Tierfotografie:
Alle mal herschauen!

Für ausdrucksstarke Fotografie von Hunden braucht es eines von diesen Dingen: Geduld und/oder Ausdauer und/oder Dressur.

Hundegruppe, fotografiert im Studio.

Hundegruppe, fotografiert im Studio. © Claudia Portmann-Caminada Canon EOS 5D Mark III 180/s, f/9, 42mm, ISO 250

Claudia Portmann-Caminada aus Unterkulm schreibt zu diesem Bild: Hundefotografie im Studio. Hier ging es mir darum, die 6 Hunde der Besitzerin aufmerksam und als „one shot“ zu fotografieren. Eine Herausforderung.

Wir hatten hier vor einiger Zeit ein Hundefoto „Hundefotografie: Das Menschliche im Tier“ mit sehr vielen Kommentaren und Christian Bartusch zitierte Elliot Erwitt „…dass Hunde die besseren Models seien“.

Wenn man sich das Bild von Claudia ansieht und selbst einmal versucht hat, einen Hund unter Studiobedingungen zu fotografieren, kennt man die Herausforderung. Entweder bleibt er/sie nicht dort, wo der gewünschte Bildausschnitt zu der benutzen Brennweite passt, weshalb sie hier sicher auch ein Zoom benutzt hat (Brennweite 42mm legt das nahe), um flexibel zu sein, oder er sieht irgendwo anders hin als in die Kamera … Weiterlesen

Studiofotografie:
Stillleben mit Gouda

Was für ein ungehobelter Käse. Man kann originelle Ideen in Stilleben umsetzen. Da schaden auch ein paar Haken nichts.

Fotografie eines Hobels mit einem Gouda-Käse

Canon EOS 6D 4s bei Blende 16 mit 100mm Brennweite und ISO 100

Richard Rduch aus Krefeld schreibt zu diesem Bild: Foto aus der Serie TOOLS & FOOD. Es ist eine Reihe entstanden wo Werkzeug mit Essen dargestellt wird. Die Kombination, obwohl vielleicht etwas kurios und seltsam („man spielt mit dem Essen nicht“), soll ein Lächeln hervorzaubern. Außer Idee wäre mein Ziel auch die perfekte technische Darstellung. Ob mir das gelungen ist?

Farblich sehr ansprechend, leuchtet uns hier ein Käse entgegen. Ein paar Fragen wirft das Bild aber schnell auf – und nicht nur inhaltliche:

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Selbstporträt mit Wasser:
Ein langsamer Blitz

Wer kein Modell hat, muss sich was einfallen lassen – ein Selbstporträt unter der Dusche etwa. Diese Fotografie hier besticht als Low-Key-Aufnahme mit extrem nassem Wasser.

Canon EOS 60D, 50mm mit 1/250s bei F/4 mit und  ISO 100, © Manuel Stülten

Canon EOS 60D, 50mm mit 1/250s bei F/4 mit und  ISO 100, © Manuel Stülten

Manuel Stülten aus Hamburg: Ich beschäftige mich seit kurzer Zeit mehr mit der Portrait-/Peoplefotografie und habe im Zuge dessen auf unterschiedliche Weisen mit Wasser herumexperimentiert. Dieses Bild ist ein Selbstportrait, das mehr aus dem Fehlen eines Models entstand. Aufgenommen mit einem Blitz mit Standardreflektor und Wabe (Affiliate-Link) ohne zusätzliche Aufhellung in der heimischen Dusche.

Ein bärtiger junger Mann ist in dunkler Nacht in einen Platzregen geraten: Dieses Schwarz-Weiss-Foto zeigt das Gesicht des Mannes in Rembrandt-Beleuchtung von links. Der Mann blickt direkt in die Kamera. Sein Gesicht trieft von Wasser, das in wahren Sturzbächen vor allem von den Augenbrauen fliesst.

Aus technischer Sicht ist diese Aufnahme mehrfach interessant: Man kann sich fragen, wie Du es geschafft hast, den Fokus genau auf dem Auge zu setzen, und wie Du bei manueller Einstellung zur richtigen Belichtung gekommen bist. Du sagst, dass Du herumexperimentierst, und die Digitaltechnik lässt erfreulicherweise heute solche Experimente zu, bei denen man sich an das Resultat herantastet.

Was auffällt, ist die lange Belichtungszeit mit dem bereits in der Bewegung verwischten Wasser. Was das Bild zu einem guten Teil ausmacht, ist die Mischung der gestochen scharfen Tropfen, wie dem über dem rechten Auge oder des einen Rinnsals von Deiner Stirn, im Kontrast zu den Spritzern, die in der Bewegung völlig verwischt sind. Wenn man etwas kritisieren muss, dann sind es die Glanzstellen im Wasser, die vor allem auf der Stirn flächig werden und vielleicht mit einer anderen Stellung des Lichteinfalls hätten vermieden oder in der Nachbearbeitung eliminiert werden können.

ShowerShotglanz

Mich interessiert aber vor allem der Zusammenhang zwischen Belichtungszeit und Blitz. Eine zweihundertfünfzigstel Sekunde reicht aus, um fallendes Wasser zu verwischen. Aber ich hielt den Blitz für zu schnell, als dass das in so einem Bild möglich wäre:

Immerhin scheinst Du keine weitere Lichtquelle als den Blitz benutzt zu haben (wobei ich annehme, dass es in der Dusche nicht stockdunkel war). Nun ist es aber so, dass ein Elektronenblitz durchaus eine gewisse Dauer anhält. Selbst natürliche Blitze dauern ja lang genug, dass man sie mit Sensoren erfassen und die Kamera noch vor erlöschen des Blitzes auslösen kann.

Tatsächlich ist sogar die Intensität des Blitzes nicht in Form eines höheren Outputs einzustellen, sondern in der gleichen Intensität, aber über einen längeren Zeitraum, erklärt uns jedenfalls Sam in diesem Artikel über Blitz-Abrenndauer in seinem sehr interessanten Blog.

Ich Schliesse aus diesen Ausführungen, dass es innerhalb einer gewissen Bandbreite durchaus möglich ist, „Langzeitblitz“-Aufnahmen zu machen. Und zwar jenseits der Technik, bei welcher die Belichtungsdauer über den Blitz hinaus gestreckt wird und der Blitz so ausgelöst wird, dass er endet, wenn der zweite Vorhang fällt (rear flash). Gehen wir davon aus, dass fallendes Wasser mit 50mm bei einer 800stel Sekunde vollständig eingefroren wäre, dann hättest Du hier mit höherer ISO und/oder weiter geöffneter Blende und entsprechend eingestellter Zeit ein ganz anderes als das triefend nasse Bild erhalten. Vielleicht weiss jemand in der Leserschaft mehr dazu?

Womit ich nicht sagen will, dass diese Aufnahme nicht gefällt, ganz im Gegenteil. der Wassereffekt macht zusammen mit dem Low-Key ein Film-Noir-Foto daraus, das sofort auffällt.

ShowerShothoch ShowerShoteng ShowerShotaugen

Allenfalls kann man sich fragen, ob ein anderer Beschnitt das Gesicht nicht noch wirksamer werden liesse. Die Augenpartie ist nun mal das erste, was man anschaut, und dort hast Du mit den Tropfen einen starken Effekt erreicht, der beispielsweise vom Nackenansatz und der Ohrenpartie eher wieder abgeschwächt wird.

Auf alle Fälle kann man sagen, Du hast ein spannendes Setting für ein Shooting mit Modellen entdeckt. Ich kann mir vorstellen, dass eine Serie solcher Fotos mit verschiedenen Menschen äusserst einprägsam wirken würde.

Fragt sich nur, ob Du deine Modelle so ohne weiteres unter die Dusche kriegst.

 

Studiofoto:
Reduziert bis zuletzt

Reizvolles Experiment mit Licht, Glas und Wasser: Diese Fotografie erreicht Abstraktion durch Hyperrealismus.

Wasserglas, Studiofotografie

Wasserglas, Studiofotografie, NIKON D300, 1/100s bei Blende 7 mit 105mm Brennweite bei ISO 160, erzwungener Blitz. © Bernd Schösser

Bernd Schösser aus Hasselroth schreibt zu diesem Bild:
Die Idee hier war, ein Glas in seiner einfachsten Form als abstraktes Bild dar zustellen. Es sollten so wenige Elemente (Lichtreflexe) wie möglich im Bild erscheinen, die von der Form ablenken. So sollte es keine oder wenigsten nur sehr geringe Achsenfehler beim Glas geben. Ich meine damit, dass der vordere und hintere Glasrand / die Flüssigkeit sich decken sollten. Eine weitere Erwartung ist es, den Betrachter einen Moment mit einem doch „sehr einfachen“ Foto zum hinsehen zu locken.

Wir alle kennen das: Das kleine Vorschaubild einer Fotografie im Monitor der Kamera wirkt spannend und scharf – das originalgrosse Bild später ist technisch in Ordnung, aber verliert seine Wirkung mit der Grösse. Und dann gibt es den umgekehrten Effekt: Als Icon wirkt die Fotografie nicht als Blickfang. Ab einer bestimmten Grösse dagegen zieht sie alle Augen an.

Diese Farb-Fotografie eines Wasserglases, die praktisch keine Farben aufweist und nur von Form und Kontrast lebt, ist so ein Fall. Im rechten Drittel der vor einem grauen unendlich-Hintergrund (Affiliate-Link) aufgenommenenen Fotografie ist ein klares Wasserglas zu sehen, das mit einer ebenso klaren Flüssigkeit gefüllt zu sein scheint. Das Glas spiegelt sich im Vordergrund, die Spiegelung löst sich vor dem unteren Bildrand in einem Verlauf auf.

Ich mag mir nicht vorstellen, wie lange Du an dieser Aufnahme gefeilt hast: Wer schon mal versucht hat, die Lichtbrechung einer Flüssigkeit oder die Spiegelung in einem Trinkglas zu fotografieren weiss, dass der richtige Fokus und die Beleuchtung ein wahres Geduldsspiel sind.

Vom technischen Standpunkt ist zu bemerken, dass das Bild durchgehend scharf und dem Gegenstand oder der Absicht entsprechend korrekt belichtet ist.

Histogramm Wasserglas

Das Histogramm: Farbbild mit minimalsten bunten Pixelüberschüssen.

Dein Bemühen, die Perspektive exakt in der Achse des Glasrandes zu bringen, ist ebenfalls belohnt worden, und dank der relativ langen Brennweite von 105mm ist die „Draufsicht“ auf die unter dem Glasrand liegende Flüssigkeitsoberfläche und den Glasboden kaum, aber gerade noch so wahrnehmbar, dass die Fotografie erkennbar bleibt und nicht für eine Grafik gehalten wird.

In der Umsetzung scheinst Du aber alles genau darauf ausgelegt zu haben – und das macht die Wirkung der Fotografie aus: Sie ist in der Reduktion von Farbe und Licht dermassen radikal (und in der Komposition mit dem rechten Drittel zusätzlich in der Raumaufteilung), dass man unweigerlich genau hinschaut, um zu prüfen, ob es sich um Realität oder Synthetik handelt.

So, wie beim Leder kleine Narben auf die Natürlichkeit hinweisen, suchen wir in dieser Fotografie nach Hinweisen auf ein Lichtbild. Unreinheiten im Glas, ein Bläschen im Wasser – nichts davon zeigt sich. Dadurch wird die Darstellung abstrahiert: Sie wird zum Schatten und zur Lichtbrechung eines mit Wasser gefüllten Glases ohne dessen Charakter, ohne Fingerabdrücke, Spiegelungen, Farbeinflüsse.

Histogramm Farbe Wasserglas

Das Histogramm zeigt übrigens eine sehr ungewöhnliche Formation: Alle drei Basisfarben sind fast absolut identisch (aber nur fast). Damit handelt es sich um eine „natürliche Schwarzweiss-Fotografie“: Das Bild besteht nur aus identisch unterschiedlichen Helligkeitswerten aller Farben, was eben eine Abstufung von weiss bis schwarz ist. Du hast dem Bild also nicht die Farbe entzogen, sondern dem Motiv: Es gab keine Farbe im Setting. Das ist eine weitere Ebene der Reduktion und der Abstraktion.

Die fokussiert.com-Bildkritik ist die Besprechung einer von Leserseite eingesandten Fotografie. Sie zeigt Tipps und Tricks zu Technik, Komposition und Nachbearbeitung. Sie wollen dabei sein? Reichen Sie Ihre Fotografie ein. Oder buchen Sie eine private Kritik.

Ich würde mir vorstellen, dass die Aufnahme in hoher Auflösung, so gross wie möglich gedruckt, am besten wirkt: Wenn der unwillkürliche Versuch, eine Imperfektion zu finden, auch beim Herantreten an das Bild nicht erfolgreich wird. Oder, noch besser: Vielleicht eben doch, indem die nicht ganz symmetrische gleiche Dicke des Glases über dem Boden das Quäntchen Unregelmässigkeit bringt, das die Realität der rafischen Perfektion voraus hat.

Einziger Wermutstropfen ist für mich die vor dem unteren Bildrand auslaufende Spiegelung. Und zwar deshalb, weil wir diesen Effekt von allgegenwärtigen Grafiken und Icons auf dem Mac-Desktop und dergleichen kennen. Ich würde die Spiegelung deswegen entweder knallhart aus dem Bild laufen lassen. Oder ich hätte weiter experimentiert und versucht, sie insgesamt in den Frame zu setzen.

Jedenfalls bin ich froh, mir Deine Aufnahme schliesslich doch noch gross angesehen zu haben, denn in ihrer gesamten kalten, reduzierten Perfektion legt sie eine ganz andere Wirkung an den Tag.

Babyporträt:
Ein Wecker allein spannt nicht

Symbolhaftigkeit in der Studiofotografie darf nicht zu platt daher kommen – Experimente mit fremden Babys sollten dagegen letzteres nicht stressen. Diese Aufnahme ist wohl der Kompromiss aus beiden Grundsätzen. Allerdings müsste ihr deswegen nicht die Spannung fehlen.

Anna, das Baby im Korb

1 vor 18. © Christian Loose. Nikon D7000, 50mm, 1/160s bei 200 ISO und Blende f/5.6

Christian Loose aus Dortmund schreibt zu diesem Bild: Das Bild ist im Rahmen eines Babysittings für einen sehr guten Arbeitskollegen entstanden. Die Uhr zeigt die Geburtsuhrzeit und die Schnullerkette den Namen. Der Seeaufbau war recht simpel: Decke aufgespannt zur Hohlkehle unter Tageslicht – quasi günstiges Dauerlicht :-) Ich hatte es zuvor mit Gartenhintergrund versucht, aber das gefiel mir trotz Offenblende so gar nicht. Daher habe ich schnell zwei Stative mit Verbindungsstange aufgespannt und die Decke darauf fixiert. By the way: Die Halteklammern für den Hintergrund gibt’s für 1,50€/Stck im Baumarkt! Vielleicht nicht die hohe Schule der Fotokunst, aber ich denke, dass es sich für eine Bildkritik lohnt.

Ist das jetzt ein Stilleben mit Mensch? Ein Symbolfoto? Oder ein Situationsporträt? Es scheint auf jeden Fall die Zweckentfremdung eines Babysittings gewesen zu sein… Hoffen wir, Annas Eltern vertrauen Dir auch weiterhin. Zur Fotografie:

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Produktfotografie:
Spiel mit den Reflexionen

Ein Makro-Stillleben-Produktfoto mit Füllfederhalter: Bei Studioexperimenten kann man ideal mit Lichteinfällen üben. Man sollte sich aber nicht zu schnell zufrieden geben.

Parker Füllfederhalter auf Holztisch, Makrofotografie

NIKON D700 Aufnahmedaten: 1/200s bei Blende 11/1 mit 900/10mm Brennweite und ISO 200, © Matthias Bäuml

Matthias Bäuml: Das Bild entstand eigentlich beim herumexperimentieren. Zu den technischen Eckdaten: 90mm Makro Objektiv, Blende 11, Blitz (entfesselt). Mir gefiel die Struktur der alten Tischoberfläche im Kontrast zu dem Metall des Füllers. Da auf dem Bild nur klassische Gegenstände dargestellt werden, wie man sie schon seit Jahrzehnten hat, habe ich versucht dieses Look in Lightroom durch eine leichte Entsättigung, Modifikation der Gradiationskurve und hinzufügen einer Vignette zu verstärken.

Erstaunlich, wie sehr sich uns Markenembleme einprägen: Ich habe mich nie für Füllfederhalter interessiert, aber ich weiss sofort, was (Schleichwerbung ein) ein Parker und was ein Mont Blanc ist (Schleichwerbung aus – och nein, schalten wir noch einen Link: Hier zu Parker (Affiliate-Link), hier zu (Affiliate-Link)Mont Blanc)). So. Zur Bildbesprechung:  Weiterlesen