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7 Gründe, warum Du analog fotografieren solltest

Quelle: flickr CC
Ich werde häufig gefragt, ob denn Analogfotografie im Ditigalen Zeitalter überhaupt noch einen Platz hat. Warum sollte man mit Filmkameras fotografieren? Nachfolgend eine paar Gründe:

1. Analoge Fotos haben Charakter

Deine Fotos haben aufgrund der guten Qualität der alten Objektive meistens ein großartiges Bokeh. Zusätzlich verleiht die Körnung des jeweiligen Filmes Deinen Bildern einen individuellen Charakter. » weiterlesen

 

“Rad rasant”:
Bewegung ins Bild gebracht

Zugegeben: Manchmal beneide ich ja die Filmer um die Möglichkeit, Bewegungen „einfach“ einfangen zu können. Aber auch die Fotografie bietet hierzu interessante Ansätze. Eine Herangehensweise wollen wir uns in der heutigen Bildbesprechung anschauen.

Canon A1, 2.8/24mm, auf Ektrachrome 100, Diaper Klebeband am Schienenbein befestigt, AV Modus, Blende 8 - (c) Dirk Althoefer

Canon A1, 2.8/24mm, auf Ektrachrome 100, Diaper Klebeband am Schienenbein befestigt, AV Modus, Blende 8 - (c) Dirk Althoefer

Unser Leser Dirk Altehoefer aus Wittenbach im Kanton St. Gallen hat uns das obige Bild unter dem Titel „Rad rasant” in der Kategorie ‘Landschaftsfotografie’ zur Besprechung eingereicht. Er schreibt dazu: „Canon A1, 2.8/24mm, auf Ektrachrome 100, Diaper Klebeband am Schienenbein befestigt, AV Modus, Blende 8, Versuch Bewegung und dennoch Durchzeichnung des Waldweges zu erkennen.”

Ich hoffe, Dirk und seine Canon haben diesen Ausflug unbeschadet überstanden. Rasant sieht diese Abfahrt tatsächlich aus. Mit etwas Klebeband hat Dirk die alte A1 in eine Vollformat-Actioncam verwandelt. Vermutlich war noch ein langer Drahtauslöser im Spiel. Schauen wir uns nun aber das Ergebnis dieses interessanten Experiments an. » weiterlesen

Sperling im Stelenfeld oder „Guf – die Halle der Seelen“:
Negativer Raum und Color Key

Negativen Raum und Color Key gekonnt einzusetzen, ist nicht einfach.

NIKON D800, f/4, 1/125s, ISO125, 105mm - (c) Martin Wolfert

NIKON D800, f/4, 1/125s, ISO125, 105mm - (c) Martin Wolfert

Das Bild „Guf – die Halle der Seelen“ ist während meines Berlinbesuches Anfang Juni diesen Jahres entstanden. Das Motiv ist, in Verbindung mit der Örtlichkeit an der ich dieses Bild fotografieren durfte, für mich hoch emotional. Die Örtlichkeit ist das Holocaust-Mahnmal in Berlin.
Ich war nach einer guten halben Stunde des Verweilens und Gedenkens eigentlich schon am Gehen, als ich den Sperling auf dieser Steele sitzen sah. Die Situation war irgendwie unheimlich, es gab nur den Sperling und mich, alles andere um mich herum nahm ich wie in einem dichten Nebel, in einer dunkle Vignette in einem Bild wahr. Der Sperling lies mich auf ungefähr einen Meter herankommen, ich konnte nur dieses eine Bild machen, danach flog der Sperling in die Lüfte. Meine Gedanken kreisten danach um das Holocaustmahnmal und den Sperling und die Geschichte von „GUF – der Halle der Seelen“ aus der jüdischen Mythologie.

Du hast uns hier eine Aufnahme des Holocaust-Denkmals eingereicht, die Du „Guf – die Halle der Seelen“ betitelt hast. Zu sehen ist ein Vogel, wohl ein Sperling, der auf einer Betonstele sitzt. Ein Stelenfeld dieser Art kenne ich nur aus Berlin, und so hätte ich spontan auf das Holocaust-Denkmal getippt. Der Vogel schaut fast direkt in die Kamera und scheint sich dort auszuruhen. Der Rest des Fotos wird von anderen Betonstelen dominiert; die Aufnahme ist in Color Key gehalten, wobei der Vogel farblich etwas entsättigt ist.

Zum Technischen wäre hier anzumerken, daß Du laut EXIF mit einer Brennweite von 105 mm und f/4 fotografiert hast. Durch die relativ offene Blende sind bei dieser Brennweite der Vogel und seine unmittelbare Umgebung noch scharf, der Hintergrund verschwommen, so daß er gut freigestellt wurde. Das Stelenfeld wird dadurch zum Hintergrund, obwohl es eigentlich das Hauptmotiv ist; eine meines Erachtens gute Entscheidung.

Kompositionell befindet der Vogel sich genau im Schnittpunkt der Drittelteilung unten links (grün, Goldener Schnitt – rosa).

Vergleichsfoto (Komposition)

Vergleichsfoto (Komposition)

Da das Bild quadratisch beschnitten wurde und es spontan entstand, könnte ich mir vorstellen, daß Du es rechts gekappt hast. Wie dem auch immer sei, ich finde den Beschnitt goldrichtig, denn da das Foto so minimalistisch gehalten ist und starke geometrische Elemente enthält, muß wirklich alles stimmen.

Der Sperling und der scharfe Teil der Stele nehmen visuell etwa ein Viertel des Fotos ein (hellblau/gelb):

Vergleichsfoto (Bildaufteilung)

Vergleichsfoto (Bildaufteilung)

Wenn auch der Hauptbildgegenstand auf den ersten Blick der Vogel ist, so ist es doch der negative Raum, ausgefüllt von Stelen, der hier die Aufnahme „macht“ (Vogel grün eingerahmt):

Vergleichsfoto (Negativer Raum)

Vergleichsfoto (Negativer Raum)

Und das bringt mich zu der Umsetzung Deines Motivs. Das Stelenfeld in Berlin ist einer dieser vielfotografierten Orte, aus denen man fast nichts mehr herausholen kann, was man nicht schon so gesehen hat. Vor ein paar Jahren habe ich einmal ein Foto besprochen, wo es der Fotografin dennoch durch einen radikalen Perspektivenwechsel gelungen ist. Du hast es hier mit dem Einsatz zweier Stilmittel erreicht, Color Key und negativem Raum. Das Stelenfeld wird sonst gerne so dargestellt, daß man eine abstrakt-geometische Anordnung derselben sieht. Die gibt es in Deinem Bild auch, allerdings mit anderem Blickwinkel.

Der Titel Deines Fotos bezieht sich auf eine Geschichte aus der jüdischen Überlieferung, wonach alle Seelen derer, die noch geboren werden sollen, sich in der Halle der Seelen befinden. Nach dieser Vorstellung hat Gott alle Menschenseelen auf einmal erschaffen, und sie werden im Guf aufbewahrt, um sich nach und nach mit den Körpern der Menschen zu vereinigen. Immer, wenn ein Kind geboren wird, erhält es von dort seine Seele. Es heißt, daß nur die Sperlinge sehen können, wenn eine Seele den Guf verläßt, und dann singen sie. Jedes Mal also, wenn ein Kind geboren wird, hört man irgendwo auf der Erde einen Sperling singen. Sie werden erst aufhören zu singen, wenn keine einzige Seele mehr in der Halle der Seelen ist, sie alle aufgebraucht sind.

Das hast Du visuell in Kontrast gesetzt mit einem Bauwerk, das der jüdischen Toten des Holocaust gedenken soll. Es sieht auch hier im Foto aus wie ein Gräberfeld, und auf einem der Gräber/Grabsteine sitzt ein Spatz. Auch wenn man den Titel Deines Fotos außer acht läßt, kann man die Verbindung mit Leben durchaus knüpfen, trotzdem man nicht voraussetzen kann, daß sich jeder Betrachter mit jüdischer Überlieferung auskennt. Ich selbst mußte es erst einmal nachschlagen. Jedenfalls sitzt hier ein lebendiges Wesen inmitten von Totem – ein Bote vielleicht?

Dein Bild hätte sehr leicht in Kitsch abgleiten können, wenn Du den Vogel größer in der Aufnahme gelassen hättest, oder wenn er nicht leicht entsättigt wäre. So bildet er einen Kontrapunkt zu dem Stelenfeld, dem ja Dein Besuch galt. Auch der dezente Color Key paßt hier, denn es sieht natürlich aus (ob Du den Vogel nachträglich anläßlich Deiner Nachbearbeitung in Photoshop noch entsättigt hast, spielt keine Rolle – das Ergebnis zählt). Das, verbunden mit Deiner Nutzung von negativem Raum, „macht“ hier das Foto. Negativen Raum gekonnt einzusetzen, ist nicht einfach. Vielfach sehen wir von Lesern eingereichte Aufnahmen, bei denen der erste Impuls ist, sie (weiter) zu beschneiden, weil eben jenes nicht geglückt ist. Du has es hier meines Erachtens geschafft, denn das Stelenfeld ist Kontext und in den Hintergrund gerücktes Hauptmotiv.

Fazit: auch ohne den Hintergrund der „Halle der Seelen“ ist Dein Foto eines, das ich rundherum gelungen finde. Du hast Dir bei der Aufnahme, wie auch bei der Nachbearbeitung Gedanken gemacht, und das wird deutlich.

M42-Adapter:
Alte Schätze an neuer Technologie

Digitale Pentax Q7 mit M42-Objektiv (flickr Creative Commons)

Viele Fotografen, die früher analog fotografiert haben, besitzen noch ihre alte(n) Kamera(s) und/oder die dazugehörigen Objektive. Teilweise hat man sich einfach nicht trennen können, und viel Geld hätte man für das gute Stück sowieso nicht mehr bekommen. Doch auch, wenn man jetzt digital fotografiert, können zumindest die alten Objektive zum Einsatz kommen. Wie? Mit einem M42-Adapter! » weiterlesen

Konstanzer Rheintorturm als Abstrakt:
Einen Dreh anders

Über Linien und Farbklekse hinaus: gute Abstrakte verraten einen eigenen künstlerischen Gedankengang.

Canon PowerShot G1 X, 4s, ISO 100, f/16, 15.1 mm - (c) Lutz Rauschnick

Canon PowerShot G1 X, 4s, ISO 100, f/16, 15.1 mm - (c) Lutz Rauschnick

Zusammen mit einem Jazzmusiker arbeite ich an einem Projekt “Raum und Zeit”, bei dem ich seine fast kontemplative Gitarrenmusik in Serien von Fotos umsetze. Dies ist eine Aufnahme aus der Reihe “Konstanzer Rheintorturm” (insgesamt ca. 80 Bilder). Mit meiner Canon G1X (Objektiv 15.1-60.4) habe ich bei Blende 16 und ISO 100 vier Sekunden aus der Hand belichtet und dabei nach zwei Sekunden die Kamera um 90 Grad nach rechts gedreht.

Wenn wir im Backend Bilder auswählen, sehen wir zunächst nur die Titel. Du hast uns dieses hier mit dem Titel „Konstanzer Rheintorturm“ geschickt, und eben jenen habe ich erwartet – und ein Abstrakt desselben gefunden.

Abstrakte Kunst/Fotografie ist meiner Meinung nach eine der schwierigeren Kategorien, denn es sieht alles so leicht aus. Man nimmt ein paar Linien ins Foto, ein paar Farbklekse, schon ist das Motiv komponiert. Das nehmen viele jedenfalls an („Mein Hund könnte das malen,“ sagte mal eine Freundin zu mir, als wir eine Ausstellung besucht haben), und vieles auf flickr und anderswo sieht auch so aus. Doch gute Abstrakte zu fotografieren ist aus eigener Erfahrung nicht einfach, und die Meinungen gehen zum fertigen Werk meist weiter auseinander als in anderen Kategorien. » weiterlesen

Der Sinn oder Unsinn eines Fotoclubs:
Bildkritikabend, Exkursion und Stammtisch

Fotoclub Bildkritk

Fotoclub Bildkritk

So wie alles im Leben hat ein Verein seine Vor- und Nachteile. Wenn man diese kennt, kann man für sich selbst entscheiden, ob ein Fotoclub das Richtige für einen ist. Als ich mir 2009 meine erste DSLR zulegte, bin ich bei der Suche nach Gleichgesinnten auf den örtlichen Fotoclub gestoßen. Das doch recht hohe Durchschnittsalter der Mitglieder wirkte etwas abschreckend, aber ich war blutiger Anfänger und hatte auch nichts zu verlieren. Ich durfte mir die Sache unverbindlich anschauen, bin dann nach einiger Zeit auch Mitglied geworden und es bis heute geblieben. » weiterlesen

Wasserfall im Panoramaformat:
„Green as the Falls“ – Weniger mittig

Ausrüstung macht nicht das Bild; Dein Auge und fotografisches Können machen das Bild.

Ausgangsbild

SONY SLT-A57 – 2 s – ISO100 – f/11 – 45mm – (c) Niko Zens

 

Dieses Bild ist auf einem Wanderweg in Richtung Trimbs entstanden. Man wäre an diesem Motiv einfach vorbei gelaufen, hätte nicht am Wegrand ein Schild mit der Aufschrift “Foto-Stelle” gestanden, welches einen 50m abseits des Weges führte. Das Bild ist beinahe ein richtiges “Low-Budget-Foto”, ich bin erst 17 Jahre alt und bin somit gezwungen mein Hobby möglichst effizient zu betreiben ;) Das Objektiv, mit welchem ich hier fotografiert habe, ist ein Minolta AF 28-85mm 3,5-4,5 welches ich für einen kleinen, zweistelligen Betrag auf dem Flohmarkt gefunden habe. Hier kam ein ebenfalls ziemlich günstiger Hoya ND-Filter zum Einsatz, platziert war die Kamera auf einem günstigen Einsteigerstativ.. Ich frag’ mich oft, ob man mehr braucht.

Mich würde eure Meinung zu dem Foto sehr interessieren – freue mich über eine Rückmeldung!
Liebe Grüße,

Niko

Du hast uns das vorliegende Foto mit dem Titel „Green as the Falls“ in der Kategorie „Landschaft“ eingereicht. Zu sehen ist ein weich verschwommener kleiner Wasserfall, eingerahmt von Grün, augenscheinlich im Wald aufgenommen. Aus dem Kontext des Bildes heraus kann man nicht erkennen, um welchen Wasserfall es sich genau handelt, aber das ist auch hier nicht sehr wichtig. Ich mag, wie sich das Wasser im Vordergrund in Wirbeln bewegt, fast schon wie marmoriert. » weiterlesen

Analogfotografie:
Welcher Film passt zu welcher Gelegenheit?

Kleinbildfimverpackungen (flickr Creative Commons)

Die Frage, welchen Film man für welche Gelegenheit benutzen sollte, stellt sich dem DSLR-Fotografen natürlich nicht. Man hat eben die eine Kamera dabei, drückt verschiedene Knöpfe, “zieht” das Foto vielleicht hinterher noch durch ein Bearbeitungsprogramm – fertig. Für den analogen Fotografen ist die Wahl des Films dagegen äußerst wichtig, denn dadurch beinflußt man aktiv das Aussehen und die Qualität des späteren Bildes. Das Medium wird von vorneherein zum Gestaltungsmerkmal. Nach welchen Gesichtspunkten sollte man also Kleinbildfilme auswählen? » weiterlesen

“Kleinkind und Corbijn”:
Dem Hauptbildgegenstand mehr Gewicht verleihen

Schnappschuss mit Kleinkind in einer Ausstellung, der noch ein wenig Nachbearbeitung benötigt.

Kleinkind in Ausstellung

Kleinkind in Ausstellung

Unser Leser Torsten Groth aus Bochum hat uns das obige Bild unter dem Titel „Corbijn und ein wenig Farbe” in der Kategorie ‘Schnappschuss’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „In einer Ausstellung mit Bildern von Corbijn waren meine Tochter und ich fast allein unterwegs – rote Jacke, schwarz/weißer Hintergrund, und dann “nur” das Handy (iphone4 mit zerkratzter Linse zur Hand). Aber wenn ich die vielen Kinder-Bilder, die man (also Vater) so macht im Laufe der Zeit, durchgehe, bleibe ich immer wieder an diesem Bild hängen – habe lange überlegt, ob es anders zugeschnitten sein sollte, mich aber entschlossen, es vollkommen unverändert zu belassen. Freue mich über eine Rückmeldung.(Bilddaten: ISO 125, 4mm, f/2.8, 1/120)”

Längere Zeit habe ich überlegt, “Wie reagiere ich auf dieses Bild, wie empfinde ich es?” Letztendlich bin ich zum Schluss gekommen, dass die Farben des Kindes in dem eher monochromen Raum alleine wirken, und dass ich den nicht vorhandenen Blickkontakt zu einem sichtbaren Bild an der Wand ignorieren kann. Besser wäre es schon gewesen, bei der Aufnahme gleich darauf zu achten, dass das Kind eines der im Foto befindlichen Bilder anschaut. Auch eine andere Perspektive der Aufnahme, von einem Standpunkt weiter rechts, würde sich dann anbieten.

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Deutsches Weltkulturerbe – Teil 5:
Brühl, Lorsch, und Völklinger Hütte

Völklinger Hütte - (c) Carsten Schröder

 

Gerade erst wurde die Hamburger Speicherstadt zum Weltkulturerbe erklärt, und wir haben das als Anlaß genommen, die gesamte Liste auf SPON durchzugehen. Motive diese Woche: Schloß Augustusburg/Falkenhorst in Brühl, Kloster Lorsch. Die Völklinger Hütte war zwar nicht auf der Liste von SPON, gehört aber dennoch zum deutschen Weltkulturerbe. Unser Autor Carsten Schröder hat uns, als er noch lediglich Leser war, dieses exzellente Foto geschickt – weswegen es jetzt das Titelfoto des letzten Teiles wurde.

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