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Purismus oder Zukunft:
Wenn man zu sehr am Althergebrachten hängt

Neue Entwicklungen auf einem totgeglaubten Gebiet lassen dieses wiederauferstehen – aber nicht notwendigerweise in derselben Form. Das muss nicht schlecht sein.

My Favorite RV #4 - (c) Sofie Dittmann

My Favorite RV #4 – (c) Sofie Dittmann

Vor ein paar Wochen habe ich voller Enthusiasmus in der (mit Impossible nicht offiziell zusammenhängenden) Facebook-Gruppe, die sich den neuen Entwicklungen von Sofortbildfilm von Impossible Project verschrieben hat, Fotos eingestellt, die allesamt digital fotografiert und auf dem Instant Lab auf Color 600 beta abgezogen worden waren. Die Resultate hatten meine Erwartungen übertroffen, und wenn auch der neue Farbfilm in der entgültigen Version online gemischte Bewertungen bekommt – ich fand diese Bilder einfach klasse. Weiterlesen

Sofortbild 3.0:
Der neue Farbfilm von Impossible Project

Auf dem Weg, das Polaroidformat wiederzubeleben, hat Impossible Project eine wichtige Hürde genommen.

My Favorite RV #1/Mein Lieblingswohnmobil - (c) Sofie Dittmann

My Favorite RV #1/Mein Lieblingswohnmobil – (c) Sofie Dittmann

Vor nicht allzu langer Zeit hat mir Impossible zwei Pack Farbfilm (Color 600) zur Verfügung gestellt, die beide zwar nicht abgelaufen waren, aber dennoch bestenfalls „kreative“ Ergebnisse lieferten. Mit ihrem Farbfilm der dritten Generation (Affiliate-Link), den ich als Beta-Version verbilligt gekauft habe (ich bin Impossible-Mitglied, da geht das), hat sich das grundlegend geändert. Weiß ist zwar immer noch nicht wirklich weiß, aber die Farben – insbesondere die Blaus – sind, wie ich finde, ziemlich umwerfend. Weiterlesen

Leserfoto:
Der Urwald vor der Haustür

Eine Bildbesprechung rund um das Thema der Waldfotografie.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (x Bilder)

Ausgangsbild

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Unser Leser Stefan Wolf aus dem baden-württembergischen Gaggenau hat uns das obige Bild unter dem Titel „Wir sind Schwarz, wir sind Weiß, wir sind Grün” in der Kategorie ‚Natur/Tier‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Lieber Thomas, seit geraumer Zeit verfolge ich deine Bildkritiken mit großem Interesse und schätze deine Meinung und Expertise sehr. Bei dem eingereichten Bild gefällt mir persönlich sehr die Stimmung und die Farbe grün mit den unterschiedlichen Schattierungen. Bei der Komposition bin ich mir schon etwas skeptischer. Ich muss zugeben, dass ich mir nicht wirklich sicher bin, ob mein Bild genug ‚erzählt‘, oder lediglich eine Stimmung durch die Farbe transportiert. Das Bild entstand bei einem Besuch des Wackelwaldes nahe des Kurorts Bad Buchau. Der Wald wird sich selbst überlassen und durch seinen besonderen Untergrund kann man durch herzhaftes Springen schon mal den Boden und die umstehenden Bäume zum wackeln bringen – daher der Name. Die satte, größtenteils unberührte Natur in Kombination mit ein paar Songzeilen (siehe Bildtitel) eines Ohrwurms, der mir die letzten Tage durch den Kopf geisterte, manifestierten sich letztendlich in diesem Bild. Da ihr Rahmen nicht ausdrücklich verbietet, habe ich das Bild so eingestellt, wie es demnächst an meiner Wand hängen wird. Für mich funktioniert das Bild nur mit schwarzem Rahmen und weißem Passepartout. Ich bin gespannt auf deine Kritik. Viele Grüße Stefan … Technische Details: Canon EOS 5D MK II, mit EF 50mm bei f5.6 (Bei Bedarf kann ich die genauen EXIF-Daten nachreichen)”

Über seine Ausrüstung die verwendete Brennweite hatte Stefan bereits berichtet. Die Lichtsituation wirkt in dieser Szene überschaubar, so daß wir auf die Belichtungsdaten für diesmal wohl verzichten können – vermuten würde ich hier eine mittlere Blende und eine nicht unbeträchtliche Belichtungszeit; ‚Wald‘ verhält sich in fotografischer Hinsicht oft wie ‚Innenraum‘, wie bei Interesse auch in Abschnitt 3.2 meines Tutorials zur Waldfotografie nachzulesen.

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Ganz fair ist es ja nicht, daß Stefan mir ‚mit Lob derart das Hirn vernebelt‘. Da kann ich ja gar nicht anders und muß ‚in der Bildbesprechung alles geben‘ (oft falle ich auf diesen Trick aber nicht herein!) …

Zum anderen muß ich gestehen, daß auch mir ‚beim fotografischen Bäumchenzählen bisweilen ein Lied verkommt‘ – zumeist ist dies allerdings „Nous sommes deux. Nous sommes trois. Nous sommes mille vingt et trois” (‚Wir sind 2. Wir sind 3. Wir sind 1023‘), mit dem Moustaki und Theodorakis ab 1970 gegen das griechische Obristenregime mobilisierten. Ob und was nun ‚rote Fahnen und grüne Bäume‘ miteinander zu tun haben, das müßt Ihr – liebe Leser – schon selbst herausbekommen …

Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Unbenommen der eleganten Wirkung in der Präsentation (welches Rahmenscript ist das?) habe ich das Bild für unsere Arbeitszwecke (insbesondere für die Einmessung des Histogramms und die Überarbeitungen) nun doch aus dem digitalen Rahmen herausgenommen … Weiterlesen

Leserfoto – „Miss Elisabeth“:
Licht, Farben und Komposition

Auf Einzelheiten sollte man immer achten, auch wenn Handeln gefordert ist.

(c) Dirk Wenzel

… neulich im Nebel…

Was mir an Deiner Aufnahme sofort auffiel, waren die Lichtstimmung und die blassen Farben, die dem ganzen einen fast „altmeisterlichen“ Eindruck geben. Es hat das farbliche Flair mancher Werke von Caspar David Friedrich, und der Nebel im Hintergrund verstärkt diesen schwermütigen Eindruck noch. Es könnte ein fast perfektes Foto sein, das sich jeder Hundebesitzer einrahmen und an die Wand hängen würde. Bis auf eine Kleinigkeit. Doch zunächst zur Komposition. Weiterlesen

Leserfoto:
Naturspektakel mit I-Tüpfelchen

Erfrischende Urlaubsfotografie zeigt die heutige Bildbesprechung.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (5 Bilder)

Ausgangsbild

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Unser Leser Roman Piotrowski aus Potsdam hat uns das obige Bild unter dem Titel „Anzug und Natur” in der Kategorie ‚Natur/Tier‘ (auch ‚Landschaft‘ wäre natürlich möglich gewesen) zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Dieses Foto wurde am isländischen Wasserfall Gullfoss aufgenommen. Einige Menschen verließen den abgesperrten Weg, um sich mit dem Wasserfall im Hintergrund zu Fotografieren. Unter anderem auch die beiden im Bild zu sehenden Asiaten. Für mich war das eine sehr sureale Szene. Ein Anzugträger lässt sich vor solch einer Naturgewalt fotografieren. Das zweite was mir in den Sinn kam war das Klischee vom japanischen Touristen dem es um den Beweis des da seins mehr ging als um das erleben eines so gewaltigen Naturspektakels.”

Zur Aufnahme fand eine Canon EOS 600D mit Kitobjektiv Canon EF-S 18-55mm f/3.5-5.6 Verwendung. Die Brennweite betrug 55 mm (entsprechend 88 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6), die Belichtungsdaten waren 1/200 Sekunde bei Blende f/8,0 und ISO 100 .

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Bildbearbeitung:
Digitale Filmkornsimulation (2)

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einleitung
2. Das Problem des Bildrauschens
3. Die Haptik des Bildes
4. Das Phänomen der Kornschärfe
5. Der Aspekt des Stilmittels
6. Einbindung des beigelegten Aktionssets
7. Eine Beispielbearbeitung
8. Was noch zu sagen wäre …
9. Und noch etwas …

 

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6.Einbindung des beigelegten Aktionssets

Nach dem Herunterladen des Aktionssets und dem Abspeichern an einer möglichst wiederauffindbaren Stelle der Festplatte öffnet man Photoshop und wählt die Aktionsverwaltung über das Menü (Fenster: Aktionen) oder über F9 direkt aus. In dieser findet sich rechts oben ein kleines Icon mit einem Pulldownmenü und dort in der fünften Abteilung der Befehl Aktionen laden. Nun kann der Aktionsset ausgewählt und eingebunden werden, er steht nun zur Anwendung bereit. Weiterlesen

Amerikanische Fotografie:
Die (beinahe) ganze Geschichte

Wer sich von modernen Klassikern der amerikanischen Fotografie gerne inspirieren lässt, findet in diesem Sommer in München sein Zentrum. Dort wird (beinahe) die ganze Geschichte seit den Sechzigern vorgestellt.

Garry Winogrand: Los Angeles, California, 1969 © Estate of Garry Winogrand

Wir haben hier bei fokussiert.com die amerikanischen Klassiker schon verschiedentlich vorgestellt – von Lee Friedlander über William Eggleston bis jüngst zu Lewis Baltz. Die Münchner Pinakothek der Moderne führt sie nun (beinahe) alle in einer Ausstellung unter dem Titel „True Stories“ – wahre Geschichten – zusammen.

Das zentrale Interesse dieser seinerzeit jungen Fotografen, die sich seit den späten Sechzigerjahren mit der amerikanischen Lebensrealität auseinandersetzten, galt der American Social Landscape, wie die Pinakothek zur Ausstellung mitteilt. Sie entwickelten neuartige Stilmittel zwischen subjektiver Weltsicht, analytischer Bestandsaufnahme und konzeptuellen Strategien, die wir als „amerikanische“ Bildsprache empfinden. Die einen – wie Lee Friedlander, Garry Winogrand, Robert Adams oder Larry Clark blieben der Schwarzweißfotografie verpflichtet. Andere wie William Eggleston und Stephen Shore haben die Farbfotografie als künstlerisch eigene Ausdrucksform vorangetrieben. Die Ausstellung führt rund 130 Werke zusammen und spannt einen weiten Bogen: von der subjektiven Straßenfotografie der Sechziger und den sachlichen Landschaftsstudien der  New Topographics über die konzeptuellen Arbeiten von John Baldessari und Dan Graham bis zu dem erst vor wenigen Jahren entstandenen New York-Zyklus von Zoe Leonard.

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Hasselblad-Preis 2012:
Paul Graham

Der Brite Paul Graham erhält den Hasselblad-Preis des Jahres 2012. Über Jahrzehnte hinweg prägte und erneuerte er die politische und sozialdokumentarische Fotografie.

Paul Graham: Fulton Street 11th November 2009-11-29, from The Present © Paul Graham, 2009

Stephen Frears, Mike Leigh oder Ken Loach – sie stehen mit ihren Sozialdramen für das New British Cinema seit der Thatcher-Ära. Paul Graham steht in für die Fotografie dieser Linie.

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Landschaftsfotografie:
Ränder kontrollieren

In der Komposition von Landschaftsfotos spielt die Kontrolle der Bildränder eine grosse Rolle.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Dietmar Rieder).

Kommentar des Fotografen:

Diese Aufnahme ist im Oktober 2011 in den Tiroler Bergen entstanden. Nach längerer Zeit hatte ich wieder mal die Möglichkeit zum Fotografieren und passend zur Jahreszeit habe ich mir vorgenommen ein frabenkräftiges Herbstbild zu machen welches den Übergang von der warmen zur kalten Jahreszeit -im wahrsten Sinne des Wortes- wiederspiegeln soll. Ob und wie gut mir das gelungen ist würde ich gerne von einem geschulten Profi-Auge erfahren. LG

Peter Sennhauser meint zum Bild von Dietmar Rieder:

Eine Berglandschaft mit herbstlichen Lärchen spiegelt sich in dieser Farbfotografie in einem weitgehend ruhigen, grünblau schimmernden Bergsee. Dessen Ufer zieht sich dabei ungefähr in einem Drittel durch den unteren Rand des Querformats, die Gebirgskette dahinter steigt von links nach rechts an und lässt den Blick auf einen kleinen Anteil blauen Himmels frei.

Ein Klassiker, könnte man von diesem Bild sagen:

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Joachim Brohm:
Schwarzweiß? Farbe!

Anfang der Achtzigerjahre war die Fotokunst schwarzweiß. Joachim Brohm griff als einer der ersten die „neue Farbe“ aus Amerika auf.

Joachim Brohm: o. T., aus Ruhrstadt, 1988-92 © Joachim Brohm, VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Bis heute ist Joachim Brohm beim Farbbild geblieben. Das umfangreiche Werk aus dreißig Jahren können wir uns aktuell in Köln anschauen.

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