der linken Hand des Neugeborenen, leider jedoch nicht auf dessen Gesicht oder gar Augen.

***

Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Es ist die ‘Unmittelbarkeit’, welche mir in diesem Bild besonders gut gefällt – damit meine ich zum einen die ‘Unmittelbarkeit der körperlichen Nähe’, in die wir Betrachter durch den Blickwinkel des Fotografen hineingezogen werden; ich meine damit aber auch die ‘Unmittelbarkeit der ganz archaischen Geburtsvorgänge’, eine Art hereinbrechender und überwältigender Naturgewalt, mit der wir hier konfrontiert werden und die sich vom ‘Rosarotgefühl und Kindchenschema’ abgrenzt.

Wir bekommen so nach meinem Dafürhalten eine ziemlich gute Idee, wie anstregend und komplikationsträchtig das Geburtsgeschehen auch in heutiger Zeit noch ist, allen lindgrünen Wänden und gutsortierten Wellnessecken heutiger Kreißsäle zum Trotz. Die moderne Geburtsmedizin hat die frühere Gefährdung der Mütter und Neugeborenen Gott sei Dank deutlich mindern, wenngleich nicht völlig bannen können.

In solcher Betrachtung scheint mir – über den begreiflichen Stolz des Vaters und seine Ergriffenheit hinaus – dem Bild auch eine übergeordnete Bedeutung für uns Außenstehende zuzukommen. Nun stellt sich die Frage, ob und wie wir die bestehenden Problembereiche neutralisieren und das Bild so zu noch besserer Wirkung bringen könnten.

Ein erster, wichtiger Schnitt ist eine Verdichtung des Bildgeschehens. Die seitlichen Partien im reinen Schwarz des Negativraums sind überzählig. Auch von unten her kann etwas abgenommen werden, wodurch zugleich die ablenkenden Elemente rechts unten entfernt werden. Die linke Hand des Neugeborenen bleibt im Zentrum, sie ist dort als ‘Brücke zur Welt’ wichtig und wird von den Linien des Goldenen Schnitts umrahmt (siehe Bild ‘Überarbeitung: Verdichtung durch Beschnitt).

Im zweiten Schritt würde ich noch eine Schwarzweißkonvertierung vorschlagen (nicht zu verwechseln mit der Graustufenumwandlung zu Illustrationszwecken), um das Geschehen ‘dramatisch zu übersetzen’. Für Interessierte sei erwähnt, daß hierbei die Charakteristik des guten alten ‘Ilford Delta 400 Professional‘ simuliert wurde. Der Rotkanal wurde noch leicht zurückgenommen, um die Abstufung zwischen Neugeborenem und Handschuhen zu betonen (siehe Bild ‘Überarbeitung: Ergebnis nach Schwarzweißkonvertierung’).

Die weiteren Problembereiche, wie die unglücklich angeschnittene rechte Hand oder die überstrahlten Lichter und zugelaufenen Schatten nach Blitz bleiben davon natürlich grundsätzlich unberührt, doch finde ich, daß die so dazugewonnene Dichte und Dramatik diese ein Stückweit überspielt.

***

Bildteil:

Komposition: Darstellung der Grundelemente

Komposition: Darstellung der Grundelemente

Komposition: Darstellung der Blickführung

Komposition: Darstellung der Blickführung

Komposition: Darstellung der Problembereiche

Komposition: Darstellung der Problembereiche

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Überarbeitung: Verdichtung durch Beschnitt

Überarbeitung: Verdichtung durch Beschnitt

Überarbeitung: Ergebnis nach Schwarzweißkonvertierung

Überarbeitung: Ergebnis nach Schwarzweißkonvertierung

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung

 

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In der Rubrik ‘Bildkritik’ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Leserfoto:
Zwischen professioneller Anmutung und kalkuliertem Regelbruch

Das wohltuende Ergebnis eines durchdachten Konzepts, einer professionellen Aufnahme bzw. Ausarbeitung und eines kalkulierten Regelbruchs zeigt das heute besprochene Bild.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (5 Bilder)

Ausgangsbild

Ausgangsbild

***

Unser Leser Daniel Mack aus dem nordrhein-westfälischen Königswinter hat uns das obige Bild unter dem Titel „Brot und Spiele 2.0” in der Kategorie ‘Konzept’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Jeden Monat veranstalten wir einen privaten Fotowettbewerb unter Freunden. Das Motto lautete ‘Brot und Spiele’. Kaiser Trajan habe Massenunterhaltungen besonders gepflegt, in der festen Meinung, ‘dass das römische Volk insbesondere durch zwei Dinge, Getreide und Schauspiele, sich im Bann halten lasse’. Mein Bild stellt ein Konzept der modernen Variante dar. Im Studio aufgenommen, eine Softbox frontal, ein Spotlight auf den Hintergrund. Geschossen mit Olympus OM-D EM5, 45mm, Blende f1.8 und 1/125. ISO 200.”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Daniel bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch, daß als Objektiv die Festbrennweite Olympus M.Zuiko Digital 45mm f/1.8 mit einer kleinbildäquivalenten Brennweite von 90,0 mm (bei einem Formatfaktor von 2,0) verwendet wurde.

***

Daniels Ansatz, sich im ‘Bilderwettstreit mit Freunden’ zu messen und dabei in einer aufwendigen Studioarbeit – wahlweise ironisch oder resignativ – ‘panem et circenses‘ als altbewährtes Herrschaftsprinzip der Mächtigen zu zitieren, gefällt mir sehr gut. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Aufnahmesetup:

Mit der Verwendung der maximalen Offenblende von f/1,8 verzichtete Daniel zwar auf einen Teil der möglichen Abbildungsleistung, deren größte Ausprägung sich im Bereich der ‘kritischen Blende‘ von f/5,6 bis f/11,0 findet. Gleichwohl war die Entscheidung hier unzweifelhaft richtig, um den Schärfeverlauf (dazu unten noch mehr) schön in Szene zu setzen.

Des weiteren fällt auf, daß Daniel sich auf ein Führungs- und Hintergrundlicht beschränkte und damit in Abweichung von der klassischen Drei- bzw. Vierpunktbeleuchtung auf das Aufhellungs- und Kantenlicht verzichtete (siehe dazu ggf. den dritten Teil meines Tutorials zur Porträtfotografie). Doch auch diese Entscheidung erscheint vor dem Hintergrund der insgesamt hellen Bildanmutung nachvollziehbar.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Bild empfängt den Betrachter im 4:3-Querformat und mit übersichtlicher Anordnung der Elemente.

Gesicht und Hände fesseln unseren Blick in besonderer Weise, und so stellen diese auch in Daniels Bild die Hauptelemente dar (rote Linien ebd.), die sich mit gutem Zutun auch als verkipptes und sehr spitzes Dreieck beschreiben lassen (ohne Abbildung ebd.).

Eingerahmt werden diese Elemente von den Hauptstrukturen des Körpers, insbesondere beiden Armen und Händen, wobei man die Fältelungen des Kragens noch als gesichtsbetonende Struktur hinzunehmen kann (orange Linien ebd.).

Die zweite, gegenüber der Person nachrangige, gleichwohl auch im Kontrapunkt zu dieser stehende Motivgruppe stellt jene Formation der Pizzaschachteln dar (eine ans Sofa gelehnt, die anderen auf diesem gestapelt), deren Inhalt sich unser Protagonist im wesentlich schon einverleibt haben mag (gelbe Linien ebd.).

Zur ‘Erdung’ dieser beiden Motivgruppen dient das Sofa (grüne Linien ebd.).

Schließlich findet sich mit dem Schattenwurf des Sofas und einer Bodenkante auch noch der Raum angedeutet, in welchem die Szene spielt (türkisfarbene Linien ebd.).

Von Seiten der Blickführung möchte ich jene Aufwärtsbewegung von den Pizzaschachteln links unten über die Hände mit Playstation zum Gesicht des Protagonisten benennen (breiter violetter Pfeil ebd.).

Wichtig für die Bilddynamik (ich komme in der Zusammenfassung noch darauf zurück) ist auch noch die etwa 30 Grad nach rechts betragende Verkippung des Bildes (schmaler violetter Pfeil ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm zeigt sich etwas rechtsschief und zweigipflig bei einem Median von 140.

Bei der Zonenverteilung (Schatten rot, Mitten und Mischbereiche orange, Lichter gelb, hoher Kontrastumfang in großer und niedriger in kleiner Schrift) stechen insbesondere zwei Bereiche ins Auge – die sehr kontrastreich gezeichnete Person in den Zonen I bis IX und der etwas zurückhaltender kontrastierte ‘Pizzabereich’. Deutlich davon abgesetzt liegen der Hintergrund und Teile der Sofaflanken in den Zonen VII bis IX.

Farben:

Gebrochene Balu- und Orangetöne, durchsetzt mit einigen Rot- und Grüneinsprengseln dominieren das Bild

Struktur (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Nur kurz seien die Bandingartefakte in der linken oberen Bildecke erwähnt (rotes Viereck ebd.). Diese entstehen bei der Verkleinerung und Kompression ins 8-Bit-JPG-Format und liegen im Ursprungsbild gewiß nicht vor. Man hätte diesem Effekt mit einer Weichzeichnung bzw. Schärfungsausklammerung dieses Bereichs entgegentreten können.

Das Schärfemaximum liegt auf dem Gesicht und den beiden Händen, wo es hingehört (gelbes Dreieck ebd.). Sehr schön stellt sich der Schärfeverlauf dar mit seinem schon erwähnten Schärfemaximum, der weichen Schärfe auf dem restlichen Körper und der angelehnten Pizzaschachtel, der leichten Unschärfe auf den übrigen Pizzaschachteln und der deutlichen Unschärfe im Hintergrund (Blauabtönungen ebd.).

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Ich möchte Daniel zunächst danken, daß er als gelernter Fotograf bzw. Fotodesigner uns seine Arbeit zur Besprechung anvertraut. Dies ist uns, wie man so schön sagt, ‘Ehre und Herausforderung zugleich’ …

Seinem eigenen, professionellen Anspruch ist Daniel mit dieser Arbeit zweifellos gerecht geworden.

Dies beginnt schon mit den Entscheidungen zur Blendenwahl und Ausleuchtung, welche im Sinne eines ‘kalkulierten Regelbruchs’ recht lehrreich wirken.

In formaler Hinsicht überzeugen die schöne Darstellung der Ton- und Farbwerte, desgleichen der Schärfeverlauf, welcher auf kleinem Raum enormen Tiefeneindruck schafft.

Inhaltlich ergibt sich der Bildwitz durch die Substitution des althergebrachten Prinzips ‘Brot und Spiele’ durch die neuzeitliche Konnotation von ‘Pizza und Playstation’. Man mag, dies überläßt Daniel ganz dem Betrachter, darüber schmunzeln oder verzweifeln, daß der Mensch sich in seiner Manipulierbarkeit über die Zeiten so wenig ändert.

Auch die Verkippung, wiederum ein Aspekt ‘kalkulierten Regelbruchs’, ist schließlich ein gelungenes und wichtiges Element der Bilddramaturgie, indem sie eine ‘Metapher einer verdrehten Welt’ einführt.

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Bildteil:

Komposition: Grundelemente

Komposition: Grundelemente

Komposition: Blickführung und Verkippung

Komposition: Blickführung und Verkippung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Struktur: Schärfemaximum und Bandingartefakte

Struktur: Schärfemaximum und Bandingartefakte

Struktur: Schärfeverlauf

Struktur: Schärfeverlauf

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung

 

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Leserfoto:
Rascher Blickdurchgang

Die Bedeutung spannungsvoller Komposition und Blickführung wollen wir im Rahmen der heutigen Bildvorstellung diskutieren.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (5 Bilder)

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Felix Schmidt aus dem sachsen-anhaltinischen Halle (Salle) hat uns das obige Bild unter dem Titel „Pauluskirche bei Nacht” in der Kategorie ‘Architektur’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Hi. Hier mal ein Foto von mir, zu welchem ich gerne eine Kritik hätte. Aufgenommen am 8.1.2014 gegen 18.00 Uhr in Halle (Saale). Zu sehen ist die Pauluskirche auf dem Hasenberg. Da die Kirche seit ca. 4 Wochen abends beleuchtet wird, wollte ich dies natürlich gleich mit meiner neuen Kamera festhalten. Exif-Daten: Kamera: Canon EOS 6D Objektiv: EF 24-105 f/4 L IS USM Brennweite: 24mm Blende: f/5,6 ISO: 1.600 Bel.zeit: 1 sec”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Felix bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch, daß die abgelesene und kleinbildäquivalente Brennweite beim hier verwendeten Kleinbildvollformat identisch waren.

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Bildversion auf '500px'

Bildversion auf '500px'

Im Vergleich zu Felix’ Bildversion bei ‘500px’ weist die hier gezeigte einen etwas erhöhten Kontrast und Farbauftrag und eine Verdichtung auf die Kirche durch einen Beschnitt von unten her auf.

Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Bild zeigt ein etwas gestrecktes 3:2-Querformat und weist drei Teile auf – einen mittleren, recht ‘vollen’ mit der von Kunstlicht beleuchteten, fast die ganze Bildhöhe einnehmenden Kirche sowie zwei seitliche, recht ‘leere’ mit sehr dunklen Baumsilhouetten und einem davon nur geringfügig abgesetzten Nachthimmel. Die Posterisation verdeutlicht diese Bildgewichtung mit den drei sich über jeweils ein Drittel der Bildbreite erstreckenden Teilen.

Die mittig angelegte Kirche stellt den Blickfang und das Hauptmotiv des Bildes dar. In seiner Gesamtstruktur wirkt sie wie ein aufrechtes Dreieck (durchgezogene rote Linien ebd.), darüber hinaus weist sie reiche Binnenstrukturen auf (punktierte rote Linien ebd.).

Zu beiden Seiten wird die Kirche von zwei kleinen Straßenlaternen und dem davon beleuchteten Buschwerk (orange Linien ebd.) eingerahmt.

Im Hintergrund werden noch Baumsilhouetten (durchgezogene türkisfarbene Linien ebd.) und -binnenstrukturen (punktierte türkisfarbene Linien ebd.) schemenhaft erkennbar.

Die Blickführung folgt der zentralen Struktur von unten nach oben (violetter Pfeil ebd.) im schnellen Durchgang, während die seitlichen Teile wenig zum Verweilen einladen.

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm zeigt sich deutlich linksversetzt und linksschief bei einem Median von knapp 25. Weitläufige Tonwertabbrüche finden sich im Schattenbereich, nicht jedoch im Lichterbereich.

Die Kirche als Hauptmotiv umfaßt die Zonen II bis VII. Die Baumsilhouetten liegen in den Zonen 0 bis I, der Nachthimmel findet sich davon wenig abgegrenzt in der Zone I.

Farben:

Das Hauptmotiv ist von warmen Orangetönen, das Gras und Himmel von kalten Grün- und Blautönen beherrscht.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Mit seiner mittigen Komposition, den weitläufigen Negativräumen und dem insgesamt recht flauen Bildeindruck kann mich Felix’ Arbeit leider nicht völlig überzeugen.

Die Binnenstrukturen der Kirche sind zweifelsohne reizvoll dargestellt, doch darüber hinaus ist das Bild zu rasch durchgesehen, lassen zu wenig Spannungsbögen das Bild lebendig werden.

Ich darf auf die untenstehende Überarbeitung verweisen, in welcher durch einen Beschnitt der (aus meiner Sicht) überzählige Negativraum vermindert wurde und eine Farbauffrischung erfolgte.

Im so entstehenden 7:6-Querformat bekommt die links unten platzierte Straßenlaterne als Kontrapunkt zur großen Kirche neue bzw. größere Bedeutung. Sie fungiert nun als Ausgangspunkt für eine viel spannendere, zunächst nach nach rechts (zur Kirche hin) und dann nach oben (zur Turmspitze hin) strebende Blickführung.

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Bildteil:

Komposition: Darstellung der Bildgewichte durch extreme Posterisation

Komposition: Darstellung der Bildgewichte durch extreme Posterisation

Komposition: Darstellung der Grundelemente

Komposition: Darstellung der Grundelemente

Komposition: Darstellung der Blickführung

Komposition: Darstellung der Blickführung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Überarbeitung: Beschnitt und Farbauffrischung

Überarbeitung: Beschnitt und Farbauffrischung

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung

 

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In der Rubrik ‘Bildkritik’ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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