Landschaftsfotografie:
Fluchtpunkt im Torf

Eine Landschaft muss nicht immer unberührt sein. Aber hier fehlt etwas: Hinter dem Fluchtpunkt benötigt das Auge etwas Raum.

Torflandschaft, Landschaftsfotografie

Sony NEX-6,  1/100s bei Blende 22 mit 55mm Brennweite und ISO 400, die Brennweite entspricht 82mm im Kleinbildformat. © Horst Luehring

Horst Luehring aus Engelschoff: Bei Neulandermoor im Landkreis Stade wird Torf noch wie anno dazumal in Form von großen Ziegelsteinen abgebaut und getrocknet. Zwischen den Torfhalden verläuft ein naturbelassener Entwässerungsgraben, der einen schönen farblichen Kontrast bietet und in seinem diagonalen Verlauf vor dem knapp angeschnittenen Horizont die Weite der Fläche erahnen lässt.

Wir sehen eine Torflandschaft (Affiliate-Link), in der sich ein grüner Streifen sehr schön vom braunen Torf abhebt. Im Vordergrund spiegelt sich der blaue Sommerhimmel im klaren Wasser eines Entwässerungsgrabens. Wie der Titel des eingereichten Bildes schon verrät, führen die Linien alle auf einen Fluchtpunkt am Horizont zu. Diese Linien habe ich in der folgenden Illustration in pink hervorgehoben. Weiterlesen

Sossusvlei, Namibia:
Menschen in der Landschaft

Landschaftsfotografie findet typischerweise ohne Menschen statt. Bisweilen aber können sie als Akzente dienen und durchaus für Spannung sorgen.

 

Kamera: Canon EOS 40D Aufnahmedaten: 1/125s bei Blende 8/1 mit 62/1mm Brennweite und ISO 100 © Ulrich Schreyer

Canon EOS 40D Aufnahmedaten: 1/125s bei Blende 8/1 mit 62/1mm Brennweite und ISO 100 © Ulrich Schreyer

Ulrich Schreyer aus Berlin: Dieses Foto habe ich im September 2013 mit einer Canon EOS 40D aufgenommen. Es war eine Momentaufnahme. Während des Aufstiegs zur Düne „Big Daddy“ hat mich der Reiz der langen Schatten dazu inspiriert.

Das Bild stammt aus dem Sossusvlei in Namibia, einer Tonerde-Pfanne mit den höchsten Sanddünen der Welt. (Affiliate-Link)

Mein erster Gedanke war: Schade, sind hier Menschen im Bild. Der zweite: Super, die Menschen mit den Schatten! Weiterlesen

Milchstraße:
Blick nach oben

Das Fotografieren des Sternenhimmels ist mit besonderen Herausforderungen verbunden. Bei deren technischer Bewältigung sollte man jedoch kompositorische Überlegungen nicht aus dem Blick verlieren.

Südtiroler Bergstraße @ Fabian Suffel

Südtiroler Bergstraße @ Fabian Suffel

Unser Leser Fabian Suffel aus Stuttgart hat das obige Bild in der Kategorie Landschaft zur Besprechung eingereicht. Er schreibt hierzu:

„Ich beschäftige mich schon längere Zeit mit der Nachtfotografie und wollte daher schon recht lange die Milchstraße ablichten. Nach mehreren Versuchen bei mir in der Gegend musste ich einsehen, dass dieses Unterfangen wohl leider aufgrund der Lichtverschmutzung nicht so realisierbar war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nachdem ich nun für ein paar Tage in Südtirol war, nutze ich die Chance und fuhr auf einen kleinen Pass hinauf. Dort war es dann endlich dunkel genug, um ein solches Ergebnis erzielen zu können.“

Zum Einsatz kam die digitale Kleinbildkamera Canon EOS 6D mit einem starken Weitwinkel von 14 mm Brennweite. Die Belichtung erfolgte über 20 Sekunden bei einer Empfindlichkeit von ISO 5000 und Blende 3.2. Fabian bat um eine schwerpunktmäßige Besprechung des Bildes im Hinblick auf die Komposition und Nachbearbeitung. Weiterlesen

Tanzende Bäume:
Ausprobieren!

Was soll man als Fotograf ausprobieren, um spannende Bilder zu kriegen? Alles. Und wenn es schon jemand gemacht hat, dann tauscht man sich drüber aus und macht’s noch besser. Hier ein Beispiel.

Bewegter Wald © Torsten Jäger

Nikon D90; Nikon DX AF-S NIKKOR 10-24mm 1:3,5-4.5G; Blende 25, Manuell 1,3 s, 16 mm Brennweite (CROP 1,5 = 24), Stativ. © Torsten Jäger

Torsten Jäger aus Berlin schreibt zu diesem Bild:
Liepnitzsee (Brandenburg). Aufgenommen Ende Oktober 2015,  Nach eigentlich erledigter „Arbeit“ wollte ich noch etwas rumprobieren und habe mich an einer abstrakten Aufnahme versucht. Ich habe mit kleiner Blende und langer Belichtungszeit die Kamera bei der Aufnahme senkrecht nach oben gezogen. Grundsätzlich bin ich mit dem Resultat zufrieden. Ich mag die Farben und wie die Bäume im Gras tanzen. Man hat das Gefühl durch Milchglas zu schauen. Lediglich der Baum im rechten Bereich stört m.E., weil er oben und unten an den Bildrand grenzt. Bildbearbeitung: entwickelt aus RAW mit PS Elements; normale Bildbearbeitung (Tonwerte, Kontrast, Sättigung, Schärfe, etc.)

Tolle Idee, und das sie schon jemand vor Dir hatte, spielt überhaupt keine Rolle.

Wir sehen in diesem Farbbild offensichtlich einen Blick durch den unterholzfreien Jungbaumbestand in einem Wald. Die Aufnahme ist unscharf, und auf den zweiten Blick ist zu erkennen, dass es sich wahrscheinlich um vertikale Bewegungsunschärfe handelt.   Weiterlesen

Teufelsmauer-HDR:
Warum soviel Aufwand?

Ein grossartiges Landschaftsmotiv wird fotografisch  mit erweitertem Kontrastumfang nicht unbedingt besser. Im Gegenteil: bisweilen wird der gute Eindruck durch Artefakte zerstört.

teufelsmauerhdr

Canon EOS 1100D, 1/40 s, F/3.5, 18mm, 100ISO © Tino Zeidler

Tino Zeidler aus Quedlinburg schreibt zu diesem Bild: Motiv bildet hier eine Sandsteinformation aus dem Harzvorland, die „Teufelsmauer“. Aufgenommen zum Sonnenuntergang kurz vor der blauen Stunde. Entstanden ist das Bild als eine HDR-Belichtungsreihe aus 6 Bildern über einen Zeitraum von ca 5 Minuten. Die Tonwerte wurden speziell auf diesen mythischen/sagenumwobenen Ort abgestimmt.

Als begeisterter Landschaftsfotograf finde ich Deine Aufnahme auf den ersten Blick bemerkenswert. Ich hätte ein paar Verbesserungs… ähm. Und dann sehe ich die Artefakte und die Farbsäume und frage mich: Was ist denn hier passiert? Weiterlesen

Waldweg:
Fotografisches Haiku

Der Wald ist uns lieb, aber als Fotomotiv eine echte Herausforderung: Man sieht ihn vor lauter Bäumen nicht. Dennoch gibt es Linien und Möglichkeiten für eine Komposition.

Waldweg in Schwarz-Weiss

Aufgenommen mit: Canon EOS 40D + Tokina 12-24 mm f/8.0; 1/160s; ISO 200; 12,0 mm

Dirk Altehoefer aus Wittenbach: Waldweg. Bearbeitet mit RawTherapee. Umwandlung in sw; Kontrast angepasst und dann das Format von 3:2 auf 4:3 zugeschnitten.
So wollte ich die Bildaussage verdichten.

Es ist schwierig, Wald gekonnt zu fotografieren (Affiliate-Link). Einmal, weil man sich gezwungenermaßen auf etwas konzentrieren muss, was aber eben ob der Bäume schwerfällt. Und außerdem, weil das Auge an nichts wirklich hängen bleibt. Man schwimmt visuell im Grünen, und das kann sehr schnell langweilig werden. Ich selbst fotografiere deshalb nicht oft Wald – ich möchte immer irgendwie jemanden mitten hineinstellen. Aber davon unten mehr. Weiterlesen

Baum mit Aussicht:
Mehr Überlappung

Landschaftsfotografie simuliert im Idealfall Tiefe durch Perspektive. Wenn man die Räume zu sehr trennt, kann das nicht gelingen.

Baum-mit-Aussicht

Baum mit Aussicht Fuji X-Pro2 1/210s bei Blende 9 mit 16mm Brennweite und ISO 200

Sven Koesling aus Untervaz schreibt: Dieser einsame Baum auf seinem Felsen fasziniert mich seit Jahren. Der Wind hat ihn so gebeugt, dass er einen rechten Winkel im Stamm hat. Für die Aufnahme habe ich mir einen Tag ausgesucht, an dem der Sonnenuntergang ein schönes Licht auf Stamm und Krone gibt.

Meinen Glückwunsch zu Deiner Beharrlichkeit, ein Motiv in der Landschaft über lange Zeit im Auge zu behalten und schliesslich zu fotografieren. Ich würde raten: Weiter machen, ausreizen, alle Varianten testen! (Affiliate-Link) Weiterlesen

Eiswürfel am Strand:
Kameratod mit Folgen

Manchmal erwächst aus Unglücksfällen Gutes. In Stefans Fall war der Unglücks- ein Fall der Kamera ins Wasser und das Gute die Fotografie, die deswegen einen Tag später entstand.

Canon 750D, Canon EF 17-40mm f/4 L , ISO 200, 27mm, f/8, 2,5s

Canon 750D, Canon EF 17-40mm f/4 L , ISO 200, 27mm, f/8, 2,5s

Stefan Wille aus Hannover schreibt zu diesem Bild:
Das Bild, aufgenommen an der Meeresmündung der Gletscherlagune Jökulsarlon in Südisland, hat eine wechselvolle Vorgeschichte: Am Vortag, noch bei herrlichstem Sonnenschein, habe ich es erstmals versucht, ein Foto von den Eiswürfeln auf dem schwarzen Sandstrand mit der verwischten Brandung zu schießen und dabei leider meine Kamera ins Wasser fallen lassen. Der Kummer war zunächst natürlich groß, aber meine Freundin schlug dann von sich aus vor, die 400km Fahrt nach Reykjavik auf uns zu nehmen, um eine neue Kamera zu besorgen. So kehrten wir dann am nächsten Nachmittag, nach 800km Fahrt, mit neuer Kamera zurück und fanden sehr isländisches Wetter vor. Hiervon zunächst ein wenig bedrückt ob der vergebenen Chance vom Vortag fiel mir aber sofort auf, dass die Eiswürfe wie auch die Eisberge in der Lagune vor grauem Himmel aus meiner Sicht deutlich besser zur Geltung kommen. So fand alles ein versöhnliches Ende, zumal auch die alte Kamera inzwischen wieder zu funktionieren scheint. Es gab nur sehr sehr kalte Füße an diesem wirklich magischen Ort.

Eine Schöne Geschichte, und das Happy End macht sie noch schöner. Wir sehen in dieser Farbfotografie fünf oder sechs Blöcke aus halbtransparenten, grünblauem Material, die auf einer dunkelgrauen, verwischt aussehenden Unterlage vor einem knapp erkennbaren Horizont und grauem, wolkenverhangenem Himmel liegen. Weiterlesen

Bachlauf-Foto:
Das Motiv isolieren

Landschaftsfotografie bietet viele Nischen für spannende Detailansichten – es muss nicht immer das Tal von vorne bis hinten sein. Gerade bei Wasserläufen ist wesentlich, dass sich der Fotograf für ein Motiv entscheidet.

Kamera: Canon EOS 600D Aufnahmedaten: 25/10s bei Blende 11/1 mit 104/1mm Brennweite und ISO 100

Canon EOS 600D, 2.5s bei Blende 11 mit 104mm Brennweite und ISO 100.

Fabian Rose aus Bingen: Diese Fot ist in unserem Urlaub im Harz entstanden. Es zeigt die Ilse etwas anders. Dies war mit der erste Versuch Bilder mit längerer Verschlusszeit und Stativ zu machen.

Ein Ausschnitt aus einem Bachverlauf zeigt diese Farbaufnahme. Der Fotograf scheint im Gewässer drin zu stehen und hat das Bächlein  aufwärts der Flussrichtung fotografiert. Ungefähr in der horizontalen Mitte der Aufnahme fliesst der Bach übher eine kleine Schwelle aus mehreren Steinen, von denen zwei mit herbstlich-buntem Laub bedeckt sind. Die Belichtungszeit hat das Wasser zu weissen Vorhängen verwischt. In den ruhigen Wasserpartien spiegelt sich ein eigenartig hellgrünes Licht. Weiterlesen

Steine, Meer, Himmel:
Mehr braucht’s nicht

Eine Landschaftsfotografie, die man aufgrund der Stimmung lange ansehen möchte, ohne dass besonders aufregende Motive enthalten sind, hat sie ihre Aufgabe erfüllt.

Canon EOS 60D, 30s, f/5, 10mm bei ISO 200 © André Kayser

Canon EOS 60D, 30s, f/5, 10mm bei ISO 200 © André Kayser

André Kayser aus Dortmund schreibt zu diesem Bild: Entstanden in einem Urlaub 2014.

Die Uferpartie an einem See oder am Meer, gesäumt von grossen Kieselsteinen und Felsbrocken. Dahinter die im letzten Abendlicht nach Sonnenuntergang gleissende Wasserfläche, aus der ebenfalls noch einzelne Felsen ragen. Im oberen Drittel des Bildes der Horizont, der von links mit einer ins Bild laufenden Hügellinie ergänzt wird, und darüber, am von altrosa nach blau verlaufenden Himmel ein paar in der Bewegung verwischte Wolken.

Zuallererst denke ich bei diesem Bild: Das reicht. Mehr braucht eine Landschaft nicht. Sie hat Tiefe, Farben, Lichtspiel und Details, die man sich ansehen kann. Weiterlesen