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Schrill und spannend: Schwankende Gestalten

Mit Sonderausrüstung wie dem Lensbaby kann man spannende Motive weiter verfremden. Während dabei vielfach übertrieben wird, ist der Effekt hier zurückhaltend und Bildverstärkend eingesetzt.

Sony Alpha 57, Lensbaby Sweet 35, ISO 800, 1/5 sec, Blendenwert nicht gespeichert - wohl recht weit offen

Sony Alpha 57, Lensbaby Sweet 35, ISO 800, 1/5 sec, Blendenwert nicht gespeichert – wohl recht weit offen

H. Ullrich aus Marienthal: Das Bild ist an einem diesig-feuchten Winterabend an einer Haupverkehrsader in Mainz entstanden. Die Lichter der Straße wurden diffus in der feuchten Luft zu einer mystischen unwirklichen Welt gestreut. Das Lensbaby sweet 35 Objektiv tat das übrige. Ein Stativ hatte ich mal wieder nicht dabei, also habe ich mich für mehr Stabilität mit der Schulter an die Fassadenfront gepresst und die Spiegelung in der Fensterfläche gleich ins Bild mit aufgenommen… (Sony Alpha 57, Lensbaby Sweet 35, ISO 800, 1/5 sec, Blendenwert nicht gespeichert – wohl recht weit offen)

Was ich hier besonders toll finde? Dass man der Aufnahme nicht sofort anmerkt, dass sie mit einem Lensbaby (Affiliate-Link) geschossen wurde! Weiterlesen

Tordurchblick: Nachträgliche Linsenspiele

Die digitale Dunkelkammer gibt uns Möglichkeiten wie nachträgliches Unscharfmaskieren in die Hand. Diese Mittel sind aber mit Vorsicht zu nutzen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Rose - Marie Pawlitte).

Kommentar des Fotografen:

Bei diesem Bild gibt es viele Möglichkeiten der Interpretation, finde ich. Was diese Beiden verbindet….oder vielleicht nicht oder nicht mehr verbindet? Wer geht wohin? Bezüglich der Tonung fiel mir die Entscheidung zwischen s/w und dieser Tonung schwer. Bin auch jetzt nicht ganz sicher.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Rose – Marie Pawlitte:

Ein junger (?) Mann geht durch einen Torbogen im Gegenlicht auf einer Strasse auf einen zweiten Torbogen zu, der wie der innere Einlass eines Schlosses aussieht. Unser Blick fällt aus dem Dunkel des ersten Torbogens auf den Vorplatz, wo eine Frau auf das zweite Tor zugeht, ins dortige Dunkel und hinaus ins Licht dahinter.

Diese Aufnahme ist mir wegen der gelungenen Komposition in den Vorschauen aufgefallen:

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Tilt/Shift-Film „The Sandpit“: Miniatur-New York in 35’000 Bildern

Dieser wunderbare Fake-Tilt/Shift-Film, der New York im Sommer 2009 „en miniature“ zeigt, ist mit einer Spiegelreflex und der Intervall-Funktion entstanden. Das verleiht ihm zusätzlich einen Timelapse-Effekt.

Sam O'Hare: The Sandpit - Church Square, New York

Rund 35’000 Aufnahmen hat Sam O’Hare seiner Nikon D3 (und ein paar seiner D80) zugemutet, alle innerhalb von fünf heissen Tagen im August 2009, und daraus diesen schmucken Kurzfilm über den Sommer in New York produziert:

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Pseudo-Modellfoto: Smallgantischer Schlepper

Manche Bildmanipulationen spielen mit unserem gewohnten Sehen: Eine extrem niedrige Schärfentiefe bewirkt „Modell“-Eindruck – ganz einfach, weil solche Effekte bisher nur mit Makro- oder Tilt/Shift-Objektiven möglich waren.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Stefan K).

Peter Sennhauser meint zum Bild von Stefan K.:

Ein spannendes Hafen-Bild mit gut gewähltem Hintergrund für den Effekt, den Du darauf angewandt hast: Fake Miniature, Pseudo-Modell oder „Smallgantics“ heisst die Bildbearbeitungs-Technik unter anderem, die aus „normalen“ Fotos scheinbar Modellfotos macht. Ich komme weiter unten auf die Anwendung zurück.

Zunächst eine Bitte: Es ist nicht ganz fair und auch für Euch nicht hilfreich, wenn Ihr uns manipulierte Bilder ohne entsprechenden Hinweis zukommen lasst. Eine Beschreibung der Bildabsicht erhöht ausserdem den Nutzen der Kritik und macht den Kritikern den Einstieg leichter.

Nun zu diesem Smallgantics-Bild: Der Effekt wirkt hier in Deinem Bild aus zwei Gründen besonders stark:

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Nikkor PC-E 24 mm 1:3,5D ED im Test: Der Aufsteller

Es gibt Objektive, die möchte man unbedingt mal ausprobieren. Das Shift/Tilt PC-E NIKKOR 24 mm 1:3,5D ED ist so ein Fall: Zum Kaufen ist das Perspektiven-Korrekturobjektiv, das für Architektur und Landschaft geeignet ist, etwas zu teuer. Doch man kann ja mieten.

Das Nikkor PC-E 24 mm 1:3,5D ED (Bild: W.D.Roth)Das Nikkor PC-E 24 mm 1:3,5D ED ist eine sehr neugierig machende Linse: Es bietet einen starken Weitwinkel, als Perspektiven-Korrektur-Künstler aber noch mehr: Die beim Kippen entstehenden stürzenden Linien sollen sich durch die Kompensation mittels der Shift-Funktion wie bei großen Plattenkameras korrigieren lassen.

Ebenso kann die Schärfenebene mit der Tilt-Funktion geneigt werden, so dass ebenso geneigte Motivebenen von vorn bis hinten scharf werden.

Doch da gibt es ein Problem: Das edle Stück kostet über 2000 Euro. Die wollen erstmal verdient sein.

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Das Schlossbild: Architektur mit Anforderungen

Architekturfotografie hat spezielle Anforderungen. Einige Faktoren lassen sich dabei beeinflussen, andere nicht. Technische Hilfsmittel gibt es, aber sie sind teuer.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sascha Ronge).

Kommentar des Fotografen:

HDR Aufnahme bestehend aus 9 Aufnahmen (3×3). Aufgenommen mit der Canon EOS 350D und einem Standard-Objektiv von Sigma. Das Panorama zeigt das Schloss Solitude in Stuttgart.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Sascha Ronge:

Architekturfotografie kann bisweilen eine Herausforderung sein. Eine der größten Schwierigkeiten ist die Beleuchtung:

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Test Lensbaby (2/2): (Un-) kontrollierte Schärfenebene

Lensbaby ist ein gut gewählter Name für dieses simple Tilt/Shift-Objektiv: Es ist kein Stück Hightech-Glas, sondern eine fröhliche Kreativ-Scherbe. Leider entstehen die kreativen Bilder meist mehr aus Zufall als aus der Planung.

lensbaby Test: Das Augenmerk richtet sich aufs Segelboot.
Simpler Lensbaby-Effekt: Das Augenmerk richtet sich automatisch auf das Segelboot. (Alle Bilder © PS/fokussiert.com)

Das Lensbaby hat viele Fans, und ich bin sicher, dass sich der eine oder die andere gleich zu Wort melden und mein Fazit als unseriös bezeichnen wird (siehe zweitletzten Absatz). Insgeheim hoffe ich das sogar:

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Test Lensbaby (1 von 2): Das Frankenstein-Objektiv

Lensbaby ist das Tilt/Shift-Objektiv für Arme, das Anti-Scheimpflug-Effekte mit jeder Spiegelreflexkamera erlaubt. Das neue Modell der dritten Generation ermöglicht Feineinstellungen dank Feststellschrauben. Wir haben es getestet.

Lensbaby auf der Nikon D200. Ein echter Hingucker. (Bilder: PS/fokussiert.com)

Lensbaby auf der Nikon D200. Ein echter Hingucker. (Bilder: PS/fokussiert.com)

Schön ist es jedenfalls nicht. Das Lensbaby sieht aus wie Frankensteins Objektiv – oder wie ein chirurgisches Instrument zur Fixierung von Wirbelsäulen. Aber damit finden wir uns ab, schliesslich dient das Objektiv auch dazu, geradezu „abartige“ Bilder zu schiessen:

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Nikkor PC-E 24mm 1:3,5D ED: Schräge Sache

Nikons PC-E – Objektive für Spiegelreflexkameras ermöglichen Tilt/Shift-Operationen für die Korrektur von stürzenden Linien und Tiefenschärfe-Effekte (Anti-Scheimpflug).

PC-E NIKKOR 24mm f3 Tilt/Shift Antischeimpflug Objektiv
Lens, Baby! Das neue Nikkor-Tilt/Shift-Objektiv PC-E 24mm 24 mm 1:3,5D ED schwenkt das Linsensystem bis zu 8.5 Grad in zwei Richtungen. (Bild Nikon)

Um ehrlich zu sein: Ich wusste nicht mal, dass es Tilt/Shift-Objektive für Spiegelreflexkameras (Affiliate-Link) gibt. Ich glaubte, die Anti-Scheimpflug-Technik sei den Fachkameras mit flexiblem Balg oder den „Lensbabies“ (als Behelf für Amateure, die sich keine Fachkamera leisten können) vorbehalten.

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Antischeimpflug: Effekte mit schräger Schärfe

Die Schärfe einer Fotografie liegt (üblicherweise) in einer Tiefenebene parallel zum Film/Sensor. Mit Fachkameras oder Spezialobjektiven lässt sie sich manipulieren und verläuft dann beispielsweise „schräg“ durchs Bild.

thomasrathay.jpgDie Scheimpflugsche Regel besagt, dass sich die Bild-, Objektiv- und Schärfeebene in einer gemeinsamen Schnittgeraden schneiden müssen, damit alle Objekte der Schärfeebene (auch Projektions-, Objekt- oder Gegenstandsebene genannt) auf der Bildebene scharf abgebildet werden. Sie wurde 1907 von dem österreichischen Offizier und Kartographen Theodor Scheimpflug (1865–1911) entwickelt.

Grade in der Architekturfotografie spielt sie eine grosse Rolle: Um stürzende Linien, verzerrte Kanten und abfallende Schärfe an langgestreckten oder hochaufragenden Gebäuden zu vermeiden, braucht man eine Kamera, deren Bild- und Objektivebene nicht zwingend parallel zueinander stehen müssen. Spezialobjektive dafür gibts auch für die digitale Spiegelreflex (siehe unten).

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