Top Wir möchten Euer Feedback! 

Peter Sennhauser

Ein Ziel der Umgestaltung von fokussiert ist eine stärkere Einbindung unserer Leser. Eure Ideen sollen die künftige Richtung von fokussiert mitbestimmen – was haben wir bisher gut gemacht? Was möchtet Ihr hier lesen? Möchtet Ihr mitschreiben?

Ideen für Inhalte sind etwa außer den bisher veröffentlichten Bildkritiken und Tutorien:

  • Portfolio-Reviews
  • How-to Videos
  • Video-Bildkritiken
  • Besprechungen von Ausrüstung, Software oder ähnlichem
  • Mehrteilige Video-Workshops zu Themen wie Aufbau eines Fotoblogs, Bilderverkauf, Bildbearbeitung und so weiter
  • […]

Wenn wir auch nicht notwendigerweise des Geldes wegen weitermachen, müssten dennoch bestimmte Inhalte, die viel Zeit in Anspruch nehmen (persönlicher Portfolio-Review etwa), gegen ein Entgelt angeboten werden; denkbar wäre auch eine Premium-Mitgliedschaft, die dann den Zugriff auf zusätzliche Inhalte und/oder eine Verbilligung anderer ermöglichen würde. Neben einiger weniger Sponsoren könnten wir so das Blog außerdem frei von lästigen Anzeigen halten. Was haltet Ihr davon?

Bitte nehmt Euch ein paar Minuten Zeit und füllt den kurzen Fragebogen aus, den wir auf SurveyMonkey erstellt haben, damit wir Eure Wünsche in unsere Planungen mit einbeziehen können. Alternativ könnt Ihr uns selbstverständlich auch untenstehend Kommentare hinterlassen.

(Wenn wir auch die eigentlichen Umfrageergebnisse nicht veröffentlichen werden, werdet Ihr an den Neuerungen merken, dass wir zugehört haben.)

 

Leserfoto:
Versunken im Tanz

Eine verdichtete Bildbetrachtung.

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Jonathan Kopf aus Stuttgart hat uns das obige Bild unter dem Titel „el niño” in der Kategorie ‘Street/Strasse’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Der Junge, welcher in sich selbst versunken in den Gassen des Barri Gotic Barcelonas vor sich hin tanzte, faszinierte mich sofort. Durch die Perspektive zwischen den Mauern hindurch habe ich versucht der Situation einerseits Tiefe zu verleihen, andererseits das ‘einsame’ Tanzen des Jungen herauszustellen. Aus einer Serie von Bilder habe ich dann das herausgesucht, in welchem er sich in der Pfütze spiegelt. Tipps würden mich vor allem hinsichtlich EBV interessieren – einerseits fand ich Schwarz-Weiß besser um die Grundstimmung des Bildes zu unterstreichen, andererseits geht der Junge dann aufgrund fehlender Helligkeitskontraste fast unter. Da auf mich reines Color-Key irgendwie billig wirkt, habe ich mich für einen Mittelweg entschieden und alle Farben außer Blau stark, aber nicht ganz entsättigt. Wie hätten Sie das Bild bearbeitet? Auch über Tipps zum Fotografieren selbst würde ich mich freuen, auch wenn man bei Street ja ohnehin kaum Vorbereitungszeit hat…”

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Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Die Faszination der Szene mit dem ‘im Tanz versunkenen Jungen im Hinterhof der alten Stadt’ konnte ich nach der obenstehenden Beschreibung unmittelbar nachempfinden.

Wie Jonathan sehe ich aber auch die Schwierigkeiten des Bildes …

Zum einen ist da jene von links bis fast zur Bildmitte hineinreichende Mauerkante, die als Symbolisierung der versteckten Beobachterwarte des ‘Flaneur photographique’ durchaus zulässig und wirksam ist, doch eben auch ‘wie ein Brett vor dem Kopf’ erscheinen kann.

Zum anderen (und fast noch gravierender) ist die geringe Figur-Grund-Differenzierung des Jungen anzuführen, der tonal eher mit der Straßenflucht verschmilzt wie daß er sich von dieser abhebt.

In der Überarbeitung setzte ich auf eine Schwarzweißkonvertierung und die Möglichkeiten von Silver Efex Pro. Dies ist ein ursprünglich von Nik und mittlerweile von Google vertriebenes und erschwingliches Photoshop-Plugin und mein Standardprogramm für solche Bearbeitungen. » weiterlesen

Leserfoto:
Schlaflos

Eine verdichtete Bildbetrachtung.

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unsere Leserin Tatjana Butschik aus dem niedersächsischen Hildesheim hat uns das obige Bild unter dem Titel „Schlaflos” in der Kategorie ‘Schnappschuss’ (auch ‘Nacht’ wäre möglich gewesen) zur Besprechung eingereicht.

Sie schreibt dazu: „Mit meiner Nikon D5100 und dem 18-105 Kitobjektiv wurde ich von der Momentmagie angezogen, als Schneeregen nachts auf die Autodächer fiel und das Laternenlicht sich milchig auf den Straßen spiegelte. Der letzte Schatten irrte durch die Gassen, es wirkte leicht unheimlich, die Schritte hallten in meinen Ohren und ich sah durch den Sucher meiner Kamera zu.”

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Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Tatjanas sehr poetische und bildhafte Beschreibung ließ mich das Potential dieser Szene erahnen – das Bild quasi ‘eher spüren wie sehen’, denn auf der Fotografie selbst fand ich dahingehend zunächst wenig, nur schwarze Fächen und helle Punkte, abgebildet.

Mein nachfolgender Workflow ist ein Versuch, Tatjanas Bildabsicht nachzuempfinden und bildhaft umzusetzen. Zum Aufnahmesetup möchte ich noch kurz ‘1/60 Sek bei ISO 14368′ erwähnen – so etwas geht, wie man sieht … » weiterlesen

Leserfoto – „Nordische Reise“:
Mut zur Nachbearbeitung

Es ist nichts Falsches dabei, mit einem experimentellen Foto (oder an sich) weiter zu experimentieren, denn nur so lernt man und entwickelt sich weiter.

(c) Christoph Derganc

(c) Christoph Derganc

Dieses Bild ist mir zwar leider nur mit meinem Smartphone geglückt, zu schnell war die Situation in einem überfüllten Passagierbus bei der Landung in Helsinki wieder vorbei. Es blieb keine Zeit, eine bessere Kamera zu zücken. Was mir persönlich gefällt, ist das Ineinanderfließen von Grau- und Blautönen, welches lediglich von der einzigen Person auf dem Bild in neongelber Weste und dem neon-Orange des Positions-Hütchens unterbrochen wird. Durch die regennasse Scheibe wirkt das Bild zwar unruhig und nicht “auf den ersten Blick erfassbar”. Das finde ich jedoch gerade interessant, dass man einzelne Details (Flugzeug-Flügel inkl. Schatten, Passagierbrücke, Passagierbus links, die Person im Bild etc.) “hintereinander” anschauen muss, um die Gesamtsituation zu erfassen. Das Bild ist bis auf eine Auto-Korrektur-Funktion, die etwas Grauschleier entfernt hat, unbearbeitet. Ich würde mich über eine fachlich kompetente Beurteilung freuen, eventuell auch um Verbesserungsvorschläge.

Ich hätte diesen Beitrag beinahe mit „Mut zur Schliere“ überschrieben. Seit Jahren beschäftige ich mich mit Effekten, die mit Wassertropfen und anderen „Filtern“ dieser Art spielen. Was dabei herauskommen kann, ist faszinierend. Du bist den Weg zur Hälfte gegangen, und im folgenden werde ich Dir hoffentlich Anregungen geben, ihn weiter zu gehen.

Aber zunächst zu Deinem Foto: Mir gefällt das Spontane, Experimentelle dieses Bildes. Womit es schlußendlich entstanden ist, ist Nebensache; Dein Nokia hat eine gute Kamera.

Du bist in einem Flughafenbus gesessen, draußen regnete es und Dich interessierten die blassen Farben und teilweise leicht unscharfen Formen, durchbrochen von wenigen Details und einigen Farbtupfern. Man sieht auf den ersten Blick rechts ein Flugzeug mit angedockter Treppe, links einen blauen Bus. Der Flügel der Maschine spiegelt sich auf dem regennassen Beton, einige Personen sind zu sehen. Weiterhin fällt die Spiegelung des Fensters hinter Dir in der Scheibe vor Dir auf. Eine Momentaufnahme.  » weiterlesen

Leserfoto:
Im Streben nach den Vorbildern

In der Entwicklung der eigenen Bildsprache kann die Auseinandersetzung mit Vorbildern ein wichtiger Zwischenschritt sein, wie die heutige Bildbesprechung aufzeigen möchte.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (5 Bilder)

Ausgangsbild

Ausgangsbild

Unser Leser Andreas Peters aus Altbüron im Kanton Luzern hat uns das obige Bild unter dem Titel „Haus in Oia (Santorini)” in der Kategorie ‘Architektur’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Die Aufnahme erfolgte mit einer Sony Alpha 65 mit Carl Zeiss DT 16-80mm F/3.5-4.5 Objektiv. Es zeigt das durch George Meis berühmt gewordene Haus in Oia. Dieses ist heute ein Appartement, welches an Touristen vermietet wird. Als langjähriger George Meis Fan habe ich das Haus anhand vieler Oia Aufnahmen lokalisieren können und bei meinem Santorini Besuch im September auch sofort gefunden. Beim Besuch hat mich der Japaner, der das Apartement mit seiner Frau bewohnt hat, auch freundlich reingelassen, um ein paar Aufnahmen zu machen. Das Bild wurde lediglich leicht an der Türe retouchiert, weil dort die Lehne eines Stuhls störte (und ich konnte den Japaner schlecht bitten erst einmal seine Terasse aufzuräumen bevor ich Bilder machen konnte)…”

Über seine Ausrüstung hatte Andreas bereits berichtet. Die Brennweite betrug 16 mm (entsprechend 24 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1,5), die Belichtungsdaten waren 1/800 Sekunde bei Blende f/8,0 und ISO 100.

Andreas versteht seine Arbeit auch als eine Hommage an den von ihm bewunderten George Meis und dessen Bild vom gleichen Motiv. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. » weiterlesen

Fokussiert in neuen alten Händen:
Danke, wir machen weiter!

Seit ich hier auf fokussiert.com wieder regelmässig reinschaue, freue ich mich darüber, dass ein spürbarer Teil der Leserschaft wünscht, dass das Blog weitergeführt wird. Nun, mir geht es auch so.

Peter Sennhauser Ich freue mich deshalb umso mehr, anzukündigen, dass es weitergehen wird: Ich habe das Blog von Blogwerk/Weka Media übernommen. Als wir bei Blogwerk uns vor mehr als sieben Jahren entschlossen, noch ein Fotoblog zu lancieren, stand im Zentrum des Konzepts die Idee, eine Anlaufstelle für Fotografinnen und Fotografen zu werden, die mehr als “Likes” möchten, die sich einer Diskussion ihrer Arbeit stellen und daraus lernen oder auch andern etwas mitgeben wollen.

Dass das ein Bedürfnis war, zeigte das rasche Wachstum des Blogs; dass es noch eins ist, zeigen Reaktionen in der Kommentarspalte nicht erst seit der Ankündigung der Schliessung von Blogwerk.

Versprechungen sind eine heikle Sache, und ich will nicht zuviel versprechen – aber das hier geht:

» weiterlesen

Leserfoto:
Kirche in blauer Stunde

Heute wollen wir eine recht ansprechende Aufnahme – nach Bekunden des Fotografen eine ‘Premiere in der Nacht- und Architekturfotografie’ – analysieren und weitere Entwicklungsschritte diskutieren.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (7 Bilder)

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Moritz Griebl aus dem niederbayerischen Vilshofen an der Donau hat uns das obige Bild unter dem Titel „Kirche in blauer Stunde” in der Kategorie ‘Architektur’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Hallo zusammen, habe dieses Bild während einer Reise durch Albanien im Sommer 2013 aufgenommen. Es war für mich eine fotografische Premiere in vielerlei Hinsicht. Zum einen entstand dieses Bild erstmals für mich auf einer Reise mit ner DSLR, nämlich mit der Nikon D5100. Zum anderen berührt dieses Bild gleich 2 Genres in denen ich völliger Neuling bin (hört sich jetzt so an als wäre ich in anderen Genres schon sehr erfahren, was aber auch nicht stimmt :-)), nämlich der Fotografie in der Blauen Stunde, also Langzeitbelichtungen und Architekturfotografie. Mir gefällt der Komplementärkontrast zwischen dem Blau des Himmels und den Orangtönen der angestrahlten Kirche und auch die Dynamik der vorbeiziehenden Wolken, die dem Bild meinermeinung nach Tiefe verleihen. In der Entwicklung in Camera Raw sowie in der Nachbearbeitung wurde das Bild in den Flächen leicht entrauscht, Kontraste etwas angezogen, insbesondere in den Wolkenstrukturen und es wurde nachgeschärft.Kameradaten waren: Nikon D5100, mit dem Nikkor AF-S DX 18-105mm f3,5-5,6 ED VR Objektiv, bei 21mm (entspricht 31mm Kleinbild) Brennweite; Belichtungszeit 13 Sekunden bei f25 und ISO 100. Für eine Kritik, die mich fotografisch, aber auch in der Bearbeitung weiter bringt wäre ich sehr dankbar.LG Moritz”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Moritz bereits berichtet. » weiterlesen

Leserfoto:
Ein Schiffswrack wie ein Fabelwesen

Auch Unbelebtes läßt sich ‘porträtieren’, wie die heutige Bildvorstellung aufzeigen möchte.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (6 Bilder)

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Bernard Ksiazek aus Gießen hat uns das obige Bild unter dem Titel „Verlassenes Schiff” in der Kategorie ‘Landschaftsfotografie’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Dieses Schiff habe ich auf meiner Fototour auf Island (Akranes) entdeckt. Es hat mich durch seinen heruntergekommen Zustand direkt in seinen Bann gezogen. Obwohl es nicht mehr seetauglich scheint, hat es nichts von seinem Glanz verloren. Canon 6d F/7.1 1/40s Iso 500 24mm”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Bernard bereits berichtet. Weitere Details des hier verwendeten 24-70-Zoomobjektivs (Canon, Sigma, Tamron?) sind hier nicht bekannt. Zu ergänzen wäre noch, daß die abgelesene Brennweite beim hier verwendeten Vollformat auch der kleinbildäquivalenten entsprach.

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Bernard Ksiazek: 'Nachdenklicher Affe'

Bernard Ksiazek: 'Nachdenklicher Affe'

Manchen unserer Leser mag Bernard mit seinem feinfühligen Tierporträt (siehe nebenstehendes Bild), welches wir im Mai 2013 hier besprochen hatten, in guter Erinnerung geblieben sein.

Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente der heutigen Arbeit.

Komposition (siehe dazu untenstehende, gleichnamige Bilder):

Wir sehen ein 2:3-Hochformat mit einem aufgebahrten Schiffswrack vor tiefem Horizont und dramatischer Landschaft.

Besagtes Schiffswrack ist unzweifelhaft das Motivzentrum. Fast bildfüllend bietet es immer noch einen imposanten Anblick, zugleich entstehen ‘Assoziationen in Richtung eines Fabelwesens, Helms oder Gesichts’ mit zwei Augen (rote Linien ebd.), Nasenrücken und Stirnansatz (orange Linien ebd.) sowie Kinnpartie und Haaransatz (gelbe Linien ebd.).

Quer- und ins Bild hineinlaufende Schienenstrukturen werden am unteren Bildrand erkennbar, des weiteren zwei geschichtete Holzstapel, welche das Schiffswrack tragen (grüne Linien ebd.).

Der Horizont liegt sehr tief, so daß aus solcher Untersichtanmutung das porträtierte ‘Schiffsfabelwesen’ noch mächtiger bzw. sogar bedrohlich wirkt (blaue Linien ebd., siehe dazu ggf. auch den zweiten Teil meines Tutorial ‘Porträtfotografie’).

Die Konstruktion ist nicht ganz exakt, die Abweichung nach rechts bereits mit bloßen Auge erkennbar. Darüber hinaus werden harmonische Linien und Kreuzungen des Goldenen Schnitt von bildwichtigen Strukturen nicht berührt (türkisfarbene Linien ebd.).

Die Blickführung gestaltet sich als ‘mächtige Aufwärtsbewegung’ von den tragenden Schienen über die Bugkante zum Himmel (violetter Pfeil ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm zeigt sich linksversetzt bei einem Median von etwa 85, dabei aber normalverteilt mit geringfügigen, den Gesamteindruck nicht weiter störenden Tonwertabbrüchen im Schattenbereich des Schienenunterbaus.

In der Spreizung der Tonwerte bleiben Möglichkeiten ungenutzt, das Bild wirkt insgesamt ‘auf düstere Art etwas flau’ – der Bodenbereich und das Schiffswrack beschränken sich auf die Zonen I bis V bzw. VI, die Himmelsbereiche auf die Zonen III bis VII bzw. VIII.

Farben:

Rötliche Brauntöne (‘Rost’) im Schiffsrumpf kontrastieren mit dem dunklen Himmelsblau, welches sich (sei es als Spiegelung oder verwitterter Farbanstrich) wiederum auf Teilen des Wracks wiederfindet.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Bernard ist der Verdienst zuzusprechen, das Potential der Szene erkannt und im Sinne eines Untersichtporträts auch wirkungsvoll angegangen zu haben.

So gut das Konzept auch ist, die Umsetzung mit der Dislozierung des Hauptelements und der naturalistisch-flauen Anmutung erscheint aus meiner Sicht nicht optimal – es fehlt mir Dramatik, es wirkt zu brav, fast ‘zu sehr touristisch mitgenommen’.

In der Überarbeitung (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) habe ich durch entsprechenden Beschnitt das Schiffswrack ins Zentrum und dessen ‘Augen’ in den Goldenen Schnitt gebracht.

Im Zuge der skizzenhaften Schwarzweißkonvertierung (bitte nicht mit der einfachen Graustufenumwandlung der illustrierenden Abbildungen verwechseln) geriet der Himmel dunkler, so daß das zugleich aufgehellte Schiffswrack nun vor diesem ‘leuchtend hervortreten’ kann.

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Bildteil:

Komposition: Darstellung der Bildkonstruktion

Komposition: Darstellung der Bildkonstruktion

Komposition: Darstellung der Grundelemente

Komposition: Darstellung der Grundelemente

Komposition: Darstellung der Blickführung

Komposition: Darstellung der Blickführung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Überarbeitung: Neukonstruktion nach Beschnitt

Überarbeitung: Neukonstruktion nach Beschnitt

Überarbeitung: Schwarzweißkonvertierung

Überarbeitung: Schwarzweißkonvertierung

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung

 

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In der Rubrik ‘Bildkritik’ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.


Leserfoto:
1000 Sonnen

Eine verdichtete Bildbetrachtung.

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Heiko Rau aus dem württembergischen Hattenhofen hat uns das obige Bild unter dem Titel „1000 Sonnen” in der Kategorie ‘Abstraktion’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Hallo, nach heftigem Regen kam am Abend noch die Sonne durch die Wolken. Zuerst wollte ich ein Bild vom ganzen Fenster machen, denn die Tropfen, die am ganzen Fenster hingen, schienen wie viele kleine eigene Sonnen. Ich bin immer weiter ins Detail gegangen und habe am Schluss das 55-200 rausgeholt um einen möglichst kleinen Ausschnitt zu erhalten (ein Makro fehlt leider noch…). Jetzt wiederholt jeder Tropfen die Szene vor dem Fenster. Es hat mich überrascht, wie schnell die Sonne sinkt und wie wenig Zeit ich hatte, mich um Ausschnitt und Hintergrund zu kümmern. Es gibt auch noch eine Aufnahme mit komplett orange-farbenem Hintergrund, doch diese hier gefällt mit dem kühlen oberen Bereich besser. Weil ich wegen der Hintergrundfarben schräg durchs Fenster fotografieren musste, sind wegen der Kombination aus kürzestmöglicher Entfernung und längster Brennweite leider die Tropfen rechts und links in die dann unvermeidbare Unschärfe geraten (Danke übrigens Thomas für das Tutorial über die Schärfentiefe neulich :-) ). In der Nachbearbeitung habe ich 2-3 Staubkörner des Fensters weggestempelt und die Farben intensiviert. Was hätte man technisch (Makro?) und gestalterisch (nicht schon wieder ein quietschbunter Sonnenuntergang?) besser machen können? Vielen lieben Dank vorab, Heiko”

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Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Betrachten wir zunächst die Aufnahmedaten: ‘300 mm kleinbildäquivalenter Brennweite, eine Belichtungszeit von 1/125 Sek bei Blende f/5,6 und ISO 100′ sprechen eindeutig bzw. wahlweise für …

  1. eine ‘feste Betonhand’,
  2. einen ‘hochwirksamen Bildstabilisator’,
  3. eine ‘nützliche Auflage’ der Kamera (oder)
  4. noch anderes, was mir gerade nicht einfällt …

Heikos Dilemma ist nachvollziehbar – in der Aufnahmesituation herrschte offensichtlich geringes Licht, weswegen er eine offene Blende wählte, was natürlich die Problematik der geringen Schärfentiefe verstärkt und die seitlichen Bildpartien (durch die Schrägaufnahme) in relativer Unschärfe beläßt.

Doch sollten wir uns darin nicht verbeißen – gerade der abstrakte Charakter des Bildes scheint mir geeignet, über das genannte Dilemma wohlwollend hinwegsehen zu können.

Auch Heikos Besorgnis („nicht schon wieder ein quietschbunter Sonnenuntergang”) möchte ich energisch entgegentreten. Über dieses Thema hatte ich mich ja in meinem Tutorial ‘Folgt dem Untergang der Sonne derjenige der Fotografie auf dem Fuße?’ weitschweifig ausgelassen. Der Bildwitz dieser Aufnahme (daß also so etwas Großes, Mächtiges und Einzigartiges wie die Sonne plötzlich ganz klein und dann noch multipliziert erscheint) ‘haucht dem alten Thema doch genug neues Leben ein’ und zeugt insofern von einer kreativen Herangehensweise …

Fazit: das Bild gefällt, besonders durch seine frische Idee.

Gewiß könnte man durch eine (mithilfe Stativverwendung und höherer Empfindlichkeit mögliche) kleine Blende das Dilemma der Schärfentiefe mildern. Ein Makroobjektiv würde hier vermutlich wenig bringen, denn dieses spielt seine Qualitäten ja erst in extremer Objektnähe aus, wo die Schärfentiefe oft nur Millimeter (bzw. Bruchteile dessen) beträgt …

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In der Rubrik ‘Bildkritik’ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Leserfoto:
Extremes Gegenlicht

Eine eindrucksvolle Gruppenaufnahme im Gebirge, zugleich aber auch einige typische Artefakte der Gegenlichtfotografie möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (3 Bilder)

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Kim Jonas Meier aus Meierskappel bei Luzern hat uns das obige Bild unter dem Titel „Licht und Schatten” in der Kategorie ‘Landschaft’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Das Foto ist bei einem Wochenendausflug im schweizerischen Tessin entstanden. Es war ein sehr dunstiger Tag, und ich wusste da noch nicht, was für tolle Effekte man erreichen kann, wenn man sich bei solchem Wetter in die Sonne stellt und fotografiert. So entstand eine tolle Reihe von Fotografien mit allen möglichen Silhouette-Figuren. Natürlich musste auch noch ein Gruppenfoto her. Der Selbstauslöser wurde eingestellt, und so brauchte ich mich nur noch links daneben zu stellen und schon ist dieses Foto hier entstanden. Mir gefällt die natürlich entstandene Vignette und die flächig wirkenden Bergreihen, die auf die schöne Aussicht schliessen lassen. Diese Fotografie wurde nicht bearbeitet, nur zurecht geschnitten, damit die Gruppe schön im Zentrum liegt (da auch das Licht zum Zentrum hin verläuft). Kameraeinstellungen: ISO: 100 Verschlusszeit: 1/640 Blende: f/16 Liebe Grüsse Kim”

Zur Aufnahme wurde eine Canon EOS 400D mit Weitwinkelzoom Canon EF-S 10-22mm f/3,5 – 4,5 USM verwendet. Die Brennweite betrug 10 mm (entsprechend 16 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6). Über die Belichtungsdaten hatte Kim Jonas bereits berichtet.

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Um entsprechenden Fragen zuvorzukommen: „ja, das reicht, um nach zeitverzögertem Selbstauslöser zur Gruppe zu flitzen und sich dort ganz entspannt hinzustellen. Die Kamera ist nicht weit von der Gruppe postiert, denn ’16 mm KBÄ machen große Dinge ziemlich klein’” … doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Perfekt eingepaßt zeigt sich die Bildanlage – der Rahmen des Goldenen Schnitts umschließt die Gruppe der jungen Leute einschließlch der von diesen verdeckten Sonne und einem kleinen Saum der Bergsilhouettenkante (türkisfarbene Linien ebd.).

Zetraler Blickfang ist die erwähnte Gruppe (rote Linien ebd.), welche auf einem kleinen Hügel oder Nebengipfel zu stehen scheinen (orangefarbige Linien ebd.). Auch die schemenhaft im Hintergrund erkennbaren Bergkanten laufen auf die zentralen Gruppe zu (gelbe Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm ist deutlich linksversetzt und -steil bei einem Mittelwert von etwa 50. Ein deutlicher Peak zeichnet sich im Bereich der tiefsten Schatten ab.

Die Personengruppe und der kleine Hügel bzw. Nebengipfel fallen in die Zone 0, sie erscheinen damit als reine Silhouette ohne Detailstruktur und Tonwertmodulation. Die Berge im Hintergrund umfassen die Zonen II bis III. Der Himmel durchwandert fast alle Zonen, beginnend bei Zone X im Bereich der etwas durchblitzenden Sonne und endend bei Zone I am Bildrand.

Farben:

Im Bildzentrum überwiegen warme Rot- und Gelbtöne, sie verkürzen damit den Raum und scheinen die Personengruppe etwas aus dem Bild heraustreten zu lassen. Kühle Blautöne überwiegen dagegen zu den Bildrändern hin, diese lassen somit die Umgebung in den Hintergrund treten.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Mir gefällt Kim Jonas’ Bildidee recht gut.

Die Komposition ist übersichtlich, sie wirkt in ihrer zentralen Anlage statisch, fast streng. Das Bild wirkt in solcher Weise nicht sonderlich dynamisch, doch ist die Bildidee der Heraushebung und Betonung der Personengruppe überzeugend umgesetzt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, daß alle Nebenlinien der vorder- und hintergründigen Bergkanten auf eben diese Gruppe zulaufen.

Erwähnt sei noch, daß bei derart extremen Kontrastverhältnissen einer Gegenlichtaufnahme die heutige Sensortechnik an ihre Grenzen gerät – gemeint ist hier nicht der Dynamikumfang, denn dieser ist durch die geschickte Verdeckung der Sonne soweit ‘eingefangen’, sondern vielmehr der rasante Durchgang durch die verschiedenen Tonwertstufen auf relativ knappem Raum. Wir sehen im oberen Bildteil deutliche Bildartefakte im Sinne von streifigen Tonwerttrennungen (auch als Banding bzw. Posterisation bezeichnet).

Dies ist das einzige Manko dieser ansonsten so überzeugend angelegten und komponierten Arbeit.

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Bildteil:

Komposition: Bildanlage

Komposition: Bildanlage

Komposition: Grundelemente

Komposition: Grundelemente

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung

 

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In der Rubrik ‘Bildkritik’ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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