Beiträge

Schärfenverlagerung iPhone:
Eine Sache der Physik

Geringe Schärfentiefe bieten eigentlich nur sehr lichtstarke Objektive bei längeren Brennweiten – und in grossen Kameras. Der Effekt hängt nämlich auch mit der Sensorgrösse zusammen – und galt daher bisher für die winzigen Kameras in Smartphones als unerreichbar. Inzwischen schaffen sie’s doch – mit Software-Hilfe.

sttropez

Fred Germann aus Saarbrücken schreibt zu diesem Bild: Beim Sommerurlaub in St. Tropez aufgenommen, als Schnappschuss mit dem Iphone 6s mit dem Versuch der Schärfeverlagerung.

Achtung: Dies ist keine eigentliche Fotokritik. Ich fand Fred Hermanns Aufnahme einfach interessant, weil sie den Fokus (Tadaa!) auf einen grossen Unterschied der kleinen Handykameras zu den grossen Spiegelreflexkameras lenkt, den erst neue Software einigermassen zu überwinden weiss: Den Mangel der Kontrolle über die Schärfentiefe.  Weiterlesen

Vogelfotografie Albatrosse:
Im Gleichflug

Redundanz ist auch in der Tierfotografie ein tolles Stilmittel. Bedingung ist ein sehr bewusster und sorgfältiger – und bisweilen auch durch Glück perfektionierter – Einsatz der Schärfentiefe.

Vogelfotografie: Zwei Albatrosse

NIKON D5 Aufnahmedaten: 1/80s bei Blende 4.5 mit 400mm Brennweite und ISO 100 © Andreas Kleinkauf

Andreas Kleinkauf aus Beijing, Chaoyang District, P.R. China – Royal Albatross Centre, Dunedin (NZ)

Vögel im Flug stellen Fotografen vor ganz spezielle Herausforderungen: Man will ja nicht nur das isolierte Tier in der Luft inszenieren, sondern auch die Landschaft darunter. Das gelingt hier gut – dafür geht ein anderer Aspekt ein wenig schief.

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Miniatur:
Struktur statt Effekt

Reis-Terrassen, Weinberge, Ackerfurchen: Kulturlandschaften geben bisweilen grossartige Motive ab. Warum dazu noch einen technischen Spezialeffekt anbringen? Hier wäre das absolut nicht nötig.

Weinberg

Der Weinberg Panasonic Lumix DMC-FZ200 1/320s bei Blende 4 mit 13mm Brennweite und ISO 100 © Lukas Braun

Lukas Braun aus Stuttgart schreibt zu diesem Bild: September 2014, Weinberg im Ortenaukreis, bearbeitet mit Miniatureffekt

Faszinierende Fotografie kann auch schlicht auf Farben, Formen oder Strukturen basieren – Dir ist hier eine sehr ansprechende Aufnahme von Weinbergen gelungen. Mir erschliesst sich nicht, warum du darüber noch einen (schlechten) Effekt legen willst.

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Kontraste und Schärfentiefe:
Herausforderung im Siebentischwald

In dieser Waldfotografie kommen viele Schwierigkeiten zusammen: Sonnenflecken auf dem dunklen Waldboden, lange Belichtungszeit, erforderliche Schärfentiefe und die Bearbeitung in Schwarz-Weiss.

Canon EOS 40D, 1/10s bei Blende 3.5 mit 18 mm Brennweite und ISO 400 © Henryk Kutschke

Canon EOS 40D, 1/10s bei Blende 3.5 mit 18 mm Brennweite und ISO 400 © Henryk Kutschke

Henryk Kutschke schreibt zu diesem Bild:

dieses bild ist im august 2016 in augsburg entstanden. dieses bild besticht durch seine einzigartige anordnung der vogelhäuser und schafft eine besondere stimmung, die ich damit einfangen wollte.

Man kann dieses Bild unter zwei Aspekten sehen. Zum Einen als Dokumentation (einzigartige anordnung der vogelhäuser) und/oder als Fotografie (besondere stimmung). Wenn man davon ausgeht, dass es hier bei fokussiert.com um Fotografie geht, ist es auch nur sinnvoll, dieses Bild als solche zu betrachten und zu besprechen. Für eine Dokumentation würden die hier relevanten Aspekte keine Rolle spielen.

Durch den Beitrag von Darius Ortmann „Der Mythos vom guten Foto“ hatten wir in der letzten Zeit viele Diskussionen über „das gute Bild“ und ich möchte bei diesem Bild einige der diskutierten Überlegungen anwenden: Weiterlesen

Telefotografie:
Bewusst freistellen

Die Telefotografie eröffnet dank reduzierter Schärfentiefe Gestaltungsoptionen, die sonst nur mit Offenblende möglich sind. Jetzt geht es aber darum, diese Option zur Freistellung des Motivs ganz bewusst zu nutzen.

Telefotografie eines persischen Seidenbaumes

Der Seidenbaum – Canon EOS 5D Mark III , 1/30s bei Blende 9 mit 235 mm Brennweite und ISO 100. © Jan-Michael Buckowitz

Jan-Michael Buckowitz aus Dittelsheim-Heßloch: Nach einem kurzen Regen diesen Zweig mit Tele fotografiert (Südkorea). Ein hier häufig vorkommender Baum.

Was wir hier sehen, darüber können wir ebenso diskutieren wie darüber, was wir hier sehen sollen: Du nennst das Bild „Mimosa Strigillosa“, was aber eine eher blumenartige Pflanze aus Nordamerika ist. Ich halte das hier für den persischen Seidenbaum, ebenfalls eine Mimosenart, aber eine der bäumigen Sorte. Um die Pflanzenbestimmung geht es aber hier weniger als um den Einsatz der Schärfentiefe.

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Street-Fotografie:
Schärfentiefe Spiegelung

Die Diskussion über die Street-Fotografie ist in vollem Gange: Hier eine Aufnahme, die keine Gesichter zeigt, dafür technische und kompositorische Fragen nach der Schärfentiefe aufwirft.

Street-Fotografie Rushhour

Canon PowerShot G7 X Mark II – 1/20s bei Blende 2.8 mit 36mm Brennweite und ISO 200 © Michael Wagner

Michael Wagner aus Lilienthal schreibt zu diesem Bild: Ein regnerischer, trister Abend in Hannover, die Menschen eilen nach Hause, in den leeren Geschäften sind die Schaufenster noch erleuchtet. Diese Stimmung wollte ich im Bild festhalten und wählte den Bildausschnitt mit der Pfütze, in der sich das Schaufenster spiegelt. Die Umsetzung in SW soll die triste Stimmung des Regenabends verstärken.

Wo setze ich bei einer Spiegelung den Fokus: Auf das Objekt, das spiegelt, oder das, das sich darin spiegelt? Wie ist dabei mit der Schärfentiefe umzugehen?

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Fotografisches Stillleben:
Die Klosterküche

Die gegenständliche Fotografie soll entweder etwas dokumentieren oder Emotionen auslösen oder transportieren. Ein Stillleben versucht das eine über das andere zu erreichen.  Das gelingt hier aus simplen Gründen nicht.

Canon EOS 5D Mark III Aufnahmedaten: 1/10s bei Blende 28/10 mit 46/1mm Brennweite und ISO 5000

Küche, Santa Catalina Kloster, Arequipa, Peru. Canon EOS 5D Mark III 1/10s bei Blende 2.8 mit 46mm Brennweite und ISO 5000. © Benjamin Koenig

 

Benjamin Koenig aus Remchingen schreibt zu diesem Bild: Das Bild entstand im September letzten Jahres in Arequipa, Peru. Eine Küche im Kloster Santa Catalina. Ich weiß nicht genau warum, aber wenn ich die ca. 2000 Bilder der Peru Reise ansehe bleibe ich hier immer hängen. Für mich hat dieses Bild etwas absolut besonderes.

Ein angenehmes, warmes Bild,  das Gemächlichkeit, Nostalgie und Langsamkeit ausdrückt. Allerdings verstehe ich nicht, in welchem Zusammenhang. Und das ist fatal.

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Buick-Hochzeit:
Ein Spiegel ohne Inhalt

Bei Detailfotografien muss klar sein, was das Motiv ist, was es anzuschauen gilt – sonst wird die Aufnahme zum unfreiwilligen Wimmelbild.

Nikon D5200 Aufnahmedaten: 1/400s bei Blende 5/1 mit 250mm Brennweite und ISO 500 @ Patrick Geldmacher

Nikon D5200 Aufnahmedaten: 1/400s bei Blende 5/1 mit 250mm Brennweite und ISO 500 @ Patrick Geldmacher

Patrick Geldmacher aus Mühltal schreibt zu diesem Bild: Ein Freund von uns hatte für seine Hochzeit einen tollen, alten Buick mit dem das Brautpaar ein- und ausfuhr. Dieser war mit Blumen geschmückt, wie auf dem Bild zu sehen.

Deine Beschreibung trifft den Nagel auf den Kopf: Wir sehen, dass da ein Auto mit Blumen geschmückt ist. Aber mehr sehen wir nicht. Das kann nicht sein.

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Kein Fehler:
Das Motiv in der Unschärfe

Dass Fotografien als kleine Vorschauen oft ganz anders wirken als in der vollen Auflösung, ist seit dem Siegeszug der Digitalkameras mit ihren Bildschirm-Vorschauen jeder Fotografin klar. Dass der Effekt aber auch in „gross“ sehr reizvoll sein kann, zeigt diese Fotografie.

"Lost in Grass" – Kind im Gras in Botswana. Nikon D90 1/250s bei F/5.6 mit 200mm Brennweite und ISO 400 © Dirk Steffens

„Lost in Grass“ – Kind im Gras in Botswana. Nikon D90 1/250s bei F/5.6 mit 200mm Brennweite und ISO 400 © Dirk Steffens

Dirk Steffens aus Stuttgart schreibt zu diesem Bild: Mein Lieblingsfoto von meiner letzten Botswanareise. Ich war zu Besuch bei einer Gruppe von Locals. Das Kind spielte mit dem Stab, aber wusste schon gut damit umzugehen. Das Foto ist durch das hohe Gras aufgenommen.
Das Foto ist nicht bearbeitet – ich habe noch nicht die perfekte Lösung gefunden. Habt Ihr vielleicht einen Tip?

Wie oft habt Ihr auch schon beim Betrachten einer Vorschau auf dem Kamera-Monitor gedacht „Wow – Volltreffer“ – und zu Hause nach dem Download der RAW-Daten festgestellt, dass die Aufnahme als kleine Vorschau toll wirkt, aber in der vollen Auflösung nicht mehr funktioniert? Typischerweise stellt man dabei fest, dass die Schärfe nicht richtig gesetzt war – und obwohl das nicht der einzige Unterschied in den Bildformaten ist, handelt es sich doch nicht nur um einen typischen Effekt, sondern um einen, der mit der Physik zusammenhängt.  Weiterlesen

Libellenporträt:
Keine Amputationen

Mit dem Teleobjektiv lässt sich bisweilen statt Fernes auch Kleines ganz leidlich fotografieren. Wenn man allerdings in der Makro-Fotografie unterwegs ist, sollte man auch den kleinen Tieren keine Körperteile abschneiden.

Makrofotografie einer Libelle an einem Blatt

250/s bei F/3.5 auf 200mm mit 320 ISO. Canon EOS 6D mit EF70-200mm f/2.8

Lars Bewersdorff aus Hannover schreibt zu dieser Fotografie:
auf meinem Balkon, freihand

Wir bitten um einen Kommentar zum Bild, weil wir gerne einen Haufen Fragen zur Aufnahme ausräumen, die sich nicht mehr stellen, wenn man die Umstände und die Absicht kennt. Hier zum Beispiel wäre es gut zu wissen, wie der Gesamtausschnitt der Fotografie aussah und was genau die Absicht des Bildes ist.

Wir sehen in dieser Farbfotografie eine gestochen scharf abgelichtete Libelle unten an einem grünen Blattstengel. Sie hält sich mit den Beinen an dem Stil fest und hängt vertikal nach unten; Der Fokus liegt mit sehr geringer Schärfentiefe genau auf dem Tier, hinter dem sich das Blatt der Pflanze in der Unschärfe nach unten krümmt. Der Hinterleib der Libelle ragt aus dem Rahmen der Aufnahme. Die vier Flügel stehen im rechten Winkel vom Rumpf des Tieres gegen vorne und hinten in den Unschärfebereich hinein.

In technischer Hinsicht eine perfekte Aufnahme: Weiterlesen