Kenneth van Sickle:
Das Leben der Bohéme

Das über fünfzigjährige Schaffen des New Yorker Fotografen Kenneth van Sickle ist hierzulande kaum bekannt. In Berlin wird ein Überblick gezeigt – das Leben der Bohéme in schwarz-weißen Bildern.

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Kenneth van Sickle: La Bohéme, Paris, 1958

Kenneth van Sickles Arbeiten sind geprägt durch die atmosphärischen Aufnahmen von New York und Paris. Vom Jazz beeinflusste schwarz-weiß Aufnahmen der fünfziger Jahre stehen Fotomontagen der siebziger Jahre und aktuelle Farbaufnahmen gegenüber.

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Nachtaufnahme:
Alle Elemente vorhanden

Linien, Formen und Farben wären vorhanden – aber so abgelichtet ergeben sie ein eher unscheinbares Bild. Manchmal hilft ein stärker geometrisches statt Objektbezogenes Denken der Komposition – grade bei Nachtaufnahmen.

Alexander Reichardt

Leserfoto: Stuttgart um den Hauptbahnhof. (© Alexander Reichardt). – Leider keine Exif-Daten; keine hochaufgelöste Version.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Alexander Reichardt:

Hier kommen viele Faktoren zusammen, die aus dieser Aufnahme ein weniger interessantes Bild machen, als nötig gewesen wäre, wenn mehr Mühe ins Experimentieren mit kompositorischen Möglichkeiten investiert und den vorhandenen Elementen mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden wäre. Die Formen, Linien und Farben vor Ort waren mehr als ausreichend, um ein starkes Foto zu gestalten:

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24 Stunden:
Dokumentation und Ethik


Matamoros, Mexico; Nyon, Schweiz; Patzicia, Guatemala; Grindelwald, Schweiz. -> Bildgalerie (Bilder Keystone)

Was ist ein “gutes” Bild in der Pressefotografie? Reicht “spektakulär aussergewöhnlich”? Wenn in der Kriegsberichterstattung schonungslos dokumentiert werden soll, gilt das auch für Horror-Unfälle? Ist die Publikation des Schnappsschusses eines Sportfotografen, der zeigt, wie ein verwirrter Auftofahrer mitten in eine Radrennfahrergruppe rast, angesichts eines Todesopfers und 14 Verletzter schändliche Bedienung des Voyeurismus’ oder Information? Ich setze mich ins Glashaus und wünsche mir eine Diskussion in den Kommentaren (Geschmacklosigkeiten werden ohne Nachricht gelöscht).

In der Rubrik “24 Stunden” veröffentlichen wir die besten drei bis fünf Pressebilder aus den vergangenen 24 Stunden, ausgewählt nach rein fotografischen Kriterien.

Fußball-Fotografie (I):
Die Fußball-Landschaft Schweiz

Die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich ist nicht mehr aufzuhalten. Auch wir Ausstellungsgucker werden mit Fußball-Bildern verwöhnt. Zum Beispiel mit Björn Allemanns “Fußball-Landschaft Schweiz”.

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Björn Allemann: Rapperswil-Jona

Wo Ochsen und Giraffen zuschauen dürfen, liegt der Fußballplatz in Rapperswil-Jona neben dem Kinderzoo der Zirkusfamilie Knie. Fünfzehn Monate lang war der Züricher Fotograf Björn Allemann für die Agentur Keystone unterwegs, um das Schweizer Fußball-Universum einzufangen. Die Bildserie ist in der Fotogalerie CoalMine in Winterthur bis 18. Juli zu sehen.

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Negativer Raum:
Spannung und Disharmonie

Ist Ausgewogenheit eine gute Sache – oder sollen uns Fotos aus dem optischen Gleichtritt bringen? Negativer Raum – Fläche, die vermeintlich nicht zum Bild beiträgt – ist hier nicht das einzige, was uns stutzen lässt.

Stephan Kälin

Stephan Kälin


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Stephan Kälin). – NIKON D70s – 1/320s – f/9 – 70mm (105mm)

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Stephan Kälin:

Hier wurde eine gefällige Komposition und ein schöner Gebrauch des Panoramaformats mit, mag es zum Guten oder Schlechten sein, einer leicht beunruhigenden Atmosphäre verbunden. Recht interessant ist, wie der Turm hinter den Bäumen hervorlugt. Dies gibt uns das Gefühl, wir würden etwas Verstecktes oder sogar Verbotenes betrachten, was dem Voyeur in uns ein Gefühl von Geheimnisvollem vermittelt.

Der Turm, das Licht, die Bäume und Wolken sind die wenigen Elemente in einer sparsamen Komposition, in der negativer Raum gut genutzt wurde. Negativer Raum ist ein einfaches, aber effektives Mittel, die Aufmerksamkeit voll auf das Objekt zu richten, während man eine ungewöhnliche Komposition kreiert, die ziemlich beeindruckend sein kann.

Das beunruhigende Gefühl kommt meiner Meinung nach von der Laterne, die links der Turmspitze hängt und die Komposition aus dem Gleichgewicht bringt.

Die Baumwipfel befinden sich an der unteren Linie des Goldenen Schnitts. Das, sowie die vertikale Linie des Turms und der Gebrauch von Panorama im Hochformat, zwingen unsere Augen regelrecht nach oben. Aber die weiße Lampe, der hellste Punkt im Bild, fungiert wie eine Art Bremse:

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24 Stunden:
Politik im langen Gewand


Teheran, Iran; Budapest, Ungarn; Bagdhad, Irak; Juyuan, China. -> Bildgalerie (Bilder Keystone)

Linien, Farben und der Bruch mit Klischeevorstellungen: Die Aufnahme des Hardliners Ruholla Hosseinian im iranischen Parlament ist eine stilistische Überraschung und eine Konfrontation mit eigenen Vorurteilen. (Legenden zu den Bildern in der Galerie).

In der Rubrik “24 Stunden” veröffentlichen wir die besten drei bis fünf Pressebilder aus den vergangenen 24 Stunden, ausgewählt nach rein fotografischen Kriterien.

 

24 Stunden:
Das Blut der Erde


Galapagos, Ecuador; Mount Rushmore, USA; Seoul, Südkorea -> Bildgalerie (Bilder Keystone)

Keine Meisterwerke in der heutigen Pressebildauswahl. Besonders angetan hat’s uns aber, neben den wunderbaren Farben des Vulkanausbruchs auf Galapagos, der Mut des koreanischen AP-Korrespondenten, eine Kerzenlicht-Demo aus der Hochhaus-Übersicht zu zeigen – der Versuch hätte auch scheitern und ihn viel Zeit kosten können. Die Dämmerungsaufnahme ist ein aussergewöhnlich attraktives Newsbild, der Ausschnitt erinnert an Gursky oder Chris Jordan.

In der Rubrik “24 Stunden” veröffentlichen wir die besten drei bis fünf Pressebilder aus den vergangenen 24 Stunden, ausgewählt nur nach fotografischen Kriterien.

 

Außerirdisch schöne BilderMars, dreidimensional

Landschaftsfotografie vom Mars: Die europäische Sonde Mars-Express liefert schon über vier Jahre außerirdisch schöne Bilder vom Roten Planeten – dreidimensional.

Das glückliche Gesicht vom Mars: Krater Galle (© ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum))

Das glückliche Gesicht vom Mars: Krater Galle (© ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum))


Das glückliche Gesicht des Mars: Krater Galle (© ESA / DLR / FU Berlin- G. Neukum) Zur Bildgalerie

Zwar fotografiert Mars-Express im Dienst der Wissenschaft – nämlich der europäischen Raumfahrt-Agentur ESA. Aber das verhindert die Schönheit nicht, wie unsere kleine Galerie zeigt. Mit einer hochauflösenden Stereo-Kamera wird die Mars-Oberfläche fotografiert und am Computer entstehen daraus räumliche Bilder.

Die Stereo-Kamera mit neun Augen soll eine vollständige Kartografie des Planeten mit zehn Metern Auflösung erstellen. Einzelne Regionen sollen sogar mit einer Präzision von knapp zwei Metern festgehalten werden. Wenn das mal fertig ist, wär das was für ein künftiges “Google Mars” – ganz ohne juristische Probleme mit erkennbaren Menschen in ihren Vorgärten… Mars-Express war es auch, die Anfang 2004 Wasservorkommen auf dem Mars sicher festgestellt hatte:

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24 Stunden:
Physiotherapie im Sudan


Juba, Sudan; Riehen, Schweiz; St. Andrews, Schottland; Athen, Griechenland. -> Bildgalerie (Bilder Keystone)

In der Rubrik “24 Stunden” veröffentlichen wir die besten drei bis fünf Pressebilder aus den vergangenen 24 Stunden, ausgewählt nach rein fotografischen Kriterien.

 

Zerschossenes Peace-Auto:
Zusammenhänge zeigen

Was für den Fotografen klar ist, weil er am Ort der Aufnahme war, muss sich dem Betrachter seines Bildes nicht unbedingt erschliessen. Dies ist so ein Beispiel, in welchem die Aussage ohne Worte stärker hätte rübergebracht werden können.

Florian Ullbrich - Schiessplatz

Florian Ullbrich - Schiessplatz


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Florian Ullbrich). – Nikon D70 – 1/125s – f/11 – ISO 400 – 18mm (27mm)

Kommentar des Fotografen:

Dieses demolierte Auto befand sich auf einer Schießbahn. Mein Auge wurde sofort von dem ironischen Kontrast zwischen den Einschusslöchern und dem “Peace” Zeichen angezogen.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Florian Ullbrich:

Häufig passiert es uns, dass wir einen großartigen Moment sehen und fotografieren und später, wenn wir das Foto auf dem Bildschirm sehen oder als Abzug in der Hand halten, die Szene weit weniger spektakulär ist, als wir in Erinnerung haben:

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