Bildkritiken lesen

Das Sternenboot:
Lichtschreiben mit Phantasie

Lightwriting funktioniert mit Langzeit-Belichtungen in der Nacht. Und Sternspuren erzeugt man auch so ab. Warum also nicht beides kombinieren?

Lightwriting-Fotografie das Boot MIa

DAs Boot Mia. Canon EOS 5D Mark III 30s bei Blende 2.8 mit 24mm Brennweite und ISO 800

Florian Beyer aus Altdöbern schreibt: Das Foto ist eine Lightwritingaufnahme, kombiniert mit Sternenspuren. Die blauen Lichter deuten Wellen an, in denen das Boot Mia in See sticht. Hierbei handelt es sich um einen Aussichtspunkt am zukünftigen Cottbuser Ostsee. Zukünftig, weil hier bis vor kurzem noch ein Tagebau im Betrieb war. Die angedeuteten Wellen in Verbindung mit den Sternenspuren sollen bereits einen Blick auf die Zukunft der Landschaft geben.

Ich habe nachgefragt: Erstens konnte ich nicht glauben, dass die Lichtschreiberei (Affiliate-Link) in dieser Fotografie parallel zur Langzeitbelichtung der Sterne (Affiliate-Link) stattgefunden hat. Und zweitens habe ich nicht gewusst, wie man die nach hinten auslaufenden Sternspuren überhaupt erzielt.  Weiterlesen

Kölner Bahnhof:
Die Bögen spannen

Bauten, die mit geschwungenen Bögen Lasten tragen, bieten Fotografen klare Kontraste zu den geraden Linien, welche die Architekturdominieren. Das Zusammenspiel schafft Spannung, wie in dieser Aufnahme.

© Ralf Joost – Canon 5D III, 1/200, F4, ISO 200, 70-200/130m. Korrekturen in Photoshop, freigestellt, gespiegelt

© Ralf Joost – Canon 5D III, 1/200, F4, ISO 200, 70-200/130m. Korrekturen in Photoshop, freigestellt, gespiegelt

Ralf Joost aus Bergneustadt: Der Kölner Hauptbahnhof von Süden aus gesehen. Mir gefiel das Zusammenspiel der Bögen, Formen und Flächen, dazu das Abendlicht. Ich bin mir nicht sicher, ob der Ausschnitt nicht doch zu eng gewählt ist. Was würde wohl Sofie dazu sagen?

Leider ist Sofie grade sehr beschäftigt, ich hoffe, Ralf nimmt auch mit meinen Beobachtungen Vorlieb.

In dieser Farbaufnahme sehen wir die Rundbögen zweier ineinander verschränkter Dachkonstruktionen aus Metall, die offensichtlich im Abend- oder Morgenlicht einen Bahnhof überdecken. Im Vordergrund spannt sich eine runde Treppe von der linken Bildhälfte in die Rechte, am rechten Bildrand ist eine Betonwand zu erkennen.

Auf den ersten Blick kann man sich als Betrachterin oder Betrachter dem Spiel der Linien, kleinen Flächen und der Bögen nicht entziehen. Über die Qualität des Motivs muss man hier wohl nicht diskutieren, und das geht sehr weit mit deiner Komposition einher – denn das Motiv ergibt sich aus Perspektive und die Bezüge, in die man die Linien mittels Standortwahl zueinander stellt.  Weiterlesen

Tierfotografie:
Fixe Ideen loslassen

Bei der Fotografie von Tieren passiert einem gelegentlich fast ein sensationeller Schnappschuss. Aus dem in der Regel technisch mangelhaften Zufall ein Konzeptbild machen zu wollen, ist fast immer zum Scheitern verurteilt.

Nikon D5100 bei f/5.6 und einer Brennweite von 106mm, fotografiert mit 1/320 s bei ISO 100

Sascha Flemming aus schreibt: Das Bild wurde in der Nähe von Key Biscane aufgenommen. Vorallem die vielfältige Tierwelt an diesem Ort hat mich sehr motiviert dieses einigermassen naturgetreu einzufangen. In dieser Situation hat mich das Zusammenspiel der etwas im steinigen Zentrum verschwindenden Echse und der in Bewegung eingefangene Pelikan gefallen. Auf den ersten Blick schien er fast so, als würde die Echse leicht versteckt das Treiben über Wasser beobachten. Obwohl die Echse sehr zentral angeordnet ist, schien sie dennoch weiterhin auf der ersten Blick im Bild eher unterzugehen. Aus diesem Grund habe ich den Kontrast erhöht um sie etwas vom Untergrund hervorzuheben. Leider scheint sie immer noch ein wenig unterzugehen und nicht jedem fällt das Tier sofort auf. Weiterhin habe ich die Sättigung noch etwas erhöht, allerdings war dies garnicht zu sehr nötig, da die Farben und Kontraste an diesem Tag recht stark waren.

In dieser im Panoramaformat gehaltenen Farbfotografie sehen wir einen felsigen Uferstreifen mit Gebüsch im Vordergrund, eine sehr blaue, von links oben nach rechts unten verlaufende Wasserlinie und darüber einen Pelikan im Abflug, leicht unscharf durch die Bewegung. Das direkte Sonnenlicht kommt von rechts oben, und bei genauerer Untersuchung des Bildes ist in den Steinen im Bildzentrum eine grössere Echse erkennbar, die ungefähr in Richtung des Pelikans blickt.

Technisch gesehen ist das Bild bei ISO 100 und einer Blende 5.6 mit 320/s erstaunlich lange, aber korrekt belichtet. Es kippt ausserdem leicht nach links (ablesbar an den Wellenkämmen). Und die Sättigung, obwohl Geschmackssache, ist etwas heftig. Der Nachteil von Mittagsfotografie im grellen Sonnenlicht besteht just darin, dass die Kontraste knallhart und die Farben flau werden. Richtig bunt wird es meistens erst nach Sonnenuntergang.

Ich kenne Dein Empfinden leider nur zu gut. Tierfotografie ist nicht etwas, was ich spezifisch betrieben hätte, sondern immer dann, wenn sich die Gelegenheit geboten hat. Sprich: Ich versuche mich in gebührendem Abstand als Seelöwen-Porträtist, Walfluken-Dokumentator oder Bären-Schnappschussfotograf. Weiterlesen

Biene auf Blume:
Zuviel Drumherum

Durch Konzentration auf den wichtigen Bildinhalt kann die Bildaussage wesentlich verstärkt werden. Oder, wie Robert Capa sagte: Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran.

Eine Blume mit besuchender Biene.

Eine Blume mit besuchender Biene. © Jonny Michel. Nikon D300, 1/320s bei f/11 mit 200mm und ISO 200

Jonny Michel aus Chemnitz zu diesem Bild: Entstanden auf Garte- und Blumenschau in Erfurt 2012

Für diejenigen (wie mich), die sich an die Brennweiten vom 35mm Kleinbild gewöhnt haben, entspricht die von Dir für diese Fotografie gewählte Brennweite derjenigen von 300mm, das ist also schon ein  längeres Teleobjektiv. Die Belichtungsdaten und der Schattenwurf deuten auf helles Tageslicht hin. Die Belichtung passt, da gibt es wenig Worte darüber zu verlieren. Weiterlesen

Landschaft mit Bäumen:
Der eine so, der andere so

Natürliche Allegorien sind eine nette Spielart der Landschaftsfotografie. Diese Aufnahme besticht ebenso durch das Motiv wie durch die simple, aber wirksame Komposition.

Landschaftsfotografie

Canon E-M5Mark II 1/1000s bei Blende 7 mit 40mm Brennweite und ISO 200

Kirsten Heinrich aus Weinheim schreibt : Bei einer Tour über Land bin ich auf diese Ansicht gestoßen, die mich faszinierte. Am Rechner habe ich sie im Anschluss nach meiner Vorliebe noch etwas warmtoniger gemacht und leicht entsättigt.

Wenn sich die Natur so arrangiert, dass wir Menschen in ihr einen Hinweis auf unsere Wesensart finden, muss man das als Fotografin zuerst sehen und dann richtig ablichten. Was hier wie eine selbstverständliches Motiv wirkt, ist in Tat und Wahrheit nämlich wahrscheinlich nur aus wenigen Perspektiven so zu sehen, und es fällt uns erst auf die Art und Weise auf, weil Du es so komponiert hast.  Weiterlesen

Grafische Übersteigerung:
Ein neues Werk

Bildkomposition kann auch in der Nachbearbeitung stattfinden, wie alle anderen Manipulationen auch. Bisweilen entsteht dabei etwas ganz neues.

Möwen im Wasser, überzeichnet

Möwen im Wasser, überzeichnet

Hans Müller aus Reutlingen schreibt: hab von einer Flussbrücke aus gesehen, wie sich ein Schwarm Möwen um irgend ein fressbares Etwas stritten.
Mit der Kamera habe ich einfach in der Totalen draufgehalten. Was blieb mir anderes übrig? Die Vögel ließen sich nicht arrangieren, und an solche Feinheiten wie z. B. den Goldenen Schnitt haben sie sich auch nicht gehalten. Und nach zwei „Schuss“ war der ganze Spuk vorbei. Vom Ergebnis war ich total enttäuscht. Wohl aufgrund des flauen Lichts (bedeckter Himmel) und des braunen Wassers war alles eine mehr oder weniger kontrastlose Angelegenheit. Ich habe dann -zugegeben- alles, was photoshop innerhalb meiner bescheidenen Fähigkeiten als Autodidakt hergibt eingesetzt und mich für diese Version entschieden. Sehr starke Beschneidung, Wasser eher grün (war eine braune schmutzige Brühe), Tonwert, Kontrast, Schärfe. (SW hab ich probiert, aber verworfen). Ich kann inzwischen nicht mehr objektiv urteilen, rein graphisch gefällt’s mir.

Wenn’s Dir gefällt, ist der Hauptzweck Deiner Fotografie erfüllt. Wenn es andern auch etwas sagt, ist der wichtigste Nebenzweck erfüllt. Vielleicht aber kann man es dennoch weiter verbessern. Auch für Dich?

Du hast „alles, was Photoshop hergibt“, eingesetzt, und ich musste über den Satz schmunzeln: Weiterlesen

Randkontrolle bei Panoramaaufnahmen:
Elphi im Sommer

Auch bei Panoramaaufnahmen sollte man auf die Bildränder achten und diese zumindest in der Nachbearbeitung bereinigen, wenn dadurch die Komposition verdichtet werden kann.

© SVEN MAHN – Hasselblad H5D-40, 23 s, f/11, 50 mm, ISO100

© SVEN MAHN – Hasselblad H5D-40, 23 s, f/11, 50 mm, ISO100

Sven Mahn aus Hamburg schreibt zu diesem Bild:

Bei einem Abendshooting vor ein paar Tagen ist mir die ruhige Elbe und die nun fast Ohne Einrüstung stehende Elbphilharmonie aufgefallen. Ich denke in ein paar Jahren wird sie eine der meisten abgelichteten Objekte in Deutschland werden. Kosten und Mühen des letzten Jahrzehnts werden vergessen sein, wenn sie im Januar eröffnet wird. Das Bild wurde mit eine H5D40 und einem ND Filter geschossen.

Einleitende Anmerkungen

Die Elbphilharmonie in Hamburg reiht sich in eine ganze Liste von baulichen Großvorhaben der letzten 10-plus Jahre ein, die sich am Anfang gut anhörten und aber dann nach Kostenexplosionen, Verzögerungen und anderen Kontroversen bereits VOR ihrer Fertigstellung (im Fall des Berliner Flughafens bezweifeln wohl die meisten, ob und wann er jemals fertig werden wird) einen Ruf im Sinne von „berühmt-berüchtigt“ entwickelt haben. Ich bin allerdings wie Du der Meinung, dass die Elbphilharmonie in ein paar Jahren wie geplant zum neuen Wahrzeichen Hamburgs werden wird – schon jetzt wird sie begeistert besucht und fotografiert, obwohl sie erst im Januar 2017 eröffnet werden soll. Weiterlesen

Langzeitfotografie Buhne Altnau:
Gleichmass ist der Feind des Kontrasts

Wer eine Alternative Foto-Kompositionen mit geometrischen Mustern sucht, läuft schnell Gefahr, der Mitte und den Diagonalen durch die Ecken zu verfallen. Das geht meist nur im Quadrat gut.

Buhne in Altnau

Nikon D7000 60s bei Blende 11 mit 17mm Brennweite und ISO 100 © Pirmin Dewor

Pirmin Dewor aus Wolfegg schreibt zu diesem Bild: Dieses Foto habe ich in Altnau (Schweiz) am 18.06.2016 aufgenommen. Weil der Bodensee gerade einen sehr hohen Wasserstand aufweist, war meine Intention, die Buhne von Wasser umgeben abzulichten. Mir war bewusst, dass es bereits viele Fotots von dieser Buhne gibt, aber alle im Querformat und diagonal aufgenommen. Mein Anreiz war es, eine andere Perspektive zu finden. In dieser sollte die Buhne nicht nur diagonal zu sehen sein. Der lange Steg von Altnau sollte sich zudem im Hintergrund leicht abzeichnen. Für meinen Perspektivenwechsel musste ich nasse Schuhe in Kauf nehmen, um die Kamera passend zu platzieren. In dieser Ausrichtung findet sich eine verjüngende Diagonale der Buhne wieder, die gleichzeitig eine geraden Ausrichtung aufweist. Im Horizont ist noch schwach der bekannte und sehr lange Anlegesteg zu sehen. Diese Perspektive macht das Bild für mich sehr interessant. Aufgenommen wurde das Bild mit einer Nikon D7000 und einem Sigma 17-70 2.8-4 Objektiv. Zusätzlich verwendete ich einen 3,0 Graufilter und einen Verlaufsfilter für die Langzeitbelichtung. Für mich liegt die Schwierigkeit noch in der Bildkomposition, da ich erst seit zwei Monaten intensiver fotografiere.

Diese Fotografie zeigt eine Buhne, und mir bringt sie zugleich einige neue Wörter bei: „Buhne“, auch als Stack, Höft, Kribbe, Schlenge oder im Alpenraum Schlacht bezeichnet, ist laut einschlägigen Websites ein Küstenschutzbau.

Solche von Menschenhand geschaffenen Bauwerke an Ufern und Küsten sind beliebte Fotomotive, weil sie mit ihrer redundanten Ordnung einen Kontrast zur natürlichen Uferlinie bilden und dennoch meistens selber aus Naturstoffen bestehend nicht zu stark abfallen.  Weiterlesen

Foto-Abstraktion in Eis:
Ein Gesicht in blau

Im Fotostudio lassen sich mit Fantasie und Ideen Abstraktionen kreieren, an deren Perfektionierung man bestens arbeiten kann.

Eis-Abstraktions-Fotografie

Gegenstand im Eis. NIKON D7000, 1/160s bei Blende 5.6 mit 105mm Brennweite und ISO 100 © Emil Licht

Emil Licht aus Sassenburg: Im dunklen Februar habe ich mit Gegenständen in Eis experimentiert, um nicht vor die Tür zu müssen.

Die Eisblöcke wurden mit 2 Blitzen und Farbfolie ausgeleuchtet.  Bei diesem Bild gefällt mir im Nachhinein das schemenhafte Gesicht oder
besser die Fratze in der unteren linken Bildhälfte.

Abstrakte Fotografie bietet den Vorteil, dass jede Betrachterin für sich entdecken kann, was sie will. Und jeder Betrachter, was ihm passt. Jedenfalls, wenn es in der Abstraktion etwas zu sehen gibt.

In dieser Farbfotografie sehen wir einen Gegenstand in blau, der sich von links unten nach rechts oben in einer durchsichtigen Masse zu befinden scheint. Dabei fällt auf, dass nicht nur Tiefen-Unschärfe für die räumliche Wirkung verantwortlich zu sein scheint.

Hättest Du hier einfach nur eine zerknüllte Folie – dafür halte ich das Objekt – im Studio fotografiert, dann hätte das wohl auch ein interessantes, aber nicht ein so fesselndes Bild ergeben. Ich glaube, der Trick mit dem Eis besteht genau darin, dass es zwar durchsichtig ist, Du aber damit eine zweite Schicht der Schärfentiefen-Steuerung, oder vielmehr einer Art Schärfentiefe-Zufall, in das Motiv einbaust.

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„Das Foto meines Lebens“

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Libellenbild

Libelle auf Schilfblatt © 2016 Brigitte Hoffstadt

In einem knappen Monat wird fokussiert.com neun Jahre alt und damit zum Beweis einer Theorie: Derjenigen, dass aller Demokratisierung der Medien und einem Überfluss an Fotoblogs zum Trotz ein Bedürfnis nach vertiefter Auseinandersetzung mit dem eigenen Schaffen besteht. Anders gesagt: Weiterlesen