Top Robert Adams:
Wo wir leben

Wo wir leben: Robert Adams fotografierte über 45 Jahre die Veränderungen in der Landschaft des amerikanischen Westens – zwischen wuchernden Vorstädten und der urwüchsigen Kraft der immer noch grandiosen Weite.

Robert Adams
: Quarried Mesa Top, Pueblo County, Colorado, 1978 (abgetragene oberste Schicht einer Hochebene), Silbergelatine-Abzug, 22.7 x 28.3 cm, Yale University Art Gallery, gekauft mit einer Schenkung von Saundra B. Lane und Zuschüssen aus dem Trellis Fund sowie dem Janet and Simeon Braguin Fund.
© Robert Adams

Robert Adams
: Quarried Mesa Top, Pueblo County, Colorado, 1978 (abgetragene oberste Schicht einer Hochebene), Silbergelatine-Abzug, 22.7 x 28.3 cm, Yale University Art Gallery, gekauft mit einer Schenkung von Saundra B. Lane und Zuschüssen aus dem Trellis Fund sowie dem Janet and Simeon Braguin Fund.
© Robert Adams

Adams gehört zu den Klassikern unter den Landschaftsfotografen. Deshalb sollten wir auf die große Retrospektive seiner Originalabzüge in diesem Sommer im Fotomuseum Winterthur nicht verzichten, selbst wenn wir das eine oder andere Werk schon kennen.

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Neue Bildkritik zu Schon wieder Wanne-Eickel

Hallo Profis,

dieses ist ein Schnappschuss mit dem HTC One, da ich trotz oder wegen meines häufigen beruflichen Aufenthalts in “Wanne-Eickel” keine Kamera dabei hatte.

Laut EXIF des Originals ist das Bild mit KB-Brennweite von 28 mm, (der zweifelhaften) Blende 2.0 und mit 1/3333 Sekunden aufgenommen worden. Das One kann nur JPGs aufnehmen; entsprechend gering sind die Reserven bei der Bearbeitung. Den enormen Kontrastumfang hat das kleine Ding aber recht gut verarbeitet.

Dies müsste eigentlich ein totgeknipstes Motiv sein, denn diese Perspektive drängt sich geradezu auf. Im Original (http://tinypic.com/r/2r5b2o5/8 nach der geometrischen Bearbeitung) fand ich die Aufnahme auch entsprechend langweilig, die Farben furchtbar und höchst überflüssig. Daher folgende Bearbeitung: In DxO und GIMP wurden stürzende Linien begradigt und der Bildausschnitt angepasst, in S/W gewandelt, Tonwerte angepasst und zur Abwechslung eine weiße horizontale Vignettierung aufgelegt.

Gründe für genau diese Bearbeitung (es gibt noch einige andere) habe ich, nenne sie aber nicht. Ein Bild ist nicht für den Ersteller, sondern für den Betrachter. Er entscheidet über die Wirkung und darüber, ob sich der Aufwand gelohnt hat. Falls das Bild besprochen wird, nenne ich sie gerne nach dem feedback. Deshalb ggf. viel Spaß damit, und ich bin gespannt, ob das Bild Eure Aufmerksamkeit erweckt.

Viele Grüße
Ralph Gathmann

Marke:

Modell:

Belichtungszeit:

ISO:

Blende:

Brennweite:

Formulardaten:

Vorname: Ralph
Nachname: Gathmann
Strasse: Ostendorfstr. 1
PLZ / Ort: 76199 Karlsruhe
E-Mail-Adresse: nospamemail@rakloedder.de
Webseite:
Bilddatei: http://static.fokussiert.com/1406037126/imag0231_dxo-1_b_1.jpg
Bildtitel: Schon wieder Wanne-Eickel
Kategorie: Architektur
Kommentar: Hallo Profis,

dieses ist ein Schnappschuss mit dem HTC One, da ich trotz oder wegen meines häufigen beruflichen Aufenthalts in “Wanne-Eickel” keine Kamera dabei hatte.

Laut EXIF des Originals ist das Bild mit KB-Brennweite von 28 mm, (der zweifelhaften) Blende 2.0 und mit 1/3333 Sekunden aufgenommen worden. Das One kann nur JPGs aufnehmen; entsprechend gering sind die Reserven bei der Bearbeitung. Den enormen Kontrastumfang hat das kleine Ding aber recht gut verarbeitet.

Dies müsste eigentlich ein totgeknipstes Motiv sein, denn diese Perspektive drängt sich geradezu auf. Im Original (http://tinypic.com/r/2r5b2o5/8 nach der geometrischen Bearbeitung) fand ich die Aufnahme auch entsprechend langweilig, die Farben furchtbar und höchst überflüssig. Daher folgende Bearbeitung: In DxO und GIMP wurden stürzende Linien begradigt und der Bildausschnitt angepasst, in S/W gewandelt, Tonwerte angepasst und zur Abwechslung eine weiße horizontale Vignettierung aufgelegt.

Gründe für genau diese Bearbeitung (es gibt noch einige andere) habe ich, nenne sie aber nicht. Ein Bild ist nicht für den Ersteller, sondern für den Betrachter. Er entscheidet über die Wirkung und darüber, ob sich der Aufwand gelohnt hat. Falls das Bild besprochen wird, nenne ich sie gerne nach dem feedback. Deshalb ggf. viel Spaß damit, und ich bin gespannt, ob das Bild Eure Aufmerksamkeit erweckt.

Viele Grüße
Ralph Gathmann

Ich bin Inhaber des Urheberrechts an diesem Bild und gewähre Blogwerk AG das Recht, das Werk im Rahmen der Bildkritik zu verändern sowie es auf den Blogwerk-Domains zu veröffentlichen. Ausgewählte Bildkritiken von fokussiert.com werden ausserdem auf Spiegel Online erscheinen, möglicherweise auch Deines! Bitte bestätige hiermit, dass du mit einer Publikation deines Bildes auf Spiegel Online einverstanden bist. Durch Anklicken bestätigst du ausserdem, dass mit der Einsendung und Veröffentlichung des Bildes keine Rechte Dritter verletzt werden.: Ausgewählt

Leserfoto:
Scheibchenweise …

Die Verwendung von Bewegungsartefakten und Primärfarben zur Veranschaulichung der Bilddynamik möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (7 Bilder)

 

Ausgangsbild

Ausgangsbild

***

Unser Leser Christoph Koch aus Freiburg hat uns das obige Bild unter dem Titel „Dynamics” in der Kategorie ‘Bildjournalismus’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Ich fotografiere seit ca 2-3 Jahren hobby-mäßig; momentan mit einer Canon EOS600D. Das Bild ist Ende November im Rahmen einer (Bild-)reportrage für eine lokale Zeitung entstanden. Ein Freund von mir ist da Volontär und meinte, ich könne doch sicher für seinen Artikel über den Mixed Martial Arts Sport ein paar Bilder machen. Es war das erste Mal, dass ich mit einem geliehenen Blitz (Speedlite 430 EX II) Bilder machte. Die Grundlagen (Blitzen auf den ersten/zweiten Verschlussvorhand; Decke als Diffusor nutzen etc.) habe ich mir noch kurz vorher im Internet angelesen. ;-) Das Bild entstand während des etwa 2-stündigen Trainings in einer mit wenigen – teilweise flackernden – Neonröhren ausgeleuchteten Trainingshalle. Auch wenn MMA ja ein durchaus ‘gewaltvoller’ Sport ist, war ich von der friedlichen Atmosphäre, sowie von dem Fokus und der Achtsamkeit der Sportler sehr beeindruckt. Viele Bilder strahlen durchaus eine gewisse Harmonie. Wichtig war mir aber auch die Dynamik, die Schnelligkeit und die Konzentration darzustellen (widerspricht sich das?), weshalb ich in diesem Beispiel den Kontrast und die Sättigung (übertrieben?) hochgeregelt habe. Ich bin mir noch etwas unsicher, was den Bildausschnitt angeht, ob die Sättigung ‘too much’ ist, ob es zuviel Wischbewegungen sind (das Gesicht des Gegners ist ja z.B. gar nicht zu sehen), ob mein Hauptmotiv das Gesicht des am Boden liegenden oder eher die viele Bewegung ist etc. Also: HILFE!”

Zur Aufnahme wurde eine Canon EOS 600D mit Zoomobjektiv Sigma 18-200mm f/3.5-6.3 DC OS verwendet. Die Brennweite betrug 51 mm (entsprechend knapp 82 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6), die Belichtungsdaten waren 0,4 Sekunde (mit Blitz, im Sinne der nachgezogenen Bewegungsspuren vermutlich ‘auf den zweiten Vorhang ausgelöst’) bei Blende f/8,0 und ISO 400.

***

Christoph hat dieses experimentelle Bild auch in seinen FC-Account eingestellt, wo es bisher nur wenig Beachtung und keine Kommentierung erfuhr – zu Unrecht, wie ich angesichts der dynamischen Stilmittel meine. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. » weiterlesen

Fotografien aus 24 Stunden:
Dunkler Himmel

Dunkler Himmel, Voodoo-Pilger, Dragracer

Dunkler Himmel mit Flugzeug, südlich von Manila, Phillippinen, EPA/FRANCIS R. MALASIGMigranten auf einem Güterzug Richtung Grenze Mexiko-USA (AP Photo/Eduardo Verdugo)Frauen in Amman, Jordanien  (AP Photo/Mohammad Hannon)Voodoo-Pilger baden in einem Wasserfall, Haiti (AP Photo/Dieu Nalio Chery)
Dragracer wartet auf seinen Start, Englishtown, NJ, USA, EPA/CJ GUNTHERProrussischer Rebell patrouilliert nahe der Flugzeugabsturzstelle, Ukraine (AP Photo/Vadim Ghirda)Musiker und Parodist Weird im Porträtbild, Los Angeles, USA Photo by Casey Curry/Invision/AP)

In der Rubrik “24 Stunden” veröffentlichen wir die besten Pressebilder der vergangenen 24 Stunden, ausgewählt nach fotografischen Kriterien.

Fotografien aus 24 Stunden:
Music is in the Air

Olivier Bruggemann und Tom Devos in Montreux, Schweiz (Keystone/Anthony Anex)

Olivier Bruggemann und Tom Devos in Montreux, Schweiz (Keystone/Anthony Anex)

Eine Hand, ein zerstörtes Haus und einige Auftritte

James Arthur in Madrid, Spanien (Keystone/AP Photo/Abraham Caro Marin)James Arthur in Madrid, Spanien (Keystone/AP Photo/Abraham Caro Marin)Ein Palästinenser inspiziert ein zerstörtes Haus in Gaza Stadt (Keystone/EPA/Mohammed Saber)Die Hand des emeritierten Erzbischofs Desmond in Cape Town, Südafrika (Keystone/EPA/Nic Bothma)
SWITZERLAND MONTREUX JAZZ FESTIVAL 2014MEXICO PERUMalaysia Airlines plane crashes in eastern Ukraine

In der Rubrik “24 Stunden” veröffentlichen wir die besten Pressebilder der vergangenen 24 Stunden, ausgewählt nach fotografischen Kriterien.

Leserfoto:
Atmosphärische Stadtlandschaft (4)

Auch im profanen bzw. alltäglichen Motiv schlummern Reize, die mit entsprechender Platzierung und Ausarbeitung zur Geltung gebracht werden können.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (4 Bilder)

 

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Sascha Leichsenring aus Norderstedt hat uns das obige Bild unter dem Titel „_ under the bridge” in der Kategorie ‘Street/Strasse’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Dieses Foto entstand eher zufällig, als ich mit einem manuellen Objektiv (Carl Zeiss Pancolar 1,8/50mm) in der hamburger Hafencity am fotografieren war. Ich fotogragfierte gerade das neue “Spiegel-Haus”, drehte mich um und stellte fest, das mein Auto unter der alten Brücke auch als Motiv taugt. Ich stellte das Stativ in etwa auf Scheinwerfer-Höhe ein, fokussierte manuell auf den Scheinwerfer und nutzte Blende 1.8, um eine möglichst knappe Schärfe zu erreichen, bzw. das cremige Bokeh des Pancolars auszunutzen. (Weitere Angaben: Canon EOS 1D III, ISO 100, no flash, Blende 1.8, AWB, 0,8 sek. Belichtungszeit, anschließend Konvertierung in s/w und leichte Schärfung). Ich habe bewusst nicht das ganze Fahrzeug in das Bild einbezogen, um mehr Dynamik ins Bild zu bringen, ausserdem wollte ich kein “Standard”-Motiv ablichten. Ich mag eine etwas andere Sicht im Bezug auf die Bildgestaltung.”

Über seine sehr wertige Ausrüstung und die Aufnahmedaten, des weiteren über seine Überlegungen zur Bildgestaltung hatte Sascha bereits berichtet. In diesem Sinn möchte ich seine Arbeit an professionellen Maßstäben messen.

***

Ich habe mir erlaubt, das Bild intern in die Kategorie ‘Architektur’ zu verschieben, denn zur ‘Street’ fehlt mir hier doch das ‘Menschelnde und Vergängliche’ … doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. » weiterlesen

Fotografien aus 24 Stunden:
Sommer in der Stadt

Sommer in Zürich, Schweiz (Keystone/Steffen Schmidt)

Sommer in Zürich, Schweiz (Keystone/Steffen Schmidt)

Zwischen Gebet, Verzweiflung und Trauer

Lektüre im Koran in Dhaka, Bangladesh (Keystone/AP Photo/A.M. Ahad)Sonnenaufgang über Salzburg, Österreich (Keystone/AP Photo/Kerstin Joensson)Sommer in Zürich, Schweiz (Keystone/Steffen Schmidt)Gewitterwolken über Jammu, Indien (Keystone/AP Photo/Channi Anand)
Auf dem Soldatenfriedhof Tymvos Macedonitissas, Zypern (Keystone/EPA/Katia Christodoulou)Verzweifelt im Gerichtssaal von Sonoma, USA (Keystone/Kent Porter)Im Flughafen von Philadelphia, USA (Keystone/AP Photo/Matt Rourke)

In der Rubrik “24 Stunden” veröffentlichen wir die besten Pressebilder der vergangenen 24 Stunden, ausgewählt nach fotografischen Kriterien.

Tutorial:
Landschaftsfotografie (4)

Ein sechsteiliges Thementutorial.

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einführung in das Thema
2. Motivsuche (1) – Die grundsätzliche Auswahl …
3 Motivsuche (2) – Zur Einstimmung …
4. Komposition (1) – Eine Frage des Formats …
5. Komposition (2) – Zur Gliederung des Raums …
6. Komposition (3) – Die Platzierung der Elemente …
7. Dramaturgie (1) – Einfluß der Wetterstimmung …
8. Dramaturgie (2) – Bedeutung des Lichts …
9. Dramaturgie (3) – Wirkung der Farben …
10. Aufnahme (1) – Einige Worte zur Vorbereitung …
11. Aufnahme (2) – Hinweise zur Durchführung …
12. Zusammenfassung und Schlußbemerkung
Bisherige Tutorials des Autors

 

***

7. Dramaturgie (1) – Einfluß der Wetterstimmung …

Obwohl ich mich schon lange mit der Landschaftsfotografie beschäftige, bin ich ‘noch längst nicht mit Staunen fertig’, in welchem Ausmaß die Wetterstimmung (ähnliches gilt natürlich auch für die Lichtqualität) die Landschaft beeinflußt. Die eigentliche Landschaft erscheint mir oftmals eher ‘wie eine Leinwand, auf der Wetter und Licht ihr Bild malen’.

Abb. 13: Aufziehendes Gewitter (Eigenes Portfolio, Pyrenäen 2013)

Abb. 13: Aufziehendes Gewitter (Eigenes Portfolio, Pyrenäen 2013)

Ihr kennt diese Phänomene sicher auch, daß also ein und dieselbe Szene manchmal ganz heiter und friedlich, dann wiederum düster und bedrohlich wirken kann. Wenn wir uns nochmals auf den ‘Wortsinn der Fotografie’ besinnen, dann sind es ja allen voran eben diese atmosphärischen Kräfte, die ‘mit dem Licht malen’. Es ist diese Variabilität der Stimmung, die für mich mit den größten Reiz der Landschaftsfotografie ausmacht …

Was wäre denn nun ‘ein gutes Wetter’ für die Fotografie? Allen laienhaften Vorstellungen zum Trotz ist es selten das schöne Wetter, also der ‘strahlend blaue Himmel unter gleißender Mittagssonne’, welches gute Bilder verspricht – der Dynamikumfang solcher Szenen übersteigt regelmäßig die Aufnahmemöglichkeiten unserer heutigen Kameras, so daß wahlweise ‘Schatten absaufen oder Lichter ausbrennen’ müssen. Der Himmel ist dann leer und langweilig, die Kontraste sind riesengroß, das Licht ist hart, die Objekte werden dadurch nicht schön weich und differenziert, sondern allenfalls schlaglichtartig gezeichnet. Natürlich können Gegenlichtaufnahmen mit silhouettenartigen Vordergrundstrukturen reizvoll sein, aber sie sind es eben nicht immer – ‘Ausnahmen bestätigen die Regel’, heißt es doch so schön … » weiterlesen

Fotografien aus 24 Stunden:
Nahostkonflikt

Tränengas bei palästinensischen Protesten in Nablus (Keystone/EPA/Alaa Badarneh)

Tränengas bei palästinensischen Protesten in Nablus (Keystone/EPA/Alaa Badarneh)

Proteste mit Tränengas, Szene aus einem Krankenhaus und auf einer Beerdigung

Regen in Beijing, China (Keystone/AP Photo/Andy Wong)Lavendelblüte in Tarnichane, Bulgarien (Keystone/AP Photo/Valentina Petrova)Szene aus einem Krankenhaus in Gaza Stadt (Keystone/EPA/Oliver Weiken)Szene im Imperial World War Museum in London, Großbritannien (Keystone/AP Photo/Matt Dunham)
Angeklagte in Kairo, Ägypten (Keystone/EPA/Hossam Fadl)Bei einer Beerdigung in Gaza Stadt (Keystone/EPA/Mohammed Saber)Tränengas bei palästinensischen Protesten in Nablus (Keystone/EPA/Alaa Badarneh)

In der Rubrik “24 Stunden” veröffentlichen wir die besten Pressebilder der vergangenen 24 Stunden, ausgewählt nach fotografischen Kriterien.

Leserfoto – „Vergessener Pickup“:
Beschnitt und Nachbearbeitung

Radikale Bildformate können funktionieren. Allerdings nur dann, wenn man sich der Regeln genug bewußt ist, um sie zu brechen.

(c) Steffen Heeckt

(c) Steffen Heeckt

Im Jahr 2011 bin ich für 7 Monate durch Australien gereist. In dieser Zeit habe ich unter anderem für 3 Monate auf einer Farm gearbeitet wo dieses Bild entstanden ist. Ich war mir lange unschlüssig ob es in Farbe oder S/W besser wirkt schlussendlich habe ich mich für den Vintage Look entschieden, da so, wie ich finde, der 50er Jahre Pickup am besten zur Geltung kommt. Als Neueinsteiger im Bereich Fotografie und gerade in den verzwickten Bereich Schwarzweiß würde ich mich über euer professionelles Feedback sehr freuen.
Gruß Steffen

Erst einmal sei gesagt, daß ich Dich glühend darum beneide, Dir die Zeit genommen haben zu können, sieben Monate durch Australien zu reisen. Das war sicherlich eine Erfahrung, die man nie vergißt.

Du hast uns von diesem Trip das Bild eines Pickupwracks, gesehen irgendwo im Nirgendwo, mitgebracht. Es könnte so auch in der Wüste in Texas stehen. Der Pickup befindet sich radikal am linken Rand, während der Rest des Panoramas nur öde Landschaft zeigt. Die Sonne steht schon relativ tief, und Du hast in einer Gegenlichtsituation fotografiert. Die Aufnahme entstand laut EXIF mit einer Canon PowerShot S95, wobei es sich um eine Kompaktkamera mit einem Formatfaktor von 4.6 handelt. Die verwendete Brennweite von 6 mm enspricht demnach etwa 28 mm im Vollformat.

Die Sonne wurde als großer heller Fleck abgebildet, was der Blende von f/3.2 geschuldet ist. Trotz der sich verringernden Lichtverhältnisse hast Du mit ISO 80 und einer Belichtungszeit von 1/1000s fotografiert. Ich nehme mal an, Du hast im Vollprogrammmodus gearbeitet, und in der Nachbearbeitung hast Du das Foto radikal beschnitten.

Was mir gefällt, ist die Athmosphäre in Deinem Bild. Es ist trostlos, öde – aber auch irgendwie cool – wie dieses Auto in der Sonne so vor sich hin verrottet. Du vermittelst mir einen Eindruck von Ort und Zeit. Was den Braunton angeht, ist das Geschmackssache. Ich selbst bevorzuge kontrastreiches, neutrales Schwarzweiß – und ich weiß, wie schwierig es ist, das gekonnt hinzubekommen. Du hast für die Nachbearbeitung Photoshop benutzt. Wenn Du Nik Silver Efex Pro noch nicht entdeckt hast, kann ich Dir diesen Filter nur wärmstens empfehlen. Er ermöglicht Zonenbearbeitung und hat mehr Regler, als man normalerweise braucht.

Worauf ich vertiefter eingehen möchte, sind die Aufnahmeeinstellungen und der Beschnitt.

Meine Reisekamera ist schon seit einiger Zeit eine kleine Pentax Lumix, vergleichbar mit Deiner PowerShot. Sie war mit mir schon an einigen Orten hier in den USA, in der Türkei, in Mexiko, Deutschland… Ich bevorzuge es, leicht bepackt zu sein, und dafür ist sie gerade richtig. Wie die PowerShot kann man Seitenverhältnisse wechseln, und die kleinste Blende, die ich wählen kann, ist f/8. Dafür hat auch sie eine extreme Weitwinkellinse.

Du hast durch die Wahl des Aufnahmemodus zwar mit einem sehr geringen ISO fotografieren können, aber dafür ist die Sonne hier ein großer, heller, unregelmäßiger Fleck, anstatt eines etwas kleineren hellen Fleckes, was ich als störend empfinde. Der helle Fleck zieht nämlich, obwohl nur teilweise zu sehen, alle Aufmerksamkeit auf sich, die doch dem Pickup gelten sollte. Das hättest Du vermeiden können, indem Du in Zeitautomatik f/8 einstellst. Hier stößt man zwar an die Grenzen der Kamera, aber es war bei den Gegenlichtverhältnissen noch hell genug, um nicht entweder das Bild zu verwackeln oder in höhere ISO-Bereiche zu geraten.

Als Beispiel habe ich Dir hier eine Aufnahme hochgeladen, die als Schnappschuß 2013 in Mexiko auf der Pyramide in Cholula entstanden ist; zu sehen ist im Hintergrund der Popocatepetl. Ähnliche Lichtverhältnisse, Blende f/8 vorgewählt, und trotzdem habe ich mit ISO 100 und einer Belichtungszeit von 1/1250s arbeiten können. Die Sonne hätte hier ein noch größerer Fleck sein können, der den Berg optisch verschluckt. Statt dessen ist sie rechts als perfekter Kreis im Hintergrund zu sehen und komplementiert ihn:

Cholula

Cholula

Du hast weiterhin das Bild extrem beschnitten. Der für Dich so interessante Pickup „klebt“ nicht nur am linken Bildrand, Du hast ihm auch die Reifen/Räder unten gekappt. Ohne die Originalaufnahme vor mir zu haben, kann ich keine Aussage dazu machen, was genau wo nachträglich entfernt wurde, sondern muß mich darauf beschränken, was ich sehe.

Ich hätte dem Auto zunächst einmal mehr Raum gelassen. Es ist zu sehr an die Ränder gedrängt worden durch diesen Beschnitt. Wenn in der ursprünglichen Version noch Raum ist, würde ich diese Entscheidung allein dort noch einmal überdenken. Durch die Anordnung des Autos und der Wahl des Bildformates gerät es zum Statisten. Man schaut zuerst einmal auf den hellen Sonnenfleck, wie oben schon bemerkt, dann erst entdeckt man das Auto; insbesondere auch, weil es so dunkel gehalten ist. Das kann man als absichtlichen Effekt so einbauen, aber wenn Dein Ziel war, das Auto zum Hauptbildgegenstand zu machen, hast Du selbiges hier verfehlt.

Ein Panorama dieser Art hat seinen Platz, etwa im Webdesign oder als Facebook-Coverfoto. Um etwas zu produzieren, was man sich an die Wand hängen möchte, solltest Du den Beschnitt des Bildes wieder aufgreifen. Ich persönlich hätte bei der Aufnahme ein 16:9 Format gewählt, was Dir ein Panoramaformat gibt, ohne daß Du hinterher radikal beschneiden mußt (oder eine Aufnahmereihe zusammensetzen). Ich hätte auch das Autowrack etwas aufgehellt:

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Beschnitten würde das dann so aussehen:

Vergleichsfoto mit Beschnitt/aufgehelltem Fahrzeug

Vergleichsfoto mit Beschnitt/aufgehelltem Fahrzeug

Du hast immer noch genug trostlose Landschaft im Bild, aber der Pickup bildet jetzt das Hauptmotiv.